Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 31 (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Slam!״ umschließt. sich gebreitet hat, kann ■ufet ^>-«flg«r. die Berhältniffe nicht trüber «ad traurige! sei», « der ihre Eindrücke auf daabgestumpfte Geschlecht find geheuuut und matter als sonst. Der Gkeichmuth lfi%t sich aude» sauste« und bequemen Schlummer nick« aufrütstln, die ernten Ur» fachen erzeugen nicht «ehr die ernsten Wirkungen auf unsere Gemüther wie ehemals. Wie "ganz ander« versteh! es ein andere« Bolk, da« durch die Schute der Leiden geäugen, seiuerTrauer einen würdigen Ausdruck zu geben. DtrPolen haben keine gewaltsamen Vertreibungen, keine Folterqualen, keine Glaubensverfolgungen und Menschenverbrennuagea zu beklagen, und doch wissen sie :xn Jahr, da« ihrer Selbststäudizkeit ein Ende bereitete, «in solche- Gepräge von Traurigteit and würdiger Zurückhaltung aufzudrücken, da« un« al< «in schöne« Zeichen ehrenden Selbstbewußtsein« gilt. Die Jutenheit soll in diesem nachahmenSwerthrn Brrhalstn eine« seiner Freiheit beraubte« BoltrS ein B o r b i l d für fein eigeneerblicken. Sehnliche Empfindungen der Trauer ziehen, oder sollten durch unfere Brust in diesen Tagen ziehen, wo die kaum rernarbten Wunden, die stamme GlaubenSwuth uns einst gescktlagen, vo» neuen! sich zu unheilbarer Kluft erweitern. Unser Weh, da« ,u der Bergangenheit sowohl nie danun über unhereinbrechend« ist unvergleichlich tiefer, furchtderer und gewaltiger, die tiefemgefurchsttrn Spuren, die der Griffel einer marterreicben Geschichte mit dem Herzblut unserer Abneu iu unser« Annalen eiugegraben, find unou-tilgbarer und unverwischlicher, als die Leidensspuren irgend einer anderen Gesamwtheit auf der rieistn Erde und doch entlädt sich di« vielhundertjährig aufgespeicherte Elektrizität bei Jammernicht zu einer achtuna- und eindruckgebiettuden Kundgebuug, dir der Gewalt unserer Empfindungen einige» mähen glrichkäme. Gerade unser Gedenkjahr bestürmt unmit einer Wucht von tausend Gefühlen, die einegroßen, thatkästigen Au-druckS bedürfen. Oder ist da- Judenthum von heute wirklich unfähig, ein« seinem bewegten Herzen eatspvchende Aeuherung zu finden? Wohlan, lernen wir evon einem Bolle, dem da« Wallen der Geschchte auch übel mitgespielt hat. (Schluß folgt) Berichte tutb Correfpondenzen. Dew-s«dt»»v. Mckß-eA»rg. In seinem in vor. Nr. mitgetheilten Schreiben an den Llever Gerichtshof beruft sich der ״Blutlüguer" Rohling auf eine i. I. 1887 erschienene Bielor'sche Schrift, worin Delitzsch widerlegt sei« soll. Nun!ommt aber aus Wien die Mittheilung daß Abbck Victor «ud «sh«», vollkommen ideuttfche Persönlichkeiten sein sollen. Herr Dr. Bloch in Wien will den Beweis hiefür an treten. Wen» ihm das gelingt, dann ist Rohling als ganz schämloser Betrüger entlarvt. Es ist ja schon vorgekommen, heißt es in der .Oest. W.', daß auf Wechseln Firmen genannt werden, die gar nicht existiren, allein dann weiß der Wechselaussteller wenigstens, daß die Gerichte ihn zur Rechenschuft ziehen. Wie soll man eaber vom Wissenschaft lichen Standpunkt aubezeichnen, wenn Jemand, der autoiitativ wissenschaftlich imponiren will, einen Wechsel auf eine fiaairte Firma oussstllt?" — Man wird da an eia bekannte- Manöver der Betrüger erinnert. ,Einer will einen Ring »st falschen Steinen bei einem Juwelier aubringen. Dem Zruoelier steigen Zweifel über die Aechthest der Striae auf und bestellt den Verkäufer auf den nächsten Tag. Ta erscheint nach wenigen Stunden ein seiner Engländer i« Laden, er prüft den Ring und erllärt seine Bereitwilligkeit ih! für den höchsten Preis zu kaufen. Er werde ihn iu einigen Tagen abhoten. Nun zweifelt der Juwelier nicht läng!» an der Srchtheit der Steine, er zahlt am nächste» Tage den geforderten Prei«; ober er wartet!zcnz umsonst auf den Eng« länder, der kein Anderer war, alder berrügerische Verkäufer." NohlttlH hiernach dieselbe Rolle wie Istr Veftßgrr »st» bat Eobea i1 Reema&tt ui n«h auf cna1־«M£ decr« Schwindel i» de« Briest Noyling« «Oistrlsa«, Er (R.) berheuert .angesichtsde- Todeand det ewigen Richter-' nicht d« Blutschuld al- Wahrheit, sond»ra die BlutbefchulNv»,! ä Diekönne er ja befchn«ören ebne meineidig gentacht z» werden, denn daß tue j ldffche Religion de» Ritnalmordel . beschuldigt werde, desien ist ja Rohluig stlbst Zeuge. -Da- '1 wäre ein Hinterchürchen. «in« rsnoevutio -aoatul» der j schlauesten Art. di« abec bekannttich bei einem Eide nichti gil t Seine Briest im Ti-za-Eßlarer Prozeß lasten übri- * ger!« gar keinen Zweifel, daß er den Ritualmors bei den Juden al« Wahrheit zu tefchwürea si!h aabot. E« hat nur icht-hof kein Gerichtshof sein Meineid-anf.rdot angenommen. ■£: den die Le! Jahre . lag daß den verdächtigen Juden auf der Folter allerlei ״Geständnisie" erpreßt wurde, wie man Ist gerade gebrauchst. Sn: diesen Prozeß weist ״un da« Stkcker'sche Blättchen hin mit der Bemerkung, daß damals durch ״eigene Geftäudnifft" der Juden dst ihnen zur Last gelegten verbreche» »erwiesen' « worden seien. Wir unsererseits möchtn einmal sehen, «a- Herr Stöcker alles .gestehen" würde, nenn man ihn stundenlang mit glühenden Zangen kneifen, ihin die Gli^mahen au- ׳ ׳'- den Gelenken recken, ihm bis zum Platzen Jauche in den 1 Magen rintreiben oder ihm andere Qwtlea angedeihe« lassen ׳ | würx, welche damals, wie die Formel lautest, ,um Lhnsti ‘-j willen" den,Verbrechern" zu schmecken gegeben wurden, damit sie Dinge, dst sie nie verbrochen, ,geständen"! , Iterti». Dst,StaatSbürgerztg." brachst diest Woche ' folgende Aufforderung. d < ״Zehntausend Liresind ■fu gewinnen.' Bstl- ׳ J leicht wagt eder stlmudstsst Herr Proseffor Nöldecke, f sie sich zu verdstneu. Der offiziöse .Ofs'eroatore -׳ cattolico" in Mailand bietet nämlüh in seiner Nr. 8838 * vom 14. d. ®L also jÄenfalliufoste der Vorgänge bei dem Prozefst Busch ho ff, dies« Smrm« demjenigen, der dst ui 7S Artikeln de» Blattegebrachst» Wissenschaftlichen Beweise für da-Borhandersein dejüdischen Ritualmordewiderlegt. Dst Sunune wird in Mailand auf der Redaktion der Zeitung bereit gehalst«." .״.■ Mit Bezug hierauf richtest Herr ^!rof. Dr.H. Strack - folgende- Schreiben an dst Redaktion jene- Blatte-: >' .Geehrter Herr Redakstrr! Der in Mailand erfchei- ' «ende ,Osservattore eattolico«' bietet, wst Sst mit- -׳ thellen, demjenigen zehntausend Lire-, der die in 78 Artikel» de- Blattegeorachstn wiffenschastlich, a Beweist für da» Borhindensein dr» jüdischen Ritualmorde« widerlegt." Ich erklär« msth berett» dst Uanissenschaftlichleit und '■%£ Unrichtigkett jener Aufsätze zu beweise«, sobald drei SchstdSrichstr ernannt sind, deren Namen in!er Welt irgeud wel- ■:rchen Klang haben Ah stell« dem »tHervatore rattolsto" frei, selbst diese drei Schiedsrichter» vo» denen zwei Katholikea sein können, au» dtr Zahl derer zu erwählen, welch« 4 an irgendeiner Universitär des Deutsche» Reiche- (oder au der gleichssthenden Akademie zu Münster)׳- Theologst>oder Orienmlia lehren. Sobald di« Erklärung de- ,Offtr» att."^g mir un italienischen Worckaut Vorgelege! hat, werde ich, dst -^8 Redaknon diese-Blatte« direkt brnachrstitigea. ם Hermann L Strrck, Dr. theol. 1«d auherorlnatlicher; Professor der Theolog«!." (Siehe mtter,Nom'.) s ZlerN», 28. Juli (Or^Lor.) Do» Briefe eine« hervorragenden evang. Geistlichen an den blabbiaer Dr. Philipp Kroner hierftlbst hat dstser mtt Gerehmiguug de- Brrfafferfolgende charakstosche Stillen «»tntMmen und unzur Beröffeatlichuag zuaesmidt: ,^sämialltche . Beruhst, dir meine Aeituug -über de«-