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Israelitische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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.Gegen bk in t«n bez. Artikel: ״ÄaHflirbw* (Nr. 28 der Allg. Ztg. b. Jdcdms. d. Z) ausgesprochene» Tentenz und Sentenz. baß ») m den ^üb Gemeinde» Dentschlanbs bei brr Wahl von giabbiaeru mcht bk Rationalitätensonder« bk ״Bedürsnißstage' entscheibenb bleibe« .solle, und b) bei ber Wahl von Kantoren ״überhaupt nur polnische Lhasanim" in Betracht trnnmeo, — gestatten Sk gütigst de« ergelmrst Gestrtigtra folgend« Einreben. Doch sei vorauf bemerkt, daß ich kein Ralibiner u>׳.b vor allem keiner jener skbeuundsechszig .Meascheu", bez. ״Knabrn" — sollt« Wohl plattdeutsch ,,Buben'- heißen! — bin, welche beim Minister vorstellig würben, fortab keinen Ausländer zu bestätigen, sondern daß ich im Gegeutheil stets nach de« selbstverleugBenden Grundsatz«!«»beite, den ich auch öffentlich ausspiach: ,Angesichts der Jubenanstreibringen aus Rußland fehlt mir ber Math dazu, einen polnischen Kantor, ber sich in «eine Stelle bräuat, z» benunuren, wenn ich auch selbst durch ihn verdrängt, stellen- und brotlos werbe!- — Und noch eine BorbemeÄung: für bk Rabbiner sprecheich hier auch nicht, es fehlt mir daS Mandat dazu; wohl aber ftr die reikf^- anaehöriarn Kantoren, insbesondere bkjeuigen, welche in unfern kleineren Gemeinden zrgleich als ReligtonSlehrer re. nicht den Beruf haben sollten, den Synagogen-Kultus zu ״ver-opern", sond>!rn vor allem doch wohl sach- und sachkundige ״Vertreter" des jüd. Geistes und ber jüdischen Lehre" in diesen kleinen Gemeinden zu fein; — ja, ich sage es geradezu; des deutsch-jüdischen Geistes uub ber zu unserm hervorragendften Kulturelement geworbenen, historisch entwickelten deutsch-jübischen Auffaffung und Anwendung unstrer heiligen Lehre! Daß aber gerade in dkstn Punkten in allen jüdischen Gemeinden aller Länder ber Geist des JudeuthumS den!» doch nicht immer derselbe ist, bas bezeugt ber .Herr Lhcfrebakteur ber Allg. Ztg. b. Jdthms. selber mit seinen dafür sehr bezeichnenden ״Ausführungen" in seinen Artikeln: ״Aus dem Karlsbad«" in Nr. 26—28 de« grd. Blatte«! Dk Denunziation, an uub für sich, will ich mcht vertheidigen. ״Aber deren Zweck," so sagt ber Verfasser des ged. Leitartikels, ״ist leider uur zu klar; denn bk Denunzianten waren .^um Lheil stellenlos« rc. Beamte." Ja! — Warum aber waren sie das?! Ist es gerecht, ist es ״jüdisch", gesetzlich vorgebildete Beamte erusach zum — Proletariat zu werstu, well ausländische leichter, billiger, zahlreicher zu haben und — wenn Kantoren — auch ^größere" Lhasani» sind?! — Ich kann Ihnen, verehrter Herr Redakteur, augenblicklich minbestens ein Dntzenb solcher Kantoren, Lehrer «. nennen — meine Mittel als Schriftführer eines KulruSbeamten-Bereins von fast 366 Mitgliedern erlaube»׳, mir bas! — welche z. A. stellenlos unter lxn polnischen u. a. Schuorrern herumlaufen! Ru» sollte einmal e>n Thronist ausstehen, ber bk haarsträubenden Willkürakte Protokoll,rk. durch welche so viele jüd. Skultuibeamte (und Familienväter) um Brod und Stellung kamen!! — ״Di» Juden sind verpflichtet, sich in Allem nach den Gesetzen und Einrichtung-:» de» Staates zu richtm," sagt irgendwo da» AUgem. Preuß Landrecht. Ist eS je erhört worden, daß bei andersgläubigen Staats» ober Gemeiirde« beamten bk Entfernung aus dem Amte, so oft, so schnell, so leichtfertig und — gewissenlos betrieben wird, als in unseren ״autonomen" jüdischen Gemeinden? Und welche Sckmtzmittel stehen wohl diesen jüdischen (zumal den bereits altpcnden, abgrwirlhschastueu) Bcamtea, gegenüber uaverschulbcker, rergewaltigender, willkürlicher Jrottosmachung, zpr Seite?! — Und, wenn solche Unglückliche in ihrer schreienden Kloth endlich zu dem ihnen verheißenen Schutze der Staatsgesetze ch»e Zuflucht nehmen, dann ist es mcht», als ber bloße, neidgetbe, mißgünstige ״Brotvuukt", der sie treibt, aus dieser ״aPchüffigeu Bahn" gegen bk ״beffereu" Auelänber vmzugehen! — Mein verehrter Herr Redakteur! Ich könnte Ihnen wohl »ine Geschichte -. eine Geschichte allerueurstea Datums und,.pro domo!" — erzählen, wie es zngeyt, wenn «in einhclmischer Beamter von »aserea jüdischen Kleingemeir-e« ־ -'41 * ־Die 0» 01 üstch lernen kRmteo, baß es Ich hier nicht bloße Erotneibsoabeiv um «iye wirMcheLrbens- und Rotd-_ krage handelt, die ja bekauutlkh — -ist» brechen soll. Doch» ich sthließe lkber «nt schweig«; dein: 0ינ לחכמה שתיקה!" Hochachtungsvoll ergebenst & Nathan. Aener (Olbenbmig), 1v. Juli. (Or-Eor.) Endlich ist «* dem Antisemitenführk: Dr. Dann« il aus Bklestld geln» gen. auch im Lande Oldenburg eine!Zersammlung abzuhallen, und so hat er in un krer Stabt ber Anfang gemacht. Aber-, das klägliche Fiasko; bas er geniackst, und tue Lettio», bk׳ er hkr bekommey, w-wden ihm hoff:»tlich ben Muth genommen habe«, ferner im friedlichen ländchen Oldenburg anszulreten. Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer, der kurz vorher 1« unserer Stabt eine» Bortrag ״zur Hebung, des Deutschthums im Auslaute" gehalten hatte; ber sehr zahlreich besmht war und grüßen Beifall fand, war auch zu dieser Bersaounlung hierhei gekommen und ist de« Herrn Dann»! so schneidig und schurs entgegengetretea, baß bk ganze Bersammlmg sich gegen sein« Hetzereien erklärte und nur vier ganz grwöytllich, Menschen die Hand erhoben g als er bk Versammlung fragte, wer ihm beistlmme. Ebenso wurde ihm von Hern, Lbert aus Bremen sehr sachlich erwidert; außerdem'wurden ihm vor christlichen Landwirthen Unwahrheiten nachgewkstu, und Herr D. wurde am SMusse ׳ verhöhut und konnte nicht mehr zu Worte kommen, «eine-, Angriffe richteten sich gegen bas Resormjudenchum, dagegen.' schätze er bk orthodozen Juden sehr hoch. Mae Kanwstsweis«, wk bk des Ahlivardt und Böckel, verabscheue er. Herr- Dr. Mauaheimer b«»ies ihm. baß -w uur um Gelb zu »erdkuen seine Rebe halte und konnte dies durch eine« eigenhändige» Brief DanneilS beweisen. Al» er ihm auch bk Firma Meudelsohn-Warsthauer in Skrli«, die D. als Jude«: vezeichretr, bk bas Vaterland verrat hen wollte«, als getauft Pastell e, da wußte )er gute Herr D. mit antisemitische«, Kniffen sein« Unwahrheit zu bemäniel«, da nach seiaer An» sicht getaufte Juden e uch Juden sei» ober wenigstens jurjj Raff« gehören. GrohH Gelächter begleitete birst Autführrrng.׳ Keine Resolntion unli kein Reformoerein kam zu Stand«. Wir wünschen Herr« Dr. Dannell!veiler solche Erfolg». — Daß überhaupt h er Frkdea und Eintracht bisher zwischew den verschiedenen Konfessionen geherrscht hat, und daß infolge-;־* dessen hier kein Bober für Aatistmi en ist, möge jene Etata geseüschaft, die vor nickst langer Zeit in einem hiesige« Restaurant }!im grüßten Vergnügen brr tibrigen Anwesende» "' zusammengrfunden hatte, beweist«. Es droschen einen ge-" müthliihea Skat vier ^rerren: brr erste evangelische Pfarrer," der katholisch« Kopickn, ein Oberlrhrer am hiesige« G^— nastuw und der jüdische Religiouslehrer Hr. H. Lüwessl Skr dieser Dr. ,Jbanueü eigmtlich ist, darüber otrr~ licht die ״Ostfriesische Preffeeinen Brief au« seinem Wohnorte. Bielefeld, in welchenl es heißt: ״Dr. ist ein wegen Trunksicht abgesetzter evangelischer lichrr. Tr wurde mvh seiaer Absetzung von seine« va einem Superintendenieu, als Pflegling an Herrn Bode! schwach verwiesen, muhte aber deffra Anstalt verlaffen, at»l er'sich ber antisemiüsche« Bewegt-ng »«schloß. Seitdem wohat er zeitweise hkr in ber Stodi. Sr ist als notorischer Trinker in Bklestld xtannt und aus den meisten hiesige« ' Restaurant« auSgewiesen ‘ Na Ostfrksland scheint jedoch srine Hetzsaat ausz . In Wittmuud ist et ,hm aelungtn, einenAntisemitenverei« zu grtmden Berschkdentlich sind schon Reibereteu mit Jude» daselbst provozirt. ». Mr«t«^ch»etz, im Juli. (Lr^Tor.) Wiederum stabwir iri ber erfreulich,« Lage, von einer AuSzeühnuug de» richte» zu können, bk nne« Mitglied« des Borstehetckolleg urmsber hirjlgra jüdischen Bemeiude zu 4 heil «worbe«?ist: John Landauer mirbe von berUuiversttät Toros to Sautida zum Ehrcudokror «nannt; und za«r

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