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Israelitische Wochenschrift · 1892-09-02 · 36 (2.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
36 (2.9.1892)
Date
1892-09-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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noch einige weite« anchrulische» wahechntsgetreue HMicht» tbm da» riefätgnche Unternehmen, über da» Leben «iv Weben fmme über die gegenwärtige« Zustände in de» Kolomest z« erführen, au» denen ersichtlich, daß die anfgenonnnenen 80* lsnisstn glücklich und zufrieden sind. Wir beginnen heute mit der wörtlichen Ueberfttztmg eine» Briese» de» Herrn Asher I. Mhers, der in der bedeutendsteu englischen Wochenschrift ,ckav. Odrosiola* ver» »ffentlicht wurde. Derftlbe lautet: 1. ,London, 14. August 1892. Theurer Kollege und Freund!.Bor mir liegt ein ausführlicher langer Brief ms Generals Goldsmid; in welchem derselbe mir «ittheilt, mit welch ungeheuren Schwierigkeiten und Hindernissen er zu kämpft» hat. »Zur Ehre Gotte» und zum ewige« Helle unserer «rfolgsta Brüder", so schreibt Herr Goldsmtd, ,Hab« ich diese« ehrenvolle, aber auch verantwortung-reich« und aufreibende Amt übernommen, in welchem mehr Dornen all Rosen für mich blühen, denn e» ist unsäglich schwer, gegen Bosheit, Verleumdung und Ruchlosigkeit kämpfen zu wüsten! ׳ ~i sind dies die würdigen Urenkel Korach», die ich fortjaaen H iinßte, damit sie die Guten und Redlichen nicht durch Lug und Trug verführen sollten." Wir müssen daher mit Geduld und bester Zuversicht der weiteren Entwickelung der Dinge entgegensehen. In erster Reihe müssen wir uns da-! vor hüten, unseren bittersten Feinden die Waffen in die Hand zu drücken, indem wir unse« grüßten Wohsthästr verachten und ihnen mit schnüdem Undank lohnen uud dadurch da» gemeinnützige, segenverheißende Werk zn zerstören und zu! vernichten suchen. Wir alle wissen, daß rin derartiges Unter- \ nehmen nicht an einem Tage und auch nicht in einem Iah« gedeihen und Früchte tragen kann, denn jeder Anfang ist schwer und dieser umsomehr! Soviel aber steht fest: Wenn'- dem energischen, hochherzigen iIeneral Goldsmid bei sauer Aufopferung und Hingebung nicht gelingen sollte, bas heilige Werk zu fördern und einzurichten, — dann ist jctx Hofftmng umsonst und jede Aussicht auf Erfolg gänzlich vernichtet. Wir aber dürfen eS nicht dulden, daß dieser makellose, ruhmgekröntr Name durch falsche Gerüchte und lügenbaste, nicht-würdige Berichte befleckt und verunreinigt werde! Am Anfang ist hier der große Fehler begangen worden, daß die ersten Leiter viele Unwürdige, schlechte und unfähige, faule Subjekte mit aufnahmen, doch wird diefortan nicht mehr geschehen . . . ." 2. Brief.*) Argentinien, 21. Siwan 5652 .... Hierdurch will ich Dir nun mittheilen, wie west wir bisher gekommen sind. Am 1. dies. Monats begannen wir mst der Äcarbestung des Boden». Wir haben alles, was zum menschlichen Leben erforderlich. Man baute uns Häuser; 4 nebeneinander und in gerrnger Entfernung stehen weite« 4 Häuser u. s. w. Ich erhielt em Pferd, eine Kuh und sätmutliches Haus- und Fei-geräth. Irden Tag bekomme ich 2:< Pfund Fleisch. Düs ist hier sehr billig, da- Brod ist jedoch sehr theuer, viel theurer» als bei Euch (in Rußland). — Argentinien ist ein herrliche»schönes und fruchtbare» Land, aber sehr schwach bevölkert. Hier find zwar große Grundbesitzer die jedoch ihr« Ländereien gar nicht bestellen; sie säen nicht und ernten cmch sicht». Ihr Viehbestand ist zahllos wie ,der Saud am Meer*. Zum Arbeite» sind diese Herren jedoch zu faul. Nachdem hier gegen 3060 Glaubensbrüder angesiedest und mttergebracht sind, wird mst Gottes Hilft alleander» uud besser werden und uns wird dann nicht» «angeln. Die Spanier, mit denen wir recht freundschaftlich verkehren, sind sehr friedliche und gemächliche Menschen. AchtLolmnen sind bereitZ gegründet und noch viele andere sollen errichtet »sd besetzt werden, den» unermeßliche Strecken Lande« sind zu diesen Zwecken von dem edlen Baron erworben worden. *) «,» ^ackim'^RrHNö. kHWksl D^dsmid W rmch ausgezeichneter, guter'und aerrchstr Mann, der ans «st «fei? LebenÄedürfnifsat reichlich vasiehr; selbst da» thes« Sfcot'' bekommen wir st bedeutenden Rationen, außerdem Larwfseln, >; Reis, Marronen. Beleuchtung uud Bcheizusa. trotzdem da» " Holz hier sehr theuer und selten ist. Auch Zucker und »ff. The« erhalten vir in bester Wttarr. Zn Pessa ch bekamen wst neu«, schöne Kleidungsstücke, nachdem wir vorher fhon Arbettskleider and Sachen. Schuhe und Stiefel erhielten. Auch Peffachmehl wurde uns geliefert, damit wir »ach »nserer Gewohnheit Mazzoth backen konnten*) unb so fturten wst die heil. Fsst in Freude und Zufriedenheit. An Wotjenlagen verrichten wir unsere Gebete einzeln; an Gabbach und; Festtagen aber beten wst mst .Minjan", wobei dft Spanier uns verwunde! und erstaunt anfthen, denn sie wissen nicht, was dies bedeuten soll oder was ein »Jude* heißt . . .' Rach dieftn authentischen Briefen steht es um die Ko- Ionisation in Argentinien gar nicht so schlimm, wie die ,zionsfnundlickun" hebräischen und deutschen Blätter »er- > breiten, um eiten Druck auf Baron Hirsch auszuüben und den Strom der Auswande«r nach Palästina zu leiten dessen gedeihliihe Kolonisation man' in demselben Mtmße rühmend aufbauscht, al» man die argentinische — mst Urtier- ׳; drückung der Wahrheit —׳schmäht und verleumdet. Diese» * schmachvolle I .•eibat ist aber rechtzeitig erkannt und anfgrdeckt worden uitd wird also nicht verfangen. Berichte und Corresponderrzen. - 1 Demtfcdsturd. Magtzet» §. AuS Berlin wird uns folgende hochbedentsame Kundgebung unsere» Kaiser» gegen dft jedes Maaß überschreitenden antisemitischen Wühle«ien, tue sich selbst au die Handlungen des Kaiser» in unehrerbiettgster Kritik heranwogen, msttgetheilt: Bekamttlstj hat die Antisemitenpreffe in letzter Zeit den Oberstlieustnani von M osner, Eommandeurder Gardehusaren, mit den nichts würdigsten Verunglimpfungen überhäuft, weil er jüdischer Abkunft ist. Deswegen ist sogar tue von de« BiSmarkfreunden heimlich subventionier »Rate Deustche Ztg." in Leipzig, die tat aus Rußland kommende Erwin Bauer redigstl, wegen Verleumdung und Beleidigung unter Anklage gestellt worden. Die betreffenden Artikel, deren Urheber m Potsdam zu suchen ist, sind dem Kaiser vorgelegt woridem und hat derselbe daraufhin Herrn von MoSner, der thatsächstch einer iSraelitisckeu Familie entstammt, neulich bei der Parade zu seinen »Adjutanten* ernannt. Er drückte bei dieser Gelegenheit dem bewährst« Offizier, der sein ganzes Vertraue« besitzt, sein tiefstes Bedauern darüber auS, daß der religiüft' und politische Hjaß in Deutschland heust leider noch nicht einmal vor den Offizierepaulette» Hast mache, daß es Lutte gebe, denen nick«» mehr hellig sei, sobald es geste, sttrer krankhaften Ver eumdungssucht Luft zu schaffen. Erfteulickftrweift aber können derartige Berlemndungeu an ihn nicht heranreichen (!)öffentlich wstd dieft allerhöchste Kruik nicht nur in Leipzig, sonders allerwegen von den Antisemiten und ihren Verbündeten, den Konservativen, verstanden werden.) G. P. Wachse», 30. August. Nach einer amtlichen, in der,Leipziger Ztg." mitgetheistea Statistik betnig die Zahl der!!onknrft in Sachsen i« Jahre 1887: 718: von da an wwh» sie stetig uud belief sich im Jahre lk!-1 auf 1434^ als, dft doppelst Zahl! In dem gstichea Zttdraum hat sich dft Zahl der Zwangsversteigerungen von 1034 auf 18 54, als״ um vier Fünftel vermehrt. Auf 100000 Einwohner kämm im Jahr« 1891 etwa 40 Konkurse, eine Zahl, die von keinem anderen Bundesstaate erreicht wurde. Wart.« wst dieft Statistik hier wftdergebeu? M *) Hiernach etad» sich bte iftngft in der Berliner jüdischen .SaM»• - wiedohdtr «twtzdinn» datz Kaioniftrn a» Pessach ahne M»Wch ' ~ inatimial»

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