Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 48 (25.11.1892)
- Date
- 1892-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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unb mal dizwi scheu schoß. Wir müssen endlich vorwärts kommen. Es darf nicht länger »Konfessionen ", eS darf nicht länger ״Religiontn* geben. Giebt eS nur den Einen, den Einigen Gott, so giebt es nur die Eine, die Einige Religion. — Cb wir diese Religion nun Ehristenthum, oder JesuSthum, oder Gottesthum, oder Menschen, thum nennen — sie deutet für uns das Erheben zu Gott: die Vervollkommnung an. — .Juden» thum darf sie nicht heißen — es verbinden sich damit dir Rationalitäts-Gedanken; das Christenthum faßt die gesittete Welt heule schon als den völkerverbindenden Gedanken auf. — Nicht um Ihnen wehe zu thun, nur um ehrlich gewesen zu sein, muß ich gerade Ihnen, beiden Herren Rabb'nern, meine unerschütterliche Ueberzeugung aussprechen: .:'in dem Augenblicke, da wir das von mir an-! gestrebte .E nige — und sich bewahrheitend« — Christenthum" Habei, gehören Kirchenthum, aber auch Judenthum (auch alles Sektcnthum» der Geschichte an." Wahr »nd respektvoll beiden Herren Rabbinern ergeben M. von Egidy. Herr Ezidy tfigt sich auch in diesem Briefe als der edle, herzensrine Friedensapostel, als den so viele in Deutsch. la»d ihn verehren; ich glaube, wenn er nur mit den And«n fertig wird, mit der offiziellen Kirche und den Millionen, die ihr folgen, mit uns aufgeklärten Juden wird er schon fertig werden, und wir mit ihm. Wie jüdisch ist es, wenn Egidy di« Gerechtigkeit als der Wesensbestandtheil der (christlichen) Lieb« gilt. »(Herechtigkeii, nur Gerechtigkeit soll Du anstreben/ lesen wir im fünften Buche Mosis (Kap. 10, Vers 20). Wir wollen uns über den Namen der Religion der Zukunft nicht den Kopf zerbrechen, genug, daß wir über den Inhalt im Wesentlichen übereinstimmen. Herr Egidy hat gegen den Rc men Judenlhum einzuwenden, daß sich mit ihm ״Nationalitäisgedanken" verbinden; dieser Borwurf ist für diejenigen gegenstandslos, die im Judcnthum keine Nationalität, sondern eine Religion scheu. Herrn v. Gizycki sind wir nicht ernstlich böse, wir wissen, daß es gut, baß es menschenfreundlich gemeint ist. Der brave Soldat ärgert sich nur über die orthodoxe Brille, mit der er die Bibel hat lesen müssen, nicht über die Bibel selbst; man kann ein Verehrer der Bibel sei», ohne an die kirchliche Jnspirationstheorie zu glauben, man kann den göttlichen Hauch der Bibel vcrspüren, ohne darum jedes der erzählten Wunder zu accepsiren, ohne sie als Autorität in geologischen, astronomischen und ähnlichen Fragen gelten zu lassen. Aber ge- Bgt muß es werden um der Wahrheit willen, daß der Herr berst der B bei so befangen gegenüber steht, wie ein ortho» doxrr Pastor oder Rabbiner; er soll sie unbefangen lesen, und er wird erfahren, daß ihr Wahrheitsgehalt fast ganz unabhängig il't von dem Wunderglauben, daß sie uns Gott und Menschlichkeit und Liebe verkündet. Der Streit mit Männern wie Egidy, Gizycki ist rin »Streit um Gottes willen", der zur Wahrheit.und Versöhnung führen und dauernde Frucht träger kann. '_ (Stec fifit(ttp1IU6t des Kürst-firrvischofs Ar. Iljeodor Aoh». Das Judenthum, welches dem Chrisienthum den Stifter und dir Apostel gegeben hat, gab ihm auch Päpste, Bischöft, für heilig erklärte Missionäre und hochstehende Prälaten. Was verwundern s.ch also und verbrämen sich schier die blindwüthige» Junker und Iudrnfresier der berliner »Kreuz» zeitung" über die Wahl eines Domherrn aujüdischem Stauime auf den Bijchofsstuhl des heiligen Methodius in Mähren'? Was hat überhaupt das verknöcherte, in Dog» erstarrte Lutherthum der ״Kreuzzeitung" mit der Person I Olmützer Fürsterzbischofs zu schaffen? Hat sich ft' katholisches Organ um die Ernennung irgend eines Geuer superintendentcn aekümmert «nd baut sich am Ende nicht! das ganze mittelalterliche und immer mehr und mchr1 verkrachende System der ,Kreuzzeitung" auf der Weisheit; deS getauften Juden Stahl auf? Mit unrndlnh «chft׳ Zartgefühl und Takt hat ׳das Wiener ,Baterland" — sonst in Hinsicht auf Judenfeindschast mit der .Kreuz» zeitung" rin per nobile fratrnm — den neuen Kirchen», fürsten als einen Abkömmling der altjüdischen Priest«»- samilie begrüßt und eben diese Abstammung als bedeutuagD» voll für das hohe und heilig: Amt >»eS zum Oberhirla^ Mährens erwählten Priesterbezeichnet. Wir Juden, denen ja, wie gesagt, der Stifter der Kirchtff. ( entstammt, können also über jeie Wahl nicht im geringste».^ erstaunt und verwundert sein. Wir hätten auch tamiE jede Bemerkung über den täppischen und täppischen des berliner Junkrrblattrs unterdrückt, würden wir die Wtchl des Dr. Theodor Lohn zum fürstlichen Eizdischof nicht iu^, anderer Beziehung in gegenwärtigen Zeiten als eine göttlichichH Fügung betrachten.*) Wir haben io dem Sohne unserer ftüherenGlau benSgenofftu, l in dem Sohne de- Kleinhäuslers Josef Sohn in Breznitz, eine« neuen lebendigen und vollwichiigen Kronzeugn gegen die teuflische Beschuldigung des sogenannten jüdischen Blutritual» gefunden. Der Fürst-Erzbischof kennt l»eu!üdischen Glaube« durch und durch, « mag seinen Vater und deffen ganze t’ , möge er diese Spur verfolgen, oder auch nur öffentlich er» klären, daß er sie entdeckt habe. Weiß er aber den Glaube» seiner Väter frei und rein von diesem Makel, dann möge er auch der Wahrheit die Ehre geben und, wie einst der Domherr Veith in Wien mit dem Kruzifix in der Hand die Unschuld sein« ftühnen GlavbenSgenoss n »uf d« Kanzel beeidete, so möge nun von dem fürstlichen Bischofsstuhl des heiligen MethodiuS aus innerster Ueberzeu >ung der apost»» lisch« Spruch «gehen: Die Inden sind unschuldig, Rohling aber und seine Genossen sind elende Verleumder! Auch die nru«dings verbreitete Legende, laß der Ritual» mord,obzwar von den Juden in Abrede gestellt, doch das besonder», aeheimgehalteae Privilegium d« Abkömmlinge vom Stamme Levi sei, ist der Herr Erzbischo: in bester Loge grüudlich auf ihr Nichts zurückzusühren, denn n selbst ist ja als .Kohn" ein Sproß des Stammes Levi. Möge « sich seiner groß» Verantwortlichkeit gegen seine «hemaligen Glauben-» mch. Stammespenoffen bewußt werden und I)urch eine öffentliche Erklärung, den auSerwählte« Stamm Levi von dem schmutzige« Verdachte d«S Blutmordes, den die ansistmitische V«loge»heft ‘ ihm andichtet, reinigen — וטהר את כר לוי (Maleachi — eingedenk der biblischen Vorschrift: ^Wer nicht aussagt^ (wo « zur Feststellung d« Wahrheit mar Aussage mache»; kann), der trägt ftine Sündenschuld." (S B. M. 6,1.) Ate jüdische fislsNisatto» te Argerrttete». »«»ft«» «ach de» jüdisch«, ralemle«!u »atrr-Ni«« 1 eine» Prakltsche» gmwmtrttzr II. Im April dieses Jahrekam Okierst Goldsmid welchem die schwierige Aufgabe übertragen ward, das voll»! ständig deSorganisirt« Unternehmen wieder in Fluß zu bringen, j *ע »ehnlich, wie e* h» Esther heiht (c. 1,14): .יודע אם לעת סאת הנעת למלכות