Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 50 (9.12.1892)
- Date
- 1892-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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& Ht «t W« richtigen und zweekdierllichen Mittel kommt et beim £־■ Selbststudium sehr viel au. Line» der uuentbehrlichsttn Mittel zur Erlernung einer fremden Sprache ist aber die Gram matik dieser Sprache, »lein gerade beim Studium eine« der schwierigsten Idiome, Cimlich de« Rabbiuischen, wird in den Lehrerseminaren auf die betreffende Grammatik nur sehr wen io oder gar feir f Gewicht gelegt Soll also im Seminare eine Grundlage für di« Fonbildung der Zöglinge geschaffen werden, so wird man der chaldäischen und rruhebrüischen Grammatik, au« denen di« rabbivischr eigentlich besteht, einen selbstständigen Platz »eben der hebräischen einräumrn müffen. — Hat der Schüler erst die Grundzüge der betretenden Grammatik inne, dann wird die Lektüre de« Rabbinischen bei noch so geringer Stundenzahl weit fruchtbarer werden, als sie nach der alten Wechode bei einem grvßein Zeitaufwand« werden könnte. Man wird vielleicht dagegen rinwenden, daß auch in dem alten Beth-Hamidrasch die Grammatik nicht gelehrt wurde, und daß trotzdem weit größere Talmudkenner au« demselben hervorgegaugen sind als au« den modernen Rabbiner» leminarien. Man muß jedoch bedenken, daß die Schüler jener Zeittn, von keinem andern Studium in Anspruch ge- * nvmmen, ihre Repetitionen in» Ungeheuerliche steigern konnten. Sie richteten sich vielfach nach dem Au«spruch unserer Weisen: אינו תמה שונה פרקו ק־ פעמים לשוגה שרקו סאה פעמיש וי«דורו ,®« ist durchaus nicht gleichwenhig, ob man einen Abschnitt hundert oder Hunde« und ein Mal wiederholt.' — Wo soll ober der modnne Talmudschüler, der so viele und so verschiedenartige Fächer zu bewältigen hat, die Zeit dernehmen, um solche ausgedehnte Repetitionen vorzunehmen? Hier muß dieMetbode helfend eingreifen. Und dieseMethode wird ihm einst bei seinemWeiterstudrum di« trefflichsten Dienste leisten. Wa« nuu da« zweite Moment, die Verwendbarkeit de« rabbiuischen Wissen« im Schul» und Gemeindedirnst anbelangt, so wäre t» allerdings zu wünschen, daß der Tandidat mit möglichst auSgrbrcittten Kenntnissen auf diesem Gebirtt ausgerüstet sei, und zwar au« Gründen, die ich bereits in der Einleitung zu diesem Bottrage besprochen habe; allein es darf dabei nicht übersehen werden, daß wir hier nur von einem Minimalmaße von Kenntnissen sprechen dürfen; des» halb sei es gestattet, dasselbe in Folgendem zu präcisiren: 1. Der angehende Lehrer muß irn Stande sein, den Naschi-Lommentar zu übersetzen und sachgemäß zu erklären. 2. Er soll einen Bottrag au« einem leichtgeschnebrnen robbinischrn Buche homiletischen oder ethischen Inhalt» halten Hanen. 3. Er soll befähigt sein, im Orach Ehajim die wichtigsten Borschiisten, die sich aus den EultuS u s. w. beziehen, auszusuchen und richtig zu interpretireu. Ich glaube, wenn jeder EultuSbeamte dieses rabbinische Wissen besitzt, dann wird er nicht nur in jeder Gemeinde fettig werden, sondern auch im Stande sein, gewisse Angriffe, die von jüdischer sowohl al« von gegnerischer Seite gegen da« tabdinische Iudemhom gerichtet werden, mit Erfolg at^uwehren. Ach sage mit Vorbedacht ».gewisse Angnffe", denn ich weiß sehr wohl, daß um alle Angriffe widerlegen zu können, ein >. tiefere« theologische« Wissen erforderlich ist. 3. Eine nicht minder wichtige Frage al« die in Bettest' de« hebräischen Wissen« ist diejenige, welche die Ausbildung .des jüdischen Lehm« in den Religionswissenschaften L!*trifft. Fragen wir un« zunächst: Wo« soll der i-r. Lehrer an Wissen in der Religionelehre besitzen? Ich glaube; m. H, daß Sie mit mir üdereinstimmen werden, daß e« bei den Orgrnwärtigen Beihältuiffen nicht genügt, wenn ein Religion«» lehrer -war die Glauben«- und Wichttnlehrr inne hat, aber NM i« Stande ist, den!iiehriuhalt de« Judentham« mit dem modernen Zertbewußstein in Einklang zu dringen. Wie könntt ein sotchrr Lehrer dnspieKwrise eine« philosophisch EbUdeten Zweifler gegenüber dir Wahrheiten de» Jndenthum« ästig und mit Erfolg vertheidrgen? Heißt es dach schon i.. in den Sprüchen der Bäter: ,Wisse, wa« D» dem Sptf&tder antworten sollstl' Allerding« wird man vielleicht erwidern, ist die Forderung einer gründlicherr! philosophischen Durch, bildung der Relrgionslehrer wohl berechtigt, allein wie ist diese bei der mangelhaften Vorbildung der Seminarinen zn bewerkstelligen? Hieraus läßt sich jedoch Folgendes erwidern: In jedem Lehrerseminar wird bekonntluh Pivchologie als Hilfswissenschaft der Pädagogik gelehrt. Hierbei läßt es sich kaum umgehen, den Zöglingen die Elemente der Logik beiz» bringen. Wer aber diese begriffen hat, der wird auch u» Stande sein, eine religionS-philosophische Auseinandersetzung zu begreifen. Zudem gebt ja die Forderung gar nicht so hoch, daß der angehende Lehrer etwa zum Philosophen herangebildet werden sollte. E« wird zu dem angegebenen Zwecke genüge», wenn derselbe die Fähigkeit besitzt, die in den religions» philosophischen Werken älterer und reuerer Zeit enthaltenen Argumente für die Wahrheiten de- Jubenthums in gedankenmäßiger Form und überzeugender Klarheit voczutragen. 4. Der letzte Gegenstand meiner Betrachtung ist die jüdische Geschichte, worunter ich sowohl die biblische, als die nachbiblische Geschichte verstehe. In Anbetracht der Wichtig» teil diese» Fache» gebührte ihin eigentlich eine ausführlichere Behandlung. Allein mit Rücksicht aus die umfangreiche Tages» »rdnung unserer Eonferenz will ich mich ku,z fasten. Göthe sagte einmal: ״Da« Beste an der Geschichte ist die Begeisterung, die sie hervorbringl.' Gilt diese» Sott schon von der Universalgeschichte, um wie viel mehr von der Nationalgeschichte eine» Volkes. Soll nun der isr. Lehrer für dir idealen Güter seine» Stamme« begeistern sein, dann muß er auch mit der Geschichte dieses Stammes und seiner idealen Güter vertraut sein. Hier׳ au« folgt dir consequeni« Forderung, daß der Lehrer sowohl die politische al« dir Literalargeschichte de« Judenthum« in einem gewissen Sinne beherrschen soll. Allein zu diesem Zwecke reicht die bloße Durcharbeitung rine« trocknen Leitfaden» bei weitem nicht au«. Der Lehrer muß vielmehr die unvergleichliche, einen Zeitraum von mehr al« 3'/, Jahttuusrnde umfassend« Äeschichtt seine«» Volke« im Zusammenhang und eingehend studitt und di: Meisterwerke seiner Literatur, wenn auch zumeist nur ia Uebf־.׳ff(}unf}en und Auszügen, kennen gelernt haben. Allerdings gehört zu einem solchen Studium viel Zeit; bedenkt man aber, daß eine gründliche Krnnkniß der jüdischen Geschichte und Literatur auch für andere Gebiete der Religionswissenschaften fast unentbehrlich ist, dann wird man diesrn Mehraufwand von Zeit und Mühe als recht nutzbringend ansehe,׳. Aber auch der praktische Nutzen, den eine tiefe« lÄeschichtS» kenntniß dem israelitischen Lehrer zu bnnzen vermag, ist durchaus nicht zu unterschätzen. E» wird wohl zunächst ge» aügen, auf die Thatsache hinzuweisen, daß in vielen «emeinden da« Stteben sich geltend macht, Vereine für jüd. Geschichte und Literatur in- Leben zu rufen, und daß in einigen Gemeinden solche Vereine bereit« segensreich wirten. Wie'nachtheilig müßte es für den Lehrer sein, wenn er nicht im Stande wä«, häufiger einen Vortrag in anziehender Form und lehrreichen Inhaltezu halttul Allerdings braucht» solche Vorträge nicht immer gerade auf Quellenstudien zu berufe». Allein schon zur richtigen Gruppirung de« Stoffe«, ui einer pragmatischen Darstellung von Ereignissen und Katastrophen, sowie zur gerechten Würdigung von Personen und literarischenProdukten gehött gründliche Geschicht-kenntniß. Auch nach einer andern Seit« hin ist die Kram »iß der jüdischen Geschichte und Literatur für den Lehrer von großer Wichtigkeit. Bekanntlich tteibeo dir modernen Judenfeinde arge GeschichtS» sälschung. um den Nachweis zu führe«, daß die Verfolgungen der Jude» im Mittelalter berechtigte Folgen der von ihH« vrrübttn Verbrechen gewesen seien. Tritt nun so ei« antisemitischer Bolktreduer mit s Behauptungen anj^oho« daß diesttven «8'