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Israelitische Wochenschrift · 1892-08-12 · 33 (12.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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y— Uipm|W nMHs» ♦««¥• AuSLaSdehne« -ei Tilsit) erhalt«» wir die asdj für weitere Krrift fiter- / :? ile M,«Heilung daß in borkiger Gegend sich eine lind- -iche jüdische Koloine befindet. Bor ungefähr 20 Jahren fünft! sich nämlich ein Israelit in der Ortschaft Kackschen an, ihm folgte«« bald einige andere. Land zu Baupkü-e» ,uchnlten sie in Folge der Parzelliruog von Grundst icken iui); es gefiel den Leutchen hier, und so kamen im Lauft der Jahre immer mehr, so daß fttzt über 7V Familien in <0 Häusern wohnen. Etwa di« Hälfte dieftr Familien ist im Besitze kleiner Grundstücke von etwa ö Morgen im Durchfchn tt Alkei bau wird aber nur nebcnbei durch dazu ge» miethete Tagelöhner betrieben; der Haupterwerb ist der .Handel, dem sämwtliche erwachsene männliche Mitglieder obliegen. Woche für Woche fahren oder gehen sie au«, ein schrxreS Pack oder einen Kasten auf dem Rücken, und erreichen oft entfernte Gegenden. In der Hauptsache erstreckt sich der Hansel auf Federn, Kurz- und Schnittwaaren, Wische, Knochen, Lumpen, Felle u. s. w. Zu ftdem Sabbath und zu den Festtagen sind sie in der Regel daheim, und die kleine Gemeinde versammelt sich in dem mit großen Opfern erbauten Gotteshauft. Die etwa bO jüdischen schulpflichtigen Binder besuchen die benachbarten OrtSschule», erhalten aber den Religionsunterricht von dem von der Gemeinde tesoldettn Vorbrter, Lehrer und Schächter. Auch zwei von jüdischeu Inhabern verwaltete Gasthäuser befinden sich in der Niederlassung, die, von andern Ortschaften abgelegen, fast ein Dorf für sich bildet. Bon der Ausweisung wurden drei Familien betroffen, die übrigen sind in Folge der Geburt oezw. Naturalisation preußische Staatsangehörige. Finden sich auch einige bemittelte und wohlhabende Familien in der Kolonie, so sind die meisten doch blutarm und fristen ein trauriges Dasein. In verfchikdenen Familien findet man das Bild von Sir MoseS Montefiore, der zum Bau d«S Gotteshauses große Beiträge gespendet und von desftu Wohlthäti gleit und Edelsinn Eltern und Großeltern ihren Kindern nnd Enkeln mit großer Ehrfurcht errädlen. Wiesöade», 4. August. (Or.-Eorr.) Es ist ein eigenthümlich tragisches Zusammentreffen, daß an einem Tage die Bediensteten beider hiesigen Synagogen beerdigt wurden. Vormittag fand da» Leichenbegängniß deS Synagogendimers JsokAxtheimer unter zahlreicher Betheiligung statt. Dieser so krästige Mann stürzte nämlich am Donnerstag Abend, als er in der Resormsynagoge zu einer Gesanasprobe Licht anzünden wollte, kopfüber vom Geländer der Wendeltreppe die zur Fraurugallerir führt, aus da» Steinpflaster der Borhalle und erlitt dadurch mehrere Schädeldrüche. Er stand erst im 65. Lebensjahre. Freitag Früh sand man den Schächter der altisr. Geweinde, Henoch Mannheimer, todt im Bette, wahrscheinlich hatte ihn Nacht» der Gehirnfchlag getroffen. Derselbe wurde gestern Nachmittag zur Erde bestattet. — Er ist 66 Jahre alt geworden und fungirte bei der orthodoxen Gemeinde seit Anfang der 7ver Jahr«. Früher war er ca. 10 Jahre Schächter in Paris, von wo ihn die ftindselige Stimmung der Franzosen in dieHeimath zurückzukehren veranlaßte. So hat denn der versöhnende Tod, vor dem rS keinen Unterschied der Parteien gib« — zw« Gegensätze in einer Macht vereint, aber bloß dis zum Grabe, denn da beginnt wieder und schließt — die Trennung! VeUerrotch-Uwg«»»»». Wie», ö.Aug.(O.-E.) Ein« schmerzliche, ja erschütternde T ca-»erkunde habe ich heute mirzutheilea: Die in vierzigjähQger Ehe mit dem Oberrabbiuer Dr. Ad. Jellinek ver- -inixt gcweftn« Lebensgefährten desselben ist in Bade» (bei Wien), wo sie ftit!Wochen mit ihrem Gatte« weilt, plötzlich verstorben! Die ftlige Frau Rosalie Jelliur>k entstommte der hochangejehen«! Familie Bettelheim in Budapest, sie war mit reichen Vorzügen des Geiste» und Herzen» auSgestattet und hat sich nicht nur am die Erziehung ihrer Kinder; so«- RülstrndwevckoeLiebe zn der» «ttdi viele lkerdenfte erworben. Gattin, dm sie mit anfopftnmgSmllke Hingebung Sft «ar aber auch eine Lm>I»o« In^ickotd, rin« inüthige sfrau, die in der trcurigen Zeit di» Antisemit! mn» inutlstg die Ehre und das Recht der MaubenSgemein-i schast in Emilie und Gesellschaft m׳t Wärm« verteidig"" hat. Der Schub unserer GlaubenSgenoffe» vor der unsere» Jahrhundert» bildete' den Inhalt einer Unb rrdung, die der Schreiber diese» m»1: der verehrungSwürdigen LanlrSmänajn hatte. ׳Sie wurde mit hohmEhren un' unter groger Thcilnahme bestattet. Di« Trauerst«« ab Herr Oberrabbiner Dr. M. Gü bemann, Herr Rabbiner' Reich (Baden) und die Ober-Lanto!te>« Gold stein und' Singer!Wien). Möge der Allgütige derDahingeschiedeue« die Seligkit und ihrem schwer heimgesuchten, für Religio»? und Wissenschaft unermüdlich arbeite«!«» Gattm den Trostl d«S H:mnel» gewährender Herr vwieih« der Berklärl reichen Lohn nnd dem Trauernden Kraft, da» Schwere tragen' — Sie war ftineZierde, er ihr Stolz. — Ruhe fanfrt : FreutDrelch. y«fl», 4. August. Er geschehe«! allerlei Wunder am ׳ Ende dies«» seltsamen neunzehnten Jahrhundert». ES wir daher antf Niemanden in Staunm fttzen. daß FramSeveriut,^ die frühere Lesterin des ״LriS du Peuple^, me Freund« mWü Schülerin von Jule» Balls», von Leo ml. empfange»! wviden ist und mit dieftm ein« längere Unterredung üb den Antisemitismus hatte, welche der ״Figaro" heute vier langen Spalten veröffentlicht: Wir thrilen da» Wes lichste daraus mit: Nacht«» Frau Eeverin« von JksaS gespmchen, terMm» Henk, verzteh. «mit den Papst gefragt hatte, ob «• nicht vor Altem dl« Pp der Christen sei, dtesew Betspiet« zu ialgrn, sttgte Le» XHl: ״Ehrifi bat sei» vlat für all« Menschen ohne Autewhm« »ergösse», m«d 1 Bantede ftr Diejenigen, dir »ich: an chn geglaubt habe». Dies« gegenüber hat er der Kirche de.» Anftrag gegede», fi« »« Sahrhelt. ' י »Dnrch Ueberrrdnng oder d^rch Verfolg ang, heilig« vatrrT^ vo» r her, den »alt geschaffen hat. Wen» wirMMmürr »nbenUngli de» SUden senden, so geschieht dal eben, »eil. alle bensche» " GotteS find Dann fuhr der Papst fort: ״Gelbst «Ul »och das Ghetto in l existirte, begaben sich unser« Priester dorlhte, plauderte» mst den raeltte», bemühte» sich, ihre vedürsntffe kenn« zu lcraea, p" Kranke», erörterten mit ihnen de» Vtbelirxt und suchte» sie ן Und al« der volkShauftn di« Indes nieder!netzel» «all««, di« Juden »»irr de» Schutz de» Papstes, »ad der Papst ich« Dir Kirche ist eine uachfsthtiae Mutter, sie bat di« Mtsfia», . Schwachen p» verthetdtge». Jetzt ist »ach »tele» andere» Plage» St«. Herrschaft t«S Gelde» ,«kam««» . . . Man will dt« Steche an» da» ' Volk «tt de« Gelde beherrsche«! Aber weder dt« Kirche «och dal Mf / werde» das dulde«!- »Dt« xratze» Jude« als»? . .** warf ixtterln« rin, waranf fdjncU axroortete! ,Ich b» auf der kette der Kleine», der Bescheidene», der Enterbte», ,.A welche -hristn« liebte ..." q Wen! nun auch di« ultrrmumtamn Blätter die kst dstsei! Gespräch« in Abrede stellen, so steht doch so fest, daß t«r Papst der Judenhetze tadelnd gedacht und Antiskmititmu« veruttheilthat. DaS bleibt die Hauvtsa wie unanceaehm diese Wahrheit auch für gewiff« katholische'/ Blätter ist. U»S hat «S nicht überrascht, daß sich Papst Leo Xlll. als Gegner des widerwärtigen und brutale« LntisemitiSmNS tekannt hrt. Bon -einem so sei» gebildeten Geist, wft der. gegenwärtige Pontifex maximu* der römischm Kirche ihn: resitzt, war nichts andere» aiS die völlige Berwerfnng tw»! Ausgang ltieseS Jahrhundert« entehrenden Treiben« zu erwart, RrgMSmtevs. F. Z. Mntnrest. Al» Grund ftt«. die kürzlich Ausweisung der in Botsschaii lebvrden Israeli»» t« Thellvahme derselbe» au der sozialifiischen Arbesterazit

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