Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 49 (2.12.1892)
- Date
- 1892-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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z. 1 - fr MAkttchten Eie nicht, daß unser Festisalten an den Traditionen *ct A. T. Mtfe Gemeinsamkeit zu Falle bringen wird, denn *•* wir lehren, da« muß den llinsall eine« Jede« finden,, der in Wahrheit und Aufrichtigkeit da« VottrSthum anstrebt. In der redenden Eselin Bileam« erkennen wir die Lehre »vn der Barmherzigkeit undRllmacht Gottes, die dem Schwachen bristeh». dem Stummen selbst die Zunge lvst und dem Unmündigen Waffen giebt' zu seiner Bertheidigung. Nur Er- Bachsenen erklären wir die«; eine Durchsicht der Lehrbücher, Mel che wir unseren kleinen Kinder» in dir Hände geben, wird Sie überzeugen, daß diese, sowie manch andere Erzählung, Welche de« Herrn v. Gizyckis Zorn erregte, so z. B., warum Absolom den Amnon tödtete, oder von den Sünden der SRiomiter und der Herkunft der Moabiter und Ammoniter — darin überhaupt nicht vorkommt. Den erwachsenen Schülern solche Geschichten vorzuenthalten dürste schon deshalb nicht D» empfehlen sein, weil sic solche umso gieriger lesen würden, ie mehr man sie ihnen zu entziehen sucht; di« Wirkung wäre dieftlbe, wie beim Verbot de« Tabakrauchen«. Ein geschickter Lehrer wird einem Mißbrauch oder einem Mißverstündniß, ebenso einer Verwechselung oder Verdrehung de« göttlichen Inhalte« vorzubeugen wiffen. Mindesten« verdient die biblische Geschichte diese Rücksicht als Theil der Weltgeschichte, und in ' demselben Maatze wie die alten Klassiker, welche auf Symnasien gelesen und zerlegt werden, und die man dem Schüler anch nicht unterschlägt, trotzdem die in ihnen enthaltenen Schlüpfrigkeiten und Eindeutigkeiten selten di« Hülle für einen ethischen Gedanken abgeben. Sollte der erwähnte Name ,Gottesthum" von Ihnen nur zur Vergrößerung der Au«wahl angedeutet worden sein, und er Ihnen doch nicht so ganz behagen, weil der allzu häufige Gebrauch de- Goitesname״- einer Prosanation gleichkommt — nun wohlan, hochgeehrter Herr, Sie haben noch Bessere« gezeigt, u. zwar den Namen ״Menschenthum'l Dieser Name besagt Alle«, er enthält ein vollständiges Programm; Welcher Mensch, der diesen Namen mit Recht trägt, wird sich nicht gern als Pionier anwerbrn lassen, um ein von Gott beseelte« und erfüllte«, ein Gott ähnliches und ihm nachv strebende« Menschenthum zu erziehen; wer wird sich nicht V mit liebevoller Hingebung, wie Herr von Gizycki in seinem Bortrage über den ,^krieg ' es wünscht, der Gärtnerarbeit ' Widmen, welche das Volk zum nahrhaft ethischen Menschenthum erheben soll, zu einem Menschenthum, wie es bisher «ie geahnt wurde, das ohne Sektenthum bestehen soll? Wenn Sie aber, Herr Oberstlieutenant, in Ihrer Ge- ׳ «chtigkeit die Empfindungen Andeier schonen wollen, begehren Sie nicht di« Mitarbeiterschaft der Juden zu einem ״einigen Lhrislenthum". Da« Wort reißt alte, noch nicht ganz - verharschte Wunden auf, denen man — vergleichen Sie gefälligst de« wüste Treiben des üv ck« »isol« — bis heute noch nicht Zeit ließ, zu vernarben. Wern wir noch so gern vergeben wollen, man sorgt auf gegnerischer Seite — und nicht alle Gegner -sind so edel und ritterlich wie die Herren v Egidy und v. Gizycki — dafür, daß wir nichtvergessen können. Für un« war und ist das Kreuz kein erlösende« Zeichen; seitdem e« zum Symbol geworden ist, lastet e« schwer aus uns und hat un» nur niedergedrückt; jene Inschrift: io dvo sigDo viocM war keine Heck-Verkündigung für uns. sie - hat keinem FriedenSzuge votangeleuchtrt, sondern Sie war gegen Andersgläubige und Andersmeinrnde ein Schlachtruf?־*- ־ nicht der friedliche Sieg, sor.dern der Krieg wurd; seiner 1 Träger Mittel und Zweck. Bleiben wir beim ,Menschenlhum", erziehen wir ein solches, verketzern wir einander nicht, wenn wir aus verschiedenen Wegen daflelbe Zirl erreichen wollen wie es leider im religiöftn »ad politischen Leben Mode geworden, damit wir nicht durch böse« Be,spiel alle Erziehungsresultate in Frage stellen. Wenn wir nur im Ziele einig sind, warum sollen die verschiedenen Richtungen, die wir einschlagen, un« trennen? Wenn zwei Tlrmeen.parallel operiren und gemeinsamen Sieg erringen. brauchea sie einander den Erfolg nicht z» mißgönnen. Unsere Berecbtiguitg brauchea wir einander nicht streitig zu machen : Sie — und hier erlaube ich mir. beide verehrung-würdige Herren, deren Namen die Spitze dieses Artikel« zieren, anzureden — wollen mehr oder weniger da« Alte al« Aschenhauftn ansrhea und einen Phönix au» ihm erstehen lassen, da« soll heiße«: ein reine« verjüngte« Menschenthnm — wir hingegen glauben mit dem Propheten, daß da« vom Gotte«- geist durchglühte Menschenthnm immer wieder sich verjüngt, daß wenn es noch so viel Phasen durcheilet, seine Schwingen nicht ermatten, seine BrrjüngungSkrast nicht abnimmt, fei« Verjüngung-Prozeß nicht ausgehalten wid. Wir fangen nicht heute erst an, ein Menschenthum zu erziehen, wir haken für diese Mission schon auf der ersten Seite der Bibel (Genest«, Eap, V, Vers l) unsere Marschroute in den Worten erhUten: ״Die« ist das Stommesbuch des Menschengeschlechtes', ,velches, wie Ben Asai lehrt, au« Zweigen und Aesten eine« Familienbaumes besteht. Wenn wir siegen, und ich zweifle nicht daran. Sie. meine hochverehrten Herren, mit dem Schwerte an der Linken, nicht mit dem Schwerte de« Kriege« und der Verketzerung, sondern des heiligen Eifer« und deredlichen Wollen« — und wir mit der Bibel, welche das ewige Gotteswort enthält, in der Rechten, dann werden wir, am Ziele angelangt, zum schönen Erfolge nach einem friedlichen Kampf; eiuanser aufrichtig beglückwünschen. Mit dieser Hoffnung seien Sie herzlich begrüßt und der verdienten Ehrerbietung versichert vom Schreiber dirser Zeilen, einem schwachen ober ehrlichen Mitarbeittr an gemeinsamen, erhabenen Zwecken zur höchsten Ehre Gottes, zur Veredlung unserer Menschenbrüder, zur Gewinnung eines wahren ״Menschenthum»". Die allgemeine Versammlung des overschtestsche» Kynagogengemeinde-Aervaude». Gleiwitz, den 22. November 1892. Am 20. November er. fanden sich Delegirte der Gemeinden, Freunde und Ehrengäste des oberschlesischen Gemeindebundes zu einer allgemeinen Versammlung in Gleiwitz zusainmen. Uin 11 Uhr Vormittags eröffnet«.Herr Sanitätsrath Dr. Freund-Gleiwitz die Sitzung. Die reichhaltig« Tagesordnuug, welche nicht weniger al- S Gegenstände umfaßte, wurde erschöpft. Die geschäftlichen Verhandlungen erreichten gegen 1'/, Uhr Nachmittags ihr Ende. Anwesend waren etwa 33—35 Personen. Bon den 24 BundeSgrmeinden hatten 10 stimmberechtigte Delegirte entsandt u. zw. die Gemeinden: Beüthen O./S, Cosel. Gleiwitz, Groß-Strelitz. Katto- Witz, Kvnigshütte, Leobschütz, Rybnik, Sohrau O./S., Zabrze. Bon den oberschlesischen Rabbinern hatten der Einladung zur Theilnahme an den Verhandlungen des Ge» meindebundes Folge geleistet die Herren: DDr. Cohn-Kattowitz. Deutsch-Sohrau, Goldschmidt-Köliigshüttr. Münz- Gleiwitz. Der Haushaltsetat für das Geschäftslahr 1892/98 balancirt in Einnahmen und Ausgaben mit 900 Mt. 500 Mk wurden als Zuschüsse für die Unterhaltung von Religion«- schulen an Gemeinden für Dorsgemeinden bewilligt. Drei jolcherReligion«schulen werben z-Z subventionirt, dieReligion-- schule in Ajeschowa bei Tarnowitz, Ruda tei Beuthen, Brzezinka bei Myslowitz. Die Prüsungsergebniff« sollen in diesen 3 Schulen befriedigende gewesen s;i» Dir Dorfgcineinde Tworog erbittet 300 Mt. al» Subvention zur Unterhaltung einer Religionsschule. Der Berbandausschuß ist bereit. 00 Mk. zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß die mit Eorpoi ationsrechten versehene Muttergemeinde Langendarf dem Gemeindebunde bcilritt. Auf Grund statistischer Erhebungen wird die traurige Thatsach« sestgestellt, daß in vberschtesischrn Dörfern ttn» 200 jüdische Kinder ohne jede Spur von Religio»«-