Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 44 (28.10.1892)
- Date
- 1892-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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raßbinerS Tr. Ehrenfe l d. die Mitglieder der Tempel» gemeinde fast vollzählig. Rach de» dvmpftn Ausklingen der Orgelttne bestieg Dr. Gelb hau«, der NaHfolger Kämpf«, die Kvnzel und würdigte Kämps« Thätigkeit für die Wissenschaft, da« Juden» chirm und insbesrndere seine Gemeinde einer eingehenden Darstellung. SB* di« Wolkensäule, welche die Israeliten einst führte, zog er ein ,Engel de« Herrn Zebaotfeiner Gemeinde als Führer voran. Al« er wegen de« sich fühlbar machenden Alter» sich zulüetzog. sei er mied.« Feuersäule de« Nacht« hinter seiner Gemeinde einhergegangrn, bescheiden und anspruchslos, uur in der Absicht sich noch zu überzeugen, wie es einst werden Mächte, wenn er die Augen schließe. Ja er sei ein Engel de« Herrn der Heerschaaren für diese» Hau« gewesen, darum weinen jetzt die Wände diese« Hause«, weine die Kanzel, weine die Gemeinde. Roch einem kurzen Schlutzchoral wurde der Sarg in den vor dem Thor« stehenden Leichenwagen gehoben und in den .Badhofgeführt, wo nach altem Herkomme« di« Leichenreden gehellten werden. Der Badhof ist ein eingrftiediater Platz umgeben von den Mauern de« weltberühmte» alten Friedhofes bepflanzt mit ehrwürdigen Bäumen. Die Kanzel steht siei, dos Publikum ist vor den Unbillen der Witterung iiicht geschützt Hier ergriff nun Oberrabbiner Dr Ehrenftld da» Wort, um im Namen der Kultusgemeinderepräsentanz eine Trauerrede zu halten. Dr. Ehienseld entledigte sich dieser Aufgabe, indem er an knüpfe» d an da» bekar nte Gleichniß der Mischna Aboth von den drei Kronen, die von der vierten (der de« guten Ruse«) übertroff a werden, dem gefrierten Tobten dieselbe zur, kannte. Dr. Ehren seit gebietet weder über da« klangvolle Organ, ncch über die gcisl- und gewüthvolle Berrdtsam'rit seines AmtSvorgäuger« Oberrabbiner Hirsch in Hamburg, auch hatte er mit dem Eindrücke zu kämpfen, den fein au« rituellen(?) Bedenken «folgte« Fernbleiben von der Trauerfrierlichkeit im Tempel machte; doch gelang es ihm, auf die Zuhörer einen ihren Gefüblrn der Verehrung für den vor ihm liegenden Tobten enlspi eck enden vollen Erfolg zu erzielen und den lebhaften Beifall zu finden, der seiner sorgfältig auSgear- , beiteten Rede gebührte. — | Durch di« ganze Stadt zog nun der Trauerzng, überall j waren die Straßen dichtbesetzt von der Menge, die ehrfurcht«׳ J voll den Zug an sich Vorbeigehen ließ. Aus dem neuen Fnedhof geht di« gretzr Lcrrmonienhalle ihrer Vollendung entgegen, doch war dieselbe diesmal noch nicht zu benutzen. Rur ein kleiner Theil der Trauergäste fand daher in dem provisorischen Saale Raum, in welchem nun noch zwei Redner da« Won nahmen. CtembMnttfitaMTlttkT Dr. Zauber, bei sich durch seine vertSßnllche» uud recht mn, scheu frrunbliche« Wirken der gtBfcten Belieb«heil iu der «kfammuewcinbc erfreu«, bestieg zuerst die Kanzel Aach der Erzählung b>4 laibrasch. Laß bei» Tode R. LIieser beu Ccbamva’• ein allg riet »er JBtbruf durch M Bott gegangen sei, baß mit ihm eiu «Kann vierfachen Bc-bknste«, ein Wann Ser Lehre, ein Wann be»ZaI»ub«, ein Pajlan und ein Larfcha» in» Grab finke, känae «an an diese». Sarge in «ektben Sehrufe auSbrrchen. Und nun chararterisirle er Kämps als Bitelsorscher, 01» Kenner der Talmudlilleratur, al» Dichter und Äedner Die treffliche Rebe schloß «il der Versicherung, das, Kämps sich t» Herzen seiner Gemeinde, ja seine» Balte» ein dauernde» Dentmal erricht׳« habe, unvergänglicher al» Monuraente au» Marmor oder Erz. Der Predig» »er Meisetsynagoge Dr. Kisch, der nun da» Schluß« «ert sprach, knüpfte an die Erzählung von den drei Sühnen Noah» im Vochevabjchniile an. Wie einst Aoah habe mit de« Ende unsere» Miuelatter», da» di» ia diese» Jahrhundert gedauert habe, da» Judenthum ohnmächtig und entdidßt auf dem Baden gelegen. Da gab e» Sühne, die spottend und lachend die neue Zeit begrüßten, indem sie unsre alte» Schrihhum unehrdirrig behandelten, die eigene Kindebhaiid gegen den Totmnd aufhrben Männer wie Rappoport, den wir gerade vor 2b Jahren (in 18. Ccisbci 1867) in diese Erde gebettet -»ieu, nie Frontet, dieser Gemeinde waren und wie der sich diesen Herren in Berrhrung urd Freundschaft anschließende Kämpf ersüuien oder mir heißer Kind!»liebe die Pflichten gegen unser Bott. Dafür »ä an ihnen »er Lep:n de» Erzvater» Roah wahr geworten: ‘K HC' aa ליפת וב׳ ים־פיתו של י«ת יוד באהלי• ®!e Karinenschünheit, Beredejomkeit, und^a igemetne Geiehrsamkit der Japhetiten sind dnrch sie in die Mte Jacob», wo M bnhln nnr «k FrklochM «i < nlnteit Seu>» «mahnt hatte, eiagefflhr» mmbä». H«e enoa Her' ter erhebenden Foraeea »it aikhergebrachaea» Geiste und bar brachten Jnoiakit de» Ekttesbienfle» i« hiHgea kempel sei da« uerglnalichi Berdienft diese« Manne«, der >vie Wdeoich sag», für Uebevoue» Saeaehen gegen den alten GiaNtoa neien de» ltikchls PaiUa» de» Philoiophen da» Shrenttetd de» jsbtschea Glaavea« er» Als der Redner die Kanzel verl!«ß. «uük er für s« innigempfundeneu Worte, die den nachhaltigsten Eindruck die Zl>höt»r machte, von ollen Seiten beglückwünscht. Ehe der Sarg in die Erde gesenkt »erde, sprach <11 Rabbiner M. Stark au« Weinberge einig«!Lorke des Da« namen» der Schüler de- Heimgegangenen Die Scholle»^ fielen dann dumpf auf den Sarg, und Scul Jsak KLu ruhk im Schoße der Erde. Friede seiner fische! ffnafMUb. y«r l». Der Bischof von DistNk hat-die anriftmklisit»! Zeitungen ״X*'Aatorite* und ״Libr» Pmol•* ,als Mtgefährlichsten Feinde der Kirchevecboten. Diese» das die püpstllche Bestätigung erkalten, wird von ״ßkooitsur ck« klows", dem offiziellen Oiaane Leo XII mit den SZortcn begründet: .Hier ist ein Act der Enetf welcher wir unfern Beifall hollen, besonder«, wo» die» Aatorit lmd ״Libro Parole‘■ betrifft, deren Einfluß höchst beklagetkswerth und verderblich ist.- — Paul de Laffagrac undDrumont! haben diese derbe Lectio« ruhig hingenommm.!91111«. (Or.^Lor.) Der Tod des berühmten hebe. Dichd Jehuda Lc-rb (Lsou) Aordon, der in Ahr«»» gesch. Blattebereit« mitgethmlt wurde, hat in hiesiger Gemeind« beso« Tiauer Hervorgerufe», da der Verblichene hier im Jahre 1830. geboren wurde, und auch sei« Kinder» und Jogendjahrt hierzubrachk. Unter dem Eindrücke dieser erschütternden Nachricht vcranstaltri* der gebildete Theil der hiesigen Gemeinde, der׳ den Brrewigten the'ls persönlich, theil» aus seinen hier fchr! verbrelteten und vielgelesenen Schriften kannte, einen erheben«» TraurrgottrSdienst, um sein Andenken zu ehren. Zunäihst wollen wir jedoch Einige« über seinen Leben«» lauf, ׳eine litterarischen Erzeugnisse, oie sei»«» Ruf al« her* vorragenden hebr. Dichter begründeten, bericht:». So >vie die meisten au« jener Zeit ,lammenden jüdisch-russischen Gelehr«« war auch I. L. Gordon — Autodftakt. Bon einer regelmäh' Schulbildung konnte ia den dreißiger Jahren iti den rusfiß Juden übetthaupt nicht die Red« sein. Wol>l standen ' damals die Ghmnasten der jüdischen Jugend offen, aber die׳ Eltern koniltrn e« mit ihrem religiösen Gewissen nicht vereinigen, ihr« Kinder den profanen Lehmnstalten anzuvertrauen, deren Besuch allein schon genügte, um gewissermaßen al« Abtrünniger vom Judrnthum angesehen zu werden. Der ' »Gymnasiastwurde al« von der Gemeinde ausgeschieh», betrachtet, :»eil dl« im Gh nnasium gelehrten profan» Gegen-; stände und di« obligatorische Sabbathentweching, die zn sener^ konnten. Wir all« seine andern Maudensäenrsse« wurde also. auch G. im EHeber erzogen, um zum zukünftigen Rabbi aus-m ׳ bildet zu werden. Auch dann, al« er im Jü,gltng«alter das : LHeber verlassen hatte, lag er eiftia den Lolmudstudien otu worin er e« zu besonderer Tüchtigkeit bracht:; er soll sogar 4 nach gewissen Bericht» bi« zu seinem 17. Jihr« d» gaiqen^ Talmud durchstudirt haben. Iu diesem Alter wandt« er- ..... mäßig kurzer Zeit gelang, sich emen rciche» Schatz von Wifi» und umfassender Bildung anzueignen. Er!*herrschte nicht' allein gründlich das Russisch« uud Hebräisch,, sondern auch, die andern modernen Sprachen, in denen er später aß" Journalist (u.Lauch alsLmrespondeat einigerder jüdisi in Deutschland), Mitarbeiter des berühmten russis, .Ewlosuud als Redakteur des .SZoschodch war. Lin glänzend bestaadeve« LehrereyUKM^verfchaffte