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Israelitische Wochenschrift · 1892-08-26 · 35 (26.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
35 (26.8.1892)
Date
1892-08-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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■1 יו< vvMofftttste dieThtr und verschwanlnn.?ach einer Stunde schon war da» gai'zk griechische viertel Ä, Aufruhr; »an suchte da» verloren« Itrnd und beschuldigte!die Juden öffentlich, dasselbe enlsührt \u haben, um r» zu rituellen Zwecken zu schlacliten. Di« slttdel«führer wüsten ^■n nicht* Eiligere» zu rijmi, als das tzierücht zu verbrei en, daß »an da» Lind in Atti'» Hause fir>dcn würde. Sofort .Wurde da» Hau» erstürmt, die Thüren erbrochen und die -IBüwohner mißhandelt. Man fand auch bald da- Kind, welche» ruhig im Garten saß und ein Stück vrod verzehrte. Glücklicherweise sind Herr Atti und seine Familie französische Untrrthanen und stehen bei dem bessern Theile der Bevölke- ^ruug in hohem Ansehen; >oer weiß, »oa» sonst mit ihnen ^geschehen wäre? Die Auffindung de» Lünde» und sein« Aupatzen hielten di« Eltern desselben jedock, nicht zurück, gegen ,Mr Familie Alt, die Anklage wegen Entführung au» bös- -Williger Absicht zu erheben. Da» Gericht wie» jedoch di« Anklag« zurück. _ Ksttesttßenm- »üb K»tter»sere-ru»g. W»r zettgrMßtzr Betracht»«» »r» Bernhard »knizdberger. lstorlsetzu»» vo» der Beilage au» Nr. S7.) völlig anderer Rechtsmittel bedienten sich die Anhänger de» Monotheismus, als sie ihrer Anschau unasweift die W^e **!' ebneten und die Idolatrie bekämpften. Abraham, der sich zuerst zur öffentlichen Anerkennung de» rinig-emzigen Gotte» " durchrauq, brauchte nur den Götzen, die sein Vater gebildet, die Köpft obzuschlagen, um ihre Ohnmacht darzuthun*). Aber Me hoch steht heut die Verehrung diese» Wesen», da» heut *— wenn ander» seine weltschüpftrische Kraft nicht gelnmoet g\ werden kann — keine außerordentlichen Erscheinungen, Wunder genannt, hcrvoizuruftn nölhig hat, indem die Menschheit dir Großartigkeit de« WeltorganiSmu» alltäglich anzustaunen ag! Wie abgeschmackt klingt e», wenn ein Führer der Gmt überhaupt nicht beleidnit und gelästert werden kann, steht auch in der Bibel, die ja deu klrthodoxcn zufolge .,Gottes Wort' ftin soll, ciusdrücklich geschrieben: .Die Nach« ist mein- — und eine Vertretung in dieser Function ist nirgends angeordnet.- Derartige Glaubens- ^. deteukrn regten sich schon in der Brust de» ägwtischeu aötzeudienerischcn König» Pharao, der sie nur durch sichtbar« ’v■ Fingerzeige de» an gepriesenen Gotte» beschwichtigen lassen Wollte; chm aber war r» eben unmöglich, ein unsichtbares ^^Leftu anzubeten und so lästerte er daffelbe auch angesichts ״der von Mose und Ahron vollzogenen Wunder, weil er sie für Blendwerk zaubernder Menschen hielt und dir von diesen in de« Vordergrund gestellte Gottheit nicht von Angesicht zu Angesicht zu schauen vermochte. Und wie au» Pietät gegen 1e»e alten Zeiten verlangt auch heut ein Theil der Menschheit darnach, ein sichtbare» Wesen zu verehren, und wenn dasselbe nicht erscheine, im denkenden Selbstbewusstsein ftzie beständig au» sich heraus schaffende Materie anzubeten r.. wnb da» bejjriffnte Welträthsel anstaunend, der Menschheit r% ruzurnftn: Da» sind deine Götter, o Mensch, und den sich in ihnen kuudgedruden EntwickelnngSprozeß hat auch Derne Seele durchgemacht, ehe sie sich durchraug von der Knechtvom Dunkel geistiger Unwissenheit, zur Freiheit, zum wahrer Erkeuittuißl Und zu all' dieser Berhkhnung schweigt di« verspottete, geleugnete Gottheit? Nicht EDgelSchöre in deu Höhen, . «ur staubgeborene Menschen, d» Herren der Erde, rufen 'in -bescheidenster Demuch da» »Dreimal heilig ist der Herr in der Höhe!" au»? Kein SturmeSbrausm fährt durch die ruhigen Lüste, deu Menschen, der sich frei dünkt vom göttlichen Walten, zur Zerknirschung zu führen und ,Halt!" ihm zuzuruftn auf seines Geiste» Bahn? Nicht nn ntaftu*, (fl türmen sich Steine zum hochragenden Weltentempel, dar»«! der Prophet zu seinem Herrn fleht, daß er den Blitzstrahl niederfahren lasse und durch die Aufnahme de» Opftr» der Menschheit Geiüuüeu läutere, worauf der ganze kÄeltenbou in lauter Verehrung ausrust: ,Ja, der Ewige ist der wahre Gott! Er hat un» gebildet und geschaffen und wird, ewig bestehend, un» weiterhin erhalten!?' Nein, nur im ruhigen Wehen de» Winde» erscheint Gott! Seitdem die Welt durch Elijahu'S Wirken von der götzendienerischen Vieldienerei abgewendet worden, bedarf e» keine» gewaltigen Zeichen» mehr, da» Daftin der Gottheit, der richtig zu begrerftndrn Gottheit, un» zum Bewußtsein zu führen. Denn im Innern eines jeden Menschen schlum» merr oder wacht — nach seinem Belieben! — die gewaltige Anerkennung diese» schöpferischen Wesen», und wird e» auch geleugnet und geschmäht, zum Kämpft h«rau»gefordcr^ e» will doch feruerhin nur erkannt sein im sanften Säuseln de» Windes! Und warum dieser JndifferrntiSmu» der Gatt» heit? so fragen wir. — Seit einmal ein Theil der Kette der menschlich:» Gesellschaft den wahren, reinen Gotte»gedanken in sich aufgenommen, ist e» berufen, ftrt und fort für die allgemeine Verbreitung zu wirken, bei dem gortschritt de» menschlichen RieftngeisteS nur mit geistigen Mit» teln zu kämpftn, bi» der Sieg sich an seine Fahne heftet? Und wer dem Gedanken nicht folgen will, nicht weil er ikn als falsch erkannt, sondern weil er ihn nicht begreift, der begeht einen Berrath an seinem Schöpfer, begeht aber auch zugleich einen Berrach an seinen Mitmenschen, die er durch seine» Namen» Bedeutung grwaltjam in ftin Lager zieht. Welchen Einfluß jene großen Forscher, auf dem Gebiete der NaturwijjeuschLft mit ihren verl«kenden Resultaten vou der Befreiung de» Menschen «mSüben. zeigt sich besonder» in dem agitatorischen Auftreten .kleinerer' Freidenker. W7lch«, abgesehen von ihrer nicht vollends bermeftnen, »oa manchen Forschern sogar bekämpften Theorie, mehr durch di« Macht de» Worte» und des unverstandenen Gedanken» auf die Mafien einzuwirken suchen. Freilich, vor unerfahrenea Arbettcru bedarf e» .kerniger' Worte, um ihnen da» Nichtsein einer Gottheit zu bewiesen — wenn sie, eben weil sie nicht exisiiren; soll, selbst den »schroffsten' Lästerungen gegenüber glcichgiltig bleibt. Solch' letztere enthält in unzweideutigster Form der *4 zu Anfang unserer Auseinandersetzung berührte Bortrog der Frau Wilhelm«! — Der Mensch strebt — und da» oendtfj. feine Gottähnlichkeit — schon von den ersten Jahren seines, Leben» an, nach einer umfaffenden Selbstbcfeeiuug, und so' fallen begreiflicherweise, wie auf heiße Steine, jene ״erfrischen» den' Schlagwörter der freien .Religion' und wuchern, wie Unkraut, das ja gleichfalls der Natur angehvrt, bald mächtig allüberall empor. Wäre e» nicht einem idealen Beruf: to weitem angemessener, wenn mau Schritt für Schritt erst ״*f «inen jeden der Mitmenschen durch ehrlichen Unterricht de» א sähigte, selbstständig die höchsten Gedanken zn erfassen und objcctiv zu prüfen, als ihn mit «nverstandenea Schlagwör» lern eine» neuen Glauben» vollzuvsiopfen? Sonst wird schlechthin der alte Glaube nur in ecoen neuen ve!wandelt — ein Glau be bleibt e» immerhin! Denn was der For» scher ergründet, nimmt der Laie als baare Münz« ׳ und . glaubt e». Recht charakteristffch ist für diese Behauptung die taltnudisch« Erzählung, nach welcher der wmft Hille! einem Proftlyrrn de Aanuhmr einer »mündliche« Lehre^ begreiflich machen wullte: Zn chm, dem weitberühmteu " lehrten, trat einst ein Heide mit der Litte; ihn in dm B Jakob» auftnnehm«, unter der Bedingung, daß bft.׳stßWKche Lehre gebunden zn-

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