Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959809--1217-5375137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wird wachsen, Hab und Feindschaft wirdzunehmrn, waü im Interesse deS Vaterlandes nur zu beklagen ist.-. Wer lacht da? Derselbe Mann, der bei der antisemitischen Bewegung in Deutschland Gevatter gestanden, der sie gehegt und gepflegt, der ein »Priester der Lieb«- Haß und Neid aufgestachelt, der zeitlebens gegen uoS gehetzt, lat di« Unver» storrnheit .eS im Interesse deS Vaterlandes zu beflageu", daß der Same des Unfriedens, den, er selbst gesäet, auf leider nur zu günstigen Boden gefallen, daß die bb^'e Saat jetzt in die Halme schießt. Aber, nur gemach, der Pftrdefuß kommt nach! Nicht die Anttstmitru, nicht di« Ahlwardt, Stöcker und Konsorten säen Haß und Feindschaft zwischen dem jüdische» und christlichen Theile der Bevölkerung. Wer wird iienn an der schneeweißen Unschuld, an dem lediglich von patriotischen und menschenfreundlichen Absichten geleiteten Bestrebungen dieser Edeln zu zweifeln wagen? »Die Unzuftiedmlstit-, belehrt wir der deutsche ,Vater der Lüge", wird geschürt durch Sammlungen unter Christen für einen sreigesprocheaen Juden.- ,Diese Sammlungen" droht er »werden den Aiitisem.tiSmuS zur Siedehitze entflammen!- »Wann ist man je — ruft er pathetisch aus — für eine Entschädigung eines unschuldig verurtheisten oder verhafteten Christen ein getreten?" wiewohl er recht gut weiß, daß die Frage der Entschädigung unschuldig Berurtheilter seit Jahren alle freiheitlichen Parteien beschäftigt, aber auch was er weist. verschweigt, zeigt uns den Meister der . . . Hetze. Daß für Stöcker das Urtheü im Lantener Proceffe vergebens gesprochen ist und er geheimnißvoll.von dem unfaßbaren Et.oas, das in jüdischen Sachen über den Verhandlungen schwebt", orakelt, kann uns nicht Wunder nehmen, hat doch sei» würdiger Gesinnungsgenosse, der noch iuumr frei herumlaufende Ahlwardt, dir Frechheft beseffen, in vff mtlicher Versawmlung zu behanptea, »daß Buschhoff MitIhäter und Mitwisser am Verbrechen sei, wäre stdermana klar." Daß Ahlwardt nicht unterließ, Stöcker bei dieser Gelegenheit seinen devote».Kratzfuß zu machen, ist recht verständlich. Sir leben in einer praktische» Zeit Und »es treibt sich gewerblich, Bermittelp der «egenseiligteit Wird jeder Lump unsterblich! singt ein edler Dichter »ad wenn auch an der Unsterblichkeit dieser Beiden Zweistl verstauet fein werden, die erste Bedmgung erfüllen sie zur Genüg«. — Berlin, 13. August 1892. Ed. Münz. Anefe «ms Argestixie». Bnenos-Ayre», dm 18. J«li 18SL. Argmtiuim ist ein Land der Jntrigue; diest durchdringt Alles und verdirbt Jedermann. Gott hat das Land in rmmngfacher Weise durch Fruchtbarkeü und Reichthümer der Natur gesegnet; aber die Mensthm haben dunh ihre ^ocheitm und Laster den Fluch über dafffllie heraufbvschooreu. Alle» schmiedet ComplottS und Gegencomptctts, und keia stabiler Zustard ist in ch». zu finden Dieses ist woh zu beachte», wen» Nachrichten über irgend einet, das Ausland interessirmde» Gegenstand, als Finamwesm, Ha», bei, Ackerbau n. s. w. von h«r in die OeffenÜichkett dring!««. Die mHAe^Vründmch^ zusammmhäigendt Pionirarbeit! Buenos-AyreS, Santa-Fä, Sntrr-RioS, öntrr-Rios, <Intrr-RioS. Laster der Jntrigue nich frei geklieben ft» Gegmrheil scheint sie durch dft mit der eingebor.nen Atrigue verbundme i mportirte Fiorsst noch au Jnftnfität Mmommen zu habm. Oberst lklol.dsmid, war hieraus wop vorbereitet, da man ihn über da,« Jntriguenwesen und die Laster, dst er in BumoS-Ayre» zu bekämpfm Halen wiirlü, wohl verständigt hatte; olle B:richte aber, welthe i>M vmlstr zugegaugm «»arm. erblassm vor der. schrecklichm W rklichkeit, wie sie sich seiner persünlichm ilnschauung darbot. ES gischt hier zu viel Leut«, welche dm ColorisationSvereiu kloß für eine Milchkuh anzusehm, die drzu bestimmt ist, ihr, Sonderiuteressm zu fördern. ES gelang jrsoch dem Oberst, «inen vortrefflichen Mann mit besten Empfehlungen, der von di:stn Leuten nur wegen seiner treuen Pflichterfüllung gehaßt nid dessen Lcbm nnederholt bedroht wurd:, bei sich behalten zu kennen. Aber auch der brave Oberst stlbst wurde schon durch ruassmhastr Drohbriest behelligt und mußte, um fcanbotOfe Auftritte zu verhüten, die nach notorischen Mittheilungen von schlchtm Charaeterm angezettelt wlirdm, sein Bureau durch Polizei bewachen lasten. Folgend, sind di« jetzt bestehenden Lflonim Maucicio in der Pkovinz MoskSville . . , Clara » . » San Sntouio » » » BaSrrilbano , , , Der Zustand der ColonieMoseSville spottet jeder Beschreibung. li)aS Land ivar schttchr gewäkitt, «ine ungeheure Anzahl Famstim wurde in Aelen und in Schuppe« zusämmeugepstridt, in welchm sie monatelang in Untätigkeit zubringen mußten, und da der Teustl für Müßiggänger immer Arbeit findet, so warm Attrigue und Anftuhr an der Tagesordnung. Die Lmte zogm ilste UaierslützuagSquote« ein, hattm weiter nichts zu thuu, als zu ntrigu«« uud complottirm. Die einzige auf ihrm Besitzuriam r ützlich besihäftigte» Personm warm einige alte jüdische Pächter von PlalacioS, etwa 40 Familien, voi, denen mrhrcr« Ackerbau betrieben. Da» Grundstück wir abgetheilt und verschiede 1»e Pamellm von dem ftüherm Ligenthümer rrservrtt gehalle«. D« Berwaltung «vor ganz außer Stande, Ordnung in di: lUeschäfte zu briogm nud Oberst C>olds«id erfuhr bald, daß ein Complott Uuzufriedener ihn zwingen wollte, ein Doconieo» zu ihrm Gunsten zu unterschreiiien. Er entwarf lemmtsprehmd seine Pläne und suchte sich gleich nach seiner Ankunft in MoseSville über die verschiedmen Parteien, in «oilche de Loloniste» waren, Gewiß>«ett zu verschaffen. Schon ftilh Morgens er von einem anftührischen Haust» anzerrnnt, weicher drohet«, sich ilbmdS zum Hauptr uartier dn: Berwaltung zi begeben. Er trieb daher btc antxm 3 ^lanxien auf und (wj sie vor die 3 Eingänge deS Burmas nlarfchrren, wo er Beschrverde jeder einzelnm aichörm wollte. — Das RrsulM^s war rin Günstiges; die Rrbelttn sahen sich überlistet und schlichen davon. Al» der Oberst nun fand, laß viele von de» Colonlftea sich willig zeiztm zu arbeiten und nur durch Jntrigue bi» jetzt daran verhindert waren, ergriff er dm Stier bei de« Hörnern und faßte dm mergischeu Entschluß, MoseSville anszugebm und lim WohlgrstnntM aiu Heim in Entre-RioS agzuweistn. Znsowett hatte da» lkrgedniß '«ine Erwartuugm noch über troff m. Settdem ist in Mostwille Alle« ruhig und der neue Becrualter, Herr Juan Storni (ün Schwede), hätt die Ordnung daselbst aufrecht. Die erste Partie, 30 besseraiabische urd 10 andere Famllim, verlief!» MoseSville per Sxtrazug. setzt« über dm/ Fluß Parana und wurden bei ihi« Landung in Entre-Rio» von Herr» L. I. Tetleh, Ober>«spect,»r!»er Colruiot-mtdi. einer de: besten Männer dieses LesteS, und Ob, ' ~ *'' selbst in Empf, «ug genommen EtzUMHlttzehiM Anblick, die Liänner '■ii