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Israelitische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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_erntet 5> ־rf«e Gesicht«» färbe bmi verschvnmtel; er Mir blaß. . . . Dann stand er zum letzte« Male in dem grüne« Brrschltee — die Hände «mspauuten fest die Brüstung.— der Präsident amrfte «td der GerichtSschreib« verlas Frage vndAnttvort. .Reinl' scholl e« noch einmal in den Saal. Die.Bertree« der Staat«» onwaltfchaft erklären, daß fie keine Aattäge zu stellen haben. . Hiera if verkündet der Präsident: »Im Namen Er. Majestät de« König« hat der Gerichtshof für Recht erkannt daß, nach- ׳ dem die Herren Geschworenen die Schuldfrage verneint haben, der Angeklagte Bujct'hoff von der Anklage de!» Morde« freizusprechen und die Kosten de- Berfahren» der Staatskasse aufzuerlegcn seien. Außerdem hat der Gerichtshof beschlossen, den Angeklagten sofort auS der Haft zu entlassen * Alles blickt aas Buschhoff, aber kein Zug seine« Gesicht« veränderte sich, keine Miene hellte sich auf, keine Farbe kehrte wieder: ewar kein Zweifel,, Buschhoff hatte infolge seiner '׳Schwerhörigkeit nicht« von Allem verstanden. Man hatte da« Gefühl, aufspringen zu müssen, um ihm laut das »Frei!' «ntgeaenzurufen; — da beugte Re-fftSanwalt Stopper, hinter ■ dem Buschhoff stand und der wohl etwa« AehnlicheS geahnt haben mochte, den .Kopf zurück;׳ er winkte ihn mit den Augen zu sich: Buschhvff beugie sich nieder: Stopper sprach ein paar Worte; kein Verstehen: noch einmal dasselbe: noch immer $ nicht: der Schwerhörige legt die Hand an die Ohrmuschel; ' eia drittes Mal; endlich war das .Frei!' auch an sein -Ohr gedrungen! Dem Begreift« folgte eine dunkle Blut» Zweite, die jäh sich vom Halft au« über das ganze Gesicht ^verbreitete; die Thränen schaffen dem au« unsäglicher Qual ^Erlösten au« den Augen und tropften auf da« grüne Holz, da« vorher schon so viele ausgenommen hatte; die Arme zitterten und der Körper' bebte . . . Die Formalitäten waren schnell erledigt, der Präsident sprach da« übliche: »Die Sitzung ist geschlossen.' Die letzte Silbe wurde erstickt von einem Hoch, da« machtvoll durch den Saal «klang und gegen da« das Zischen, da« sich ver» «ehmlich machte, nicht a ufkommen konnte. Sofort begann ein buntes Dorcheinandei:; Verwandte und Freunde kamen herbei und drückten Buschhoff, der sich anfangs nicht vom Meck rührte, wortlos die Hand: Geschworene traten herzu: Zuhörer fanden sich ein; Gerichtsbeamte schlofft« sich an —!Alle drückten chm die Hand, den die mächtigste Erregung durchfluthete und der heftig weinte wie ein Kind. . . . Die Kosten de- Prozesse« Buschhoff sollen, »ne die »Köln. ' Atg.' schreibt, 150 000 Mark betragen. Qr. Man» Hl irden Hei», 17. Juli. (Or^Eorr.) Wir haben hier am Niederrhein in den letzten Wochen eine böft Zeit durchgemacht. Der Prozeß Buschhoff lastete aus uns ' wie ein Alp. Gott sei Dank, eS ist so gekommen, wie wir - e« nicht ander« erwarten konnten. Klar und deullich ist die Unschuld B.'S «wiesen uwrden. Er, .d« MSri yr« für die S Judenheil. «, t«r nach dem Zeugniß seiner erbittert- 1«, niemals ein«! Feind gehabt hatte, hat in dem in seiner Unschuld auch nicht einmal seinen schärfsten . Belastungszeugen gegenüt« ein herbe« Wort gehabt Und er, der nach so langen Leiden die Anklagebank verließ, per- £ rieth keine Freude — er weinte. Wer in der S«le eine- ^'«deutlichen braven, unschuldigen Manne« lesen kann, wird da« Weinen verstehen. Ein Schuldbeladen« weint nicht, nur jubeln würde er.׳ Die gesammte Judenheft hat, obwohl auch sie von sein« Unschuld überzeugt war, mft Bangigkeit auf den Riederrhein > ,? geblickt Daß wir in d« Nähe Lauten« besonders mitgefühlt haben, läßt sich denken, denn wird ein Stein in'« Waff« ge» »orfta, so spürt die nächste Umgebung die Kreise d« Wellen am ehesten. Rach dem AuSgange de« Prozesse« ab« lönnen wir j^ -voch nicht ganz befriedigt sein. Erst muß dn wirkliche Wör- S^rr de« Leinen unschuldige« Knäblein« gefunden ««den. tichhoffh «wird gefunden «erden, uudterLebet vou de« BsSmesttck^d« wird zrrreißen. .Dir Lonne bringt «S noch an de» Tug ' — Au« Kirchberg, den 15. Juli, wird l«m »Kv;uznach« Gemeral-Anzeiaer* geschrieben: Ziemlich,« Auffehen erregt hierfttbft die Thatftühe, duß d« seit ringen Jafren hi« praktizirende Arzt H«r Dr. med. Jnnkermann, am iftrstoffenen Mittwoch von hi« abreiste und nach zwei Tagen seine hiesigen Freunde benachrichtigte, daß er nicht die Absicht h>be, hi«her zurückzukehren. Wft wir ersihren. steht dieft plötzliche Abreise im Zusammenhänge mit dem eben zu Eleve in Verhandlung gewesenen Xanten« llnabeumi'rd» Prozeß, in welchem d« Barer de« Herrn Dc. Junkrmcinn als Hauptzeuge eine besondere Rolle spielt Für die in!8e» Handlung deS He«n Dr. Junkermann gewesnen Lttankeu roar der unerwartete plötzliche Weggang desselben recht unangenehm. — Der Kausm. Abr. Lehmann in Neuß «hielt während des Bufchhosfschen ProzeffeS ein von einer au« Holland kommenden Verwandten mit »Hermiae' Unterzeichnete- Telegramm ou« Cleve, worin dieselbe ihre Ankunft meldete. Auf irgend eine Weift muß diese Depesche bekannt geworden sei«, und da jener Borname mit d« Hermine Buschhoff von dem Pöbel in Beziehung gebracht wurde, hatte Lehmann olle möglichen Ehikanen seiten« des fvnatisirtea Pöbels zu erdulden. An seinem Häuft befand sich ein mit Rothstift geschriebeae« Plakat mit folgenden Worten: .Hier in diesem Sause!ogirt die Tochter de« Knabenmörder« usch hoff.' MerÜU» IS. Juli. Lcne soeben im Vorlage von Gronmaen Cie. hi« erschienene Broschüre, beutelt: »Ahl» warbt"« Ende' enthält Erklärungen der Hauptzeugen de« Ahlwardt in Sachen d« »Judenflinten'. Diese Erklärnngen gehen dahin, daß die Ahlwardt'schen Enthüllung«! fast durch««, eigene Erfindungen Ahlwardt'« und nicht die Aursagen dies« Zeugen gewesen seien, resp. daß Ahlwardt der«! Bekundigungen durch eigene Zusätze stark entstellt habe. Krähh-ihn, d« jetzt Droschkenkutscher ist erklärt, Ahl» warbt habe ihn einen leere«, unbeschriebenen Briefbogen gegeben, den « nach fein« Erzählung, ab« vor Niederschrift verftlben, unterzeichnet habe, und Ahlwardt habe in sein« Abwesenheit den Text vor seinen Namen gesetzt KrLyhahn erklärt zugleich im Einzelnen, daß Ahlwardt zu der 仫sage Krähhahn» eigenmächtig Zusätze gemacht hat die d« Wahrheit widersprechen. Ahlwardt Hobe ihm 23000 Mart prr Gründung eines Geschäft« versprochen, dft vm Herrn v. Wackerbarth, Frhrn. v. Langen, Regierun-Safieffor Baron v. Hülsen und Tchriftstrlftr Paasch gegeben würden. Zugleich wird Ahlwardt vorgewvrft«, Betechung«- versuche gemacht zu habe«, um Gewehrtheift au« to Löweschen Fabrik zu «halten. Wie die .Feis. Ztg.' «fttheilt, in die Broschüre von einem ehemaligen Antiftmiten verfaßt. Dieft allerneuesten Enthüllungen bqchästigen bereit« da« Gericht da« schon Unters nchungen nach der Richtung an» gestellt hat daß Ahlwardt einen Soldaten durch da« Angebot von 30 000 Mark verleit« haue, in Frankfurt a. d. O. einen Gewehrdiebstahl zu begehen. 10. Juli. Hochverrhrliche Redaktioa! In der Nr. 28 d« »Allg. Ztg. d. Judeuthum«' bringt, vermuthlich der Herr Chefredakteur derselben, einen Leitartikel vom 4 dss. unttr der Spitzmarke: »Ausländer', in welchem eine größere Anzahl ungenannt« jüdisä^r Rabbin« od« ander« Gemeinde bürmten in Prenhe« al» Tenunzianten vor d« Oeffeutlichknt an den Prang« grjtellt w«den. Ich habe sofort an die Redaktion jene« Blatte« eine Enride» rung avgesandt Doch hat, wie zu ermartea war, die ged. / Redaktion meine gegen kdie Ausführungen ihre!» (tyefrc&lrj teur* zur Ehrenrettung bn von demselben angegriffenen Beamten gerichtete Erwiderung nicht aufgenomine», bitte ich Sit verehrt« He»r Redakteur, hwrmt « in Ihrer geschätzten .Wt' e». Dieseibr iantet »ft merne

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