Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 40 (1.10.1892)
- Date
- 1892-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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־' Aber auch die «dl« Gesinnung alle!« ist nicht entscheidend-, am Anfang war׳ die Thal; wir dürft» uni nicht bn guten Absichten, schönen Plänen» frommen GeD-leu. meoscheusreuudlichen E»pfi»dungm begnügen; die L«pflndsa«en, die Sentimentaleu, deren Herz, bewegt, und Ix reu Hand lässig ist, sie könne« nicht stehen auf dem Berge t<$ Herrn, sie können daö Heiligthum nicht weihen. Herz 1:ab Hand müsse« ver- Kunden snn in Reinheit und in Treue; dinn kann der Mensch stehen vor seinem Gotte, dann braucht er nicht zu zagen, ״ wenn die Hand nicht immer erreicht, Mii das fromme Herz ^Aegehrt. So groß und gewaltig ist de Weihe eine- Gotte«- Dauses: nur die Gemeinde kann die« Hur« heiligen, wenn die Hände rein und die Herzen lauter sinl), wenn wir den festen Entschluß fasten unser Leben zu wecheri, unsere Tag« durchleuchten »u lasst« vom Lichte Gottes. Solch' hohes Lmpfiudcn, solch feierliche Stimmung walre: in unseren-Seelen, darum rufen wir Über dies Hau«: Qffnet euch weit ihr Pforten, daß Gott einzieh«, der König ter Ehre. Der Talrund sagt: Gott heißt der König der Ehte, weil er denen Ehre bringt, die ihn verehren. Dte Gemeinte fühlt freudig die Ehre dieses Tages; uns ist es ein alüikerheihendeS Zeichen, daß so viele hochgestellte Persönlichkeiten, daß so viele Bürger dieser Stadt dieses Fest mit uns feiern, sie dürfen getrost dies Hau« mit un» weihe», denn in diesem Hause wird alle Zeit verkündet werden: Die Furcht Gotte«, die Liebe des Nächsten, die Pflicht der Gerechtigkeit, die Achtung vor der Obrigkeit, die Lieb« zum Paterland« und seinem Fürsten. Unsere Gemeinte steut sich jedes Einzelnen unserer Gäste, die mit uns dieses Fest feiern; aber da« Wichtigste ist uns doch da« Bewußtsein, innig verbunden z!r ft in mit der Ge» sammtheit in Stadt und Staat, das Hochgefühl, daß sich da« Judenthum zur Anerkennung durchgeru-kstn hat. Und nicht minder wichtig ist c-, daß sich die Gerieindc untereinander •'־ innig verbunden fühlt, das keine religiös« Parteiung dir Gewüther trennt, das wir alle den Fried« n als das köstlichste und erhabenste Gut ehren und pfleg«». Jeder hat sein Scherflei« gesteuert zum Heiligthum, der Groschen des Armen war uns so lieb als der Thal«! des Neuheo: jeder darf . sagen: auch ich habe eine» Stein in diesem :Vau. Oft wird dir religiöse Gleichgültigkeit der Gegeorrert gescholten; wer % kann'- leugnen, daß die Wirme, der Este für die Religion * noch einer beträchtlichen Steigerung fähig ist! Aber wer es gesehen hat, wie Jung und Alt, Arm un» Reich, Hoch und - . Niedrig, wie Männer und Frauen und Kinder mit reger 7 : Theilnahme jeden Fortschritt dieses Bau',» b:trachtet haben, - wre willig und freudig di« Opfer dargebracht wurden, um " die Pläne drS MeisterauSzusühreu, tei: vnrd dieser Ge» meinbe doS Lob nicht versagen, daß der Sinn für Religio:! r: w ihr noch prLchtrg«Blütber! treibt. Ein: eiriige Gemeinde: - tnrjchiedeu sind die Genossen nach dem Alter,!rach dem Grad der Bilduug, nach der Größe des Befn-rs, verschieden vor Allem auch in ihren religiösen Uebrrzrug rnger; aber einig in i der Liebe zum Judenthum, in der Liebe ,;um Friede«, -einig! darin, daß « der Kern aller Religiösität ist s^erz und Hand rein und lauter zu erhalte«. Wie gut »äre eS auf Erden bestellt, wenn fort und fort nur das det-rnt würde, was alle l. Redlichen verbmdet, wenn rächt mit ungebührlicher lschärse gerade das Trennende hervorgrhoben vürde. So l)du in unserer Mitte Jung und Alt -usammev; di: Alten ehren *:'׳• dies Hau», denn sie wisse«, daß man i»1 ihm der Jugend Ehrfurcht predigen wirdvor dem Aster, daß :omu sie längst dahin sind, hier die Erinnerung an die Hiogeschr»enei! wird gepflegt werden. Und die Tugend, wie ehrwürdig roird ihr diese Stätte, weon sie daran denür, daß alle Zorge, alle Freude - de< Lebenhier einen Wiederholt finde« wir ». Sctbsttupmgen t. . unmündigen Kinder, die kaum «och verfl׳hen, was hier vor» ehr, sie gehören dennoch in triefe heilige Ilhttft»s«lu»g. denn ie ahnen in ihrerKrnderfeete die rrPAienh^veihe dieser «im rvb«» Hau» seinem ftomme« Aqvke Ül«ergeben wurde; wir all«, di« Leben-frischen »ud di»'Lebensmüden, wir »ollen die» HauS weihe« isst reinen Händen und mit lauteren Herze: wir «lle wenden un» za Dir, o Sott. u:»d beten aude« Tiefer! unsrer Seelen: ,Schone gnÄig nieder auf di« §00», da» «lr Deinem Uamen errichtet höben, mäg» es bi» zu späten Heit»« «i»e Statt bleiben, an der di« Menschen (leb erbauen, sich aasrichten, sich festen 1s F,än1mizk«r und ln Treu». Da hain dieser Zeit ein« hart« Prüfung Aber di« Mensche« gesandt and weithin fotitrn Krankheit und Tod ihr« o wehr,: Sem verderben l Steh« Dil, 0׳ Gott, benetz bei. di« verwiesdie verioaisi, die »rrlaffeu sind. Schütze dies» Gemeind« »ad kphne •» Allen, I« am den Saa sich gemüht haben. M-ge r» allen den Ge» nosjen, dir heute hier beten. mäg« e» Ihnen vergsnnt sei», «och lantzr lang« «seit in diesem ksaase Dtä za preisen! liirrher werde»-M» unsere Schritt« lenken in festlichen Tagen, hierher werden wir wallbU I wenn zrcaS« and Glück di« kserzen erhebt, wenn Trauer an» ni»d» . beugt, ,nenn Bangen u»L Sorg« an» quält, wie sprechen mit den» 1 Dichter: wen Dick nicht »erlässest o Gott, nicht der Rege«, «ich» - ״ der Stalin haucht ihm Schauer über da» Herz, wen Da nicht ver» - lässt-, nird dem Regeugewolk, wir!» dein Schloßenstarm «ntgegensingr« . wie die!?er che da droben. Va» dl» wechselnd« Sänckfal dem Mensche« an Freuden, an Leiden, an Sorgen dringt — m#ge e» Jeder sich in dir Seel« prägen, daß in diesem fyiafe di« Freud« verklärt, da» Leid gemildert, dir Sorge gemindert wird, hier wird br die Juaend aelobe«, der alten Wahrheit trr» zu bleiden bi» in I»«n Tod. Gieb Du, » Gott, dem GelSdnig Kraft, d»ß »» veinrr Lehre nie an ooferfreudigen Bekeiinern fehle. Gieb un» unser tägliih Brod and laß die . ^: jentgen, die pch redlich mühen, nicht zu Schanden «erden. Dänen ,i Segeu von den lftlhen spende Allen, di« in diesem Hause hier vereint find und die sich dessen fr«,«״, Sa« Deiner Verehrung, Deine!?« Vieiiste, ' daß der predigt: Dich zu ehren und dir Mensche,׳ zu lieben, diese» - herrlich« Bau gewidmet wird. An dies« n Bause, an diesrr Gemeinde an Stadt und Staat, an un» und an ganz Israel, erfülle sich da» «r- , alte Seg«n»w»rt: *יברכך ה. Gott segne Dich und behüt. Dich, Gott lag« sein Antlitz Dir lenchten und sei Dir gnädig, Gott weAe sein Antlitz Dir zu und gebe Dir >«n Frieden. Amen. Asm Kippur und die KHslerafurcht. Bon Dr. Singer-ttoblruz.') - a Mil innigerer Andacht a! S in sonstigen Jahren dürfte der ernste denkende Israelit an dem BersohnungStage SÜS3 vor sei»«»l Schöpfer stehen ni d mit größerer Inbrunst das Gebet »rrichten, welches die Bitte um Abwendung von Seuchen zum Inhalte hat. Wenn sonstige Leiden mid Heim» siichungrir uns bedrohen, wentxn wir uns mit vermehrten Grbetsstunden zum Schöpfer und Lenker unserer Geschicke, während einer Epidemie jedoch dürfen wir auch die Mahnung nicht übersehen, welche die hl. Schrift unS ans Herz legt, unser Lelien und unsere (Sesui dheit zu beachten. Daraus ergiebt sich, daß die allaemrm gültigen sanitären Bsrschris» tat, wellt« größere Mensä)en׳Ansammlungrn für eine längere Dauer «rbieten, wegen der m,)glichen verhängnißvollen Folge» — und wegen der Polizei, die auch ein Wörtchen mit dreinreden würde — wohl berücksichtigt werden »lüsten. Wenn «un mehrere Gemeinden eine Unterbrechung des Jom-kippur-GottesdiensteS du«!,! eine längere Panse, bic diegründlich« Ventilation de- Gotteshauses ermöglichst dringend - f verlangen und auch durchsetzen, verdiene« sie, da eS sich nur Uff, um eine vorübergehende, keineswegs aber dauernde Einrichtung handelt, den Spott am allerwenigsten, mit dem sie von grrnstrr orthodoxer Seite überschüttet weiden. Und wem dieser Hol» in erster Äi׳״r die Rabbiner trifft, ist er noch ineh, uugerechffer'jg^ weil diese meist v.)n den Borständen gedrängt werde« können, welche in Preußen dem Staate gegenüber die Berwalte.׳ der religiösen Anordnung sind. Wer wollte es da dem Rabbiner vera^-a, »vemr i eine Maßregel g»t heißt» welche nicht re li gion Swil ist, und deren Mißbilligung ch, leicht in den OrotT ZrtotiSmuit und M den Ruf dvS Mangelan der Oppmltnnitäi dringt.