Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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iutmffontrn Brief von M. 1». Lgidy. worin er über die Aieligioo der Zukunft folgende» saKt: »Gibt »» nur de« Line», der, Einiaen So«, so giebt 11 nur Me 4hM, Mt finige Religion. <D( wir Mrfc Religion nun Lhristeuthum oder Jesuathum oder Gottevthum «der Memchenthum nenne«, sie deuten ftir 0N1 da» Erheben zu G״tt, Me Vervollkommnung an. Jnbenthum darf fi« nicht heißen, e» rerMnden sich damit di« Nationalität», g« danken." ES dürste für die Leser Ihre» Blatte» nicht ohne Interesse sei«, eine Stimme darüber aus dem neuesten jüdischen Schriftthume zu vernehmen. In dem jüngst erschienenen Supplementband III zur .Real-Encyclopädir für Bibel und Talmud* von Dr. I. Hamburger, LandeSrabbiner in Strelitz (Mecklb.) Artikel: Ausbreitungde« JudenthumS(S. 24) lesen wir: »Da« Judtnthnm vernichtet auf Me äußeren Formen der Anerkennung seiner Gotteeidee. strebt nicht darnach, daß all» Menschen stch zur Synagoge bekenne», wenn n«: bei ihnen seine lehren und Gesetz» von Menschenwohl »ich Menschenlealüekung anerkannt und zur Ivahrheit werden. L» hat da» Bewußtsein und M» zuversichtlich» Hoffnung, daß der Gotteeglaob« der Bibel auf seinem Sang« durch die Welt, 8r besten Erhaltung Israel ein Jahrtausend« lange» Martyrerthum het, sich der Erfüllung seiner Sendung, »in« Heilististung für M« vdlker zu werden, nähert. Ein Blick in die Aulturgeschichte der välker bestätig« e» on». I« mehr Ludt und Bildung in die Menschheit eingedrungen, desto mehr find di« biblischen lehren und Gesetz« von de» Menschen Recht and Freiheit zur Anerkennung und Verwirklichung «»langt, ver groß« Umschwuna in den religiäsen Anschauungen seit Luther und Zwingli, di» sozialen Umbildungen in den Staaten seit einem Jahrhundert, Me Durchdringung der Rechtsgleichheit für all« Mensche» u. a. m. brachten und bringen di« biblisch« Gotte»ide« mit Ihren lehren und Gesetzen von Gotte»- und Menschenliebe immer mehr zur Verwirklichung. Nimmt auch da» Judenthum Abstand von Proselytenmacher ei, so hat e» doch nicht aufgehSrt, in den Jahrhun- Serien seit der Reformation Erfolge seiner lehren und Gesetz« auf feinem «Sang, durch dt» Völker zu erleben und zu verzeichnen." V. — d. 27. Nov. (OraLorr.) In welch' unverschämter Weise die antisemit. Blätter zu Lügen und Täuschungen ihre Zuflucht nehmen, ersieht man u. A. wieder einmal au« der jüngsten Nr. der ,Deutsch-social. Blätter*. Diese« Fritsche Blatt läßt sich von hier beichten: »Magdeburg. >m S. November sprachen die HerrenReichstag»- Abgeordneter Liebermaun von «oaneuberg uvd Dr. Bickel über den .Talmud und da« deu sche Staackdürger-Recht" und über den ,Samps de« Mittel,.and«» gegen Me golden«, roth« und graue Zmeraationale". Herr v Li.dermau» rtchiele oen Dr Hirsch Httdesaeimer Übel zu Luch der Magdeburger Rabbiner Dr.!lahme, brach unter der W >chl einiger »ohlgrzieliir »nti-talmuoischer Jagd-leb« moralisch zusammen" Sollte man nicht meinen, daß nach diesem Berichte die angeführten so ,Übel zugerichteten und zusammengebrochenen* Herren in der Bersammlunq wenigsten« anwesend waren? Aber weit gefehlt; dieft Versammlungen werden hier über- Haupt von keinem anständigen Menschen besucht: aber die antisemitischen Bandenführer rühmen sich in auswärtigen Blättern - die hiesigen nehmen von ihnen keine Notiz — ihrer erlogenen großartigen Siege, um ihre» schon etwa« «ntmuthigtrn Radaulruppen einigen Muth einzuflößen. Sie lügen sich selbst etwa« in die leere Tasche. Jnrereffant ist die Antwort, die H»rr Rabb. Dr. Rahmrr, der zu einer späteren Versammlung, >n welcher Dr Bachler gegen die freisinnigen Stadtverordneten sprach, gleich den ander» h.es. Stadtvrrorvnettn durch öffentlichen Anschlag an den Litfaßsäulen geladen roar, auf eine Anfrage, ob er er» scheinen würde, erthcilte. Sie laute««: .Mich hindert daran der erst« Ber« de« ersten Psalm«.'*) Soerti», 24. November. In der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur hielt gestern Abend Grh,Ralh Professor Dr. Förster euwL Vortiag ,zur Ethik de« Nationallsmus und der JudenstHe.* Bezüglich der letzteren äußerte sich der «sch- Rconer u. a. wie folgt: ,Unsere Gesellschaft hat die Pflicht, sich «it dieser Frage zu beschäftigen, denn bei den Lord»rtitungen zu derftlt».n baten unsere jüoijchen Freunde,!ie von de« Zusammenwirken mit uo« zu entbinden, da e« h»«a nicht z«eme, iu einem Kampf gegen die christliche •) Derselbe luUtt betau» tllch: .Heil dem Movue, der «ich« geht ä» bev Rartz der Bchewichter ... au» wo Lpäuer sttzen, »'«hr fitzr." Orthodoxie hervorzutreten. Unsere Antwort war: wir kämpftn auch gegen di« jüdische Orthodoxie." ,Al« unsere besten Männer die Befreiung de- Indenthum« erkämpft harten, ging e» wie ein Frühling durch Deutschland. Auf allen geistigen Gebieten betheiligten sich unsere jüdischen Brüder an unserem Aufschwung, und auf wirthschaftlichem Gebiet haben un» die Eigenthümlichkeiten de« jüdischen Stamme« namentlich gegenüber England und Frankreich wesentliche Hilft geleistet. .In Folge de- Antisemitismus sind nun unsere Juden im Kämpft um- Dasein vielfach zu einem engeren Anschluß aneinander gezwungen worden. .Der grSßestr Fehler, den die Juden mitten in unserer Nation jetzt begehen könnten, und eine sehr großeGefahr für das deutsche Volk sei die Fortführung oder gar Verstärkung deengeren Zusammenschlusses der Juden unter einander. Die LäuterungSarveit müsse in voller Gemeinsamkit in die Hand genommen w.rven, nicht durch entsprechende nebenhergehende rein jüdische GemeinschrftSbildungen. (Logen?) .Deshalb müssen wir unseren jüdischen Mitbürgern zuruft»: Treibt ferne Kameraderien gegenüber den Kameraderien unserer Noiionalisten! Verbindet Euch mit denen, die da« Beste wollen, zu gemeinsamen Wirken gegen die Uebel innerhalb eurer eigenen Reihen, die in Verbindung stehen mit den Gefahren der w'rthschaftlicheii Entwickelung, die auf uns Alle drücken. In diesem Sinne halten Sie mit un» die engste Gemeinschaft. Verbinden Sie sich mit uns zur Bekämpfung dedeutschen und de« jüdischen Nationalismus." (Beifall.) Itreika«, 25. November. DaS hie». Organ der Deutsch- Konservativen, das sich eiie Zeit lang in antiftmittschea Dingen einer gewiffen Zurückhaltung befleißigt hatte, tritt neuerdings mit einer Pr-ßleistung an die Ocffentlichkeit, welche an die Blüthezeit seiner antisemitischen Production«- kraft erinnert. Es sckircibt: .Der legte .volk-unterhaltuugSabend" de» Hnmboldtverein» war vom Volke Israel tu Stärke von etwa lüOO Lüpfen besucht — ja j» tln Frrilonzert! — Die übrigen 30» Lniveseiden mochten de« kleinen iüeiverbestande angehüren. Dir Mischpoke Hane sich so zeitig unb so zahlreich eingestellt, daß al» dl« kleinen Leute, für di« der ktolkSunterhaUungSadend bestimmt ist, »rschteuen, di« Polizei den Weiteten Linlaß verbot Der Humboldtverein kann bei solchem Massenbesuche trotz de» bill gen Entree'« von 10 Ps. ein Geschäft mache», »a die junge« jüdischen Damen, welch» die Gelegenheit benutzen, stch hier a»'« üffeut» lich» Leben zu gewöhnen, ja nicht« bezahlt nehmen. So ist allen ae- Holsen Der Verein macht sein Geschäft, Israel amüsirt sich, sein« talentvollen Töchter mache» umsonst und ohne Behelligung durch irgend welche Lrltlk di» Sedule der Oesfemltchkeii durch und der Arbeiter kommt für 10 Pf. .in de feinste Gesellschaft" " So tief in den Schmutz der Gemeinheit ist ja selbst die deutsch-soziale ,Ostwacht" noch nicht hineingrwatet. Uebrigen« wundert r« un« nicht, daß da« ,Morgenblatt* zur alten Gewohnheit -urückkhrt; Niemand kann dauernd seine Natur verleugnen. ,Setz' einen Frosch auf goldenen Stuhl, er springt doch wieder in den Pfuhl.* K««H»r§. ES ist gewiß sehr bezeichnend, daß vftl« ber größten Schreier der antisemitischen Partei, die einfachsten Begriffe von Mein und Dein, wie durch genchtliche Urtheift festgesrellt ist, gar häufig verwechseln. So ist kürzlich eia altonaer Hausmakler, der in antisemitischen Lersammlmrge» durch verhetzende Reden sich auSzcichnete, wegen Betruges von der Strafkammer de« Landgericht« verurtyeilt worden. — Ein früherer Steuerbeamter, der sich als großer .Juden» sresftr" ausspielte, ist in der vorigen Woche vom Schwurgericht zu Altona wegen Unterschlagung im Amte und wieder- Holter Urkundenfälschung zu achtzehn Monaten Zuchthaus verurtheilt worden. — Zwei Manufakruristen, Brüder, die ein Pamphlet mit der Bemerkung ,Kauft nicht bei Judeul* Unterzeichneten, sitzen hier im UntersuchungSgesängniß und 0 harien ihre« Urtheil« wegen wiederholter Wechftlfälichusg. Ein Agent, in gleicher Welse wie die vorerwähnte», .hervorragende-" Mitglied de« antisemitische« ,Wahlverrm«, steht gegenwärtig unter der Anklage d«S Betruges. (DqS mu- □