Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 36 (2.9.1892)
- Date
- 1892-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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יי׳ >mui Koalition 46»rtrifft fftc UN* all« -stichltznl«, Ä^wir ׳ mal* von den ehemalig«, Partei-Ausammenwürftlungeu zu befürchten batten, darüber belehre» un* die stattfindende» Nachwahlen. Die Klerikale» und Antisemiten verzichten ans Aufstellung seltistständiger Kandidaten und geben in Sagau- Sprottiu, wie in Halle-Herford frrudigst den Herren v. Klchina und von Hammentein ihren gearn. Warum auch nicht? Herrn von Klitziug im erster«, Wahlkreis« ließen die Lorbeeren de« anderen Junker« v. Wackerbarch nicht schlafen und er erklärte, daß die verd— Juden alle« verthenern. Möge nn« hier ein kurzer Seitenblick auf den letzten Katholikenkongreh in Oesterreich gestatt« sein. Trotz de* kleinen HSusuchen Zwistes zwischen Dr. Lueger und dem Anch'emitenfürstrn Liechtenstein hat Erster« ein Begrüßung*- trlegramm gesandt, das mit Jubel ausgenommen wurde — und Fürst Liechtenstein hielt eine behäbige Kriegsrrd«, in der da* ooternw oeuneo über da* Verhältniß zwischen Alerikalen und Antisemiten .über diese zwei Armeen" war, daß fl« getrennt marschiren und vereint schlagen, d. h. in Um- Wandlung der Wone der Antigone: .Nicht mit zu lieben, mst hassen bin ich da!" Daß bei der qu. Satholikenversammng der liberale Bürgermeister de* BersammlungSorte* seiner Freude über die demselben zu theil geworden« Ehre, dir erlo uchte Gesellschaft in ihren Mauern sehen zu dürft«, Ausdruck gab. ist als Ast der Tourtoisie nicht zu hoch anzuschlagen, aber immer ein Zeichen der Zeit. Bei dem festen Zusammenhänge der Katholiken verschiedener Länder ist un« da* Borgehen der Klerikalen im erw. Wahlknift Sagan-Sprottau sehr ertlärlrch. Nicht minder charakteristisch ist die Ausstellung der Kandidatur de* Herrn v. Hammerstein-Woßu, der sich verschümter Weise noch blo* ,konservativ" nennt, im Kreist Halle- Herford, al* allzuwürdioen Nachfolger de* verstorbene« Hin. »on Kleist-Rrtzow. Dieft Kandidatur, d e sich gleichfalls der Unterstützung aller reakrionärrn Schatliimngrn — schwarzblou-judenblutdürstig — erfreut, hat aber noch ei» andere* Mernnal, da* alle* Da gewesene übertrifft. Herr v. H entblödele sich nicht, in der Erklärung der Annahme der Laudidatur an seine tabock-industriellen?Zähler zu schreiben, .er werde, s» lange er diese» WatzUret* derckrttL gegen jede Erhöhung de* TabackSzolle* und s rgen jeden TabackS- Monopol stimmen'!!! Wahrlich, eine lSesinnuog-tüchtigkest, dir eine- Redakteur« der .Kreuzzeitung' würdig ist, und wenn dieftr Sirenengesang zum Stimmenfang genügt, dann fft der Wahlkreis keines oefferen Vertreter* werch. Die rren Antisemiten kennen jedenfalls chr Publikum, wenn ihm solche* zu bieten wagen, woge;,«« alle Radaurrden de* Tugendboldes Böckrl und Kons, die reinen Aafang-grüude in der Züchtung de* Bcrbaromyoetea antiMmitioa• sind. Das sind die Berather des jetzigen Deutschland«; da* find die Bertretrr der siebenten Großmacht, da* sind die prahlerischen Stützen von Thron und Altar, die sich zu deu Gebildeten der Ratio» zählen. Wären wir thatsächluh Fremde, ja Feind« de* Heimat» lande«, wir könnten über solche ,Freunde' deffelbeu nur Genugthuung empfiuden; aber nein, wir lieben unser Vaterland, und wie ein Vater da* Kind am meisten liebt, das er am meisten leide» sieht, so fühlen wir auch unsere Lieb« und Treue zu dem von Fanatikern und herzlosen, selbstsüchrigen Menschen terrorisirteu Laude; unser Herz zuckt s hmerzlrch zusammen, weil wir e» leiden sehen, und diese* Leiden ist um so schwerer, als die krunftn Theile sich deffelbeu gar nicht bewußt sind. Wäre nur unser Wohlbefinden gestört, wir würden un* mit dem Bewußtfrin trösten, daß auch diese Verfolgung zu unserer Mission gehört — wir würden fcr Hoffnung un* hiugeben, daß auch die heutige» Wortführer, die sich vom Schweiße de* oerführte» :Volke« nähren, den Weg aller Ruppel, Heurici und wie sie alle geheißen haken, gehe» werden, wir würde» warten und dulden, aber אין ועד שרה בבוק הפלך der Leide» nur ihren Zimcke» dient; »er für den gtfbf I ebensowenig eilte Grenz«, wft für dieEkeberer,? der von Sieg zu Sieg schreibt. Dru» oicknun» oooioImI ׳ E* fft wett gmug gekommen, aber noch fft e* nicht zu späh F noch ift^ilft möglrch nr zugeruftn werde». noch lan» dem Verderbe» rin ״paU" Ks1te!»tLAer«»g «G K*tte»vereßr»»g. •tat idlffMlbr Beteochtan* 0m Berutzneb -I«lg»b«rger. * (Kortschung.) Wozu also mst Gewali den fiste« Stützpunkt trümmern, den die MensLhest sich aufgerichtet in der?slü^ vergangener hinten, den sie in ihrer sortschreitende« Läutet zu werden, sondern nur, um die Gotthüt in der immerhin! möglichen geistigen Stähe anzustaunen und zu verehre»?s Rusen wir daher den idealen Freidenkern zu: Belehret doch- Eure Brüder und Schwestern, daß sie in menschenwürdiger l Faffung da* .Uoglauvliche" immer mehr zu bqreiftn ftcheihl ohne «* vor ohnmächtigen Menschen zu lästern und א schmähe», wenn es ihnen uneraßlich erscheintl Denn wrmt> Specht a. a. O. S. 11 ausdrücklich scrft: ,Den besten nutz sichersten Sch»» findet dieft (Gotte*-) §tb« durch de» 11 schreitenden Meuschenaeist ftlbst; denn in de» ülkaße als dieser dft Nottesidee läuterte und sie von ihren grübst«' anthropomorpliisttschen Schloten befreite, entrückte eil sft/i mehr und michr der plumper Kritik, dem rohen Gefjrötte, solcher Leute; di« Freude oder Wohlgefallen am gemeinen H Schimpfen und Läftxru haben' , so verbietet er offeubar eine Behandlung b* ,religiösen' s frage, wie sie Iran Wilhelms iu oben angeftchrten Tito ten ihirr unter da* Volt Verth« iltru Broschüre sich gestattete, schon vom Standpunkt demoralisch«« Sittlichkeitsgefühl« au«. Ihre Schmähungen werden wohl iu übereifrigen Frommen die allergrößte Aufwallung Hervorrufen ur d bei wütheuder Freigeister« einmen Gesellen finden, in mir aber erregen sie nur da* Gefühl de* Mit» leids mit jener Person, welche rie Erziehung ihrer leibliche« Kinder aufgebend, sich zur Mutter der Menschheit mache« will und mst lautem Gebell die Gegner ihr« Kinder zu A verscheuche« uub diese in Sicherheit zu wiege« sucht. Aber noch einsl Man scheint es io freidenkerischen,^ Kreisen bftter zu beklagen, we»m heut zu Tag« unter mm ,?! Schutze dr* Z LSS de* deutschen ReichSgefttzbuchr* «in« ,modernen Krtzerversolguag' gehuldigt werde» kan», »nd betrachtet e« il* Aeußerung eine» beschränkten, unfreien. Geiste«, wenn solch' ei» Barilgraph von dem Gefttzge «ine* civilifirbu Staates gefckwffen wird. Doch geauchl" ,Wer dadurch; daß er öffentlich in beschimpfend«»׳ Aeuherungen Gott lästert, ein Aergerniß gieot, oder'?! wer öffentlich eine der christlichen Kirche» oder eine andere mst Korporattonsrechten innerhalb de* Bundesgediste* bestehende Rel givnsgemeinschast oder ihre Eiurichtmigeu oder Gebräuche beschimpft, inHleicheu wer ineiuerKirche^ oder in eine« anderen zu r>:1ig,üftn Versammlung«« be-' stimmten Orte beschimpfet den Unfug übt, mrd mit Gefäugniß bis zu drei Jajren besttaft.' — In fort und fort sich entwickelnder Selbsirrkeuutniß strebt di« Menschheit immer melir dem allgemeinen Frieden zu; st mehr di« Gottheit und il» Berbältaiß zur Wttl erkannt werden nird, desto mehr wird New und Egeodünkrl mst allen daraus entspringenden Lastern von der Erdoberfläche schwinde«, «nd e* ist ein übnrau* erhabener Gedanke, wen» »u* unsere Weisen ,Frieden" al* de» Rainen Gotte* angebeu. Erich' einem hohen Ziele strebt aber auch der Freidenker freudig, "