Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 41 (6.10.1892)
- Date
- 1892-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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,-r £;« (cfafrataTtoibttm lroflrn' OTb hqj> riotn Ars hink« hm an 0B«n 9dm mtb Mbcn drr Pferde- . _ vBVothiat «gen die ottlifrmittfd|c Bewegnnm ,die nnt Haß fSrt uro ihr« Anhöng« mit Feindschaft erfüllet". Wo« ist dem blanblotigen,FremdrnblatI', —denn um diese« handelt c« sich — plötzlich eingefallen^? Daß e« ehrliche Absichten hat. da» glauben wir einstch nicht, dazu müßte e« stärkere Proben, al« der Art-,lei ein«» gelegentlichen Redakteur« eine ist, erst oblegen, toir stnd eben nn Laufe der Jahre el»o« mißtrauisch geworden, lind wer bürgt uns dafür, laß, wenn wir heute über diese Reue Freudenthriurn rergikßen, man nn« nicht morgen «ine lauge Nase macht und vu« wegen unser er Le ichtgläubigkeit au-laebt? Wir wollen ja gerne ovnclmen, daß!jtlniffe L ute sich darüber ürxern, daß man nicht ve,sucht hat, die jüdischen kreise der konservativen Cache zu gewinnen uud — nebenbei auch — mit der christlichen Weltanschauung zu versühnen. Hierin liegt ei« sehr werthvolle« Zugeständnis denn für un« liegt darin die Anerkennung eine« den Inden Dem den Vertretern der christlichen Weltanschauung zugefügt»» Vnrechtck, denn nur rin solche« heißt Versühnung, wofür wir da»kend quittirrn (Nr. 1). Ten Kotzenramm« darüber, daß man stch einen Machtfokeor ersten Range« (tat entgehen lassen, dessen enorme St opitol«kraft — ahal— und hohe geistige Begabu«g beachtet sein will, freut un« in der Tiefe unserer Seele. Wir sollten diese« Kompliment, da« hier un« Juden gemacht wird und welch«« wegen der Zusammenstellong und de« Zusammenhange« mit dem den Juden znaeschriebcnen lüeichchum allerding« etwa« anrüchig ist, zwar scheu adlet neu; allein gtlehrig wie wir nun einmal sind, wollen wir ti wir unsere Gegner rnachen, welche die Bescheidenheit — in seltsamer Selbstocrleugnuog — den .Lumpen' überlasse» und auch diese« al« Gewinn (Nr. 2) schmunzelnd i» di« T asche stecken. Di» Anerkrnnnng eine« Feinde« ist doppelt werthwoll. Schade, daß da« Blatt die nal «liegende Frage nicht berüitsichtigt. wie e« eigentlich vom konservativen C^rntPunkt möglich war, die Juden mü ihrer Kraft und Begabung an sich heranzuzichcn, oh« stch selbst und den überkommenen Traditio«» der WÜrkischrn Junker untreu zu werden. Daß unverschämte Lügen und abgeschmackt« Forderungen in Peütiemen und ans der parlamentanschen Rednertribüne nicht der richtig« Weg in diesem Ziele waren, geben wir zu, aber wa« hätte goschehen feilen? Wir werden wohl ritzt srhlgehev, wenn wir im Sinne der Hintermänner de« -.ssremdenblatte«" al« stldstverständlich vorauSsrtzen, daß e« besser und vvrtheilhoster: gewesen wäre, di« jüdischen Mädchn zu h«>athen, natürlich nur die Lvchter von ,LapitalSkräften", al« einige von ihnen zn verführen, wie r« manche Edle der Ration in großen pBnchiick--״ Städten trotz der zur Schm getragenen fromm«! Gesin». *«» n'cht für unter ihrer Glitte hielten. Wir eriarrr» nu« nick.», orch nur in einem einzigen konservativen Blatte ein Wort de« Tadel« oder der Mißbilligung über ähnliche Ausschreitungen gegen angesehene!ZomUien geteseu zu habe«. Daß vir da« Blatt nickt in Berdaest habe», daß «• mit obiger Forderung di« Zulastuug jüdischer jung«׳. Leut« zu den vielen Tarrieren de« Staat«dunste« meinte, welche Privilegien der " Geburt und der christl. Religion sind, darüber mag c« ganz beruhigt stin» es ist aber wohl von «rserer Seite kern erimen Iimu »•jettatia, »en» wir die er Weg der ,Versühnung" al« ha einzig riesigen bezeichnen. Wir trauen ab« kaum unstrru Augen, daß Schreiber jene« Aussätze« gegen die .staabtzerst tzendeu Ziele' de« Antistmititwnch welch« wir schon längst erkannt und vor welche» wir oft gewarnt haben, eine sachliche und mit vornehmeu ritte»- licheu Waffe« bedient« Abwehr e«en de» im Allgemeinen herrschenden materialistische» Geist für viel wirksamer hält, al» da» rffene oder vns eckte LiebängLlu mit deneArrnsernitit«»« seiten« der ko»jerVotive» Porte»״, welche auch noch ,da« ossirikve Parteipragram« mit stinttiehrn Eechnnge» gegen da« Iudenthum bereichern wollten', v>eil. — nb mm KLM die -ü* di^AG^n Mrcife de« Jndenthum» elbst ihr dann an vielen bedrohte« Punkten helfend znr Sette stehen würtenkll (Acreptirt al« Nr. 3.) Dies« Satz läßt beinahe veriiruthen, daß man r» für gut erachtet, znr Zeit auch ten tztornehmen mit Worte» zu spielen, nach dem Beispiele vieler Redner auf dem Mai-'^r Katholikentage, deren Worte von der fetteste» Toleranz trieften. Die Toleranz hat auch ihr« guten Seite«, schützt gegen die immerhin reichlich«« Centimentalilät und gievt dem Führ« derselben einen noblen und großmütfigen Bürstenstrich Selbst d« «wähnte Fürst BiSmarch der in einem Hofblatte nn Tone früh«« ,guten" Zeiten ״euren zu hören Staunen erregen muß, dessen spöttische Bemerkung üb« di« Art, wie man da« .Juden 'rau«", welche« ras ganze geistige Arsenal de: BerufS-Antistmiten ist, verwirklich« soll, ob durch eine ParlholomäuSnacht. oder ein«! Sicilianische Vesper — abgedruckt ist, verschmähte die Toleranz nicht, wenn 'sie seinen Zwecken dienen konnte. Selbst üb« die Inden urtheilte er nicht immer so, wie zur Zeit d« Verhandlungen üb« die Judenhetze im Jahre 1817. Roch ein ander« Verdacht ist bei der vorhin bekannt gegebenen GesiimungSänderung in einzelnen konstrvativen Kreisen nicht «»«geschloffen: Die Nltramontanen werden ge- »iß nicht verabsäume«, soviel Brei, al« nur imrn« vom stautlechen Himmel für sie hrrabirgnct, in ihren »»«gründlichen fragen zn stopfen, und bei oiesem Geschäfte könnten sehr leicht die Herren Konservativen als die weniger Gescheiten 4pardon für unsere Aufrchtigk.-it — von jedem gemeinswafttich davon«tragen«n Gewinn wohl einen Brocken abbett-mmen, jeden Schade« ab« allein tragen — und sie wollen stch den Rücken frei halten, um sich im paffenden Momente von dem Handel zurückzirhen zu können. Die Her«» dürfen sich jedoch nicht verhehlen,, daß sie, wenn sie von einem Fuch« sich umarmen taffen, auch recht zerzaust au« dies« Umschlingung hervorgrhen werden, und da» müssen rechte Gimpel sein, die auf diesen Leim gingen und ihnen Hälsen, ihren etwa« abgenutzten und v« blaßten Nimbu« mit neuem Glanze dann zu versehen. Und nun eine Frage: Hat da« .Fremdenblatt" vierzehn Jahr lang geschlafen, ohr «st ihnr jetzt d« Staar gestochen worden, daß e« nun erst bi« Verschwommenheit der Ideen und die Skrupellosigkeit bemerkt, mit denen die antisemitischen HnnmelSstürm« sich üb« di« bestellenden Gesetz« hinwe;setzet? Denkt e« etwa kindisch genug, daß man es riicht sth:. weu» e« sich plötzlich mit beiden Fäuste« die Augen zudrückt? Plaudert darin ein Kindermund, oder spricht hier die blödeste Dummheit? Nun wir wollen ton dem Blatte da» Beste annrhme« Und e« versieh«», daß wir e« lieb« für schlecht al« für dumm anseheu wollen. Wir wollen a׳rch glauben, daß e« un» auch nicht für so unbefangen hält, der buntschillernden Schlange alles zu glauken, wa« sie un« Vorrede!— in diese» Apfel beißen wir nicht! Nebenher sei noch erwähnt, Ixrß in dem qu. Artikel den Antisemiten die fromme Lehre gegeben wird, .da« bestehende' Recht zu achten, d. H.Gerechtigk«itzu üben, also auch dem Gegner gereckch zu werden"; da« ist sthr gut und genau so, al« wollte man der Lüg« vorpredigen, sie sollte sich der Wahrheit befleißigen und so mit eigener Hand den Ast durchsägrn. ans dem stsihwebt. Annsemitirmu« und die Recht« ander« achten, also eine Art gerechter AntisemitrSmu«, diese «wtraäieva in ackjooto ist eine urkomische Erfinduva, die sich da« ,Frevdeublatt" patentiren lass« kann. Doch wir »ollen mcht mit ihm rechten, e« spricht so wie «» versteht. E« «rlangtja auch von den Autrsemitr» hr üb« den E«g«r so rückflchtslo« den Stab brechend» Partei, ,sie solle d« Weilt ihre eigene Urb« legen heit in sittlichem Denke» und Handeln beweisest". LiecheMch, al« wenn die« nicht W» geschehen wäre! Hat ' höherem ,sittlichen" «anzt strahlende Böckek ' edelsten Beispiele sein« Enthaltsamkeit «tzd.," 1—^-Virr״• ■niüi 1