Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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unterricht aufwachsen, ein geistiger Nothstand, der zu den ernstesten Bedenken Anlaß giebt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Verfügung der Königlichen Regierung zu Oppeln vom 28. Oktober cr. berührt, wonach Rabbiner und Religion-- lehrer aufgefordert werden, die Lehrbücher für den Unterricht in der Religion namhaft zu machen und womöglich den Kreisschulinspectoren zu überreichen. Die Rabbiner Münz und Deutsch äußern sich de« Näheren hirrübrr. Letzterer weist auf Herxheim«'« .Glauben«- und Pflichienlehre" und auf Stern'« ״Amude hagola" als auf geeignete Lehrbücher hin. In den Verba ndausschuß, der au« S Mitgliedern besteht, werden außer den 6 früheren Mitgliedern neu gewählt die .Herren: Dr. Brieger-Cosel S. Wiener-Kattowitz und Vorsteher Pra ger-Rybnik Da «Kuratorium de» israelitische» Waisen- Hause« in Rybnik besteht au« 5 Mitgliedern. Ihm gehören an die Herren: Samtätsrath Dr. Freund al« Vorsitzender de« Gemeindebundes, Prager als erster Vorsteher der Ge» mrinde Rybnik, Dr. Cohn al« Vorsitzender de« oberschlesischen Rabbinerverbande«, der Vorsteher Schal-Sohran O./S. und das Ausschußmitglied Amtsgerichtsrath Lewy-Beuthe» O./S. Das Hauptinteresse der Versammlung absorbirte auch dieses MaldieWaisenhausaigelegenheit. HerrMüller-Rybnik berichtet kurz über den Bau des Waisenhauses. Das Gebäude ist bereits unter Dach gebracht. In vorgerückter Sommerzeit wurde mit dem Bau begonnen. Man hat die Arbeiten ungemein beschleunigt, wenn nicht gar überhastet. Bis jetzt haben die Baukosten die Höhe von 17 200 Ml. erreicht. Schal Sohrau und Prager Rytnik haben Baumaterial, Steine und Ziegeln in größeren Quantitäten geschenkt. Auch hat es an Geschenken und Zuwendungen von Seiten einzelner Rybnik« Glaubensgenossen nicht gefehlt. Für di« innere Einrichtung kündigt Herr Commerzienrath Fr! nkel-Neustadl O./S. Linen zur Wäsche und ein Berliner Haus, das au- Obcrschlefien stammt, sämwtliches Glas- und Porzellanzeug al- Geschenk an. Herr Bauunternehmer Schal-Sührau, der als Mitsied dem Baukomitee angehürt, beklagt sich, jdaß man über einen Kopf hinweg, ohne seine sachverständige Ansicht rinzuholen, mit einer wahren Ueberstürzung an den Bau herangegangen sei. Gestützt auf seine relchen Erfahrungen stellt er jetzt schon fest, daß man an den Baukosten, falls man von ,einem Rath« sich hätte leiten lasten, mindestens 2000 Mk. hätte sparen können Er lehnt jegliche Veiantwoitung für die Ausführung des Baue- und die datei zu Tage tretenden Fehler ab und erklärt seinen Austritt aus dem Baukomitee. Ls bedarf der ganzen UeberredungSkunst des Vorsitzenden, welcher auf dieses tüchtig« und sachverständig« Mitglied des Baukomitee's keineswegs verzichten will, um Herrn Schal zum weiteren Verbleiben zu bewegen. Dr. D e u t s ch - Sohrau rügt als ianx paa den Umstand, daß man bei der Vergebung der Arbeiten den einzigen jüd. Handwerksmeister, einen eben so leistungsfähigen Maler, wie sein andersglaubend« Rivale ist, leer ausgehen ließ. Es handele sich um einen Bau für Zwecke spezifisch jüdischer t umanitär. Das heiße doch nicht, das Handweck unter den udeu sürdrrri, wenn man bei« Bau einrs jüdischen Waisen- Hauses den einzigen ko7rkurrirenden Hmndwerftr nicht derücksichtige. (Sehr wahr! — Die Red.) Dr. Lohn- Kattowitz ftagt an. ob man beim Bau aus die Herstellung eines Bet- und UnterrichtssaaleS Bedacht genommen habe und bittet, ev. da- Versäumte noch nachzuholen. Dieser elementaren Forderung hat man nicht Rechnuug getragen. Bei der Eile der Aaraus sührung fehlte es vermuthlich an der hierzu erforderlichen Zeit. Jetzt noch das Versäumte nachzuholen, erklärte der Vorsitzende für schlechterdings uumöglich. Herr Joseph Ster n - König-Hütte beantragte daraushin, von den größeren Räumlichkeiten die «ine und die andere al- Betre,p. Unterrichtssaal zu re «Viren. Es beliebte 2b« de: Versammlung nicht, einen dalstn zielenden Besa.l«ß hrrbeizuführen. Nun gelaugte man zum Schmerzenskind« i se der WaisenhauS-Angelegenheit. zur Frage der Unterhaltung kosten. Ueber diese wichtige Krage p» »s02 hatten wir - un« i»mrr schon unseren beschränkten Laienverstand zev--< brachen. Wir lauschten gespannt den Ausführungen bcc- Finanzgenie-. Wir mußten ab« enttäuscht auSrufen: Par■^ tarinnt montea nMoatar! — ridioalaf maa. Rathschläge) schwirrten durch die Lust, Rathschläge, wohlfeil wie Bro»«s b«ren. Vom jüdi'chen Herzen war viel dir Rede, w»' Opfersä higkeit und Opferfteudigkeit, Worte, Worte, nichts / al- Worte! Von einem finanziell gesunden, organische», lebensfähigen Plane zur Unterhaltung de- Waisenhauses haben wir bisher auch nicht die leiseste Spur rntdefle» können. 20,000 Marl hofft man für den Fond zur Unter- Haltung des Waisenhäuser einstellen zu können. Günstige» Fallekönnen sie vielleicht 1000 Mark jährlich an Zinse« abwersen. 30 Waisenkinder zu 300 Mark per Kops uud Jahr angenommen/) würden einen Kostenaufwand von 9000; Mark jährlich erheischen. Da sollen die BundeSgrmeindea lfend eingrriken H«r Willner-Kattowitz will eine« . Y bestimmten Prozentsatz vom Erat ack doo fest leg-n, um die Unt«hallungsko,len herauszuschlagen. Ob die Regierung die Normirung diese- Stat-Tilelgenehmigen wird, «scheint freilich fraglich noch fraglicher, ob die Gemeinden diese Mehrbelastung in den Etat w«d«a einstellen wollen. Herr Bankdirektor Fränkel-Gleiwitz verspricht sich von den Etat» quoten der Gemeinden kaum 1000 Mk. jährlich. Er empfiehlt Kollekten bei Einzelnen. Hr. Rechtsanwalt Berger-König-- hütie will die WohlthätigkcitSvereine, die bisweilen eia ganz respektables Vermögen ausweisen und leistungsfähig« sind, als die Gemeinden in oorpor», für die Sache verpflichten. Nimmt man all« Vor,chläg« zusammen, so hat man — auch wenn man die Sache noch so optimistisch auffaßt auch nicht im Entferntesten eine solide Unterlage für die Bestreitung d« Unterhaltungskosten. Zum Oktob« komme«- den Jahre« hofft man, da« Haus einweihen zu könne«. Wird dis dahin die «lsehnte Hilft kommen 1**) , : Als letzter Gegenstand der Tagesordnung stand zur ’ Bnathung der Antrag: .Die Vorstände o« Berband-gemeiude» zu ersuchen, ihren Schächtern Schlachtungen außerhalb ihres GemrinvebezirtS zu untersagen.' Zu dieftm Anträge er-. griffen das Wort die Rabbiner Lohn, Münz, Deutsch. Cohn begrüßte diesen Antrag freudig mit dem Hiaweift, daß in nianchen Dorfgemeinden die Funktion des rituelle» Schlachten» in ein Hausi gewerbe auszuariea drohe. Münz' weist aus die analogen Bestimmungen in unserem Ritual-, kodex hin. Deutsch «klärt diesen Antrag, welch« längst' kodisiziries Recht bei unS ist, in sein« gegeirwärtigeu Faffuug für nicht diskutabel, weil selbiiverständlich. Er «weitert ih« dahin, .den Schächtern auch innerhalb ihre- Gememdebezirls Schlachtungen für auswärtige Fleischer, die ohne Legitimation : von der Aufsichtsbehörde ihrer Gemeind« kommen, zu unter» sagen." Gemaftregelte Fleischer, welche .in ihrer Gemeinde eine rituelle Schlachtung nicht erreichen können, begeben sich oft in die Rachbargemeindea, lasjtu dorr für ihre Rechnung schlachten, führen da- Fleych in chre Heinathgemeinde und machen so die gegen ׳:r verhängte Matzrege! illusorisch uud wirkung-los. Der vorgerückten Zeit wegen wurde die Debatte', üb« diesen wichtigen Zusatzantrag vertagt und die Beschluß»: fassung noch au-gesetzt. Berichte «uh Correspovdeuzen. D«»tfck»t«»o. Ein bekannt« jüd. Geletzrter schreibt u»S:^ Ihre gesch. .Wochenschrift" bringt in vor. Nr. einen linrr -> »a» retcht wohl nicht; nach de« VerwaltuaaSbnich» der! _ . . . z, SO« «ar Watseatzauser toster je»« Waise minima» -OS lltart. kSid.)^ D>« «rnn-fteiniegnng gtag ohne AeteriichirU. »hne Sang nad: Klang vor sich. Dabei״eigaei« sich der tnrtos« Zwischenfall, dag Kapsel, wele^e dt« Sitfinnganrtnnde, Dvtamentt. Dentmitagen n. f «nrisieU un» in »en wruaoslet» rtnßeseav »arm, adhanaeu. tan», dta jetzt — so viel wir wissan — ermtiieü werde» za “—־־ idjca&iäu