Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 50 (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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in birfrm Letzteren jmer von L. bezeichnete Text gar nnht enthalten sei, und daß er deSk«lb nicht in der Äge sei, der Liebermann scheu Aufforderung nachzukommen. Herauf verließ Herr D. David den Saal, zumal nach diesen Vorgängen er keinerlei Veranlassung hatte, länger dazubleiben; Herr Liebermann v. Srmneuberg verfehlte nicht, jene durchaus berechtigte Weigerung de- Herrn Dr. David zu seinen (L.'s) Gunsten au-zubeuten und in der ihm eigenen Weise seine Bemerkungen zu machen. — Die sehr stürmisch verlaufene Versammlung wurde vom Vorsitzenden erst eine halbe Stunde nach Witternacht geschloffen. In Braunschweig und Güttingen hielt am 2. und 3. Dezember Herr L. v Sonnenberg ähnliche Vorträge, doch durch die hingen Vorgänge gewitzigt, hat man aus Furcht vor Widerlegung den Juden den Zutritt nicht gestattet. Z>ar»Kadt, I. De-emtxr. Auf eine Einladung des hessischen Ministernms findet hier in der nächsten Woche eine Versammlung von Rabbinern und besonderhinzugezogenen Personen zur Begutachtung eines vom Ministerium ausgearbeiteten Gesetzentwurfs über die rechtliche Stellung und die Verwaltung der israelitischen Gemeinden statt. Der Ent- Wurf bestimmt die Bildung eines OberrathS, dem die obere Leitung der religiösen Angelegenheiten der Israeliten des Großberzogthums und die Vertretung der israelitischen Religionsgesellschaft im Ganzen zusteht. Die Bildung von Robbinatsbezirkeu. die Anstellung von Lehrern und die Selbst- Verwaltung der einzelne» Gemeinden ist im Entwurf besonders berücksichtigt. Ara»tf»rt «. M. Im ״Verein für jüdische Geschickte und Literatur" sprach Herr Provinzialrabbiner Dr. L. Munk- Marburg, als erster Redner dieses Winterhalbjahres, über: ,Ackerbau und Handwerk unter den Juden in Vergangenheit und Gegenwart." Erwiderlegte durch Bibel - und Talmudstellen, geschichtliche Dokumrnte und statistische Angabrn den von antisemitischer Seite so unverdrossen erhobenen und wiederholten Vorwurf, als scheue der Jude die körperliche Arbeit. Im Gcgentheil: Palästina war'bis zur Zerstörung Jerusalems rin Agrikulturstaat, und die Phönizier dominirten allen Handel, obwohl keine Küste sich beffer als die Paläsiinenstsche zur Schifffahrt geeignet Hütte. Erst die Absperrung vom Grundbesitz und die Aus,chließung von ivn Haudwerler-Zünsteu, wie sie in der christlichen Zeit allmählich sich entwickelten, trieben die Juden zum Handrlszewert«. Seit der Aufhebung dieser Beschränkungen wendet sich die israelitische Bevölkerung auch wieder dem Ackerbau und der Gewerbthätigkeit zu. Die Ackerbaukolonien in Rußland, Palästina und Amerika zeigen eine gesunde Entwicklung. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Ivurzdurg. Es liegt uns der Rechenschaftsbericht über die israelitische Lehrbildungsanstalt in Würzburg für das 28. Jahr ihres Bestehens, vom Herrn Distriktsrabbiner 1 Nathan Bambcrgrr erstattet, vor. Der Bericht bietet unS ein erfreuliches Zeugniß von dem inneren und äußerenWachsthum der Anstalt. Sie wurde im verflossenen Jahr von 21 Zöglingen besucht, von denen 7 Unterricht, Wohnung, Beköstung, Heizung und ärztliche Behandlung in derselben unentgeltlich, 2 die Beköstigung ganz und 12 dieselbe theilwrise bezahlten. Im lausenden Schuljahr befinden sich 26 Zöglinge in der Anstalt. ES unterrichten an der Anstalt 3 Seminarlehrer, 8 Fachlehrer und 1 Präceptor. Eine eingehende Uebersicht de« im Seminar während des vergangenen Schuljahres behandelten Lehrstoffes ermöglicht uns einen Blick in die Thatigkeit der Anstalt. Die in letzter Zeit vielfach aufgetauchien «tagen üler die Unzulänglichkeit des hebräischen Wissens, womit l-er künftige Lehrer in den jüdischen @emi* narirn ansgestattet wird, müssen angesichts der in dem vorsiegenden Bericht verzeichnten Pensa in Religion an dieser Lehranstalt verstummen. Da ist v. a. im dritten Eötu« in Mischna: der 6. Bd. Absch. Kelim, im Talmud: Trar:at Evulin, de- 3. Abschnitt mit den meisten Toffaphot durchgenommen worden; auch Sefer hachinnuch zn« 3. n. Da« ist doch alles Mögliche. Wir wollen noch erwähnen, daß nach dem Bericht in umfangreichster Weif: für die Unter- Weisung in Musik gesorgt ist, dag der künftige Dorffchnllehrer auch mit der ,Geschichte der Landwirthschast. Bodenkunde und Düngerlehre, mit Obstbaum- und Thierzuchl" bekannt ge» macht wird. Auch an Lectionen über ״Gemeindeschreiberei" fehlt es nicht, dem Nützlichkeit-Prinzip wird somit in aus» ~ ' ־• ** ־־־"־־־־'׳׳־*-'* r--v . . An jährlichen und einmaligen Beiträgen gingen im »ergangenen Jahre 15612 Mk. ein. Die Gesammt-Einnahme» bezifferten sich auf Mt. 18 583,19. Dir Ausgaben auf Mk. 18 320,89. Das Gesammtvermögen der Anstalt betrug Mk. 56 037,73. In den 28 Jahren ihre- Bestehens wurden 241 Züg» linge ausgebildet und in die Praxis entlassen! ירבו p In Württemberg regen sich Stimmen in der Presse,, welche eine Reform der bisherigen Organisation der Rabbinatsbezirke fordern. Durch Ministerialverfügung vom 3. August 1832 wurde nämlich ganz Württemberg in 13 Rabbinatsbezirke eingetheilt, von denen im Laufe der Zät Berlichingen, Buttenhausen und Freudenthal weggefallen sind, wogegen ein Rabbinat Ulm gegründet und der Sitz des Rabbinats Jeden- Hausen nach Güppingcu, der de« Rabbinats LehrensteinSseld nach Heilbronn verlegt wurde. Die Zahl der Israeliten des Landes hat sich seit jencr Zeit kaum vermehrt, dagegen haben sich die BevülkeruugSverhältnisse vollständig verschoben» so daß es vielfach vorkommt, daß der Rabbinatssig die kleinste jüd. Gemeinde im RabbinatSbezirk hat. Tvmit hängt esauch zusammen, daß eine Urberzahl an Rabbinatssitzen sich herausgestellt hat. die durch die erleichterten Verkehrswege ohnehin an Notwendigkeit verloren haben. Eine Neueiutheilung der Rabbinatsbezirke ist darum ein dringendes Ersorderniß, und hierbei sollten vor allem diejenigen Lrt« berücksichtigt werden, welche höhere Lehranstalten besitzen und dadurch der Wirksamkeit eines akademisch gebildeten Rabbinen ein große« und segensreiche« Feld bieten. Diese Eintheilung würde sich etwa solgendermaßen zu gestalten haben: 1. Stuttgart. 2״ Sann statt mit Ludwigsburg, Freudenthal, Hochberg. Eßlingen und einem Lehrauftrag für die jüd. SchulamtSzöglrnge am dortigen Seminar. 3. Heilbronn mit dem bisherigen Bezirk. 4. Mergentheim mit dem bisher. rUezirk und dem bisher, Rabbinattbezcrk Werkersyeim. 5. Hall (der bisherig« Bezirk BraunSbach). 6. Ellmangen (der bisherige Rabbinatsbezirk Oberdorf), 7. Ulm mit Laupheim und Buchau. 8. Göppingen mit Buttenhausen, S Tübingen (der bisherige RabbinatSbezirk Mühlingen) ev. mit einem!Lehrauftrag zur Hecanbildung württemb. jüd. Theologen. Durch ein« derarttge Eintheilung würden dieÄehaltsverhältnisse der württ.Rabbinen. die in bedauerlichem Rückstände geblieben sind, wesenttich gehoben werden können; es wäre aber auch di« Möglichkeit vorhanden, einem augenblicklich in ganz Deutschland sich geltend machenden Bestreben Rechnung zu tragen und sämmttiche Radbinatsstellen mit einheimischen Kräften zu besetzen. Nie», 6. Dezember Die vereinigte Linke richtete beute eine Anfrage an den Ministerpräsidenten wegen der Hetzerischen Reden der Anttsemiten in öffentlichen iSrrsammlungen. Bä der jüngsten Versammlung deberüchtigten Abgeordnete« Schneider brach die aufgrhetzte Meng« in die Ruse aus: ״Hängt die Juden, schlagt sie tobt, in« Waffer mit chnen!" Prinz Lichtenstein forderte in einer von 2000 Menschen besuchten Versammlung auf, den Juden dieSundschaft zu entziehen und nur bei Lhnsteu zu kaufen. Die anwesenden Regierungsoertreter schritten nicht ein. E« gewinnt hiernach den Anschein, daß den antisemitischen Verhetzungen durch behördliche Organe sogar Vorschub geleistet werde Die Interpellanten fragen, wie die Regiecung ein solches Borgehen chrrr Organe rechffertigen könne und was sie zu thun