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Israelitische Wochenschrift · 1892-12-16 · 51 (16.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
51 (16.12.1892)
Date
1892-12-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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*erlegen und stellt«: sich unter stürmischer Heiterkeit vor. Durch Zurufe auS der Bcrsammlung gedrängt, mußte - sich «uch der andere Herr, iDrgelbauer Giesecke, vorstellen. Al» aber L. v. S. sich all Dritter anschließen wollte, wies ihn Dr. I. spöttisch zurück. ״Sie, mein lieber Mann, zählen nicht mit: denn wenn Sie auch schon dreimal mit der Bahn zugereist gekommen sind, sind Sie doch noch lange kein Güttinger. (Bravo) Als», m. H., es giebt, wie ich hiermit konstatirr. inGütting:» nur zwei Antisemiten, na, und mit denen will ich schon fertig werden. ״An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Darauf kommt es an. Auf »ie herrlichen Grundsätze unserer Sittenlehre lege ich also gar nicht das übergroße Gewicht: jede Religion hat solche, selbs: der Talmud, wie sogar Stöcker zugegeben hat und n«nn Stöcker es sagt, dann — (Zuruf: daun muß es wahr jecnl). Nein, m. H״ das wollen wir doch nicht so schroff hinstrllen, dann könnte es beinahe wahr fern. (Stürmisihe Heiterkeit!) Arbeiten wir nur jeder in seinem Streife, daß wir die Probe auShalten können auf die Untersuchung: ״An ihren Früchten sollt chr sie erkennen," so wird diese, so «erden alle sozialen Fragen gelöst." — Tosende« Beifallklatschen und akademisches Trampeln konstatirte eine glättende Abfuhr. Herr L. cijjofi sich zur Widerlegung, gestand verlegen zu. daß er sich in uianchen Dingen geirrt, — wenn es auch stark sei, seinen ganj^n Bortrag eine einzige Unrichtigkeit zu nennen. Tr tadelte hestig seine Berliner Parteigenoffen, die hier eia, in der Th at falsches Flugblatt verbreitet hätten, deffen Unrichtigkeiten er zugeben müsse. Seine weiteren Ausführungen, wurden durch den Slockenschlag zwölf abgebrochen, »ad unter ironisckun Zurufe» mußte er versprechen, einen zweiten Bortrag in G. zu halten, indem er Herrn Dr. I. widerlegen wolle. Da« war die regulaire Abfuhr des Herrn Reichstags- Abgeordneten L. v. S. im Stadtpark zu 06. am 3. Dez. le>92. Sie ist hier fortdaucrnd allgemeines Gespräch, und jetzt kragt man sich überall, wie dieser Flachkopf, gegen den hier schon Professoren vergeblich austraten, so lauge sein Unwesen treiben konnte. Die Sache hatte aber noch ein kleines Nachspiel. Am nächsten Tage (Sonntag) warBersammlung in Münden und, was Herrn L. v. S. vielleicht zum ersten Male passirt ist, Herr Dr. I. war ihm nachgefahren, um sofort ״etwaige Unnchtigkeiten* über kie gestrige Bersammlung festzustellen. L. ». S. war wieder iu der That unklug genug davon zu sprechen. Lr redete drei Stur den über ein anderes Thema, und jeder andere Redner erhä lt das Wort nur auf & Minuten. Diese v Minuten genügten Dr. I, Herrn L. v. S. mit derselben seinen. Ironie vollkommen platt zu drücken, so daß Hm: L. konstatirte: ״Herr Dr. I. sei ihm allerdings gestern mit Sachkenntniß und Ruhe entgegen getreten, die er. noch an keinem Gegner gefunden habe. Er werde, wenn es ihm irgend möglich sei, wiede!: nach G. komme» und Herrn Dr. A widerlegen." (»Aker über den TalmudI" ries ihm Dr. I. noch zu.) Tarlüffe «nd — Jesutte». Bon L-cndrobbtner Dr. D essankr-MrinIngrn. Der: s«lsch«1 Helden gleich sind jene falsche» Fromme», St» Mihrhaf» tapferer ME verfolgt der «hre «ahn : «ie? SeV» fi« denn nicht rin. dag sehr verschteden sei Di« eite Frömmigkeit von bloßer Frömmelei? (Molisre Tart. l., 6.) Sagten monck« Juden zu manchen Stonservativen von Hute dreist und sieimüthig: ״Ihr seid Pharisäer und Heuchler״, wie chr« Bäler von neutestamentlichen Aposteln unzureffend bezeichnet wurden: wie hoch gingen da nicht di« Wogen der EntrSstung über di« vermeintliche ,semitische Unverfrorenheit", die den Spieß umdrehe» und nun das Stigma der pharisäischen Heuchelei der auerchristlichstea der Politischen Partheien auf die Stirne drücken möchte. Oder wenn manche Starholikc» klar und folgerichtig ihnen zuriefen: Wie? Ihr entsetzt Euch oder heuchelt Entsetzen, so oft Ihr von den Jüngern Loyola'S, denen Ihr die Thür gewiesen und den-Wiedereintritt wehret, besonders von deren Verderb« lichstem Grundsätze: ,Der Zweck heiligt die Mittel, sprechet; und Ihr, habt Ihr nicht in letzter Zeit (Wahl Ahlwardt, Juden frage im Programm) buchstäblich nach diesem Grundsätze gehandelt? Oder ist dieser Satz nur in der Theorie so abscheulich, praktisch jedoch im politischen wie im sozialen Leben hin und wieder anwendbar? Wahrlich, die.Konservativen dürsten ob solchen Vergleichs ihrer sittlichen und religiösen Gesinnung mit der der Scheinheiligen, der Tartüffe, der ״Gefärbten" unter den Pharisäern gar verwunderlich staunen. Und doch haben sie jüngst bei der allerdings etwas schweren Geburt de- Bastards, der Judensiage im Parteiprogramm, bei der Wahl eine- Ehr» abschneiders, an der sich nicht nur der königliche Landrath, sondern auch viele andere Spitzen der frommen Partei de» »heiligten, und bei vielen sonstigen Gelegenheiten g zeigt, daß sie in praxi kein schlechtes Mittel venversen. w nn der Zweck es heiligt und gleich den Jüngern Loyola'S eS als eme Stleinigkeit erachten, GrwcfsenSskrupel zu beseitigen und mit christlichen Moralprinzipien sich gütlich abzufinde». Ad majorem Dei gloriam wird eine schlimme Handlung«- weise zu einer guten, ein strafwürdiges Individuum zu einem Heilsapostel gemacht. ״Wenn sich kein Hinderniß als nur der Himmel zeigt, das ist nicht schcimm, o, das beseitigen wir leicht." O Geist Loyola'S, wie magst Du vergnügt und seelenfroh auf diese Berderrlichung Deiner Prinzipien schauen und wunderst Dich nur, wie sie den Jüngern, die sich offen und ehrlich nach ׳Deinem Namen nennen, den Einlaß in ihr« Mitte versagen können; als ob es im großen deutschen Reiche aus eine Hand voll mehr oder »veniger ankäme, die dem praktischsten und schlauesten aller StaatSgrundsätze huldigt. Videant couaalea — darf man den konservativen Führern angesichts der Verwirrung aller sittlichen Begriff« und der antisemitischen Entstellung und Verdunkelung offenkuudiger wie schamloser Vorspiegelung falscher Tatsachen zurnfen. An solchem Fischen im Trüben scheint sich die fromme Par» thei fortan betheiligen zu wolle». Wie will man solche Moral mit der Christlichkeit im modernen Sinne vereinigen? Oder soll die Ehristlichkeit im mittelalterlichen Sinn«, mit Scheiterhaufen, Bannfluch, Raubund Mord, triumvhirrn? Al» die Israeliten aus Egypten zogen, schloß sich ihnen ei« unbequemer, stets unzufriedener Troß an, ein ungestümes lüsternes und begehrliches Gesindel, das dem Volke wie den Führern oft ungemein lästig und verderblich wurde. Sollten nicht auch die wirllich Gläubigen der sogen, christlichsten Parthci, die doch wohl dem Satze ibreS Meisters: ״An ihren Früchcen sollt Ihr sie erkennen", zustimmen, bald einsi-hen, wie lästig und verderblich ihnen der begehrliche, nach fremdem Eigenthume lüsterne, ehr- und schamlose Troß werden wich, wenn sie ihn nicht bald, sehr bald» bevor es zu spät ist, , von ihren Rockschvhen abschütteln? Diese täppischen und plumpen Skandalmacher und Lügenschmiede — und eine Parthei, die doch Gott und Glauben, König und Vaterland auf ihre Fahnen geschrieben, wie reimen sich so heterogenen Elemente zusammen? Laßt sie nur aufiodera, die BolkSleidenschast, die Gier, den Neid, die Antipathie gegen fremde» Bolksthum und fr«»-- den Glauben, den Chauvinismus einer irregelesteien Vaterlandsliebe, die kein höhere- Ziel als Fremdenhab kennt, und- Ihr werdet mit daran die Schuld wagen, wenn Eure ' ד■ durch Gottlosigkeit. Unglauben, Rechtlosigkest aber volution besudelt wird. Ta l'as voala! Bei / Differertjpnnkten darf« kein Paktirea und feü

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