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Israelitische Wochenschrift · 1892-11-11 · 46 (11.11.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
46 (11.11.1892)
Date
1892-11-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Berichte tra» ^jSTgMKKu, ja, ia «wache« Geaastckeu ist diese Kategorie «s Seamademstgliedera völlig ansgestorbe«. .••<£ fBat folgt a«S anserrr erste« Wahrnehmung? Doch M. die gebieterische Forderung, daß der Stellvertreter de» MMbincr» «eaigste«» ei« mäßige» rabbinisches Wissen besitze. UM schoa die einfache Pflicht der Billigkeit erheischt von uns, *1taf wir die Berechtigung der erwähnten Forderung anerkennen. Denn, meine Herren, wen« der Theologe da» Recht der Jaftzrrtion de» Religionsunterrichtes für sich in Anspruch must, dann wird ihm zuoerufen: ״Bleib' ja der Schule fern! deau du bist nicht päoagogisch geschult und besitzest demnach auch die Kennt o iß de» Schulwesens nicht." Sagt aber der Theologe: ״Lin Laie darf in rabbinischen Angm'egenheitnr nicht mitspvechen!' dann wird über geistliche« Lochmuch und pfäfftsche Anmaßung geflagt. Und doch merne Herren, ist«»leichter, bei gründlicher Beherrschung de» Stoffe» me rst^e Methode zu finden, als bei völliger Unkennwiß einer Materie ein richtiges Urihell über dieselbe, abzugeben. Was die zweite Wahrnehmung betrifft, daß n»ml«ch die Kenner de» jüdischen Schristchum» in den Gemeinde» immer seltener «erden, so folgt an» derselben nicht minder, daß der Lehrer die jüdische Wissenschaft in würdiger Weist zu reprüstntircu im Stand« sein müsse. Heißt e» doch in den Sprüche» der Väter: ,An dem Orte, wo keine Männer sind, bestrebe dich ein Mann zu sein!' Soll aber der Lehrer mit männlicher Entschiedenheit für die Interessen de» wahren Judenthum» i« seiner Gemeinde r,»treten, so muß er nicht allein von Begeisterung für diese» wahre Judenthum erfüllt sein, sondern er muß auch ein iwpoairrnde» Wissen von demselben aufweist« köwieu. Duz« genügt aber eine oberflächliche Kenntniß dch von de» Terewonialwestn losgelösten ethischen Privrip» de» sogenannten .pronbetischeu" Jndenthums bei weitrm nicht. Hat sich an» nun au» den veränderten Berhälwiffen innerhalb der Gemeinden das Bedürftiiß einer gründlicheren Ausbildung de» jüdischen Religionslehrers ergebe», so erscheint dieses Bedürfniß geradezu al» eiu Nothwendiges, wenn man die Verhältnisse des JudeothumS i« seiner Gesammtheit nach Junen und uach Außen in Erwägung zieht. Im Innern bedrohen JudifferrntiSmoS und Unglaube« den Bestand des Fudentham»,'und von Außen erwächst diesen Erzseindeu aller Religiosität in dem immer mehr und wehr um sich greifenden Antisemitismus ein mächtiger Bunde«, genoss«, der. wie viele Ttzatsacheu der letzten Jahre es beweisen, zahlreiche Juden dem Glauben ihrer Väter völlig entfremdet hat. Wer ist aber wohl mehr dazu berufen, gegen dies« Feinde des Judenthum« Front zu mache», als bte intellecturlleu Führer der Gemeinden, sie wägen nun heißen wie sie wollen: Rabbiner. Prediger, Kultus beamte oder Lehrer? Und die Waffen, welche diese Gotteskämpstr zu führen haben, müssen wieirern« der Rüstkammer des Geistes, dem Schatze des biblischen» rabbinischen uud religion-philosophischen Wissens entnommen werde». Um triefe Waffen jedoch mit Erfolg führe» zu känuen, muß man mit dem Gebrauche derselben völlig vertraut sei» und muß über diestlbe» me über sein Eigenthm» frei verfügen können. Und da dieser Kamps nicht bloß auf einem Schlachtplatze,. sondern auf mehreren und zma Thell sehr verschiedenen (wie: Schule, Hans, Kanzel, «esrllsthaft, Vereine und Pieffr) auSgefochten werden soll, so müssen die Kämpfer nicht nur mst der Beschaffenheit dieier Terrains, sondern auch mst den verschstdenen Kampfesweisen vertrant sein. Mst anderen Worten: Der jüdische Lehrer muß als Religionslehrer, Prediger, Bereinsredaer, *ab womöglich auch al« Publizist, im Staude sein, die Mahrtzchvi de« Jndruchum« gegen all« Angriffe, ste mögen woher sie »ollen, zu verthcidigen. (Forts, s.) Dewtschlaich. Merk». Wie in diese« Blatte mstgetheilt, hat der Vorstand der Altoaaer Gemeinde sich mst einer Jmmediateingabe an den Kaiser gewendet und gebeten, bst vom Minister des Jmiera verweigerte Bestätigung des zum vberrnbbiaer gewäbltr» Dr. Rosenfeld aus Ungarn z« voflzsthen. Jetzt schreibt das .Berl Tagebl.": .ttsa» hat» »in« Aawtl der übrig«» in Drnchbland stßhnfteu Rsbbivawtendtdaw«, «elche sich gleichsag« u»> di« Stell« de»»eben hatte», Knud« hiervon erlangt, da hatten sie ndüt« Eilige«» jir thn». al» sich ebenfalls mit einer Petitia» an de« ltntser zu Wenden und unter Hinweis darauf, daß die Zahl der stellenlosen Rabbi «alsdmdtdatr» i« deutschenReich «in«sehr grnl« sei, dnrum »« bitte», daß de« Dr. Rosenfeld, al« Ausländer, dl« vestllttgung versagt werde.' Das scheiut eine grobe Verdächtigung ehreawerthtr deutscher Rabbiner, wie ste ähnlich jüngst auch in den Brrliner jüdischen Blättern verbreitet wurde, iieren eines von einer Petitum einiger neunzig stellenloser jüd. Eultusbeamtrn an den Minister um Abhilfe geg^n die Ueberschwemmuug Deutsch, lauds mst ausländischen Eultusbeamten fabelte, wäHaud das andere flugs daran» SS deutsche Rabbiner machte, gegen mlch« dann eia wahrscheinlich nichtdeutfcher Rabbiner einen geharnischten Artikel losließ. Di« ausländischen jüdische« Blätter schreiben da» nach und sprechen bereits von einer .geistigen Inferiorität" der deutsche» Rabbiner. Wollen die letzteren diest Schmach unwidersprochen aof sich sitzen lasst»? Jene ausländischen Blätter wissen nichl, daß di« eine jüd. Zeitung zum Chefredakteur «inen .Richtte ätschen" hat, der sein Blatt im Fahrwasser der vier , n ichtdeutsch«»• berliner Rabbiner leiten muß und auch bei der bevorstel enden Besetzung der fünften Berliner Predigerstelle für einen Magyaren emza. treten die Weisung hat, während das ander« Berliner Blatt die Interessen des orthodoxen Rabbinersminar» wahruehwen muß, dessen Schülerzahl zum größten Theil ans Ausländer« ׳ sich rekrutirt. In diesen Blättern wurde u. A. darauf hingewiesen, daß man ia den Hauptgemeinden Oesterreick-Ungarns, in Wien und in Pest, doch auch st einen deutsche« Rabbiner (Güdemann und Kaystrliag) angestellt habt. Ja .auch je einen deutschen' unter den andern vsterr^uugarische« cm RabbiuatSeollegium, aber in Berlin soll unler fünstu nicht einmal ein Deutscher fein! Ist das nicht eiu Himmelwmter Unterschied, ein himmelschrestndes Unrecht! X. (Wir Hab«, unfern Standpunft in dieser.heiklen Frage" — unter dieser Ueberschrift — in frühere» Jahrgänge« wiederhott dargriegt und möchten nicht gern nochmals da raus Mitfidtommcn, da« eine um sei hier nochmals von «u» betont, daß wir in der Wissenschaft überhaupt, imd ganz besonders ia der jüdischen, durchaus keine national« Abgrenzung oder Spe rr« kenne», daß aber andererseits de, rabbinisch«Beruf kein ausschließlich wissenschaftlicher ist, sondern daß der Träger dststs hohen geistlichen Amte» nicht selten in dst Lage kommt, als Vertreter der Gemeinde zu fungirrn und die,« zu reprüseutirrn, wo ihm der Bmsttoa Überzeugung»-- voller patriotischer Gesinnung nicht fehl« darf.) Mraataa, s. Rov. tOr.-E.) Die deutsch.conservativ« Partei sucht sichst, letzter Zeit über ihr« Stäluag zur Judenfrage ganz besondere Klarheit zu verschaffen. Schon im vorigen Jahre war von einem junkerlichen Mitglied« der Partei der Vorschlag gemacht Worten, die Judenftage in ihr Programm aufzuuehmen. Wie es hieß, wurde danols der diesbezügliche Antrag auf dem Partritage der schlesischen Konstrvutwe» abgelehnt. In der gestrigen Versammlung »es hiesigen deutscheonservativen Vereins, welche im Hsttel zum »König voa Ungarn' stattsand, hielt Her,!Professor Dr. Schmidt eine» Vortrag über das Thema: .Wie erkttact sich das verlange» nach Erweitern«- des Programm!» der couserva^ivea, Partei, uud ia welcherAWaag hat sich W r ־

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