Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 33 (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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״Vt?# i« MfÄchkit hL»de!t rt sich jiidoch um einen Akt ffstrativer Willkür. Leo Goldsckiäger, di« hervorragendste rsöukichieit unter den ausznvifftnen. ist in Rumänien Heboren, hat lim rumänischen Heere gedient und kann also Irotz des Umstandes, daß er in seiner Eigenschaft als Jude ׳des rumänischen Staatsbürgerrechts nicht theilhaftig zu werde» -Mnnochte, doch zum mindeste» Anspruch auf die Zuständigkeit »ach Rumänien machen. Seit Jahren schon betreibt er in Vota- ' ini eine mit einem kleinen Buch, und Papirrhandel ver- : Druckerei, in welchen Geschäften auch seine beiden mitnusgewiesenen Glaubensgenossen angestellt waren. Gold« 'hll^er hat es bei seiner Thätigkeit als Buchdrucker und >p»erhündler zwar zu keinem Reichthum gebracht; doch hat schon der bescheidene Erfolg seiner geschäftlichen Thätigkeit '!ingereicht, um ihm den Besitzer einer zweiten Druckerei zum Lodtseinde zu machen. Letzterer ist Rumäne, der Bruder .eines Subpräfekten und eines höheren Polizeibeamten in Botoschani — somit also eine einflußreiche Persönlichkeit, hyelchtt es bei unseren Berwaltungsoerhültnissen gar nicht schwer fallen konnte, dem unlmgenehmeu jüdischen Konkurreulen bei erstbester Gelegenheit den Prügel unter die Fähe zu wersen. Diese Gelegenheit fand sich bald, als Goldschläger di« Drucklegung des Mvimanifestes der Botoschaner Arbeiter übernahm. Obgleich dieses Mauisest gar wenig enthielt, was als eine Bedrohung der öffentlichen Ruhe und Ordnung fiten tonnte, und trotz der verfaffi^ng-mäßig garantirten rehfteiheit, welche sich in Rumänien auch auf den keiner »nzession und Kontrole unterliegenden Betrieb des Buch« druckereigewerbeS erstreckt, wnrde Goldschläger bloS deshalb, »eil in seinem Geschäfte eia Aufruf der Arbeiterpartei her» «stellt worden war, von der Ortspolizei als sozialistischer Agitator denunzirt und als solcher sammt seinen beide» Hauptmitarbeitern ohne jede Berechtigung zur Aüsweisung uernrtheilrl Dieser Fall ist wieder einmal recht geeignet, die Rechtlosigkeit der rumän. Juden in da» grellste Licht zu stellen. Moaadar, 28. Juni. Der Befehl des Sultans an den hiesigen Gouverneur, einen Platz für ein neue» Mrllah (Inoenquartier) ausfindig zu machen, ist nach einer unerklärlich langen Frist eingetroffen. Derselbe wurde durch den britischen Gesandten dem englische« 5to»sul und durch diesen dem Äalb übermittelt. Der Gouverneur hat sofort einen sehr geeigneten Platz angewiesen und bleibt jetzt nur noch di« Genehmigung des Sultans aktzuwarten. — In der vorige« Wocht hat Hr. Wilhelm Marx, deutscher Jude, mit eigener Ledrnsgefahr versucht, mehrere Personen vom Tod« durch Ertrinken zu retten. Herr Marx ritt am Ufer des SeeS, als er auf demselben ein Boot krnlern sah. Er sprang sofort vom Pferd«; entledigte sich seiner Kleider und schwamm in Begleitung seines Hundes der Un« glücksstätte zu. Seinen Bemühungen stellten sich jedoch durch «inen heftigen Sturm und eine haehgehende See große Schwie» rigkeiten entgegen und würde er unfchlbar ein Opfer seiner Menschenliebe geworden sein, wenn nicht zum Glück zwei Rettungsboote den mit den Wellen Kämpfenden zur Hilfe geeilt »nd die fünf gefährdeten Schiffer «ebst Herrn Marx und seinem Hund« in Sicherheit gebracht hätten. Meseaß (Algier.) Di« hiesigen Jichen sind einer drohenden Gefahr glücklich entgangen. Zwischen dem Besitzer eines EafäS (Jsr.) und einem Araber entstand Streit, bei welchem Letzterer derartig verwundet wurde, daß er in'« Hospital gebracht werden musste. Am folgenden Tage verbreitete sich da» Gerücht, daß di« I *nt einen Araber getödtet hätten, welches verbrechen dun» die Riedermetzeluog aller Joden gerächt werden müßte. Glücklicherweise wurde die AwSführuua .dieser Drohung durch die Wachsamkeit der Polizei, sowie da» energisch« Einschreiten unk die Besonnen« heit einiger Magistrat-Personen verhütet Trotzdem wurden «ine Menge jüdiwer Kaufläden geplündert, Scheiben ringeworfrn und verschiedene Jud:n aus,den Straßen iasoltirt. Vermischte «<ü» mmftt Nachrichten. Dt« Wehl «I1t«I Hilftpredtger» soll, ta ltn Herbst Neu»! Repräftntaaten-Lolleglum ftattfiade», bis zum Ansaug MnUdednr», s. August. Dle l» Eydtkuhnen, Memel, Tilsit, Insterburg, Prosit«« und KSni-ffberg bestehenden »oaiit««» für die »uäaew lesen«« russtschen Inden haben wchen der Lholeragesahr vorlässig ihre Thärtoketi eingestellt. Seit Innt l8?I sind ü«r 100 000 Personen mil Hilfe der deutsche» Aomstee« nach überseeische» Ländern besärdert worden. Berlin. ז wählen sür bat i de» nächsten Jahres vertagt werden Ltzur», 8. August Los den 38 Bewerbern um dle hiesige Rab» btnrrstelle standen 6 zur enger« Saht; unter diesen wurde Herr Dr. kosenberg, Rabbiner in Brandenburg, «tasttmmtg gewählt Bremrrchaue«. Mit dem Lloyddampser.Berlin' kamen 180 jüdische Fao.ilien in kläalichem Zustand» au» Argentinien an, wohin sie an» Ruhlaud (vorerlig und zu früh) im vorige» Jahre «!»- gewandert waren. — (Die gehsren wahrscheinlich zu den sür de» Aller« da» Untaugliche«, oder zu de» Widersetzlichen, Me Lolonrl Soldsmld» au» den Baron Hlffchschen Kolonien answleS. Man Haff nch nicht wunder«, wenn dies« nur Schlimme» über die aroentintsche Solonisotto» berillilen und in Folge drffen dl« antisemitischen Blätter von einem Scheidern de« Lo:onisartcn»pläne* reden.) MetwtwOe«. Am Grabe Lndwig Lhroaegk'« ist dieser Tag« «in prachtvoller Vedenkstein in Kon» «Ine» marmornen, retu verzierten Sarkophage» ausgestellt worden. Dle Inschrift ans der Südseite lautet: ^Diffe» Grabftein setzten ihrem Freunde — Veorg II und Helene von Heldvurg ' Koffa«. (Cz •Sn.) Der 3. Btcepräsident der Vrohlog« und Veneralqgent der ״Viktoria" des achte jüngst d!« «ttalieder unserer Anhaltlo« und begann sein Serbegffchäsl sür dt« «efficheruagsgesell. schast mit «scheinend gutem «ffolg, den er zumeist der Befürwortung de» Lrudpr-Lmdrabbtuer» verdankt Er will demnächst auch andere Logen-One besuchen. (Wer wir erfahren, ha» di« Vrohlog« da» Abkomme» mit Herr» Gimmel gelöst.) Lngemlmrst, 8. Aug. (Or^lor.) Dnrch Erlaß de« Herr» UtencnlMMctor» de» Innern vom heutige« Tage erhält di« jüdische ÜUmeinde paatlichrrseit» ein vubsid von 18,000 Frauke» zum Bau der neue» Synagoge. Da die Stadt Luxemburg «in» «ethilse in gleicher Höhe zu glrlchem Zwecke bewilligt ha», sa veffügt di« jüdisch« Ge» metade jetzt üb« 80.000 Fr. HUsSbeittä^ Dl.se Thatsach« ist «wiß ein schöner Art reltglüser Tolrranz selten« der staaütche» und städtische« Behörde, »elcher in ousrrer Zeit doppelt rrsirullch ist Parts. Gelegentlich der iüngsten Prei-vertheilung sprach der Uuterrsiht»«lnist«r Pourgeo t» sich in gleichem Sin«,wl«F rehctnet schaff aege» den Autikemi«»«»» au». .Ja de» Augenblicke, wo gewisse Menschen sich nicht scheuen, religiöse» Haß und gwlrtracht zwtscheu de» veffchiedenen Mafien der Bevölkerung und selbst in da« Heer zv. säen, muß man diesen Leuten «ine Lectioa ertheilen; st« soll ihnen zu TheU «erden dnrch die polvtechntsch« Gesellschaft, deren Geist ür Sintrecht vielen zu« Vorbild -diene» sollte." Paris. Dt« 8ermählung»ftsi.r de» Art. Morelle Gubav von hier mit Hr». Meyer Sassoon au» London sank hlerselbst in G«gea« wart der Elite der ^mptstLdtischea vevölkerang und der anglostndische« Familie Saffaan statt. Market»«. Dt« ftefige» und Pariser Zeitung« veröffentliche» N'tme», hatte ich immer dt« besten Bezeichnungen mit der Geistlichkeit der ander» Lutte. Alle schienen mir von demselben Geift« der «iottr»- und Menschenliebe beseelt. L» ist für «ich ei» großer Trost t» der gmnwärttgen schmerzliche« Bewegung ftstzustelle». dos, nicht et» «iuztgrr Geist» licher. nicht rin einziger Seelenhirt« sich in diffe Bewegung einmifchr.' L. ««» »«stlan». »tue offizielle »undgelnmg de» General» varano« in Nischni-Nowoorod erregt wieder einige» Aussehen. Dort vefftarb am 31. Zull an der Cholera der jüd. Arzt d» Lholerahosvttai», Jakob I delsohn. Vevrral Baranowwidmete ihm in einem Taae»- zette l Len solgrnde» Nachruf: .Mit Selbstveckeuoaung für das Wahl Anderer wirkend, wnrde er selbst »in Opkr.der ürankvett und »ußtr kein Leben um seine Nächsten lasse», Er bewies rffn christliche ff} Eigenschaften, obgleich (?) er zu de» Vffolger, de« Mffatsche» Gffetze» gehörte Ich »erd« da« Aadenke» diffe» würdige» Manne« zu ehre» suche», indem ich seiner Beerdigung beiwohnen werde 1' So erhebend auch solch' ehrenwert he« Wo« in uuierea Lagen schmachvoller Juden» hetz« berühren muh, b-etdt e» doch betrübend, dah man drüben sich «och immer nicht zu dem Glaube» vefftehen kau», die Uebuua schöner Lieveszweckr sei mindeste»« ebenso EigeuthümlUPeit de» jüdische» Stamme», wir anderer Bekennruifse. Jeeafala«. von hier wurden »<X> Ut russischen Einwanderer zur Hälfte nach Smyrna und zur Hälfte nach Kalonichi gesandt und Ihnen dort Land znr Bebauung angewtffe». Di« hter «rschetuend« .Habazeleth' hält e» für-Pfiichr btt veffchiedenen ftamittc’• ltn London, Part» und Berll») diese Leute mit Geld zu unterstütze». — FreUich liegt die Frage nah«, warum denn nicht die t» Rußland leibst seit Jahre« gesammelte» Gelder, die ja ««schlirhlich für die Lsumifattv» tat Palästina »««endet werde», und schon et« sehr deträchttiche Hsh» erreich« habe«, zu obigem Zwecke tu Angriff ßnwmmr» »wdrnk