Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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r i»־J W»tzk»sel-eo |t*i, ciM Verfügung dahingehend ja trefien, daß ^»Sfer GotstSk^lft in den Eynagagen n» Sommbeut׳,. S. Cftobn, cbgehakten werde, -auf a«ch ^eflheljen ift B. Gße»«itz (EaLsei,). Die Istfigr Gemeinde Hai in rühmlichster Weife für koscbcreS stteisch, trotz dem feit dem 1. Oktober bestehenden.verfaffungbwidrigea Berbob: de» rituelleu Schlachten», gesorgt. ES wird in Rüßdorf, nnweit Ehemnitz, da» eine herzoglich-alten burgischeEnklav, ist.« von einem Äm Kocher Fleischer, bez. de«! dazu -beorderten Schochet M der Gemeind« geschlachtet. Der Fleischer bringt d«S Fleisch cheiwal^ wöchentlich noch Ehemnst. und verkauft et in dem Kt Gemeinde geHörigen Lokal. da« bisher zum Schächteu de» Geflügels benutzt v'urde. Die Stadtbehörde ha da» gestattet unter denselb« Bedingungen, unter wetchrn Lindfleischer Fleisch in Ehemnitz verlauf«, dürfen. Doch gilt der Verkauf " al» Prirxnverkauf, d h. die Gemeinde als solche wird al» einziger Käufer atigesthen und darf' daher nur au Mitglieder werka>;ftn. Der erste Versuch, Schwierigkeiten zn machen.!■? lag nun darin, daß ein Polizeiwachtmeister sich Fleisch holen? ließ und dann den Fleischer darauf belangte, daß er widerrechtlich Fleisch verkaufe und gegen die polizeilichen Bestim- ^«ungen verstoßen habe. Um dies zu verhindern, werden fortan die ^emrindemstglieder Legitiwatioi Skarten beim Flrischcinkauf - vorzeigen. Jedenfalls leidst die Ehemnitzer Gemeinde nicht »nter dem Gesetz vom ll Oktober. -««ümeg, 1v. Oktober. (Lr-Eorr.) Jüngst brachte Lie »Frankfurter Zeitung' ein ausgezeichnet geschriebene« und gedankenvolle» Feuilleton über die Schicksale L»amburgS während der letzt,.» Epidemie, Manche derbe Wahrheit wurde da über die Haltung de» übrigen Deutschlands ausgesprochen qnd e« wurde hervorgc hoben, wie dis Hamburger Bevölkrruug wesentlich aus sich selbst angewiesen war und sich aus eigener Kraft geholfen hat? Als.eigentlicher Organisator de» sanitären RettnrigSwerkeS, als »der rechte Mann zur rechten Zeit", wurde hierbei ein junger Arzt, Dr. Okto Meyer» mft großem Lobe gefeiert; er habe in seinem Bezirke in deu ersten Tagen, wo der Schrecken alle Kräfte lähmte, den Kops nicht verloren,- Alles ׳vortrefflich geordnet, so daß, als di: Aerztr zusammenkämen. um RathS zu pflegen, sie nichts .Besseres thun konnten und thaten alda», was Dr. Äeyer schon für, seinen Bezirk ins Leben gerufen, einfach nachzuahmen. Wir wollen in diesen Blättern nur hervorheben, daß dieser Arzt, der schon vorher in Hamburger Blättern die rühmlichste Anerkennung erfahren hatte, rin Jude ist, und daß diese selbstlose Thäligkril für daS Gemeinwohl so zu sagen ein Erbstück ist, denn Dr. Meyer ist der Sohn de« verstorbenen SanitätStathe« Dr. Sigismund Meyer in Gkogau, der nickst nur iu seinem Wirkungskreise, sonder» weit über denselben binau» in der besten Erinnerung lebt. E« chut wohl, .»enn in dieser bösen Zeit, wo Alle-, waS Juden leisten, henibgezogen wird, da« segensreiche und tapfere Wirken eine« Juden im Kampfe mit dem gefährlichsten Feinde eine so angemessene Anerkennung findet. Dr. Otto Meyer ist ein junger Mann, Anfangs der Dreißiger, und hat eine große Aukun^ vor sich. Maarte«» S. Octooer. Vor der hiesigen Straflammer tze» Landgerichts fand gestern Verhandlung gegen den iSr. Kcuffmsnn Moritz Schloß aus MaroldSweisach wegen Be- . leidiguna de» dornaen protestantisch:«PfarrvikarsHolzberger Itatt. Der Lugeklagte soll in Gegenwart von mehreren stugen geäußert haben: »Seit PfarrviKrr Holzberger in IKaroldsweisach ist, ist der fonfefiloneQc Friede gestört, den Juden werden Fenster eingeworstn, Läden auSgeyängt und Ä, ,iierstört, ja sogar die Synagoge ist mcht mehr sicher, auch " c.n ihr wurden die Fenster erngevorfru. Da» kommt aber daher, wenn man solches in der Kirche uud Schul« lehrt.* 4- Letztere Bemerkung bildete den Grund der Klage de» Pfarr- Vikars. Run aber wurde durch vrehrrr« Zeugen dargethan, * :^0| Pfarrvikar Holzlager der allen Gelegenheiten^ stinen S , ,den trnge. So B. gebe «L aicht in da» WirchS^nner, .wen», ein Jude darin ist, be « Schachspickr neu« er ILe goauertkhe Figuren die Jtzige, de» Schützenverein nenne er nur de» Jtzigverrin, deu Schultir deen erkäre er, wenn sie ihm (dem Velar) gelegentlich der AlendmahlSfrier ein Grschevk machen wollten, so nehme er e» nicht an. wenn e» von einem Jude« getauft sei- Selbst in seiner Red« am SedanSfeste beleidigte er die Inden in der atVifttu Weise. Die Entschuldigungen de» Pfarrvikar» Holzbe-Per machten aus jeden Zuhözer irr Gerichtssaal den Pein-!iöjsten Eindruck, so daß. selbst der StaatSamvalt da» Sebahmi de» Pfarrvikars einer scharst« Kritik unterzog׳ der SiaatSanwalt beantragte 50 Mt. Geldstrafe für den Augeklagten Schloß, da nicht vollständig erwiesen sei, daß in Schule nnd Kirche, so wie olyn erwähnt, gelehrt wurde. Die Bcrtheidigung geißelte in schärfster Weist da« unchrifüiche Tl«n und Treiben des jungen Vikar», der mit 25 Jahren auf seine S"lle berufen, nunmehr über zwei Jahre lang nicht» gewirkt, gl» durch Hetzereien und Gehässigkeiten tue ebcdem zufriedenen Bewohner des 500 Seelen zählenden OertchenS gegen die Juden - u fauatisicen. Der Bertheidiger beo ntragte Freisprechung des Angeklagten, eventuell Aussetzung ׳der Verhandlung uud V:rn.׳humug weiterer sieben Zeugen, deren Kinder obige Beaenullg de« BikarS zu Hause erzählst». Do» Ucbrige überlaffe der Bertheidiger dem protestantischen Konsistorium. Die Verhandlung wurde vertagt. Pfarrvikar Holzberger ist bereit» seiner Stelle enthoben und in einen abgelegenen Winkel de» RhöngebirgeS versetzt. M», 3,1. Oktober. Wegen Beleidigung der i-raelit. ReligionSgesellschast stand heute der Redakteur Klemann vor. der .Ulmer Schnellpost* vor dem Schwurgericht. Du: Anklage betraf einen von Klcemann verfaßten antistmitischeri Tendenzartikel .Der Talmud", wort« di« Sätze vorkamen: a) ,So gemein, so gefährlich hatte man sich die Religion»- und Sittrnlehre!)er neu gewonnenen Mitbürger doch nicht gedacht" b) Es muß schon eine sittlich tstf stehende Merckcherras> sein, bei welcher der »Talmud* als das »Heilige Buch" für die obersten Grundun!) Glaubenssätze für Religion und Moral gelten konnte.* Der Angeklagte berief sich auf Prof. Rohling, dessen Weick ihm alä Grundlage deS Artikels gedient habe. Die Sack»« verständigen, Kirchenrath v. Wassermann-Stuttgart und Pfarrer Presscl-Caunstatt, erklärten übereinstimmend» daß die im Rohling angeführten!Stellen im Talmud gar nicht vorkoaimen. Dr. Ecker-Trier hatte cS abgelehnt, ein'Gutachten abzugeben. Der StaatSamvalt setzte auseinander, daß ttie jüdische Religionsgemeinschaft durch den von Klemann vorfaßten Artikel beschimpft warben sei. Der Bertheidiger dagegen behauptete, daß nur dir jüdische Moral uud nicht die Religion angegriffen sei. Obwohl der Vorsitzende, LandgcrichtSrarh Abh n, darauf hinwies, daß Moral und Religion gar nicht zu trennen sei, verneinten di« Geschworenen die Frage, ob eine Beschimpfung der ReligionSgesellschast vorliege. Somit mußte der GerickitShof auf Freisprechung erkennen. — Der obeageaaonte Rabbiner und Kirchenrath von Wassermann, den der Anaetagte als ,befangen* abzulehnen beantragte, war auf Beschl uß de» Gerichtshof al» Sachverständiger vernommen worden uni» erklärst u. A, daß sorrohl der Talmud wie der Schulchaa-aruch bereits 4/י seine! Autorität verloren habe. (Wir konimen auf Einige» in diesem Prozeß noch zurück.)!! ^tu»al1t|, 10. Oktober (Or.-Eor.). Am vergau,stcnrn Dirnsrag, den 4. Octobec, find in der hiesigen Synagoge dst Trauung de» fraii-östschcn Oberstabsarztes Dr. Marifl der bcmachbattrn ftanzösischea Grenzstst Frlulem Nathan, rincr Eistlin Samson Fast sämmtliche Offiziere (10 an Zahl)