Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 37 (9.9.1892)
- Date
- 1892-09-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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der Wiege ttmzinun nt «it Fiieien (ytetaa, Rderlabelft») nt gn< jra Leibe geprüft. .Schnml, die» Will nicht gnt «erbe«, lab «4 fete, D» mächt-st ■ubert »«4 Veite um Leib nt Leben tttnge■* ■ofltt ihn Jndeiiulnn gewarnt haben. Schmnl aber, erzLHUe er, Hab» er» widert: ,Dies Darf Stöckheim ist mein, Mehr tean zur Hülste, kehre Dich an nichts sstare dij aergen an), hätte ich euch einen oder zwei Kerle gemordet, es sollte doch nichts darnach kommen" (dai ■obold• dar wol by btivaa). Schließlich bekannte sich Judemann zur Mit hilft. Nächste» Tage» wurden beide im UUstatt-Keller der peinlichen Frage »ulerzogen. Sie wiederholten ihre Urgichten, und Schmnl b ekannte ferner, daß er da» Blut in einer Blechbüchse ausgesangen, es tan n in ein Glas gegossen, mit Bernstein vermengt und getronke» Hab«. Um 24 September wurde» sie verbrannt " Da als Quelle daS.Gedenkbuch drSBraunschwriger Raths״ angegeben war, sandten wir den Ärtifel unserem sehr gesch. Kollegen, Herrn Laodrabbiner Dr. Nülf in Braunschweig, dem das Qucllenmaterial zur Geschichte der Juden daselbst zur Verfügung steht, mit dem Ersuchen, das zitirte Protokoll zu vergleichen. In dankcnSwerther. Weise unterzog sich derselbe sofort dieser Arbeit. Wir theilen nunmehr dessen Zuschrift hier wörtlich mit: ״Braunschweig, den 24. August 1892. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie übersenden mir Nummer 210 der ״Deutsch-sozialen Blätter", in welchen S 397 ״Zur Frage des jüdischen Blut- Aberglaubens und der Blutnwrde" einiges Material, unter Anderem auch au- ״Liber C “, Gedenkbuch deS RatheS zu Braunschweig, zusammengettagen wird. Ich überreiche Ihnen anbei eine Abschrift deS Protokolls fraglichen Prozesses. ״Aedenkbuch Uber 0.8.62a. Anno Dom. (»37 in dem manttn Sextrmbri» de» middeweke« de wo» de adfteyndagh t» npp tyd dagh vraged« Starin» velhalwer de Bor-er7n«st»r dor hemnigh Lalmu» Sorgermester in dem ^agen, «Serwin llnwazagen ond ya« Rodman midde by weren, Indemann den Zodden VMM« eyn kind tat de pricket wa» in dem dory« t» stochern osft h« Smoft dem Jodden dar t» hnlpe» hedden, dor antmed« h« to »nd sed«, Smol chedd« »n -ebeden mit om 1» riddend« to wnlsfendnthel, qnemen ft to stochern in ft vraged« Indemann Smoft wad h« dar w»ld« don, dar sed« om Smol to de wold« eyn-׳ kind« bon« don »nd vth« der Tdren laten, de nam Sm»f dal kind vth« de wegm. vnd pricked« tat mit vftten omnal fin lyp. de sed« Jndemann dar Smol dit mil nicht gnd werten lad it fin, du machest vn» ander» vmm» vnft beyd« lin« bringen. Smol sed« »m wedder, dit dorp stochem i» min vier den de helpte, hedd« ek «ynen edder tweyn« kerel gemordel tat schölte dar wol by blinen, dit schach in der koken« in dem Hagen. Anno dom. 143? in dem snlnen mante ftptembrft an dem n«> ganten tage Jonft vraged« Starin» veillhaiwer dor mitte by wa» tzennigh Lalme» Albert —. Hinr. voltman Smoft vnd ■demann vmm« daß« schichte to bekanden ft duffe schicht samptlik^ vnd Smol dekante tat h« tat kind geprüft« hedd« »nd blot gevangen in eyn« bftek' bnsftn «n bat blöd getan vth« der bftekbüsft« in eyn gla» »ad dart» menget bonsteyn vnd hedd« do tat blöd vth dem glase trunken, dit s<brch in dem »ldestad kelftr. De Rad lad duff« Jodden Smoft vnd Judemann richten vnd bernen an tem veir »nd« ta»inttgestrn tage de» snlnen mannt Septembrft." Sie ersehen, daß die ״Deutsch-sozialen Blätter" b«w. die .Kreuzztg." die zwei gewiß nicht unerheblichen Wörtchen .zunächst gütlich" hinzugefügt haben. I, de« Pr», trkslle stehe» sie nicht. Der Stadtschreiber hat e» wohl für überflüssig gehalten, der Nachwelt zu verkünden, dag ein Gestäuduß, welches die Angeklagten dem Feuertod« überliefern mußte, erst nach Anwendung der Folter abgelegt worden sei, das verstand sich von selbst. Er verichtet daran, weder über ein ״gütliches״ noch über eia .PeinlicheS" Verhör. Erst die Propheten der ״Kreiszeitung" »nd der ,Deutsch-soziale» Blätter" haben in einer rückwärtigen Schau to* ergründet. Sie wiffeu genau, daß am 18. Scpttmber .,Mich" und am 19. ,peialnh" verhört worden ist. Natürlich, es durfte ja nicht anders sein, wenn der Beweis i erbracht wer>en sollte, daß 1487 z, SSckbeim, zu . Wolfenbüttel und Braunschw^g. einem christlichen Kinde einem Juden Blut abqezapst und gettunken worden sei. < Geständniß ouf der Folter ist ja doch noch kein Beweis. Warum die Propheten nun aber nicht konsequent ־ und auch am zweiten Tage gütlich" verhören lassen? schein!,ch fürchteten sie, ihre Fälschung könnte weniger bige Leser finden, wenn sie auch den Hauptthäter ohne ~ sich dem sicheren Tod« weihen lasten. Oder wer weiß kann solche» Prophetenherz ergründen! vielleicht sie doch noch einige Scham, und sie wollten dast wa« ,gütlich" verbrmhen, ״peinlich" wieder gut machen. Dr Rüls, Landrabbiner."׳. Maßdeiftrrß. In antisemitischen Kreisen ist bekanntst^ auch gesammilt worden behuis Aufbringung eiuer Geldsunn«,^ zur, Entdeckung de« wirklichen Mörder« deS kleinen Johann-. Hegmann. Ein leipziger Antisemitrnblatt macht jetzt den: unverftorenen Vorschlag, die gesammelten Gelder möge»! .einstweilen" für Zwecke der antisemitischen Prrßagitatio^- d. h also zur Berbefferung der Lage nothleideuder antisemitischer Rrdckteurr verbraucht werden. ' Wo bleitt aber di« Moral? Die Antisemiten solltenzum Talmud in die Schule gehen, damit sie von dieft» ler-H neu, daß e« r icht gestattet, ja einem Betrüge gleichzuachtm^ sei, Gelder, de ernrm bestimmten Zwecke gespendet mn>j den, zu einem anderen Zwecke zu verwenden. Seht, Ihr.' Wilden, di« Tolmudjuden sind doch moralisch bessere Menschär!. Mckßdetirrß. Durch die rastlose energische Thüti d«S Herrn I. Singer in giari-, früher in Wien, das von ihm in Angriff genommene Werk, di« Heraus einer ,Allg. Encyklopädie für die Geschichte und Wissens , deS JudenthurrS" doch zu Stande kommen. Nachdem die Pariser und Wiener Allianz ihm ihre Subvention zogrsagt, haben, erhielt er nunmehr auch di« nachfolgende dem Unt nehmen sympa thische Zuschrift des Borsitzniden de« D. I G. B-:1 .Berlin, 28. August ISstt. Eiehr geehrier Herr > Ergebenst lauft ich Ihnen für das gefl. Schreiben vem 10. d. durch welches Sie mir Kenntnis, >«n einem Blan« der ״Bllgen Emuklvpädft für dft Geschichte n,d Wissenschaft des Judntthmns" gebe». Ich werd« »icht anterlaffr», Ihr Unftrnchme», von deffe» Unsfi ich mir vftl Go ׳es sür di« Aufklärung über das Wesen des Zudenthams i verspreche, dem Nusschuff« de» D. I. G. Bin seiner nächsten < bekannt zu gebe», nd da Sft bereits einig« der Mitglieder Lollegium» (Lazarus, Steinthal, Joftphthal, Minden) zur BethrUY an Ihrem Werk« gemonue» habe», ft zweifle ich «ich», daß Ihr auch dft Shmpatsftn unseres geftmmtr» Ausschnsft« finde» wirb. Kristeller." Lüneßnrz, 1. September. Eine ebenso würdige erhebende Feie!: war es, die sich heott Mttag unter tarj Theilnahme zalflreicher israelitischer unb christlicher Gemeind Mitglieder und eingeladener Gäste auf dem am Schifferwalle ׳ befindlichen Bauterrain der hiesigen Synagoaengemeinde volles zog. Im Brisen de« Herrn LaadrabbinerS Dr. Gron emaunj au« Hannover, der den ersten und kräftigsten Anstoß zur r bauung eine« neuen Gotteshauses d^r hiesigen iSraelittsd Gemeind« gegeten hat, fand der sehr weihevoll« Act der Grundj steinleaung der Synagoge statt. Die Königlichen und die" Städtischen Beljürden waren bei der Feier vertrete« durch die; Herren Regier rng« - Präsident Kammerherr v. 8 0(mar»1 Meyenburg, Oxr-Regierung-rath" v. Massow, Reg.-Rath -Ä Meier. Geh. Reg^Rath Oberbürgermeister Lauensteia,^ StodtsyadicuS Keferstein und Bürgervorsteher Jenckel.? Nachdem der Vorsitzende der Syaagogenge inemde Herr MarcuS^j Heinrmann Äe GLsft begrüßt hatte, iritoairtr die Verein»--!■ capelle den herrlichen von Beethoven impouirten Psalm? 1׳ ,Die Himmel ,ühme» d«S Ewige« Ehre." AlSdan» eröffnete der Häcr Lehrer Philipp die Feier mit der Recitation von Psalm 89 in lebräischer und Deutscher 4Sprache, worauf '״י