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Israelitische Wochenschrift · 1892-12-09 · 50 (9.12.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
50 (9.12.1892)
Date
1892-12-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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gen Adlest« wichtig Ke» und hochiatelligente» Thnle« der Bvvötkerung sich ei» Urchcil zu bilde«. Da ist rin Bekenntnis, wie da« des großen Schlachtendenkrrs auch derneqen lclurrich. weil es zeigt, daß nicht bei allen Offizieren die kirchliche Rechtgläubigkrit waltet. Uud Moltke war eine tief rrkigiös« Statur, er hat etwa nicht, weil er sich nur um miliiärisch« und politische Fragen dekümmerte, dir Religion ott ein Gleichgiltiges bei Seite geschoben, sondein einem tiefreligiüsrn Drang« nachgebend, hat er sich von dem offiziellen Kirchemhum und Dogmenglauben entfernt. Vor» dieser religiü« freien Gesinnung de« autgezeich neren Manne« hat man bei Lebzeiten destelben nicht« ge- »ußt, e« ist im Gegentheil in den siebziger Jahren von der ersten Kanzel de« protestantischen Deutschland« durch einen orthodoxen Hofprediger verkündet worden ״Moltke glaubt", da« sollte doch so viel heißen, a>« er stehe auf dem Boden der Orthodoxie; in Wahrheit stand er dem Hrn. v. Egidy religiü« sehr nahe und es läßt sich annrhmen, daß so gut wie M oltke streng r-anarchische und politisch konservative Gesinnung mit religiösem Frcisinn zu ve׳einigen gewußt hat, auch sonst in der Armee die religiüse Ausllärung viel Anklang findet. In der That ist jene; Bündniß zwischen dem Thron und der Orthodoxie, welche« in den fünfziger Jahren die Kirchlichen empfohlen habe», heute der Orthodoxie nützlicher als drin Throne Die Monarchie Hai bei un« in Deutschland so feste Wurzeln im Volke, daß sie sich selbst vertrauen darf, daß sie sich weder an den Ael noch an die Kirche zu lehnen braucht. Egily erweist sich als eiu praktischer Mann, wenn er in sruur neuesten Schrift nicht undeutlich dem Kaiser die religiöse Reform anemvfiehlt. Auch in der religiösen Reform ist kein Erfolg in Deutschland zu erzielen gegen den Kaiser oder selbst nur ohne den Kaiser. 8. R. Priese aas Kalijisn. H. Boa dem geistigen Leben Galiziens gilt dasselbe, was von der geistigen Entwickelung des Judeuthum» auch an anderen Orten zu sagen ist. Die unerquickliche und ermüdende Arbeit der Abwehr gegen di« unaufhörlichen Angriffe unserer Gegner zehrt an dem Marke unserer Intelligenz und die besten t dern der edelsten Geiiicr sind »»willig in den Dienst dieser «iyphusarbeit gestellt. Reichlich neun Zehntel der zeitgendssiichen Lttrratur ist apolrgrtischen Inhalt« und da-Jntrresse für rein wissrnschartliche Forschungen ist bedenklich erkaltet. In ganz Galizien erscheint kein jüdiichen Interessen gewidmetes Wochenblatt und da« alle 14 Tage erscheinende Organ de« Berrins ,Schomer Israel", welcher einst eine bedeutende Rolle gespielt hat, siecht an der Theilnahmslosigkeit de« Publikums dahin. An Bereinen für di« Wissenschaft des Judenthums «angelt eS gänzlich, die Bestrrbungeo der Zioni׳!«» zur Hebung brr hebräischen Sprache bieten keinenE»sotz hierfür. Die Reformarbeit in der Mitte unsere» Jahrhundert« war hier von Männern grtragen, die mit dem Geiste eine« Rappaport, Kroch mal, Mieses etr. erfüllt waren: Aerzte, Advokaten und Kuuflcute versenkten sich in das Studium jeder neuen Erscheinung auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur und ttotz der «eiten Entfernung fühlte man sich mit dem Westen auf« «ngste verknüpft. Die nationale Erziehung der Jugrud hat leider da« religiöse Empfinden stark zurückgedrängt und die zum größten Theil mißglückten Versuche der Assimilation baten!,u einem bedauerlichen Jadifferentismu« gegen die wissenchastlichen Bestrebungen im Judenthum geführt. Der Zustand »st dem ähnlich der >n Deutschland vor der Gründung de« Radtnuerfeminar« in Bnslau geherrscht htt uud es ist kern Zweier, daß auch hwr durch d.c Errichtung einer Hochschule für Theologe», eiu W»edr»aujl«bra der jüdrscheu Wissenschaft I bewirkt werde« «ächte. Da«, neue Rabdimrseminar' kann u n « in dieftr Beziehung keine Abhilfe bringen, denn n> dem gegenwärtigen Stand« der Dinge können nur diejeniq | Eondidaten auf Verwendung im Lande rechnen, diederpolnisck > Sprache vollständig mächtig und uuter Berücksichtigung der^- galizischen Verhältnisse erzogen uud ausgebildet worv7n sind. $ j Die zukünftigen Rabbiner Ärlizien« müffen in einer so streng 1! konservativen Richtung unter Wahrung von gewifieu charn^H teristischen Aeußerlichbntcn herangebildet werden, wir die« in keinem Seminar außerhalb Galiziens möglich wäre Es mag ' absurd klingen, aber es ist doch wahr: mit einigen wenige» Ausnahmen wie Lemberg. Krakau, Tarnopol rc. wird; noch in SO Jahren kein Plato und Aristoteles lesender Rabbiner angrstellt werden, wenn er nicht ohne Unterbrechung Gelte«- locken und einen langen Rock gettagea haben wir». Er ivird ein Doclor der Philoiophie sein dürfen, aber äußerlich wird er noch sehr, sehr lange an den uralten Rabbinertypus erinnern müssen. Und wir halten die« dnrchau« für kein Uaglück, denn um Licht in die Finstcrniß zu bringen, darf man vor keinem zwrckentfprechenden Mittel zurückschreckrn. D«׳ von dem Gemeind, Vorstand in Lemberg eifrig ventilierte Plan der Gründung einer Lehranstalt für Radbinercandidatrn »nd; ReligionSlehrer wird sich, sollte er ausgefühn werden, sicherlich in den oben bezeichneten Grundlinien bewegen. Da« Beaürfai» nach einer solchen Lehranstalt gestaltet sich immer drinqeaveL^ da derstvcdarf an gründlich gebildeten Religionelehiern durch das Erstehen immer »euer Volksschulen der Baron-H:r>ch- Stiftung aus den vorhandenen Kräften nicht «ehr geoeM■‘l werden kann, eine Verwendung nicht einheimischer Lehrkräfte , wegen UnkenntnißderLandes'pricheaberausgeschlosseaerscheiaL § Daßder.Hamagid" von Berlin nach Krakau übergesftdrlt ist, haben Sie schon gebracht, er ve, spricht fortan ein 11». parteiisches Organ der v.rschiehcnsten religiösen Richtung«» in unskrcmLande jeinzu wollen. Vockr-rsmo!*, Ein inKolom««^ zwei Mal im Monat erscheinendes Blatt ,Ho-Om" mit stark zionistlicher Färbung zeichnet sich durch e»a vtühendes, an die ] klassischsten Muster heranreiche de-Heb»äisch aus. Wen» ich^ dann noch auf einige sehr gelungene exegetische Arbeiten v»». Selig Lauterbach, «ine«Privaugelrhrten in Drobobyc^ hi»^ weise.glaubricheinziemllchzutreffeund«sBichuase1erl,tterartsch> Verhältnisse entworfen zu hauen.'*) Viel Tröstlicheres **»!* Erhebenderes aber ist auf dem Gebiete humaner uao praktisch»! 1üd,scher Wolthängkeit zu berichten. Davon ein nächstes Mal, j so Gott will! Mas hat der jüdische Lehrer a» -eör-tsche« Misse« mit i»s Amt z» ßriuge»? Ein Lonsere-jvonraz von I Aetnftet», Sommarlrhrer. (Schluß) Man hat bei der Bcantwortung dieser Frage wieder»» * zwei Momente in« Auge zu faffea: 1. die Berweasvarteitde« rabbiuiichen Wifi.aS in Schule und Gememv« und- 2. die Schöpfung einer Grundlage für die zukünftige Fort», bildung dv« Lehrcr«. Dieses letztere Moment ist so w!ch:ig, ( d,ß e« einer ausführlicher» Besprechung unterzogen zu wer- ' de« verdient. ',V Meine Herren! Es ist wohl keiner unter uns, der di« 1 BedeutungderFortbilounzfürdea Lehrer verkennt, uns ich stanhch; beijusügen zu dürfen, daß auch auf de!» Gebiet« des nifchln von jedem strebsamen Leyrer mck asten ihm zu t bote sleheuden Mitteln weiter gearbeitet wirs. Atleia ed *- Dt« riftea nn« znsegaageaea Rn»1««r» tilgen jedoch, da« Via« tortgejetz: in ft «ng iftvMitoaaleai .jl»«1o»,o iceigirt 1 **) Sen Bader'» ep»<he«achen!>»n Wellen, »x sich ,« Nn'lon einer s, gr»ßea und ueeeq cn An« ena> erj«ue» ipreche ich m ttzrro U.idMiinaaUH tt-ornkt«r» »ich« «M W* er stelle Ich mtU •akeutea, kan »er »U«e>i>er ku chttkra»ch,«.t«raulr «ti ucaca 1 Veiten Wibcitta ui »dtrieaea defchchugr Yt-

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