Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 31 (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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_^ . _»nrljaaütit und Heik»tch»e gelesen 'und «ich' in Gemeinschaft!len Taufenden über die glanzend« Freisprechung de» rgte« »an Herzen gefreut. Doch »ermiffe ich i» de« lnSgang dieser lauckvierrgen Berhandlungev Eiargr« sehr lebhaft: Bor allem eine beredtere, eklatantere Bertheidigung«- red«, Wenigsten« Hab« ich von einer solchen nicht« ver- ,men*-. Mich dünkt aber, e« hätte eine gehakten «erden die jetzt schon in vierter Auflage erschienen wäre, die ganz Deutschland flöge und den Wald de« Antiftmi» i'u« überall anzündetc, etwa« wie di« brennenden, ver» ,enden Reden Paul Eourier'S. Auch halte ich r« für Gaz nnbegrrifllich, wie der Herr Oberstaatsanwalt Hamm jcn konnte, daß »vielleicht einige Juden zu Heil« oder ander« Zwecken Lhriftenblut gebrauchen'. Wohn orrmuthn er denn da«? Gegen diese« Wort de« Staatsanwalt« Müßte, wir ich glauve. von kompetenter Leite eueraischer Hrotest erhobrn werde«**). Schließlich find« ich e« sehr de- ^lageuSwerth, daß bei diesem Prozeß, wie b« anderen gleichnttigea, den Perftumdern, dir sich nicht scheuen, ihre Mit- , «euschrn mit ihren Lügen und Träumen in Tode«angst und Todttgefahr zu bringen, Haß gegen Tauserde in Millionen voller TpeUua-ni« fei eigene» persönliches »D»ß mauchk Juden nniiebeuowLrdiz« Elgeiffchafte» zmetteltr, ftlbst dt« vernSnstigen Juden nicht loch «4 sächlich »uuderbae, 1««nn di« Kchrtzuuderte langen Bersolg ans recht hoben Galgen, damit gleichartige Subjekte erführen, wie solche »subjektive Wahrheit* beurtheilt wird. Doch genug de« Unerquicklichen! Hoffentlich erhält der arme Baschhoff von Ihre» -Leuten allen Trost und alle Entfchädigung, die man ihm mit menschlichen Mitteln geben kann. Hierin kann schwerlich de« Guten zu viel gethan »erden. ״Lodfiobdock" muß der Unglückliche seinen Lebensabend zuvriagen und den Herrn preisen, der ihn au« der Hand der Heuchler und Lügner gerettet hat.' <Der letzten Ansicht sind wir nicht; B. steht noch im ästigsten Lebensalter, und wenn er di« Neigung verspürte, .«in rorrnvolleS Amt zu bekleiden, so würde er jeder Gemeinde jw Ehre gereichen.) Markt». Zur Geschichte der Entstehung der Fabel vom Mitualmord liefert der hiesige Universitätsprofessor der «vana. Theologie Adolf Harnack in einer jüngst erschiene- tfc« Schrift*) einen interessanten Beitrag. Er sagt varin(S. 30): .Köä-rend de» ganzen zweiten Jahrhundert» und noch über Haffelbe chbmu» ward« ln Vst «n» West hartnäckig gram dl« Ehrtsten den Heiden» der fnrchtba» Vonvurs erhoben, sie schlachtm in goNeSdieastltchen Bersammlungeu »rituellkleine Kinder, frästen is und rrilntrn ihr «lut. Bereit» au« de» Brief de» Piinlu» an Lrajan tritt dieser Borwurs hervor; nicht anr da» Bolk, sondern!de« Minner wir Fromo. der Freund uud Lehrer Aarc Aurel», der SmNhaltrr von Gallien glaubtm th», und obgleich die ch,tft» » Apologet»״ die »«»«inden unaufhörlich wider dmseibrn verthei- »Aigten, so stAm er unau»rottbar zu sein. Wie er rntftuudm ist, «er bin «* sagen? Dutth den religiösen Aanatilmu» fällt der Aensch ^»Ns die pnmltivsten Stufen der Kultur zurück uud lässt au» längst «n Ntgründe» «ntfthliche Schatte» nus-eigen Erleben wir יו IM noch, »aß de» Juden ble nämlich« Anklage zugeschleudert wird, heute um Und« de» Ist. Jahrhundert« und von denftlben Ehrtsten,;^Mun ihnen 1709 ז*ס Jahre» HIngeschlachtei worden find, well fie für ׳ Akenichensreffer galten l Wvdurch »er Vorwurf gegen di« Christen zenährt nwrden ist. da« läßt sich augrben. Erstlich mag dl« dimtte and« von der geheimnthvollen Lbenbmahltftier «nll de« Blute Jesu ' "et die schon entzündete PhaMast« der Heid« «»gesach» haben: sohaben verworfen« hrldnlfche Sklave» christlicher Herren, äuge- »eit da ich Belohnungen, .ügenbost« Auälage» gemacht, endlich — damit berühren wir ein traurige» Kapitel — haben dl« christlichen n selbft au» Hab gegen die anosttsch-chriplichen Sekt« in lhrm burchblicke» lagen, daß sie Diesen Aenschensrefieret wohl mee» n. s. »7 Merkst», 24. Juli. In seiner gestrigen Vorlesung über ioralphilosophie' kam Professor v. Sizycki gelegentber Besprechung der Jittoleranz auch «uf den Anti- - Dur.! Bericht mlhäll da» «tewinschre. lNed:> Aschen Bericht berichtig ssth die» Lo» ftibft ftmitiSmu« zu sprechen «nd äußerte sich ungefähr folgendermaßen: »Jeder Aenschenfrenad. müst« Philoftmtt sein. Jede« Ae,scheu 1 sittlicher Aeulch mit Achtung und ei«em Gefühl rücksitst«.!neu, tt müht« denn sein, daß jener darch sein lte» sich der Achtung «n-oürdig gezeigt Hab«.' besästen, bee» wäre that- Bersolgung-n solch« Etgeoschaften nicht -eevoraebrastt hättm. Aber ebenso sicher sei, daß durch neue Verfolgungen der llharakter der Juden »ich, bester werden »ilroe. lledrigeaö seien di« Eigenschaften, di« mau a» dm Judm ladt«, an nur allzu vtetm Atchijudeu auch zu finden. Ihm setm in dieser Htuflcht wahr« Prachurrmslar« von aotijemltschen Germanen bekannt. Ungerecht sei «», alle» Jndiotdue« einer bestimmten Klaff« zn» zuschretben, wa» von einigen Individuen gelte. -Unae recht sei e«. einen Ulenschen nicht nach ft inen persinllchen Etgeuschofee» zn behandeln, sondem nach solchen, ivelche «an seiner Klaffe tusch reib«. uuftre Pflicht sei einfach dft, dft Uurechtschaffenheli zn betämpftii» wo wir sie fänden, sei «» bel Amschea germanischer oder nicht gerne«» nischer Abkunft und den Ehrenmann al» solchm anzuerkennen, er sei Jude od r Richtsude.' LaWS»1G. Auch die »Hamburger Nachrichten' nehmen jetzt zur antisemitischen Agitation da« Wort. Sie schreiben an leiteader Stelle u. A. .. . Der Hauptgrund de« Aergerö über die Juden bildet, daran muß man festes ltea, die grüßen Erwerbsfähiakeit derselben. Diese entspringt aber StammeSeigeaschäfte«, di« anau-rottbar sind. Der Jude ist in seiner natürlichen Veranlagung im Gelderwerb klü der Ehrist; er ist, wenigsten« so lange er noch kein Vrmüaea erworben hat, arbeittsamer und sparsamer al« viel« sem« christlichen Mitbewerber in der Branche in der er überhaupt thäsig ist. Und selbst wenn er sein Ziel erreicht hat undreich grivorden ist, bleibt er sparsamer» so lange ihn die Reaoaumrsucht nicht erfaßt. Auch der junge begüterte Israelit unterscheidet sich vielfach von seine» gleichsitairte» Altersgenossen. Junge Israelitra, Re in Lieder» Fol« c C19 christlichen lrchwst, Spiel und Gelagen sich und cad ihr vermögen zu ia selten. Andererseits Juden zum Gelderwerb Grund« richten, sind verhältnißmäß erklärt sich dir größere Fähigkeit der Juden zum dorau«, das, sie finanziell mehr wagen al« der Ehrist. Der J»d« mag im kkugelregen vielleicht nicht tapferer und kühner sein al« der Ehrift aber bei Geschäft-Unternehmungen ist er entschieden couragirter und riökirt mehr. Der Jade ist ohne Zweifel durchschnittlich auch skrupelfruer (?) in der Wahl der Mittel, die seinen Uukernchmvngen diene». Die« Alle« giebt ihm einen Vorsprung im Gelderwerb, der sich darch gesetzlrche Maßregeln nicht beseitigen läßt. E« ist natürlah, daß die jüdischen Fähigkeiten zam Gelderwerb, in der Zeit, in oer wir leben, wo jede ErwerbSfähigkeit offene Bahn hat, wo Alleö dem Gelderwerb zustrebt, noch stärker als früher bethätigrn «ad ia chren Srqebniffen sichtbar werden. Ist der Jade von seiner Geburt ab mit einer größeren Fähigkeit für den Gelderwerb dotirt, so wird man diese Begünstigung, die er für seine ErwerbSfähigkeit von der Vorsehung vorauserhalten hat, nicht durch fortwährende Deklamanoncn über di; Schändlichkeit dieser Natarnabe beseitigen können: Schreien über eine» Schaden nützt nicht«; man muß Mittel zu seiner Abstellung anzugeben wiffea. Und da« vermissen wir bisher an der anttsemitische Agitation.' Ein Hamburger Organ, welche« den Juden im Geld» erwerb al» natürliche Berantogung größere Iklugheit zuspricht, ist rin« Merkwürdigkeit. Wrr glauben nicht, vaß die Ha«» durger Tanfleute diess« Zeugniß unterschreiben werden»- Jedenfalls haben sie irgend roelche» Mangel an Erwerb«» sähigkeit bisher nicht au den iläg gelegt. f : #«• »rr mdBWMiai, 2s. Juli. Der Xankz Knabeamord ruft hier das Gedltchtuiß wach morde, der vor - und der