Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 45 (4.11.1892)
- Date
- 1892-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Die Jode» fannttn damals nicht ciumoI den ve-riff von Wacher, der ihm» in »er heil. Schrift witerftzt war, und den ihnen christlich« Fürsten erst ansuöthigten, damit sie den Staub der Straße, den Lichtstreift», der in ihre engen Ghetti'S fiel, bezahlen körnten; gnbt ei» ein Land, das so corrumpttt, 1» voller Wacherer and Güterschlächter ist, alt da< judeufreie Spanien, drsten Girenenruftn die Jade» vor 10 Jahren ״nicht folgen wollte»? Hann Ihre Theorie gegen diese Thal- .stich« Stand halte«? Sir thun, al« wunderten Eie sich, daß!« Jede, wie Sie «mmhmrn, sich beleidigt fühlt, wen« man ihn beim richtigen Namen als ^Jude' aaredel! Stein, mein sftrr, er fühlt sich darüber nicht beleidigt, sondern nur driwegrn, weil Sie die Absicht haben, um der Pioftunung dieses Rament zu .eine« Schimpfwort, ihn zu beleidigen? Oder wollen Sie chm etwa weis machen» daß Sie mit diesen! Zuruf ihn ehren Wollen? Jeder Mensch hat seinruRame», und Anstand und Sitte erfordern, daß er mit demselben gerast« werde, nicht »tt dem Namen seiner Religion, die ihm in sein geschäftliches i Leben »er di« all« Menschen einigenden Lehren der Sittlichkeit Moral» der Ehrlichkeit und Redlichkeit, der Nüchternheit Arbeitsamkeit aufgirbt, die trennenden aber für« Hau» 'und für den Gottesdienst zurüekbehält. Sobald diese Sitte!gcündertwird.uadJedermann.llhrist׳ oder ,Mnhamedaner' gerufen wird, dann wird «S keine« Juden ei,sollen, entrüstet zu sein, wenn Sie ihn in der üblichen Lei'« alt ,Jude' »ttnlirru. Würden Sie nicht wild werden, wenn die Katholiken Sie, Herr — ich weiß Ihren wei then Namen nicht, denn Sie haben des MutheS tessnn Theil, die Borstcht, vorgczogen, -sich nicht zu «rnnev, — also: ^«err Anti, stu» .Protestant' auredeten? Was wollen Sie also mit solch«» Bemerkungen, .!Heren Unhaltbarkeit Sie doch selbst einsehe« mlffen, wenn Sie -.Anspruch erheben, zu de» gebiltetra Mensel«» zu zählen?' Ist eS wirklich Ihre Ueberzingung, daß die von Jude« ^Hervorgernseoen Skandale sich mes!re»? Sie verwechseln offen- ,«ar btt Begriffe, Herr Anti. Oder find etwa die Leithammel tx antisemitischen Heerde lautnc Juden. Ist der bekannte »stwediger auch ein Nochkomm« derer dom! rothen Meere? Wissen doch wohl, wer gemeint ist, sonst wollen wir Ihrem KOGächtuiß uachbelsea: Der Stöcker ist gemciut, welcher im "HkichStage seine Unterschrift erst abläugnet«, aber .dasWort kam» feinen Lippen entschlüpft, er möchte gern in di« tieft '-ruft zurück e» versenken', denn er mußt« sich selber dementiren. tt ist derselbe Stöcker, »elcher in dem Prozcß gegen Bäcker solch glorreiche Rolle spielte; di« Herren Lnti'S üben einen ~ ,«antrl der Lieb«, mit, welchem sie ihre gehler und lche« verdecken «Lffen, sodast kein Zipftl mehr für ihre eumcuschen übrigbleibt. Ist das kein Skandal und ist der Imacher — Jude? Ist Alimentrn-Böcktl — welcber wohl einer neuen anattischen Weltschöpfung emgegensah, in der er der erste hvderne Mensch sein sollt«, und!«halb an eine- ,Lva' sich »chirie — ei» Jude? Wehe, wehrli Liebrrmann von Sonnruberg, der dieft Welt nur sür sein' ansah und sich au» der Welt »ieht» machtt — hling. der berufsmäßige Fälstlftr — Ahlwardt, dessen jlspruch sein soll: null» cki««r«... Berlän mdung — alle die anderen Planettn zwkiten Ränget!, deren Glanz fthr, sehr viel« Schatten verdunkelt »nd — sind sie Inden? Ist Bismarck, den Sie gern für sich reclaintten, welcher ‘ז Wett ei» seltsame» Beispiel von Gehorsam und Unteriß gegen feinen angestammten Köuig ziel», der große «tt seiner klenckiche» Berttsftubett »ad Mißgunst — «k» L«d«? Doch Pardon, tt stammt ja von Judeu! mütterlicherftit, wie die Gekchrte, der ,Deutglücklich entdeckt holen. ß zu emo» ׳ diejenigen, welche alle Inden stir den Mord, der als Rituwl» mortz ftigmrtifirt wnrde, solidarisch haftbar »achten? Und die gemeinsam Angegriffenen sollten sich nicht gemeinsam vertheidige» dürft»? Siebt e» keine ehrrnwerthe« Männer in allen Berus«- zweigen, anf deren Eltern, oder Großeltern ein Makel haftete, und Sie würden Ihr edle» Haupt tief beuge» müffen, wem» «in Sohn oder Schwiegersohn Buschboff'S Recht spräche. Buschhoff, deffen Unschuld glänzend erwiesen wurde? Herr, weisen Sie einmal von ö zu v Minute» »ach, was Sie am 29. Juni 1892 den ganten Tag über getrieben haben! Sie sprechen soviel vom Talmud, den Sic gar nicht kennen; wiffen Eie. welche Auffassung derselbe von Pharisäern hat, di« er nicht Alle in einen Topf wirst? Als schlimm wirddort eine Sorte Menschen bezeichnet, welche selcht Handlungen begeht, wie der gottloft Simri, und Lohn heansprucheu gleich dem frommim PruehaS, (Bergt. Numeri Eap. 41) was zu deutsch heißt, die bei Anderen der: Splitter schau», im rigenen Aug' den Ball:« kaum. Daß >8uschhoff, welcher als Jude litt, vmr diesen, aber auch von Lhristtn, wenigstens materielle Hilft bekam, nachdem man sein« zebrocheue Kraft nicht wieder- Herstellen konnte, dafür — machen Sie doch den Staat verantwörtlich und Ihre Gesinnung«« :»offen, welche sich weigern, die Pflicht deS Staate» zur Entschädigung unsäsuldiger UnterluchungSgefanaenrn aozuerkennen. Mit Ihm« wären wir fertig; den, Leser aber sind wir schuldig. zur Vervollständigung dieser Besprechung die Worte , nit dramatischem Abschluß' auf dem Titelblatt z« erklären.׳ Die Sache ist fthr plump, eS kommt nämlich ein Schutzmann in» Local, wo dies Gespräch stattfindet und erklärt: »Wegen einer soeben bnr$ den jüdischen GerichtSasftffor MoscheleS wieder Sie erstattete» Denunziation weg«» Beleidig»»!; BuscPoffS.bin ich genötigt. Ihre Personal«« ftstznstellen!' Höchst dra- «atstchl Diese Wirkung wird 1 och verstärkt durch ein« Erklärung de» Herrn Anti — die er wohl gleichftlls .zufällig' erfahre» — daß ein Ausnahmegesetz gegen den Antisemitismus ״oben" geplant werde und daß die Alliance JSraelite einen Paragraphen verlangt, nach dem eine Anklage wegen Ritualmord unzulässig fti — woraus Herr Philo, der wässrige Verteidiger de« Judentum» erklärt, heimlich, dem Gefühle noch, laug« schon ein Antisemit zu fti», jetzt aller offen zum AukiftmittSmnS sich zu bekenne!,. Mit Geschrei, — ohne die» geht'« bei den Anriftmiten jc: nicht — hi«c dramatischer Abschluß genannt, redet dieft Prostitnirung der edle« Schwarzknnst Gutenberg». Zu« Schluß noch ei» Wo>1 über diesen Herrn Philode« die Rolle eine» AuwaltS der Juden zaerteilt wird- Dieser Philo ist entstanden an» einer Momevtphotographie de» einstige« Elia« Lohn in liSeckiu. Dieft: verkommene Mensch »mix vor einem Dutzend Jahren, als Stöcker selbst »och der Meinung war, man könne nur durch überzeugende Beweist auf die Mafien wirken, von ihm in alle TaboÄversammlangen mitgroommen. Dort dichutirte Sticker mit ihm über den Talmud, den sie Beide nicht einmal de« Ansehen nach kannte«, in der bei Doetorpriifurme« üblich«» Form und küirb natürlich stet» Sieger. Die Berliner sind aber ,hell«', merkten bald den Rummel und verlangte» Abwechselung, weshalb Elias Lohn zur Disposition gestellt wurde; er erhielt später seine wohlverdiente — Taus: und einen anderen Name« vom Missionspreoiger L« Roi in Berlin und ist seitdem der verdiente« Bengesftnheit anhetmgei alle«. Eine» solchen .lehmrseu Golem' hat Herr Anti sich al« (teguer gelüldet, der usr spricht, »a» »an chm eiahancht. Da c-r mm Latiftmtt «morde» und ol» ,Philosemtt' dem- »ach tot ist, wolle, »oft ihm ftin^t Nachruf nicht entziehe« uud zwar mit den ‘*,“J ׳*—* ־■-