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Israelitische Wochenschrift · 1892-09-02 · 36 (2.9.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
36 (2.9.1892)
Date
1892-09-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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z». und er wird jcfcc fdNbfcOge Störung diese« Frieden« ' mit aller Energie tu* sich »eisen, wird eia« Misitchtuirg der nicht als falsch erwiesenen Anschanunz seiner Rebenmensche», »nd zumal «ine Aergrrniß «regend« Berh-hnung derselben, als mit seine» Lebensprinzipie» Unvereinbar be» trachten müssen. Und nicht« Andere« hat der Gesitzgeta bei der Aixirunß der obigen gesetzlichen kiestimmnug im , Auge gehabt; er wollte den Betenuera einer positiven Rrli» gion, deren Grundlage der Glaube an e»n göttliche«, geistige« Wesen ist. nur den vollauf berechtigten Schutz für die als nöthig erachteten Satzungen göttlbhen Ursprung« t sichern, sie gegen Beschimpfung schütze», die au« niedriger ■ Gesinnung. Rohheit oder purer Radaulusr h.wvorgeht. Man wird deStalb noch keineSweg« .mit siomwtr Inbrunst die schönen Zeilen zarücksihnen, wo jeder frei«, vom kirchlichen ,Dogma abweichende Gedanke an seinem Träger oder Er- ^zeuger mit Galgen, Rad und Scheiterhaufen geahnde wurde*, r»ird ruhig di« Freiheit der Wissenschaft, wen״ sie eine solche *1tft, und ihre Lehre gewährleisten dürft», ab«: doch auch zudaß die Meinung der Gläubigen, zumal .MC Meinung gegen Meinung jtcgt, gegen lä ternde Angriffe ,geschützt bleibt. Den» durch die Lästerung der von uns verehrten Gottheit kränkl: der rohe Mensch nicht die Gottheit, sondern verletzt unser Heiligthum, unser innere«Empsindenl ' Und ft weniger dft Personen, vor deren Ohren mit bestrickenden Worte» diese ,ungestrafte* Schmähung verübt wftd, fähig sind, mit ihrem Deutvermbaen de« Auderen 1 «eußentng zu prüfen, ft mehr sft dem menschlichen Freiheit«- triebe folweud^ instiuktmäßia zur GotteSleugnuitg sich verleiten lassen, desto empörender ist da« Unrecht, deffe n sich a g i t atorische Freidenker schuldig machen. Und be! aller Toleranz gegen dte Meinung Anderer wird man nicht umhin können, tn der Broschüre der Frau Wilhelmi einen verstoß gegen moralische Ehrlichkeit und Suftichtigkeit, besonder« gegen oft wahre Bildung bezeugende Schonung der inehr oder weniger berechtigten Empfindungen Anderer zu fiadeu. verlohnt e« sich da etwa der Müh«, all' dft schnöden ßlrdenSartrn de« Räheren zu behandeln, von denen ganz besonder« vorli«en- HchuSchrmchev strotzt und deren Grun»lac>e außer «menkundiger Verbifsinhejt Unwifleaheit und Mangel an Berständniß für dft augedrutrten religiös«, liftdanken bilden. So verfährt nach vielgemachter Erfahrtmg nur derjenige, dem an einer Aufreizung seine« Publikums gegen «ine fest iu aller Herzen gegründete Anschauung, gegen den Frieden ' der Seel« gelegen ist und der e« nicht vermag den sittlichen Gehalt der betreffenden Lehren «ul »dmtrcluw zu führen. Da wftd nur hier oder da rin zum Flugwottr gestempelter, «rhältuitzmäßig belangloser Gedanke an» ix« ganze« bekämpften Relitzwnsshstem heran«- und hetvuteraerisi« — «icht« leichter, al« ans diese Weise Proselytenmachern zu betrerben! Aber wa« sagt die moralische Ehrlichkeit dazu? Doch wft greife» eine der verdächtigten religiösen Anschaunmxa heraus, nicht weil ans den Angriff auf sft große« Gewichr zu legen ist, sondern um baircg ihr richtige« Brrständniß zugleich der falschen Auffaffuug mancher Blaudenchftnoffe« zu begegnen. Wft übergehen mit einer nur knrze« Erwähuuug dl« mitftlaltrrlich« philosophische Anschaumia, nach welcher dft einzelnen inehr oder weniger ,geistvollen* Sphären in aussirigender Stuftasolge sich von emander scheiden und in deren höchster mc n sich vielleicht da« geistig reiusft Wesen zu denk« hat, da» al« Gottheit, selbst unbeeinflußt, ans die aächstfmgmde Sfihärr und in »«unterbrochener Kette auf da« ganze Weltenyfiem rinwirkt, l^ub wenn «an demnach davon spräche, saß Gott i« ־־ immtl thron«, so wäre daruuter jene höchsft Sphäre zu dft Gottheft weilt. Diese Auftastung im Weltmramue, bei: » Aauch Wat» »d» Irrende» beitrftt, mag al« kiberlebt bezeichn werden. Allerdings ließe« sich an« einer Reih, txm Bidelsftllrn Beläge für diese Anschauung gavinveii: doch vftlleicht mit Unrecht! Go lesen wft z. v. im v. V- Mos. Kap. Ü6 Ver« >k: .Blick, herab au« Deiner heiligen Wohnung, an« dem Himmel, und }cone Dein Volk Israel* us. w. Wird da nicht a,««dt Mich dem Gedanken Raum gegeben, Gotte« Residenz im Himmel zu sehen? Dem Wartloutr «ach allerding«, doch werke« wir S" ־'־'־ 'י ־, "'־**' י ״ ----- schristen beobachtet, welche sein allgütiger Schüpftr an di« glülsiich heimgrbrachft Ernte ana,schloffen, und nach welchem er von seinem .himmlischen* Beter, zu dem er vertrauen«- voll emvorschaut. da« rechte Gedeihen für kommende Zeiten erfleht.. “ “ ־ - - - vom da« Urtheil heiligen Schrift unwiderleglich begründet ist. daß .dft Thora spreche, wft Menschen denken und empfind-.»." Denn man wird zugestehen müssen, daß der menschliche Dian da« unsichtbare höchsft Wesen in denjenigen Weltenraurt versitzt, der tat Irdischen unerreichbar und wft mft einer undurchdringlichen Hüll« vor unseren Blicken verschleiert ist, io da« blaue Lustgrwölbe, daß vir vulgo als Himmel bezeichnen. Denn da» hebräische Wort ,lr»ckü»oft- (heilig) bedruttt nicht« Lnixre», al« eine Abtachlossinheit, ein Gtchzurückzfthen von tatjtnigcn Kreisen, in denen zu weilen tan Heiligen untersagt ist. Go ist denn onch .dte heilige Wohnung" GotteS, der Himmel, wft wir auSgrführt, Mer Jfir Sterbliche unzugängliche Raunt, in dem nach naiver Anschauung dft für un« unerreichbare Gottheit restdirt. I» Wirklichkrft aber erfüllt da« göttliche Wesen mft seinem geistigen Gehalft den ganzen Welftnraum «nd von dftsim Gesicht«- punkte sprechen wft von eiuer Allgegenwart Gotte«. Dftser Anschauung leistet da« hebräische Wort nm»k6a1‘<l Mrt) Genüge, da« .Raum* bedeutend iu prägnantester Kürze und bei de« Menschen Ohnmacht, diese« Wesen näher zu begreifen und zu schildern, nur da« unermeßliche Territorium nennt, wo es, alle« durchdringend, wellt. —Eine lästernd« Begriffsverwirrung bringt also dft Freidenkerin m AuSdruch wem! sie dte ohne Grund geleugnete Sottt in da« von ihr höhnend genannte .WolkeakuckulSheim" annt. _ (Schluß folgt.) Wakäflina »«d Argnrti»ie». Lo» A. Z. Wft bekannt, suchft» dft wegen chre« uuvrrschämft Be« ftagen« au« Argentimrn verwiese«« russischm Juden ganz unAaubliche Nachriihftu über Sft Goldsmid und da« ge» sammft Kllloatsatio«<werk in verschiedenen hebe. Zeitschriften zu verbreiten, »oritber dft sogen. Ztoussrmmbr hocherfreut zu sein scheinen, dein sie hören nicht ans, in dft große Po> saune zu stoßea und auszurusiu: .Auf nach Zioal* trotztan sie fast täglich hören und lesen, daß dft Thorr de« heiligen Lande« siit vielen SRonatea vor unseren russischen Brüdern verschloffra sind,- so saß zahlreiche Auswanderer im bitftrsM Elend von dort znrückgewftscn «erden.*) Unglücklich und gänzlich vcrlassm suchen und finde» diesi bedauer»«- wertheu Irregeletftte» eine Zuflucht «nd neue Heimath tu den neu gegründeten Koloufta de« edlen Baron Hirsch in Argentinien, wo sie .de» Himntel aus Erden* — könnrn, wenn sie tau vollen, b. h. wenn sie rechtschaffen, fleiß-'g. arbeitsam, Ixfchridm and brav sind, wft dft« aut einigen auch in dftser sehr «schätzten Zeitung erschient «» glaubwürdig« Brte>eu von achtbar«, chatkräftigea Kolinilft» - an ihre Angrhörigi» in Rußland hervorgeht. E» dstrftr daher dft nect|0t 1J. lftsir diese« gesch. Bl. wohl interesstvnt.

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