Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 31 (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959805--1191-5375114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*S47 — ׳'Hs.' 7 ׳.־, ' «kbgelegt hat, «brr - onch feiner eigenen Ausfoge «ichtsdestowesiser brr Judenkaplan ist: *ai tfimrte der %n, um dir Gemüther zu versöhveu und — auch den wirklichen Mörder - an den Lag zu briogeu! ttgkeüh uns d<ä vom jüdischen Standpunkte aus nicht so wichtig scheint» als dem Redakteur dieses Blatte-, denn gerade heraus: die Partei, di« den Ritualmord gegen uns ia§ Feld führt, ist nicht zu widerlegen, weil sie " Nicht widerlegt werden will. Di« Unschuld Buschhoff« ist souneuklar. Aber diese Leute wollen nicht sehen; oder viel. ■ mehr sie sehen, und sie lernen es, daß sie sehen. Dies« kippe kann uns bei ihrer Rücksichtslosigkeit und bei ihren vornehmen Berbindungen sehr gefährlich werden; wir müffen es ertragen, aber wir sollen uns nicht nnlaffen mit Leuten zu dispvtiren, die ׳sich über uns lustig machen, wenn wir chrr giftigen Behauptungen ernst nehmen. Ob nun der Mörder de« unglücklichen Knaben gefunden wird »der nicht, es glaubt in Deutschland Niemand, der litte! arische Fähigkeit hat. diese dumme'Geschichte; die Herren find keine betrogenen Betrüger. Vielleicht könnte es zur Entdeckung des Mörders führen, wenn alle dü Unthaten. welche während der letzten Zeit in Karten verübt worden sind, zu gerichtlicher Untersuchung kämen. Bei diesen Untersuchungen würden möglicherweise dir Persönlichkeiten entdeckt, die den ganzen Spektakel geleitet haben; es würde am Ende klar, wie der Judenkaplan sich der Juden angenommen hat, und vielleicht siele auch rin Licht auf den Mord und die Mörder. Jeder Jurist wird es uns bezeugen, daß durch Hin- und Herreden der Augen und Verklagten oft wie zufällig die Wahrheit an den Tag kommt. Es war uns deshalb gar nicht recht, daß, als Kaplan Brrffeo vor Gericht erichien, und die Benhridiger Buschhoff'S ihu etwas schälfrr ausfragten, sowohl, das Gericht wie die Staatsanwaltschaft sich bemühten, die Beruehinung auf das Rothwendigste nnzuschränkn. Wie schade, daß der Judenkaplan nicht Gelegenheit bekam, seine Jndenfreundschaft noch glänzender zu beleuchten. Herr Kaplan Breffer und seine JtoBüm haben offenbar in Lauten zu unseren Gunsten und zur Sühne des Unrechts noch viel zu chun. Wir brauchen dabei «och gar nicht, wie Hr. Dr. Singer eS jüngst in diefcn Blättern that. auf den Einfluß der Beichte hinzuweisen. Wir Juden haben keine Rathschläge nach dieser Richtung zu erthnün. Hier thve Jeder, wozu Gewissen und Amt ihn verpflichtet. _ B. R. A«r vierte« SäLtttarfeier der MertreiS« lg der A»de» aus Sparrieu. vo» Bernhard Lraubeaberg. a Vier Jahrhunderte hat die Geschichte über unsere Häiipter hütweggebraust, seitdem jener Erlaß des »katholischsten Köni^Paarer" die schauerlichen Szenen voll Blut und Elend, voll Entsetzen uud Verzweiflung, voll Thränen und erschütternden Jammers über da« spanische Israel herauf- «schwor. Und all da« markerschütternde Weh, das auf HispanienS blutgesättigter Erde sich zu Himmel rang, es rckcht nicht hinan an die Größe des SchnnerzeS und Unglück», deren Beute die Vertriebenen und rmbanicherzig in die -Feemdr B,rstoß«nen wurden. — Seitdeia hat der Sturm der Geschichte weiter gerast — eine kurze Spanne im Zeitraum« der Ewigkeit, aber länger als rin« Ewigkeit für menschliches Leiden und Dulden, denn was für Spuren bewich»« düse Strecke des Gchicksalslauses, nachdem bi« spanischrn Märtyrer dü Nimmersatten Blutgerüste bestiegen und der noch demüleidevswerther« Theil der Ueberlebeaden dep traurigen Wauderstab ergriff, nur um noch grauenvollerem Elend entgegen zu gehe«? Nun, zunächst führt ►>rr Weg durch ein Meer von Thttsnen und süinerweuchenden Jammrcil, keick Sonuenstrahk drüigt duyh das Leidensgewötk; welche Blätter wer auch auMagen, die uns die Geschehuiffe der Vergangenh:ü künde», kein Städtchen so eng. km Land so kle!n, es hat seinen alaabens- und bluttriefenden Torquemarda, der dir ungeoändigü Fluth von Zorn und Grimm und Rohheit an den armen Nachkomme» der Erzväter kühlen darf. Und die wenigen Gonnenbiicke, die da« Jahrhundert der Bildung und Aufklärung, oes Feuerrosies und der Blitzschrift un« bisher gegönnt — ist es nicht, als die übergewaltigen Mächte der Finsternis, geschwollen von finsteren Neid ob des kurzen Lichtstrahles, sich allrsammt verschworen hätten, uns ins Herderben abgruadtief zu stürzen? Fürwahr, keinen Rückblick in die kaum entschwände«« Vergangenheit der Ernüderung und Knechtung können wir thun, ohne tüsbesprgt und bekümmerten Herzens die unheilschwaugerru Zeichen der Zukunft zu deuten. Nicht das wehmütige Gedenken vergangener stolzer Epochen ruhmumstcahlten Glanzes und tiefsten Sturzes, ist e», was unsere Seele allein jetzt erfüllt, dazu fehlt es un» au der Ruhe und Sammlung, dü nur da- Gefühl der Sicherheit verleiht. Nicht wir eine halbverklungene Sage, nicht wie ein schuieichrlhofteS, ersterbende« Wispern und verwehender.Hauch tönt es aus jener grauenerfüllün Nacht de« bösen Geiste» zu un« heraus, nem, dü spenstischen Bilder, dü ftkhrr unsere Seele nur im Traum erschreckt, sie gewinnen Gestalt und Leben, verdichten sich zu Fleisch und Bein und feiern, ach, ein Wüderaufrrstehen, da« der in ewige Ideale eingelulte Sohn de« bald beginnenden 2si. Jahrhundert« nimmer für möglich gehalten hätte. Die Jdeaü waren nur zu trügerisch, eine Fata Morgana in öder, sandig.-r Wüste, dü freundlichen Bilder, die die geschäftige Phantasie uns vor dü Seeü gezaubert, zerstieben m alle Winde und wa» übrig bleibt, da» ist dü Glut und Dürre, die nackte, brutale Wirklichkeit, dü de« blühende« Menschheitstraum unserer erhabene GvttrSmänner aufscheucht und ihn aus dem Bezirk irdischen Leben« und Treibens verjagt. Was dü Geschichte thränenumflort uns erzählt, es lügt nicht weit hinter uns, die Vergangenheit will unS nicht zur Vergangenheit werden; als sie ihre wohlverdiente ewige Ruhr finden sollte, erfühl sie un« wieder zu grausiger Gegenwart. In dem Augenblick, wo wir un« anschicken, einen Gedenktag schmerzlichster Art zu begehen, erzittert da« Erdenrund von den Schandthatea eines glauben«- wüthigen geistlichen Eiferers, dü von demBeifallSgeoiM der au« dem Grabe gestiegenen Jünger de« spanischeu Inquisitor« bejubelt werden. Au« dem dumpfen Moder der Gruft erhebt sich der begraben geglaubte Haß und vollführt neue Thate«' b!« Entsetzens, dü Mark und Bein erstarren, machen so daß sich in dü stille Betrachtung der Tragödü aus dem Ende de« 1k>. Jahrhundert dü grlleadeu Hilferufe aus dem Spanien de« Osüa« am Ausgang« des IS. Jahrhundert« mischen. Noch dürfen wir un« darum der sollen Betrachtung allein nicht weihen, denn der Lebend« «nd Leidende hat ei» Rech» auf unsere thätige Theilnahme, und es genügt nicht wenn wü nur dea verklärten Märtyrern Thränen der Klage uud Wehmuth widmen können. Dock schaunge Drama, das sich vor unseren Augen abspült, erfordert mehr als Thränen uud mehr als unthätiges Gedenken, bür gilt es seiner nattttlichen Lnovickeluug kühn in dü Zügel zu falle«, dem Jammer, der sich sonst entfaltet, mit kräftiger Hand zu steuern. daß . er nicht die Berwüitungeu anrichü, «ne in jenen Tagen der heiligen JsabeUa. Das Gedenkjahr der Vertreibung aber soll »ns mit dem Muth und l«r Kraft erfüllen, deren wirkst, diese» schweren Tagen zur ErftUlung unserer Bruder; bedürfen. Go aber ist der Sinn und der Ernst, in- Luffassuna den Gedenktag der spanischen Tragödie z« - . , digeui' Ist. der Ernst vorhanden, der uns zu «ner in kb«n׳ dige» Thatrn sich äußernden Feier zusammtnrufrn soll? Ernst der.fast überden ganzen Bannkreis, deir jk