Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ein Ikabinet-brfehl Avniq-FriedrihWilhrlmIII. empfiehlt unter dem 10. September das Versah«» der Judenschast alle« Gemeinden zur Nachahmung. Die Sterblichkeit unter C ben Juden in den Cholera4kpidemien ist übrigenaller Orten ׳ ■ «ne verhältnismäßig geringe gewesen und ist mit ihren seit Jahrhunderten organisirten ArankenverpflegungSgesellschaften ' in Zusammenhang zu bringen. ES ist auch in Anschlag zu bringen, bemerkt die Red. degen. Bl״ daß gerade die unteren Schichten der Juden streng rituell lebe» und dem Gebote, vor jeder Mahlzeit (wie nach 'Abgängen von AuSwurfSstoffen) di« Hände zu waschen, noch heute Folge leisten. Die beregten Waschungen, zu denen weder trübenoch schon gebrauchte- Wasser vcrwendet werden dürfe, seien alreligiöse Pflicht schon in den frühesten Zeiten (nach einer talmudschen Relation zur Zeit de- Königs Sa-!!atno’6) eingrsüdrt worden Fehle es an Waffer, solle man die Hände mit Saud abreibev, oder vor der Berührung der Speisen bekleioen. L» ist überraschend, wie diese Gebote sich mit den An« schauungen decken, welche au» der Entdeckung der bakteriellen Krankheitserreger hervorgegaugen und auch der in dem Miiristerialrrscript von 1874 und 18U2 ausgesprochenen Warnung, in den von üholerakranken benutzten Räumen uichtS zu effen und zu trinken, »u Grund liegen. א׳־ח. Z»s Westfale» 12 Aug. (Or^Cor.) Auf der roten Erde scheint der Höllenschein der Antisemiten wenigsten» . gu «blaffen. — D« Wüten« Heissporn 0r. mack. Könige, dem die Praxis zum »Heile d« Deutschen" keine Ruhe zu lassen scheint, der wie Kain uustät umher wandert, hat auf den 28. August eine antisemitische Rede für Telgte angekündigt. Telgte hat eine kleine, friedliche israelitische Gemeinde achtbarer Familien, und ist — eia weithin bekannter Wallfahrtsort. Daß den Israeliten der angekündigtr Besuch sehr unbequem war, ist selbstverständlich, denn eine solche Heimsuchung läßt imm« einen bitteren Bodensatz bei der »rthellSlosen Menge und in einigen Geschäftskreisen zurück. Um so dankbar« begrüßen sie nunmehr den Schutz und dir Abwehr durch den Herren Bürgermeist« in B«bindung mit sämmtlichen Stadtverordneten, einem großen Theile der an- A gesehensten Bürger unddem Stadtpfarrer. Diesehaben durch «in Eirkular die angekündigte Versammlung strenge verurtheilt und ein Fernbleiben von derselben ernstlich empfohlen. — So. müßten überall der Schlange die Gistzähne ausgebrochen Verden. — Der sehr rührige .deotschc Reformverrin in Münster", d« auch durch Denunziationen sich breit machte, hat in letzt« Ek Zeit empfindliche Schlappen erlitten. Eines sein« eifrigsten Mitglied«, ein Anstreich« seines Genxrbes, hat e» vor kur»m für rathsaw befunden, sich unfaßbar zu machen, ist in Nacht und Nebel verduftet mit Zurücklaffung von Frau und Kindern. — Der .Verein reisender Kaufleule" in Münst« wurde von seinen Mitglied«« aus dem »Deutschen Reform- Lereiu" mü all«lei Vorschriften und Anträgen gegen die Inden behelligt. Jetzt hat d« Erster« ein« Anzahl des Letzteren die Ausschließung d« Hetzer audem »Verein reisend« Kaufleutr" brieflich angezeigt. 1V. Apgust. (Or.^Lor.) Heute beging die hieAge i-r. Gemeinde die Grundsteinlegung zu eia« neuen Synagoge in feinlich« Weise. Auf Einladung de» kvrstande» wohnten derselben in Bcrtrctung der. Herzog!. Krei-direction, Herr Regi«uag-rath Harmes, der Stadt- Magistrat, vertreten durch H«rn Stadtdirector von Damm, Stadträth« Dr. Gerhard und Nicolai, sowie eine Anzahl 4w« Stadtverordneten und fast fämmtliche Gemeindemitglied« bei. Nachdem von den Schülern d« Samsonschule, welch« mit den Herren Lehrern erschienen waren, ein Wange«, war, hielt Herr Landrabbiu« Dr. Rülff auf NnmufchtvUL die Eöeiherede, in der « befand«- hervor- M»r 100 Jahre alte Tempel de» An- «nge mcht mehrdie Anzahl der Bet« zu fassen nicht mehr im Stande war. Hinauf laS derselbe das in den Grundstein zu »«schließende Dokument vor, welchedie Ursache des Neubaues und dessen Nothwendigkeit enthält, sowie daß derselbe aus eifriges »8etreiben des d«zritigrn Vorsteh«- Herrn Bernhard Lohn zu Stande gekommen sei. Alsdann wurde diesenebst t>em Berzeic,nisse der derzeitioen Mitglied« und mehr«e Zeitungen, wie dir neueste ״J«r. Wochenschrift', die ״A. Zeit. d. I.", das ״Braunschweiger Tageblatt" ״Wolfenb. Krrisblatt" u. a. in eine Bleikapsel verlöthet und in den Grundstein versrakt. Während der Vcrlöthung sang der Schülerchor wiederum einen Choral, alsdann that He« Landrabbin« Dr. Rülff die üblichen 3 Hammerschläge mit passenden herzlichen Begleitworten, diesem folgte der genannte Vorsteher B. Cohn, welcher diese mit den Worten: »Zu Gotte» Ehre, , begleitete. Diesem folgte der Herr Stadtdirector v. Damm, d« Regierung-rath Harmes, die Stadträthe und die Baubehärde, vertreten durch Herrn Bauiaspector Müller, u. s. w. Die zur Feier eingeladene evang. Geistlichkeit und da- Consistorium fehlten entschuldigt, die katholische Geistlichkeit ohne jede Entschuldigung. Nach Einmauerung d« Bleikapsel sangen die Schüler wiederum einen Choral, womit die Fei« ihren Abschluß fand. Zum Schluß sprach der He« Vorsteher den Vertreter» d« erschienenen Behürd^n den Dank der Gemeinde für da- Erscheinen aus. Lt«1tß«rl, 12. August. (Or.-Cor.) Am Tage vor d« Versammlung des Württ. Volksschullehrerverein-, dem auch die me sten israel. Lehr« anzehören, hielten diese im Hotel Eisig hier ihre jährliche Zusammenkunft, der auch die Herren Rabbiner Ka hn-Heilbronn und Dr. Stößel-hi« beiwohnten. Um 8 Uhr hielt d« Beninsausschuß Sitzung, nahm die Rechnung-adlage des BereinskassierS Metzger- Cannstatt entgegen und bewilligte in 14 Petionen an Unterstützungen an Wittwen, arme Lehrer, Schulamt-Döglinge und an den allgemeinen LehreruntirstützuugSverein im Betrage von 204kl Mt Da- Verein-Vermögen beträgt jrtzt 42600 Mk. Dieseerfreuliche Ergebnis verdankt der Verein hauptsächlich der Teilnahme in den Gemeinden, worunter sich besonders die hiesige israel. Gemeinde Dank der Bemühungen de-Herrn Bank>«G. Sontheimer au-zeichnet. Um 10 Uhr «öffnete d«Ve«inSvorstand, He« Oberlehrer Stern von Eßliagen, die Konferenz mit einem Rückblick auf da» verflossene Jahr und verlumehre« eingelanfen« Schreiben, daruut« auch eine Begrüßung dedeutsck-i-raelittschen Gemeindebundes, der auch Heu« die Be«ia-kaffe wird« mit einem Beittag von 30 Mk. bedachte. Der Verein-Vorsitzende hielt nun einen ttefflichen inhaltS«ichen Borttag üb« »den Autisemitismu» in unser« Mitte" nach Ies. 21, 11. 12. uud machte auf die Gefahren desselben und die Pflichten de» Lehr«» zur Abwehr desselben aufmerksam. Die zum Schluß angeführten Thesen begründete d« Reda« in formvollendet» Rede «nd wurde chm hierfür allgemein« Dank zuteil. — Nach kurz« Debatte hierüber beschäftigte sich die Versammlung mit mehrerenAnträgen d« Lehr« Preßburger-Cregliagen und Neckars»! mer-Butteuhauseu, bet«ffend die Belohnung für den Borbetrrdienst,. die Besetzung der Vorsänger- (Religion-- lehr«-)Stellen, die Normierung d« schulfreien jüdischen Feiertage. Die beanttagten Wünsche wurden alberechtiat anerkannt und der Vrrecosausschuß beauftragt, über diese Wünsche eine Denkschrift auszuarbeiten uud sie den Behörde« vorzulrgn». — Zur Ausarbeitung eine» Lesebuch-für die Ober« klaffen txr israel. Schulen Württrmlxrgs wurden 6 Lehr« «tt diese» Spruche hatten wir der «emeiude M! e« {««Mn wir Mi, patz rr woch .dW k ־!.««,iuG ־ “ ־