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Israelitische Wochenschrift · 1892-08-12 · 33 (12.8.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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katholischen Masse nämlich, um die ti sich hier handelt — will sich nicht überzeugen lasten, daß der unschuldig: Snal>e kein Opfer dejüdischen Aberglaubens und Fanntismrs gewesen sei. Warum nicht? Weil diese Maste selbst vcn Aberglauben und Fanatismus verblendet ist. Weil ein unschuldiger Knabe ermordet worden, ohne daß sich sosort ein Thäter und rin Motiv der Tlot vor Augen stellte, mußte, gemäß einem aus den düsterster; Zeiten des Mittelalterüberkommenen Aberglauben, rin Jude die That gethan haben, um sich Chrisknblut für irgend ivelchen geheimen Ritnezwcck zu verschaffen. Ein Ritualmord also! Was lag näher, als daß der Schächter, der Judenmetzger, der zudem dem Orte der That nahe wohnte, sie verübt haben mußte. Sobald dieser Aberglaui« einmal die vom Geiste mittelalterlicher Gläubigkeit beherrschte Bevölkerung des Sräd> chenS Tanten ergriffen batte, suchte Niemand mehr nach einem anderen, nach dem wirklichen Thäter; darum vor allem fand man auch diesen nicht. Wer aber trägt die Schuld, daß der wüste Wahn des Mittelalters in so erschreckender Gestalt wieder aufleben und die Maste ergreifen konnte? Zwei Momente, widernatürlich verbunden, wirkten zusammen «Linmal der gemeine Neid, der einen großen Theil des hohrn und nirdern Pöbels in Deutschland ergriffen hat: Neid, iveil die Juden Geld besitzen und alle die Genüste und B-wtheil«, die man sich mit Geld erkaufen kann; dann aber und mehr noch der seu dem Vatikanum in der römischen Kirche zur Allein- Herrschaft gelaugte Geist des abergläubischen Fanatismus. — Wenn eia Jesuit, der Pater Hattler, in angesehenem katholischem Verlag (bei Herder in Freiburg) mit kirchlicher i Approbation unter dem Titel ,Katholischer Aindergarbm oder ' Legenden für KinderdreijErzähtungen herausgeben darf, in denen berichtet wird, wie die gottlose« Juden drei imchher zu Heiligen oder Seligen erhobene Ehristenkinder abgeschlachtet haben, um ihrBlut zu abergläubische« Zwecken zu verwenden, wie könnte da das frommglänbiae katholische Volk noch zweiseln, daß so etwas noch heut« sich ereignen könne und ereignen wüst«! Wird ihm doch von der Konzil und in Büchern täglich vorgeprrdigt, wie gewiffenhast die Kirche bei ihren Kanoinsatiouen verfahre, und daß alles lantere Wahrhell sei, was von den Thaten und Leide» der Heiligen berichtet wird, — sei es auch der barste Unsinn und Alurwitz. Schlimmer noch als die Dummgläubigen sind aber jene berechnenden, mit moderner Bildung genährten Hetzer, die in der »Germania', in der .Deutschen Reichs-Zeitung', ,m .Bayerischen Vaterland' und ihren zahllosen Ablegeim ihr schändliche« Handwerk treiben, sie sind es, welche den FanatiSmuS der Maste aufftachelu, well sie dabei ilpe ReHiung finden. Sie sind es, dir auch jetzt, nachdem die volle Unchuld des jüdischen Metzgers erunesrn ist, nicht aüchören, mit allerhand sophistischen Deuteleien der Zeugenaussagen, wie der wissenschaftlichen und ärztlichen Gutachten dem katholischen Bolle einzureden, die Sache sei noch nicht klar und noch nicht entschieden. Wenn nicht Buschhoff, dann könnte doch irgend ein anderer Jade, mit oder oha» Bufhhoffs Mithilst, die Schandthat verübt haben. Nicht «ehr von ,Ritualmord' will man reden, aber von ,Judenmoid au- Aberglaube und Fanatismus', als wäre das nicht ein und dasselbe. Es gllt den Schein festznhalten, als gestatte den Juden ihr Gesetz und ihr Gewisse« eine andere Moral als den Christen. Gerade als hätte da» Ehristeuthu« feit;« zehn Gebote, insbesondere daS Gebot: »Du sollst nicht tödten' nicht selbst de» Gesetz des Alten Bundes entnommen, von de« kein Buchstabe vergehen soll, bis zum Ende der sZeiteu. Solche« frechen Gebühren gegenüber gllt es immer wieder zu betonen, daß dieseins Hey geschrieben« natürliche Sittengesetz für Jude« und Christen die ge» einfame Grundlage de» Handel»» bildet. Wer die Veste»»« der ttidtsch« *tätim siw sitzt, hält, m» rrii#E*fm Onmbcs eine, Star» pt besetze», der muß mul, Mt CkftttOaw gleicher Schandttol für fäftis halten. Sill ma n auf geschichsiche Tatsachen verseifen, in denen ang^ lich Christenkindrr von Juden ans Fcu atiSmus hingeschlacht«t> worden sind, so wird eil nicht schwer fallen, zehnmal mehr ebenso gut oder besser beglaubigte Hhatsachea anzuführen, wo Christen sich mit Julxnmord da» tSewiffen belastet habe». Zehnmal mehr, aus dem einfachen Grunde, weil die Christ« die große und die herrschende Mehrheit gebildet haben, die Juden aber al» unterworfene, gekne hteie Minderheit sich bester zu Opfern als zu Werkzeugen de» religiöstn Fana» tismuS eigneten. Allgemein wird zugegeben, daß l׳ie Staatsanwaltschaft, rein juristisch ausgrfaßt, fehlerhaft gebandelt habe, indem sie vor dem Schwurgericht eine Anklage ggen Buschhoff erhob, obwohl sie von vornherein von fein*T Unschuld überzeugt war. Aber auch politisch hat sie. wie der Erfolg zeigt, einen Fehler begangen: denn der aufgestwhrlte Fanatismus ist durch die wochenlrnge Verhandlung nicht, wie man hoffte beschwichtigt worden. Besser wäre e» gewesen, wenn Staat»- inwalt und Richter offen verkündigt lätten, die Beschuldizung eines Ritualmordes sei an sich et» llufi»», und jede Anklage, die auf der Annahme seincr Möglichkeit beruhe» von v-rntzerei» so gut atzzuweist», nie wenn man heutzu» mg« im Ernst Jemand eines Brrbrech ns aus dem Grunde xschulbigen wollte, weil er Zauberei getrieben, oder well er mit dem Bösen einen Pakt geschlostm habe. Eine offene entschieden« Erklärung solchen Inhalt» würde vielleicht »ehr zur AafklSrnng und demnach zur Beruhigung der Bevölkeruog gedient haben, als die kühle Bemerkung de» Oberftaat»- aowalts. der Meinungsstreit, ob es errm Ritualmord über- Haupt gebe oder nicht, sei eine Doktor rage, in die sich da» 'Bericht nicht eiozum,scher, habe. Uns scheint, wenn eia sonst unbescholtener frommer Mann btoS deshalb des Morde» deschuldigt wird, weil dos fanatisirtr Volk an ein« Ritualmord glaubt und nnrs solchen auch einen sonst brav« Juden iür fähig hält, daß dann die erste Pflicht des Richters geivesen wäre, sich selbst und bau« auch die ander« zu übe»- zeugen, daß e» m«n jüdischen Ritualmord überhaupt ntcht »bebt und nicht fiele*!»*.“ Möge dieses offene!Kort allenthalben in der christlich« Welt offene Ohren finden, dann werde« die Rohling» und Bischofs» and die Paasch undFritzsch mit ihr«!-lutmordlehre» allein dastehrn und bald verstnmm« müsst« eu» Mangel an — Gläubigen. Me i4. A»-re»»ersm r«ü«e tzer israelUisttze» LetzrerL»»frre»- Aesse»» sind am 4. Juli d.J» zu Fulda statt. Eine kleine Anga^ Theilaehmer hatte sich schon tag» voller dort eiugefmch« rmd vereinigte sich de« Aoend» zu gemächlichem. Beisammensein ans Falda's herrlichstepr Ausflugs- und Aussichtspunkts dem Frauen berge. Die Bersamrrlung selbst, welche in .Ballhanst' abgehalt« wurde, beginn a» 4. Juli gegia S Uhr mit eine» durch Herrn Gutkind.Kostet gäellllen Choral, worauf sie der Vorsitzende, Herr Dr. E te in-Kassel, mit einer war« «»Pfunden«, Ansprache eröffnet«. Es sei eine erhebende Er» scheinnng in der Geschuhte Israels — s ) etwa führte Red«« cu» — wie sich!« Snsihaunng de» vütrrl^« Glaub«», immer mit der jerxilig« Zeitblldung i« Einkbwg be' tobe. Da» die Pwchstch-rönnsche Knltnrepoche deherr sFrinzip der Gesetzlichkeit sei auch in da» jüdische < thnm jener Zettyoche übergegange», wonach hauptsächlich - sich Lehrstoff und Lrhrrxisr der Ta«unten erklär« lasst. Ruht minder erhebend habe sich die» ia der ara bisch-«anrischm Epoche gmeßst. Der poetische Weift derselben habe auch; emf die damcuigen Jsrallllen seine ga^r Mentzt ,n» hier seine fthwfte H,

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