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Israelitische Wochenschrift · 1892-12-09 · 50 (9.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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widerlegt werden, dann glaubt dat Bott, er hätte Recht. Ander» bestattet sich jedoch die Sache, wenn von kundiger Seite» sec r» in der Versammlung selbst, sei e» in der Orböpresse, den antisemitischen Lügen an der Hand von wirklich historischem Material energisch entgegengetreten wird. Gelingt e» auch dann nicht, alle Zuhürer!»der Leser von der Un- Wahrheit jener Behauptungen zu übeizeugen, so werden doch wenigsten» di« Einsichtigem im Bold: eine» Bessern belehrt, wa» schon als ein großer Gewinn zu betrachten ist. Denn die Erfahrung lehrt, daß über keinen Gegenstand sich Boruriheile so leicht ststsetzen und so schwer auszurotten sind, al» gerade über Juden und Judenthum. Wer ist aber, frage ich wiederum, am meisten dazu berustu, fttr di« Jntereffen de» Judenthum» in die Schranken zu trete», wenn nicht die geistigen Führer des Bolle»? Man muh indessen bebend n, daß auch diese, wenn anch au« meisten derusen, nur dann als auserwählt zu betrachten sind, wenn sie über ein gediegenes historisches Wissen verfügen. Ist dieses nicht der Fall, dann ist es besser, sie halten sich von solchen Bersammtungen, und ganz besonders von Preßerürterungrn fern weil sie sonst mehr schaden als nützen könnten. Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende. Wie Sie sich zu denselben auch stellen mögen, so viel glaube ich annehmen zu dürfen, dah Sie mir ObjectivilLt in der Be- Handlung dieses schwierigen Thema's nicht absprechen werden. Jnwiestrn jedoch die von mir gemachten BorschlLge praktisch durchführbar sind oder nicht, das zu beurtheilrn muß ich Ihnen überlassen. Berichte und Correspoudeuzen. M«gde*»rg, S December -Der jetzt veröffentlichte Entwurf des lang berachenen revidirten Programms der Konservativen enthält in seinen 15 Punkten nur einen, der uns interessirt, die Einfügung der antisemitischen Elausrl: »Wir bekSmpjen den vielfach sich verdrängende» und zersetzenden jüdischen Einfluß aus unser Volksleben. Wir verlangen skr da» christlich« Bolk eine christliche Obrigkeit und christliche Lehrer für christliche Kchkler. Wir ver»erse» dt« Ausschreitungen des Antisemitismus." Die ״Magd. Atg." sagt mit Recht, dieser Feigenblatt- Antisemitismus arbeitet nur dem Radau- und Raren- Äntisemismus in die Hand. — Wenn es dafür noch eines Beweises bedarf, so g> »ügt wohl der Hinweis auf die Unterstützang der Wahl des größten Radau-Antisemiten Ahlwardt durch die Kousnvati in im ArnSwalder Kreise an deren Spitze der Landrach, der Geistliche und der Seminardirector «arschirten. Der gan,ze Ahlwardtprozeß hat eS für den, der es noch nicht wußte, klar gelegt, daß die konservative Junker- Partei ganz und gar antiscmitisch durchseucht ist. V. Aerkm. 4. December. (Or.^Lor.) Gestern hat Herr Rabbiner Dr. Weiße ouS Dessau nochmals hier zur Probe gepredigt. Wir enthalten uns jede» Urtheils übcr die Predigten de» jugendlichen Redner», die je vom Standpunkt äud Sitzplatz) dä Hörers verschiedentlich beurtheilt wurden. ailche fanden sogar die etwas fremdländische Accentuirung mancher Worte interessant. Rach de» ״berühmten Musternder letzten Rabbinerwaylen ist die wiederholte Zulaffuag zur Probepredigt rin günstiges Vorzeichen für die Wahl de« Kandidaten. Die klein,: aber rührig« Schaar seiner Anhänger läßt darum heute schon verbreiten, daß dieselbe bereits erfolgt sei. ״So bleibt denn die gerühmte Befähigung der deutschen Rabbiner? — fragte mich mein Nachbar — eignet sich nicht ei« einziger von ihnen zum fünften Rad am Berliner Rabbinatswagen? Da diese Frage von sehr Bielen in der Gemeinde und auäwärt» gethai, werde« dürste, so sei zur Ehre de» deutschen Ravbiuerstaode» auf dstThatsache hingewiesen, daß von den älteren und tedeutrnderrn deutschen Rablnuern, die in ihren Gemeinden sich, ewgelebt, keiner den Ehrgeiz hatte, sich u» diese, obendrem zu mtich schlecht dotirte, Hilfsprediger- «ab Religion»lehrrrstet.« zu bewerben. L. F. 4mmni. (Or -Cor.) Frritig, den 28. Noo^ hielt der Reichstagsabgeordnete Herr Lieber mann »1 Sonnenberg im hiesig. Palmengarten einen Bortrag üb da» Thema: .Wie verträgt sich die Moral de» Talmntz mit dem deutschen StaatSbürgerrrcht." Der Bortraa watH sehr zahlreich beucht, vorzugsweise waren HandlungSgehülst« f und Schüler anwestnd, letzter« sowohl aus den beiden Hoch-' schulen als au» den oberen Klassen der Gymnasien unfc; höheren Bürgerschulen. Der Vortragende, der nach seiner^ eigenen Angabe ungefähr 4VÜ Borträg« seit vorigem Jabre^ gehalten, verstand durch seine bekannten Witze und Er-s zählungen über Abgeordnete anderer Fraktionen, sowie über^ Eigenthünilichkeiten von Juden und dcrgl. mehr, stinPubli-Ä kum fast drei Stunden lang zu fefleln, auch auf provocirte Zwischenrust einzugchen Das Thema selber behandelte der Redner in der Weise, daß er Bruchstücke auS dem JustuS'schm ־ ״Judenspstgel" und besonders aus dem bekannten talmuvstind^ i lichen Schriften Rohlings als Inhalt de» Talmud» wieder^ gab, dabei zugebend, daß er stlbst den Talmud nicht kenne; am Ende der Rede kam er zu dem Schlüsse, daß die Moral de» Talmud» mit dem deutschen StaatSbürgerrrcht in Wider- ׳ spruch stehe. Im großen Ganzen brachte der Vertrag nicht». Anderes als das schon Bekannte, zumal Liebermann üba-tz da» gleichlautende Thema schon in vielen Städten gesprochen. ■י Dieser Bortrag war nur in so fern von besonderem Interim« als er dem mitanwestndru Rcligionslehrer Herrn Dr. E. Davi b^ von hier Anlaß gab, die schon so oft wiederholten Ang griffe der Antisemiten auf den Talmud in einer länge«» " Rede einer geradezu vernichtenden Kritik zu unterziehen. Herr Dr. David führte ungefähr folgendes aus: M. H.l Eine bekannter deutscher Spruch an einem bekannte» deutschen Rathhause lautet: ״Eine» Manne» Rede ist (eine# Mannes Rede, man soll sie billig hören Beede". Ich b» überzeugt, daß auch Sie diesem Grundsätze der Gerechtigkeit huldige« und das giebt mir den Math, Ihre Ausdauer, nach-; j dem Sie bereit» einen drecstündigea Vortrag angehört haben»a einige Augenblicke auch noch für mich in Anspruch zu nehme». I M. H. Glauben Sie nicht, daß ich hierher glommen bin, um <1 bst Juden zu vertheidigen. Wenn es unter den Jude» Spitz») buben, Betrüger, Wucherer gibt, dann ״schlaget sie; hänget s sie, mordet sie", dann (affet die ganz« Strenge de» Gesetze» ׳' gegen sie walten. Nur dürfet Ihr'nicht deq Fehler begehe» - für dst Ausschreitungen Einzelner die Gejammthect veraatwörtlich zu machen. Uebrigen» ist, leiläufig bemerkt, uachl dem Ausweist der Kriminal- und Morrlstatistik in den meiste», Kategorien der Ber brechen der Prozentsatz der Jude» ei»! verhältnißmäßig geringer. Meine Aufgabe ist e« jedoch! nur, dst Anklagen gegen unse« Religion und inSbesoadaes dst Verunglimpfungen der Talmudmvral, wst sie heute hie» laut grworoen sind, abzuwehren. Ich werde darum d«e all»? gemeinen Ausführungen der Rede de» Herrn ». Sounenbeeg^ außer Betracht lassen und mich nur aus diejenigen eutlaffe dst dst Talmudstage betreffen. M. H. Ich muß Herr» v. ( das Lompliment machen, daß er Humor- und geistvoll «den versteht. Er hat sein« Rede rcichlich mst Witzen unb] Anekdoten gespickt. Allein Witze und Anekdoten uns ״ Kamellensind noch keine Beweis«. Bo» wannen kommt aber den» stme Wissenschaft über dm Talmud? Darüb hat er uns nicht im Unklaren gelaffen. Er citirte sortwähr Stellen au» dm Schriften des ^cof. Rohling. M. H. erkläre hiermit feierlichst und ich bitte die« genau zu pro« liren: ,Lsch, Dr David in Hannover, bezichtige den Professor Kanonikus August Rohnng in P:ag des Meineid» u»b1 grober Fälschungen.- (Hört!) M. H. Glaube» Sst nu' daß ich der Erst« bin, der dstsr schwe« Anschuloigung R. ausspricht. Bor wenigen Tagen eifft ist ein« wisjmsö liebe Schrift des Dr. tbeoL et phii , Proseffors der I logst an der UmversitLt zu Berlin, Hermann 2. @tt«j erichstnm. I« dieser Schrift (La Blmaderglaube v» d Mmschheü x. ».Lust. Mü-chea ISi».) echebt er «ugf LF

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