Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Berichte trnb Corresp oudrnze». Dorfcht«,«-. M«ß-e»»rß, 15. August. Herr Leopold Hamburger schreibt uns: »Nachdem Niemand bis jetzt sich um die 10,000 SRI beworben, dir ich für Nachweis einer Stelle anS Talmud rc. über Ritaalmvrk ausgefetzt, verpflichte ich «ich 15,000 Mk. (Aül»szeh»1«lst1»t Mark) Jedem zu Ichlen, der gerichtlich mir aichwftst, da'z die unter Anderem .MmerSch^lpost* (Nr. 187 Spalte 2, Zeile 42-80)!ltr und ihr Grpick turS dem Beate auf einen bereit » Zug lade» zu sthlch während dir Frauen am Ufer Floffk» Wasier kocht«» und Thee zuvereitetrn. Ein bnlicheS Schauspiel mag der Uebergaüs, der Kinder Israels »er den Jordan dem Auge geboten habe». Lntre-RIoS gleicht aber auch in der Thal dem Land« Verheißung, da ewollt den fruckütarstt» Boden auf "der ganze« Erde hat. Die Landung daselbst geschah vorigen s. Dienstag (28. Juni) und schon am folgende» Morgen laugte " Mt ganze Reistgesellschast per Extrazug ra der Colonre Clara au. Obe.st Goldsmid machte einen mekirstündigen Ritt durch das Laad, um die geeigoetslra Plätze fit die Lolonisttn aus- ", zusuchen. Diese begannen alsdann sofort, ihre eigenen Häuser zo bauen, zu welchem Zweck das Material bereitvoraus- ' geschickt war. Welch ein« Veränderung! Statt mürrische Unzufriedenheit ׳ und Faulheit zu zeigen, ist der einzige Wunsch dieser Leute . nur zu arbeite« und anstatt Oberst Goldsmid um Geld zu ' quälen, verlangen sie von temselben ronter nicht-, als daß er ihnen di« Versicherung zrbe, daß die Ochsen und Pflüge zeitig eiatteffen werden. In einigen Tagen werdcn nach sorgfältiger Auswahl noch 60 bis 100 Familien von MoseSville nach dieser Eolonie entsendet orrden. Einige andere Familien arbeiten noch in MoseSvillr, wo sie sich mit Lust ihre eigenen Häuser bauen. Eia größerer Rest aber, weift Faullenzer und Schlemmer,!sieht nun «in, daß sein Spiel verdorben ist und Oberst a Goldsmid wünscht, diese so bald als müglich loS zu werden. Auf Entre.RioS hat er seine Hoffnung gebaut. Er schickt di« Schlechtesten uud Nachlässigsten, welche sich jetzt dort befinden, fort, damit di« Guten nicht für die Schlechten zu leiden hoben. Auch M״aricio will er sitzt in Angriff nehmen. ,Gegen 100 Familien theilS unwürdige, cheilszu ungeduldige, welche einen sorgfältig erwogenen Plan nicht adwarten wollen, sind nach Europa zurkckgrkchrt. Die ftciben jüdischen Aerzte, welche Oberst Goldsmid unterstützen sollten. wurden leider S Opfern der Jntrigue und mußte dieser sie aus ihrem «uste entlaffen. Die früher gemachten Mißgriffe haben ihm diel« Berlrgraheiten bereitet und ist eS auch noch nicht vorauszubestimwen, worin die Folgen derselben ihr Ende erreichen werden. Sein große- Ziel ist, den Leuten zur Arbeit zu verhelfen und zur Erreichung desselben leistet ihm Herr Tetlry unschätzbare Dienste. Lin,: große Anzahl Lolonisten steht aber noch ganz hoffnungslos da und eine der traurigsten ' Erscheinungen ist, daß einige derselben ihre UnterlaffongSsünden mit dem Deckmantel der Religion zu verhüllen suchen. In diesem Sinne schreiben sie verleumderische Briefe und LS«»-Berichte für die hebräischen Blätter in Rußland,*) auf tvelchr stlbstverstäadlich nichtzu geben ist. Wer auSgeht ein MeneS Land für sein« Glaubensgenossen zn suche», um sie von Roch uud Druck zu erlösen, der muß wie Mose die bittere Erfahrung machen, daßeS au verleumderischen Berichterstattern, «och ärger als die von jenem «uSgesandten Kundschafter, nicht fehlt. DaS fft eS, waS da« große HiljSwerk lähmt. im Nnmeir von Paasch Mrten Stelle» (entnommen de« »Judenspirgel" von Justu4Briemam») wirklich im Schulchan Anuh entlxrltt» sind. Leopold Hamburger SS Uhlandstraße, Hausbesitzer in Frankfurt a. M- Mnzdeßnrz, 14. August. Die »Magd. Zeit." (bringt folgende« Artikel über »den Antisrmiti-wu» der llltramontauen*: »An den grhäffigstrn Antisemitenblättern hat seit Jahr und Tag die »Germania* gehört. Seit dem Prozesse Buschhoff aber giebt er faum ein zweites Blatt in Deictschland, das gegen unsere jüdischen Mitbürger in widerwärtigerer Weise hetzt uldes hauptstädtische Organ der Partei für »Wahrheit, Freiheit und Nicht*. Weil die Juden sich dagegen gewehrt, daß ihnen an Stelle des »rituellen Mordes* — und selbst dieser wirk ja noch von dem würdigen Genossen der »Germania*, dem »Offcroatore Cattolrco* in Mailand aufrecht erholter? — rin Blutmord-aberqlaube an- . gedichtet werde, deshalb macht ihnen die »Germania* zum i Borwurf, daß sie ern Justiz- und Prrßprivileg für sich in ' Anspruch nä^nen. Rur durch ein Spiel mit Worten, durch Taschenspielerkunststückchen kann daklerikale Blatt für stin« Behauptung eine Art thatsächlicher Unterlage beschaffen. In einem jüdischen Blatte*) ivar die Forderung aufgestellt, die Parlamente in allen Lultarstaatea sollten den rechtsgültigen Beschluß proklamiren, daß side Anklage auf Blutbeschuldigung aug rituellen Motiven gegen die Joden von Ken Gerichten zurückgrwiesen würde. Die Verbreitung des BlutmärcheaS in Wort und Schrift sollte für strafwürdig «»klärt werde«. Wir nehmen nicht Anstand, unk gegen diesen Borschlag zu erkläre«» den wir für praktisch nicht durchführbar und wirkunPloS erachten. Aber beweist er, daß die Juden für sich ein Preß« und Justizpcivileg verlangen? Nur die Besaugenheit der »Germania* kann eine solche Forderung darin erblicken. Kein Jude wird so thöricht stin, zu bestreite«, daß auch ein Jude morden oder abergläubisch stin könne. Wogegen sie sich wende», ist, daß eS eine« Blutaberglauben »der Jude»* gebe, für defien Bethätigung nicht der einzelne Jude, sondern dir Judenschaft inkgesammt zur Rechenschaft gezogen werden könnte. DaS ist eS ja, waS dem xanteuer Prozesse dir Bedeutung gab, und dre der »Germania* so verdächtig erscheinende Aufregung der Juden so begreiflich macht, daß auf die Berurtheiluug Buschhoffnur gewartet wurde, um dann unter der Parole, Sühne für die Blutmorde »der Juden* zu nehmen, einen neuen Kreuzzua ins Werk zu setzen. Denn dahin geht die Absicht der Äntistmite«. Di« ,Kreuzzeitung* mag heuchlerisch die Augen verdrehen und ihr antisemitisches Programm anpreisen. über dessen maßvollen Charakter man allseitig erstaunt sein werde, der consequente, der »nationale* Antisemitismus, als deffen Brr» tatet Herr Ahlwardt auftritt. predigt mit dürren Worten: die Vernichtung des Judenthums. Und diestw nativnoleu AnnstmitiSmuarbeitet die »Germania* mit ihren Hetzartikelr nur m die HLnve. Sie hat jüngst die Auslassungen de» Papste- Über den AntistmitiSmuS für innerlich glaubwürdig bezeichnet. Hält sie ihre Anschauungen mit denen deS Papstes für vereinbar? ES dürfte ihr schwer werden, oafür de« Beweis zu erbringen* M«ßk«A»tß, 14. August. Eine« recht beherzigenSwerthen Brief des berühmttu Sprachforschers Max Müller in Oxford über den AntistmitiSmuS veröffentlicht dain Wien erscheinende »Frei« Blatt* iu seiner neuesten Nummer. Der Gries ist vom 7. August datirt uud lautet: »venchrter IJm I Ich hat« schon;» wird erholte» OIalm nufafc, Mißfallen gegen da» Lreidan der'2l«tij»1»it»n invgtfprodfin. Ich i» allen Dingen gegen seicht»» Genera iislre». wen» man Mt meinen Urcheil» übe» Sngliindar. Franzosen, venlsche *. ״״“•־* ״״*.—***״ w» ß. m