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Israelitische Wochenschrift · 1892-07-29 · 31 (29.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Die Eltern des AindeS wohnten in Süchteln Reg.»Brz. Düsseldorf. znm Landgericht Clebe gehörig), der Vater »ar dort Hiuse, die Mutter aber ans der Lauern ichast Bistard Mutier und Sind wollten einstens aus Besuch zu den Eltern der Mutter gehen. Bor dem Hohlweg«, der damals noch Bistard führte, bat da» Sind die Mutter, ft« möge ihm erlauben, schon vorauSzulaosrn, um den Groß, «ltern ihren Besuch anzumrlden. Die Muttcr erlaubt« ihr es, da sie wußte, daß das Mädchen den Weg gut kannte und der Weg trotz des Strauchwerks nicht gefährlich war. Als sie auf dem Hose der Eltern angelangt.war und das Sind nicht fand, dasiclbe sich auch nach einigen! Verlaufe riebt einstelltr. wurde man unruhig und ging auf die Suche. Nach längerem Dnrchstöbern des Busches fand man endlich die Leich: des Kindes, gräßlich verstümmelt und der Eingeweide fast gänzlich beraubt, auch fehlten einige Bekleidungsstücke. Auch damals siel der Verdacht des Mordes gleich auf di; Juden, und diese hatten sowohl in Süchteln als in der ganzen Umgegend viel zu leiden. Die Thal blieb lange im Dunkeln, bis endlich in Anrath der Thöter ermittelt wurde. ES war aber kein Jude, sondern ein Maurer ars Anrath, der im Tagelohn arbeitete. Ein Lehrer dasebst fand eines Tages, daß ein Mädchen, welches sanft ärmlich zur Schul« kam, auf einmal besiere Kleidungsstücke anhatte. Auf sei» Befragen erzählte dos Kind ganz harmlos, der Vater habe die Sachen mit von seiner Arbeit gebracht, aber sie hätten erst gewaschen werden müssen, weil Blut daran gewesen sei. Co kam die -Lache ans Licht, und es stellte sich heraus, daß der Mann in dem Aberglauben gewesen, weun man das Herz re. eines unschuldig«! Kindes besähe, so könne man jeden Diebstahl ungesehen und ungehört ausführrn. Er war zur Zeit i» Dülken auf Arbeit gewesen, da sei ihm das Kind allein im Busche begegnet, und er habe die tzlelqgenheit war genommen, sich in dem Besitz der kostbaren oben genannten Eeaenstände zu setzen. Der Mörder wurde in Jülich hingrrichtet und seine Leiche auf der Haide zwischen Dülken und Bistard aufs Rad geflochten. An >>er Mordstelle im Hohlweg hinter Wiemes-Hof steht nach d:r .Nenß. Ztg." noch heute unten km Farren» und Dornrngestrüpp ein altes Kreuz mit der Inschrift: »Anno 1791 den 14. Merz ist Anna Morgorethe Tcrporteu alt 9 bis 1V Jahr durch eines Mörders Hand grausamlich umgebrocht worren.' Kffe»>Ruhr. Auf der Kovsrrrnz der rheiiiisih-westfäli» scheu Lehrer am 5. und 6. v. M. kam bei Gelrgmyeit der «freien Besprechungen' die Stellung des Lehrers in beiden Provinzen zur Sprache. Viele Klagen wurden wngebracht, deren Berechtigung nicht in Abrede gestellt werde n' konnte. ES wäre jedoch vom unpartheiischea Standpunkte aus sehr gefehlt, wollte mau die Schuld lediglich dem Berzalttn der Gemeind« zuschreiten; oft verschulden eS die Lrtirer selbst, daß sie in ihrem Wirkungskreise nicht festen Fuß fassen' köuneu. Aus der Versammlung kam nach längerer Drskustion der Wunsch zum Ausdruck: es möchte der Aonsiienz-Borstand die nicht leichte Aufgabe des Vermittlers zrr Brseitigung solcher Mißstände übernehmen. Der Borstar d hat sich sowohl im Interesse der Gemeinden als der Ährw, besonderS aber im Interesse einer gedeihlichen Entwickelung der Schule, dazu bereit erklärt. Ausgestattet mit einer reichen Erfahrung, durchdrnngru von der Ueberzeuguog, daß da» harmonische Zusammenwirken der Gemeinden und ihrer Lehrer zun. Heile des Ganzen dringend erforderlich ist, bietet derselbe beiden Ttzeileu seine Dienste freuudtrchst an. In allen rinschligigen Fragen wollen sich dieselben vertiauensvoll an den Bmcfitzcoden des Vorstandes, Haupilehrrr a D. Blumrnfeld in Essen, wenden. Die Herausgeber jüdischer Blätter, welche in iltheinlaad und Westfalen gelesen »erden, werde« um Abdruck dieses Artikels gebeten. Ter Vorstand der rheinisch.wesif.L«hrrr»Kr»fer«nz. Die »Gtrnurnick* HS» vor Kurze« die aufgeworfen, wie viel wohl Pros Dr. Nöldecke für' sem Gutachten im Tan:euer Kn abemnod »Prozesse »von dm Inden* bekomm« habe. Sie wies daraos hi», daß schon der Btoch-Rohling für ihn se hrerntrt glich gewesen sei: «eich». riths-Abg«ordnete t Dr., Joseph St opp habe für di« Verthetdigung de-Dr Bloch ein Honorar von 160066 fl. gefordert und ein solches von 66 666 fl. wrcklich erhalten. AirBev» antwortung ausgefordert, habe sich Dr. Kopp damit gerechtfertigt, daß da» ron zwei deutschen NniversitätS-Prosisior« verfaßte Gutachten ihn 86 660 Gilden gleich 35666 Mark gekostet habe. — Nun veröffentlich das hies. »Freie Blatt* i folgende, für die ontisemmsche Woh cheitsliebe sehr bezeichnende Erklärung des ReichSra ths-Abgeori>»eten Dr. Kopp: »Ich erNSr«, ich für eine Beaheldignng weder 100600 st. ,, «rlaagr, noch 60 000 p. erhalte» hat«, daß Ich überhavvt »l« znr Seianinwrtung gezogen wurde, daß ich »i« behauptet«. 960V0 st an , zwei deutsch« Prosts« rr» für et» Gutachb» gezahli zu habe». Ich frai ׳ nie in die Lage, den Herren Prichffaren. etwa• zu geben, dtrselh»- worden 00• de« k t. Lande»gerichtr ©V:n 01• Experten bestellt, «Nd .£ da sie (Hm Ssterreichisthen Ltantsbea«!« find, somit nicht oerchcltr» werden tomtten, die Bestellung auznuehrirn, so bebaogrn str stch eh»-׳ Hrnorar, das «it Lükstcht aas die eben so nmstlnglich« «1» Mwterlor Arbeit (Uebersepnng und vielfache Ertäniernug von »>0 hebrüi>chäl Drxlen und Beantwort»»- vieler Fragen'- äußerst bescheiden war «O ״C, nur «inen kleinen Bracht Hel der bchachiteten Summ« betrng. Pen , geforderten Betrag mußte «ein SlieM zu Erricht «rleqen, nn> da» Honorar mürbe vom Berichte 1k« Herren nach geleisteter Arbeit rtngesendet.' A«r»ttn 04 Z. Aus Arg«Stinte«. DieinLlarschau erscheinende htbr. ' Zeitschrift ״Hazfiia* veröffentlicht in Nr. 146 einen sehr interessant« Brief, den ein junge!׳ russischer Kolonist, Namens Isaak Michalowirz aus Koke, von der Kolonie Ela«׳ (tu Argentinien), an seine Eltern in Rußland untnrm 29. Mai d. I gerichtet hat »nd den wir hier i« wortgetreuer Uebcrsrtzung wievergeben: , ״Theure Ettern! Nicht wenig erstaunt war ich über Euer Verlangen, 1«ß ich Argentinien verlaffen und zu Euch ״ zurückkehren solle! Ihr wißt ja, daß ich mich nicht heimltzh vlin Euch entfernt habe; daß vielmehr Ihr selbst mich dazu veranlaßt habt, im verflossenen Jahre nach Palästina ans» zuwandern, um dnfelbst Grund und Bode» für Euch au!akaufen und zn en »erben. Doch de: Mensch dentt und die türkische Rcgierunc lenkt und verdrängt jeden neu eingrwandertcn Russen und so jagte man auch mich ohne Erbarm» - fort. Bon meine!» zehntägig» Au enthalt im Lande unserer Väter habe ich zaar viele heilige und wrhmürhigr — aber keineswegs angenehme Eri-ineruugen und nur schmerzlicheErfah» . rungen mitgenommen. Wie viel Leid!« und Schmerz» habe ich dann inAlexandriru erduldet, wo ick» krank darniederlagl Wie viel Mühe hat's gekostet und wie viel gute Me »schm mußten sich für mich vrrwendeu, bevor ich hie:hertam und d«S Schvvrs des Baron Hirsch (Gott segne und erhalle ihn!) theilhastig wurde, dessen Güt: und Gednld uuei schüpflich ist. Borzwu Monaten erfolgte die Bertheil ung dr Grundstücke in unser« j N ederlaffung, jede Familie erhielt 90 Morgen guten, fetten' und fruchtbaren Lcnde«. <Die ober« Schicht ist ganz schwarz und sehr leicht zu bearbeiten.) Au ßerdem erhielt f«der von uns eine Kuh uud Kalb, ein Psert und «ine« Esel. Dir. einzelnen Wohnhäuser sind 9 Ellen laug und 8 breit.! 4 Familien׳wurden 6 mächtige und iräckstige, aber, «och ha! wilde — ungezoge« Ochsen nebst dosipelte« AckergeiAHüba-i geben. Wir arveitm gemeinsam un ) helfe« einauder; wird dann der Ertrag der Ernte unter uns «rtheUt.. leben hier in Fried« und Eintracht mit einander, de«, sämmlliche Müglirder unserer Kolonie sind gebildete, br«< arbeitsame, friedliche «ud gemächlich:. Leute» denen׳ Zank *" Streit verhaßt ist Wir gehorchen unseren Lorzesetztrn v und freudig, darum erfreitm wir luS auch ihrer brsondersf Gunst wud Zuvor!ommeuheit, den« sie verkehcen »st sehr fteuadschaftluch und ach«n und schätze» att£ sehr

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