Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 41 (6.10.1892)
- Date
- 1892-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fetf Bewegung noch Deutschland hinüberznlette», an, ohne auf "die Religion zu achten, in dem Wcchlsprnch: seid gut, seid tugendhaftlalle Menschen, welche den Frieden lieben, gü oereinen. * Diese FriedenSmifsion hat viel Verlockendes, denn darauf kömmt rS an, daß der Mensch brav sei, daß er Gerech» tixkeit übt und seine» Nächsten liebt. Besetzt, es träte Jemand zu unS. der durchaus korrekte Ansichten über Gott und Weltregierung vorträgt und sich laut zum Judenthvm bekennt, ober sein Leben ist sündhaft und schul »beladen, was gilt uns da sein religiöses Bekenntniß; wir werden ihn weit von uns weisen und sind sicher, daß auch Gott ihn verwerfen wird. Aber ein Anderer ist in heidnischen Vorstellungen er» zogen, und wenn er redet, so empört sich unsere Seele ob . der Rohheit und Verwirrung seiner religiösen Uebcrzeugungen, er ist jedoch brav und treu und aufopfernd, so werden wir chn au unser Herz schließen und ihm zurufen: Du bist wie der beste Israelit, denn Du weißt, wie ein Israelit empfiuden und handeln soll. Also wir reibst, die wir auf dem Boden einebestimm- 1er religiösen Besenntnisscs stehen, beurtheilen einen Menschen nicht nach seinem Glauben, sondern nach seinem Thun und folgen damit dem allbekannten Spruche unserer alten Wciscn, welche unS gelehrt haben: ״Auch die Gerechten unter ten He,den haben Theil an der ewigen Selig» keil", weil nicht der Glaube, sondern dir Thal selig macht. So ist auch in ten Sprüchen SalomoniS zu lesen: ״Gcrechtigkrit erhöht ein Volk und die Schande der Nationen ist die Süni . '. Können wir uns nun denen onschließen, die uvS zurufrn: türrmert Euch nicht um religiöse Borstellunge», ob einer an Gott glaubt oder nicht, sondern vereint ldrch mit denen, die d>r Parole solgen: Sei gut? Ta» ist ja auch der Kern der Herzensprüfung, der Ihr Euch an dem heiligen Feste unterwerfet; Ihr päfet nicht: Hast Du den rechten Glauben, sondern hast Du das rnhte Leben. Die Frage ist uv, so wichtiger, als sie nicht nur in einem Flugblattr, dos aus einem engen Kreise kommt, erwogen wird, als sie vielmehr auf vielen Lippen schwebt und viele Her- -en erregt. Aber obgleich wir wiffen, daß auf dem Banner dieses Vereins dem Worte Duldung ein großer Raum geweiht wird, so können wir dennoch nicht anders als Protest erhebea gegen die Trennung von Moral und Religion- Wir müssen uns auf den Standpunkt stellen, den schon vor Jahrtausenden der fromm« Sänger der Psalmen eingenommen hat, als er sprach: ״ ,אסר נבל בלם־ אין. אדהיםder Böse spricht in seinem Herze«: eS giebt keinen Gott!" Die M or al ist die reifste, die schönste Frucht am Baume der GiNreSerkennlniß, aber die Frucht ist verloren, wenn der Baum gefällt wird. Wir haben das deutsche Wort: gottlos; das bezeichnet ni j)t nur einen Menschen, der Gott nicht anerkennt, sondern «tuen, der indem er von Gott sich lossagt, Tugend und Sitte über Bord wirft, und wir sollten Acht haben auf diese Volksmeinung, die den Abfall von Gott und die Verleugnung der Moral in einem Worte verbindet.!! Es ist wahr, die Tugend ist kein Gebot von außen, sondern eine innere Stimme, die Stimme des tNrwissenS mahnt uns zum Guten und warnt uns vor dem Bösen. Aber dieselbe Stimme sagt uns auch: es giebt einen Gott, der ein Richter und ein Rächer ist; der Wacht hält, daß Knner straflos die Gesetze des Recht» verletze. ES wäre «ich sonderbar dies Gewissen, den Gott in uns, gelten zu lassen, und den Urgrund deS Recht», Gott, zu leugnen, der alles erschaffen und auch da» Gewissen in uns ge- (t ׳ In der Thtt, wenn Jemand die Sünde oui'oet und « Gute thut, ichae an Gott zu glauben, ohne zu glauben ä׳ an eine sittliche Weltordnung, so ist da» to» «hm rechts schön, ab, es ist nicht recht verständlich. v!an könnte ein» wenden: Du siehst jo, es gickt Biele, die Galt Uugnta und dennoch auf den Pfaden der Tugend was»«ln. Aber bei diesen wirkt die religiöse Erziehung noch nach auch nachdem sie sich liiogst von der Religion abzeweudet haben; zudem zwingt d>, Staat durch Androhung von Strafen, manches Böse zu meiden; endlich stößt die menschliche Gesellschaft diejeniger aus und brandmarkt sie als ehrlos, die öffentlich der Sünde und dem Unrecht sich ergeben. Aber die heilige Scheu vor der göttlichen Gerechtigkeit, vor dem Gerichte Gottes bewirkt, daß wir auch i« Verborgene» die Cün!« meiden. Unsere Alten haben da ein schöne» Gleichniß: Ein tttchtiger Barmeister erhielt den Aufttag eine Stadt aufzubauen; er baute die Stadt und schuf allerhand veriwrgene GLlwe, versteckte Hallen, wohin, wenn ein?feind sie bedrohte, sich die Bewohner zurückziehen könnten Dieser Baumeister wurde; als die Stadt bevölkert wurde, auch der ststrwalter dieser Stadt; einstmals nun wurden die Bewohnec von Räuber« beunruhigt, und als man die Bösen verfolgt׳!, flohen sie ia in die verborgenen Gänge und glaubien sich gesichert. Aber der sie rerfolgte, hatte za auch die Stadt eriiaut, er kannte die Schlupfwinkel sehr gut, und als »ieRLuter Herausgeholt wurden, wurden sie verhöhnt wegen ihrer thörichtenMeinuoz daß sie sich versteckt hatten vor dem. der de» Versteck hergerichtet. So könne sich der Mensch vor Gott nicht ***״ bergen, xi Gott ja unser Herz gebildet hat und dessen geheimste Gänge, all' unser Sinne» und Trachten kennt. Wir werden Keinem dreinreden, wie er seinen Gott sich denkt, wir werden Keinem vorschreiben, wie er Loh» und Sttafe und das Gericht Gottes sich vorzustele» hat; es ist viel gesündigt worden, dadurch, daß di«Menschen von Ding« zu reden versuchten, von denen sie nichts iviflen. aber sei auch di« Absicht noch so gut, diejenigen thur nicht gut, die ■5.'.״ besonder» für di« große Masse des Volke» eine Moral hin» stellen chne Gott; sie entfernen sich damit nicht nur voa £ ber Relgion, sondern auch von den größten Dichter« und | Denkern aller Zeiten: Deutschland» führend׳! Geister wäre« - alle zwcr nicht kirchlich, aber gottgläubige Männer;.,wer Gott ah tet, ist hoch zu halten, denn er wird nie im Schlechte» i walten." - Wir wollen den großen Bersöhoungstag, die Bereinigung ' aller Guten in werkthatiger Liebe; aber wer die Frucht be« * gehrt, muß den Stamm stehen lassen, wer die Tugend liebt und ehrt, darf den GotteSglauben nicht antasteo. H Lieber lämpftn und dulden als einen Friede« schließe« auf Kosten der Wahrheit. »Nur der Böse spricht, es giebt keinen Gott", er leugnet den Gott, dessen Straft er fürchtet.; Wir at>nc, wir glauben an den guten Gott, der unser Heil will, wcnn er uns liebt, wenn er uns zürnt, der auch, ivena 1 er zürn; un» liebt; wir reichen jedem die Lruderhand der - Gutes!Hut, und fragen nicht nach seinem Glauben; für uns s aber urd für unsere Kinder bekennen wir tun Einzig-Eineq, - dem w.r dienen durch Gebet, durch Andacht, durch Buß«; durch Umkehr, dem wir vor Allem dienen durch Gerechtig» keit und Nächstenliebe. Amen! B. K. ,? Altes und Hleues vom autifemttifthe!» Schauplatz. 11. Znm Laubhüllenfest 81» Dr. Singer-lloblenz. An keinem Feste wurde im alten Judenthirm der Nächsten» 1 liebe in solch hervorragender Weise gedacht, als am Laub»? hüttenfkst, an welchem im Tempel 70 Opftr für das Wohl der heidnischen Völker dargedracht wurden. Man solltefast; __