Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 43 (21.10.1892)
- Date
- 1892-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ich an ngcim» feige, kniOMtechte und ftgmvriniMde HftDM gewöhn« sollten. Gegenwärtig ist diese .Stadt' fast starb» זזזסי Erdbode» verschwunden! Soeben la» ich in ein» heb» räischen Zeitschrift*) «inen Artikel, der stch wegwerfend n»d ladelud über die Einrichtungen in den Nnderlafsimge« äußert; in jenem boshaften Artikel wird auch u. a. mit geteilt, daß 600 Familien rach Europa zurückgekehrt seien; ferner, daß tne reiigiöftn Gebräuche zu wenig beachtet und viele derselben gänzlich vernachlässigt würden; daß keine Schächter vorhanden feien. Diese Ncchrichten, die begreiflich» Weise in zahlreichen Kreisen Entrüstung, Unwillen und tiefen Schmerz tzervorgerufen haben, sin» cheilS übertrieben, zum grüßten Theil ab» erk»§e» und erftmde»!! Wahr ist. daß 12v Familien zucückgekhrt sind, daruni» befanden sich jedoch viele, die gar nicht arbeiten uiollten und durch ihre Zanksucht und Streit» ust die Brsstrgcsinnten und Redlichen zu allen möglichen und unmöglichen Nichtswürdigkeiten verleiteten und zum Ungehorsam aufforderten und manche, denen es iu Argentinien übnhaupt nicht gefiel. Wir haben hier Schächter zur Genüge!! Unter ihnen befinden sich sehr ftomme, tugendhafte Männer, ab» leid» auch solche, die unter dem Deckmantel d» Frömmigkeit schändliche Thaten-aueüben, die schon oft einen furchtbaren Ehillul Ha-Schem verursachten! Binnen Kurzem werden wir die erford»lichen Gotteshäuser und Schulen erbauen lasten. Bisher mußten wir uns mit d» Errichtung von Wohnhäusern für die grauen und Kind» ׳ehr beeilen, da viele von ihnen noch io Alten, Hütten od« ui ganz kleinen engen, ungesunden Zimmern wohnten. ___ Zu meinem tiefsten Schmerz muß ich eS hi» noch öffentlich aussprechen, daß unter den ungebildeten gewohnlichen Russen gar Viele zwar an allem Ueberlieferten ׳esihalten und das geringste und unbedeutendste Zermonialgefttz genau beachten, aber die höchsten und heiligsten Gesetzt Gottes in den Zehn Geboten mit Füßen treten. — Daß viele Flüchtlinge mich hasten, mich überall zu verleumden, herabzuwürdigen und meinen Namen zu beschimpft» suchen — wundert mich nicht im Geringsten! Denn jedct Verwalt», den ich wegen Unredlichkeit oder schlecht» Führung absetze, und jeder Colouist, den ich wegen seiner Vergehen und Nied»« trächtigkeiten gezwungen bin fortzujagen ׳— wird mir zum bittersten Feind.' (Hier finden wir auS dem Munde des Sir Goldsmidt selbst bestätigt, was die von uns früher gebrachten Bnichte aus Argentinien bereits andeutungsweise meldeten. — Siehe auch werter uni» ״Buenos Ayres'.) - Merkt», S. Oktober. Für die israelitische Taubstummen- Anstalt in Neu»Weißens« war der heutige Tag ein Fest- und Freudrntag. An demselben wurde zum ersten Male in Deutschland vor versammelten, recht zahlreich erschienenen Gästen ein Festgottesdienst für dir erwachsenen jüdische« Taubstummen, in B»bindu»g mit einer Einsegnung drei» Knaben, abgehalten. Die Gebete wurden in deutscher und hebräisch» Sprach« von dem Anstaltslehrrr Herrn Arndt in einer den Taubstumrnen verständlichen Sktft vorzüglich artikuliert in wahrhaft erhebender Weift vorgetragen. Die drei Eonfirmanden wurden zur Thora aernftn, um ihre früh» stummen Lippen nunmehr zum Lobe Gottes zu öffnen. Laut und verständlich sprachen sie dft üblichen SegenSsprüch« in hebräischer Sprache. Sodann hielt d» Director d» Anstalt Herr Reich, ein« kurze Ansprache au die »schftnenen Gäste, worin » die Nothwendlgkeit betonte, die jüdischen Taubstummen neben ihr» Ausrüstung mit Fertigkeiten und realen Wissen auch als ReligionSgenosten zu »zfthen, ihnen eine religiössittliche Bildung zu geben. Dft Juden in Deutschland hätten dies ab» biSH» verabsäumt. Es war ihnen bivor kurzem keine Gelegcuhet geboten, ihre Taubstummen in ein» jüdische» *) La« .tft «»hl ״HaMillz'. der sich z«« AblsgerungSplatz all» »ertemudertschr», «mfruhrertfch» Berichte jener Aanllenz» hergird« uttb M* »olaniftttsulliessöchsn-im lieb» nach yalSstina gelenk! sehen »Schl«. Attest unterzubringen. So wüchse« . stäub» st unser» Religion und synagogalai Gebete-null ׳? #»' mußte Wandlung geschaffenterrdee. und wir I«J bereite am Neujahrsfeste und am VersülmmgStoge 1>4ej -Jahrvi in unserer Anstalt einen dem Gebteche» der Ta> stummen entsprechenden und leicht verständlich«» Gottesdienst 1 eingesichrt. Wir wollen aber diese unsere Bestreb» nge« auch aus diel außerlfolb d» Anstalt stehenden jüdischen Taubstummen a«6»/ dehne»! und sie der Religicn ihr» Büter -rhalte», um stet zu nützlichen Menschen und gleichzeitig anhänglichen und! dankbar« GlanbenSgenoffen zu erzieh:», daß sich »fülle da» J Wort res Jesaia»(S.2S): ״Und hören wttden iu jenen Tag«^ di« Tauben dft Worte des Buche« (der GmteSl«hre>' Hinauf wandte sich Redner ate me Taut stumm«, erklär ihnen da« Laubhüttenftst. ftagte di« Eonfirnandeu die wohl-js verstandenen Glaubenslehren und d!»S G aubenSbekenatruß ab und segnete sie rin. / Stad) bttndigtem Gottesdienste wurden dft Aiglkvge-von, den anweftnden Vorstandsmitglied»« und Güsten reichlich^ beschenkt. Die Fei» wirke in »greifender Weift auf all Anwesenden. Bei dieser Gelegenheit spendete ein langjährig»^ Freuni, der Anstalt für entlaffenr Zöglinge zur Erftrnu« Gew»bes 1000 Mk, ein zweit» Wohlthäter ISO M?-gegenwärtig w»den 26 Zöglinge, 1t> Knaben und 9'. Mädcken, in d» Anstalt »zogen: «S ist aber Raum für etwa'1 40 Ziiglingc. Die Erfolge des Verein« sind recht erfreulich^ doch relchen die vorhandenen Mistel noch lange nicht anl/ um alle an die Anstalt ergangenen Ausiahmegefuche berücksickstgen zu können. Möge die Zahl d« Wohlthäter sich stetig inehren u. die Anstalt zu imm» größer,« Segen ncrbcsl dj gfludlkleußsfekd, 12. Octob» (Or.-Ear.). Am ß CttofxxTj feierte daS Grobherzogliche Paar zu Weimar da- Fest der goldenen Hochzeit. Auch uns» Landrabliner, q)err Dr. Salzer, hatte dft Ehre, vom Hofmarschallamte'zur Theil- «ahme an diesem Feste befohlen zu «»den. Er wurde bom£ hohen Jubelpaare zur Beglückwünschung in in sonder» Aüdftnj' bereite am 6. Cctobn empfangen. Ist sein» Ansprache an doS »lauchte Herrscherpaar gab He» 'dr. Salzer, u. a. seinen. Danke für die Fürsorge Ausdruck, di; der Gro' de» Israeliten des Großherzogthums stets zuweudet und! dann besonders den edlen WohlthätigftitSsirm d» Frau Grich» h»zogin hervor, die bei ihrem reichen Wohlthun und Gegenspenden oft schon hilfsbedürftige Israeliten bedacht hat D» Großherzog dank« in sein» Erwiderung zunächst drm.Her« Landrabbiner für sein« Wünsch« und gab Um dann dft Versich» ing.׳ daß er keinen Unterschied unter seinen LandeSkinderu kenne und mache, daß er stet- «ach dieftn! Grundsätze verfahren wndr und daß ihm d» consesflonell!! Friede im La« sehr im Herzen liege, zu besten Erhaltung auch d« Landrabbin», soweit er rS vermöge, mitteirftn möchte. Dft Fra« Großh»zogin äußerte sich hierauf in ähnlich» Weift. ״Wir. kenne, keinen Unterschied unter unftrrn LandeSkinderu'' betonte sie ganz besonder-. — Nach sein» Ansprache übev--i reicht,! d» Herr Landrabbiner im Namen der sieben Kultus-'^ gemeiaden de- Großherzogthums eine knnstioll auSgestittete,. prächiige Adresse. '׳" ■ ' Am Tag« zuvor, am v. Ostotnr. war dft «vangelifö Ob»!irchenbehörde mit ein» Vertretung d« LanbeSgeisstichk empsc ngeu worden, und a» 7. Oktoo» brachte der Biftch, von;Zmda dft Glückwünsche der Katholiken de» Großherzochumr Sachftn-Weimar dar, die zur Diöceft Fulda., Ueberhaupt wird die gesetzliche Parität d« drei Religion-« ,■״ gesell fchaftku im Großherzogthum ftteng grwahrt. Bei allen Anordnungen, dft in Bezug auf Berwaltung x. dn Religion», gesell schäften von dn Regirrungautgehe«, wird dft iSrael. RelfttouSgesellfthaft in gleich» Geist! mit d,u zwei christlich« dehaildelt. Der Groß Herzog bestimmte, daß am Tountow, 9. Oktober, in den Kirchen de» Laudeei« Dankgottesdienst stattfnde. Da« KulruSdepartemmt t» Vhoisterinm »öffnete