Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 48 (25.11.1892)
- Date
- 1892-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959830--1341-5375247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jedoch >!׳cht nothnenhig. dntz cr net den philologische» Innheiten vertraut sei. Den» da der »tynUHdp rtbfrf de« gramnuitifcfai Studium« «h Seminar m der Erleichterung de« BerständnisstS de« Bidestexte« besteht, so mutz Alle«, wa« nicht unbedingt dazu gehötl, im Unterrichte unberücksichtiat blnben. Hierzu kommt noch der Umstand, datz die hevrnffäse Grammatik im Relig onSunterrichte so wenig Ber» Wendung findet — Man wird vielleicht hiergegen rinwenden, datz an« diesem Grunde somancheandereFächerauSdemSeminarunterricht ansgeschieden werden müßten. Allein der Seminarunterricht mutz, suweit e« Zeit und Mittel erlauben, Alle«, was zur aüseitigen Bildung de« Zögling« gehört, diesem darbieten. Wie Dir jedoch von den einzelnen Fächern durchgenommen «erden soll, da« hängt allerdings in erster Linie von der zur Belegung stehenden Zeit und in zweiter von dem Grade der Verwendbarkeit des betreffenden Faches im Schul» und Gemeiniedienstc ab Dos Motz de« vom angehenden Lehrer zu fordernden graminottschen Wissen« läßt sich demnach in folgende: Weise bestimmen. Derselbe mutz im Stande sein, ein beliebig ihm vorgeleqte« Kapitel aus der heiligen Schrift richtig zu aiialysire», und da, wo sich Anomalien befinden, dir» selben herauszufinden, wenn er auch nicht die Fähigkeit zu besitzen braucht, alle vorkommenden llnregrlmätzigkeiten zu erklären. 2. Meine Herren? Ich komme jetzt zum Schmerzenskind« des^Enninarunterrichtes, nämlich zum Unterrichte im Rabbinifchen. Ich darf nc.>l mit Recht lihaupten, datz über keinen Gegenstand des SeminarunterrichtS die Meinungen so weit auseinander gehen wie über diesen. Während man in orthodoxen Kreisen die Befähigung eines Lehrers hauptsächlich nach dem Matze seiner rabbinischrn Kenntnisse beurtheilt, und denjenigen, welcher gar keine soläe oder nur geringe besitzt, sofort, mit dem wenig schmeichelhaften Titel ,Am h*-Are*“ belegt, so hält man auf neologer Seite diese Kenntnisse für einen Luxusartikel, ohne we.chen man al« Religionslehrer und Prediger, ja sogar als Rabbiner fettig werden könne. Wie soll sich nun das Seminar zu dieser Frage stellen? Soll es die rabbinischen Fächer auf Kosten der übrigen religionewissrnfihaftlichen und profanen Fächer forcirrn, oder soll es sie auf «in Minimum, etwa auf die Durchnahme eine« BibelcommentareS rrduziren? Mein« Herren! Ich sage nicht ohne Absicht: .auf Kosten der übrigen Fächer forciren-, denn jeder Kundige wird zugeben müssen, daß man ohne ungeheuren Aufwand von Zeit und Mühe in den rabbinischen Wissenschaften nur geringe Fortschritte machen kann, zumal wenn man dieselben erst in den Jünglingsjahren, und nicht, wie früher, schon in der Kindheit zu erlernen anfängt. Soll also auf diesem Gebiete etwa« RcnnrnSwerihe« geleistet werden, so muß nicht »ur die Zahl der Unterrichtsstunden für Sa« Rabbinische bedeutend erhöht, fonbevn auch der Privatfleitz der Schüler in sehr hohem Grade m Anspruch genommen werden. Diese« kann doch aber, bei der knapp zugemessrnen Zeit, nur auf Kosten der anderen Fächer geschehen. — Andererseits steht ei fest, datz e« im Interesse de« Lehrer« sowohl al« der Gemeinde liegt, daß Erste rer da« Rabbinische veistehe, da er!!ierdurch in den Stand gesetzt wird, seine Predigten und onsligen Vorträge weit anziehender und erbaulicher zu gestallen. Allein zu diesem Zwecke reicht di« bloße Kenntniß eine« Bibelkommrntar« bei weitem nicht hin. — Wir stehen also vor der heiklen Frage: Wa« soll vom Rabbinischen im Seminar gelehr, werden? tFonsetzuu״ Mg!). Berichte! und Corrrspondeuze«. Dewtf«hz»«d. Magdeßurg, 20. November. Gelegentlich der hier in letzter Woche stattgehabten Stadtverordneten mahlen, vor und bei welchen die hiesigen Antisemiten aller Observanzen, leidenschaftliche Rührigkeit a» den Tag leghsttz die mir «i» besseren Sache gewünscht hätten*), hat da« größt« und einslutz»/^ reichste Blatt unserer Provinz, die »Magdeburger Ag.*, , einem Leitartikel in ihrer Nr. S8ö v. 17.!». Mt«., *in roa*,pk und energisch gehaltene« Mahnwort an die Adreffe alle»^ Liberalen, nicht blotz unserer Stadt und!א•Kreise«, sondern? de« ganzen deutschen Vaterland«« gerichtet, da« w>v> jedem liberalen Mann beherzigt zu werden verdient. Der^ Grandgedanke, der darin zum Ausdruck kommt, ist zwar nicht, neu, aber er wird mit solcher Klarheit und Eindringlichkeit ■» durchgesührt, datz er auf jeden Leser überzeugend wirkt. E«. wird darin an Beispielen nachgewiesen, daß die Kosten dex;. ׳ H antisemitische« Agitationen niemand ander« al« die liberale«, < Parteien zu tragen hoben werden. »Den Inden schlägt man, aber den Liberalismus meint man." Darum fordertsie alle liberalen Parteien zur Niederwerfung de« gemeinsame« Feinde«, »de« uagebcrdigen Knaben AnnfemitiSm»«' ans. ״Nomra res sgitar!“ ruft Aie, — nicht dem Judenthum״ sondern dem Liberalismus gilt der Kamps! Di« liberale Sach»- leidet. — Möge der etwa« späte Mahnruf lein verspäteter sem, und der Aufruf der »Magdeburgischen Ztg.* einen Wiederhall, in allen liberalen Blätter!, und Herzen finden! Wagdetntg. Die Einholung der jüoischen Religion««.- büchrr behus« Prüfung derselben auf ihren ethischen Gehalt erfolgt nicht in einzelnen Gemeinden nur, sondern in sämmt» lichen d:r preußischen Monarchie und zwar auf eine an all« Regierungen ergangene ministerielle Verfügung, wie au« folgender Abschrift derselben an die untei-stehenden Organe, (städt. Schuldeputationen) rc. ersichtlich: .3» Folg« Anordnung des Herrn Mt atsiers d«r gastlichen Unter» richts- und MedtjIn-l-Anq«legkuheik«n vcraalaffrn wir Lar« Hach» ivohlgeborrn uns binnen ü Tagen «in Lxemplar des In der jüdisch»» 3ie»i,,ov»Ichu,e daselbft gebrauchten Acliqionsbuche» einzurriche» und Sich hierbei darüber zu ändern, ob und wie der jüdisch« Religio»«« unterricht beaussichtigt wird. Die Königlich« Regierung, Abiheiluag für Kirchen-׳ und Schulsachen." Die Frage nach der Beaufsichtigung des jüd. Religion«« unterricht« ist neu, denn eine solche fand (außer an de» öffentlichen jüdische» Volk«- und Elementarschulen) an de« sogen. Rcligionsschulen durch behördlich« Organe (Kreis- oder Stadt-Schulinspektoren)bislang nicht statt. Die ganzeMaßreget kann vielleicht den erfreulichen Erfolg haben, daß der Staat seine bisherige, den jüd. Religionsunterricht ignorierend« Stellung aufgeben und mehr Sorge dafür tragen wird, datz an allen Orten rin auSi eichender Religion,tunrrrricht ertheilt werde, an dem jede« schulpflichtige Kind theilnehme« müsse! Q. 8p. Merkt», 20. November Die Repräsentanten» Wahlen finden am 30. d. M. statt und die Agitation hirrzn ist flott im Gange. E« sind 11!Keprüsentanteu für die ausscheidenden Herren Hirschseld, Isaak, Landsberger, Lazaruch Liebermann. Mannheimer, Dr. Marcuse, Sind. Masse, Sach» (Louis u. Leonhard) und Dr. Tiktiu, und 1b Stellvertreter zu wählen. E« stehen sich zwei Parteien schroff gegenüber, di« radikal«, al« änherste Linke mehr «ach der »Reform* neigend, und die liberale, die alle relig. Schottiruagea in sich vereinigt und im »Eentral-Berein* verköipert ist. Dieser Berein hat nun folgende« Flugblatt erscheinen lassen! Gleiche, Rech» für Allel Rem Gewissenszwang mehr! Gleiche Berücksichtigung aller religiösen Richtungen! ף Trotz aller Agitation — fie hatten »ach i» letzter Stunde de« Redaeieur Dr. «achter »« der »StaaisbürGtrzettnng" hert«NW«n taffe», u« dir jü». Stodwerorrneie« zu dejchtwps«". and tdren scNRoltqqt Ltaftuh aus di« städtische verwalcung — muh Aoetogte Berttng! — R» dewrisen — haben Mt MuHftmltta »och (ine schmäh!Ich« ^tiedertage tu litten; t» der S. Adtheilnng, zn der löOOV lldshler gehsrrn, Hache, sie es a«s kau« 600 Alt« men gebentN und t» der ü: veretntg«» st» ihren Gegenkandidaten gar nur 8S •tiatua, irr jädtsche Han« '