Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 38 (16.9.1892)
- Date
- 1892-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959813--1253-5375169- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
z Darin also besteht di« oq. ״geschliche Ausnahmestellung Gunsten der Indens d-iß sie einen RituS üben wallen, gegen den dom Standponkb: der auch de» Thierschutz umfassenden Moral nichteinzuwenden ist. Diesem Sachverhalte gegenüber nimmt e« sich eigen, thümlich auS, wenn der Einsender in der .GerichtS-Ztg." von einem 1״us einer barbarischen Zeit stammenden Schlachtverfahren" spricht, »das mehr als irgend ein änderet» je* eignet ist, grausame Justinkre zp wecken, weil durch den Anbück dcr langsam zu Tode gemarterten Thiere da« Gemüch de« Menschen verroht." Da« gerade Gegmtheil ist der FaÜ. Der jüdische Schächter, dem die Tödtung de« Thiere« als ein mit religiöser Weihe ausgestatteter, und darum möglichst gewissenhaft und möglichst schonend zu vollziehender Alt gilt, wird durch da« Hineinspirken der Religion in sein rauhe« Handwerk vor Verrohung auf« wirksamste geschützt. Der entsetzliche Anblick, Den angeblich da« jüdische Schlacht» verfahren bietet, ist ein ästhetisches Moment, da« hier nicht in Betracht kommt, da durch die Errichtung von Schlacht» Häusern, zu denen Unbefugte keinen Zutritt haben, dafür gesorgt ist, dag zartbesaitete Naturen, wie die de« Einsender«, dem ״scheußlichen Schauspiele* de« Schüchtaktes srrnbleiben. Wie merkwürdig aber! Die berufenen Sachverständigen neunm auf Grund eigener Anschauung und wissenschaftlich ge» wonnmer Ueberzmgung das Schächten human, während nach der Versicherung de« Einsmde« selbst abgehärtete Schlächter darüber sich entsetze». Ob wohl die »abgehärteten Schlächter" den Herrm Professoren, Thierärztm rc., die sich übrr da« Schächten günstig geäußert haben, sittliches Empfinden, ja die Fähigkeit de« Mitleids absprrchen werden? Ob wohl der Einsender eS wagen wird, die Sachverständigen, die wir angerusen haben, mit uns zu denm zu rechnen, die ״das sittliche Empfindm chrer Mitbürger verletzen und dm Herr» schmdm HumanitätSbegriffm sich wiedersetzen?* Auf daS sittliche Empfinden so ganz allgemein sich zu berufen, ist in unserer Zeit eine gar heille, mißliche Sache. Ein sittliches Empfinden zumal, daß über die Grenzpfähle unseres engeren Vaterlandes hinaus kein volle« Berständniß findet, macht sich verdächtig, ein sittliche« Empfindm vollend«, das bei den Herrm Antisemiten am stärksten sich regt, macht sich doppelt und dreifach verdächtig. Wie kommt es doch, daß ״das sittliche Empfindm gerade de« bestm Theile« der europäischen Völler" ungerührt bleibt, wo es sich um die Grausemkiten der edlen Parforce.Jagd, um die Qualm de« Castriren» (bekanntlich III B. Mos. 22, 24 verbotene um dir Thierquälereim des Dressireo« rc. handelt? Man könnte t» komisch nndm, wenn es nicht so traurig wäre, daß man chrisüicherse ts es für nöthig findet, un« Juden an du Pflrchten der Humanität, sei «S gegen Mmschen oder gme«> Thiere zu erinuern und von herrschendm HumanitätSbegriffm spricht, denen wir angeblich uns widersetzen.**) Zu der Echtheu der sittluhm Entrüstung ül« da« Schächten »aßt vortrefflich die dmunziatorische Weife, in der die Praktische Seite de« drohenden Schächtverbots besprochen wird. Schon jetzt weiß der Einsmder, ausgerüstet mit einem Spürsinn, der etwas wittert, wovon nicht Ine Spier vor- Händen, ist, von der Errichtung einer Schächtanltalt in Schkeuditz zu bericht«, und schon jetzt ruft er nach der Bolizei. Also ,eine Umzzehung de« Gesetze«, die mit di« Gemütber erbittert", eine ״Gesttzesverletzung* gar, gegen die »mit Strafen" vorgegangen werdm müßte, wäre es, wenn JZraelitm in Sachjm fottfahrm wollten, nur rituell geschlachtete« Fleisch zu genießen? Nur gemach! Wir glaubm bestimmt zu wissen, daß nur das Schächten, nicht cmch da« Essep von Geschächtttrm in Sachsen unter Strafe gestellt werdm soll. Oder sollte nicht allem ein Schächt-, sondem auch ein Speisevcrdot von der Regierung für dir Suben erlassen werden, iwd alle« im Interesse der HwnamÄt? Dl Einsender schmnt da« Beispiel de« AntiochuS Epiphanr« v« zuschwebm, der die Judm zwinam wollte, lerbotrveS Fleisch zu effen. So lanp «» den Rittern der ThierschntzÄkoralH nicht ackingt, ein« neue Verordnung zu erwirte«. welche dH Einfuhr gesunden Fleisches au« Preußen nach Sachsen bietet, wird dm Juden m Sachsen nicht bez Strafe verbeSm werden könnm, da» Fleisch zu essen, da« in Preußen zu esse» erlaubt ist. Die Befürchtung de« Einsender«, daß ״die Kluft zwfflheu den Judm und de» chrisüichen!Rationen* durch Hartnäckige« Festhalten an dein jüdische» Speiseverboie noch erweitert werden würde, thiilen wir nicht. Die Meinung, daß die Zu» oder Abnahme der antisemitischen Betvegung von der L Stellung der einzelnen Israeliten zu den jüdische« Spitse- ״ gesetzm abhängig wäre, ermangelt aber nicht de« Reize« der Naivetät. Schließlich alier möchten wir dm Herrn Einsender, der wie ei» Bibelkundiger von mosaisch« Gesetzen und talmadischer Auslegung spricht und uns darüber delehrm will, daß da« Schächten »er Absicht und dem Geist Mose« durckmr« Ä widerspricht, daran erinnem, daß ihm al« Thristen IStf N. T. näher stellen sollt«. Ob ihm »»hl die Stälen^ Apostelgrich. Kap. 1b, 20; 29 und namentlich Kap. 21, 29 a bekannt sind? ״S>nn dm Gläubigen an« dm Heidm habe« wir geschrieben und beschloffm, daß sie — nur sich de»! wahr« soll« vor dem Götzmopser, .vor Blut, vor Etc», st ick t em (d.h. nicht nach jüdischer Weise Geschlachtetem)* W, E« wäre eine Anmaßung, wmu ein Jude sich herautoehme» wollte, die Kirche zu ftaaeu, warum sie nicht bei fern: Aposteldekret, webheS den Genuß ״de- Blute« und de« Er»; stickten* verbie iet, stehen geblieben sei. Aber ungesihenr^Z dürfm wir die DIeimmg au-sprechen, daß e« sich für «icke»rf Ehristm nicht schbkt, da« al» ״Barbarei* zu bezeichn«», wa»1 dm Aposteln hellia gewesm. So Paradox e« auch klingt, ׳{■ so würde doch von dem Zeitpunkt« an. wo hier zu Lande da« Schächtverbot in Kraft träte, nicht geleugnet werdest^ könnm, daß die Apostel, wmn sie gegenwärtig in Sachs«? lebtm, für dir Ausübung einer ihn« heilige» Vorschrift^ eine Geldstrafe bi» zu ISO Mk. zu gewärtigen hättm. Umnu: 11 etllk Lbhaodlllllz,St« feie ■ ■׳■■■ י' - ־ ■ t ' .. B ״Mr jüdisch« Anaöhättgigkrit." voll ,J. J»ek-8e1li!!." Di« Beurtheilung diese« Schriftchen«, welches die Judea»^ ftage aus 9 Selten mit einer beneidenSwerthen Llnfachhett^ und Selbstverstärdlichkeit löst, wäre für den Psychiatiker dankenSwerthere Ausgabe, als für den Kritiker. Wäre auch» nur der geringste Anhaltfür die Annahme vorhanden, d«F Versaffer sei der talmudisch —- oder besser kabbalisüsch —W anactfinbigte״J«!bu p*r exoelleno•“, welcher die messtauische^ Zeit herbeiführe i soll, würdm wir ihm zurusen: ״Lieba^ Prophet, lege Dch nur mhig wieder schlafen, dmnDu nicht da« mindefte Berständniß für die Schriftstellerei. hast ja vor ra. ZOOO Jahren nicht« geschrieben; wam« Du diesem Deinem löblichen Benehmen nicht treu geblirl und blamirst Dch jetzt m Deinen altm Tagen, wen» an nur pseudonym, nur um D«h io diesem durchsichtigen Ma gedruckt zu seien? — Aber »ein, der ״Jach“, welcher auf dem eine« bessere» Zweckes würdig gewesenen sauberen Titelblatt prangt, ist r»u Berliner — muthmaßlich einer von dm Propheten, 4 in der Heimath nichts gelten und nicht einmal einen tz leger fiudm — wahrscheinlich sogar ein Unternehmer י GesellschaMourrn nach dem Orient, welchem die Juden rade gut genug sind, um für Syrim — ״Palästina weiterm Sinne" neu nt Verfasser den Lütnr — Prop machen, der wert«» will für eureTonrdurch die . srnchtbap