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Israelitische Wochenschrift · 1892-07-22 · 30 (22.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
30 (22.7.1892)
Date
1892-07-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ft imt ftfibcre Ae»ßft»ng fibft die UmnS-ktkeit mfhwr Aaßaß»»- Mttr wrfirfnal(*; profffw ZTSIiecft tfätte Mt* oft* aa» Victor'» Schrift M* es fett 1887 Sßentlich mitteilte, wifiea können. »Denn die Thaifachen der Geschichte nicht gelengnet «erden kSane«, so ist wähl bezreifiich, daß sich trotz der Lastrirnng gewisser rabMnischer Werke doch noch נא vnd dmt Texte finden, welche ans den Gegenstand h:nd«ui«n und Anspielungen enthalten, welch« trotz aller Vorsicht der Redaction im licht der geschichtlichen Begebenheiten sehr laut reden. So entbehrlich derlei Texte aber auch angesicht» der historischen (?) Zeugnisse find and demnach, wenn man will, den Schalübungen der Philologen überlaßen werden können, so find« ich meinerseit», was immer andere sagen, daß der Talmud auch in den castrirten Ausgabe» di« Sach« andeutet, während Safer h&lkatim (?) und Zober bestimmter reden, wie tt in meiner Schrift: ,Polemik »nd Menschenopfer de* Rabbinisinus' (Paderborn bei Schröder ,883) -argelegt ist. Diese Darlegung ist heut« noch vdllig überzeugend für mich, and wenn ich auf private Pablicationen der Keitvngen und aufvruckheft«, wie Strack'*,Blutaberglaobe' nichtreagirte, so geschah er, weil di« weltlich« Dbrigkeft, der ich uaterthan bin. di« Sistirung de» tzubenftreite* begehrte. Nachdem aber amtlich vor Gericht mtiac herlig« lleberzeugung als eine Frivolität gebrandmarkt wurde, hielt ich es für meine Pflicht, da* v»!steh«nd« Ihnen bekannt p, geben: im Angesicht des Todes und meine* Ewigen Richter» kann ich nicht anders reden und muß bekennen, daß die Blutbeschaldigung Wahrheit ist. pochächtungsvoll Lanonicus Vr. theol. et phil. 2L Rohling, o. S. Prof, der hebr. Altertümer an der k. k. deutschen Universität in Prag. Prag ,0. Juli ,8-2. Im TiSza^Eßlarer Prozeß schloß der des Hebräischen unkundige Rohling seine ähnliche ErÄärung vom 19. Juni 1883 mit der Betheuerung: ,Dir Wahrheit de» Obgesagten will ich nöthigeufallS vor dem Richter eidlich erhärten." Seitdem ihm aber dieserhalb öffentlich der Borwurf de- Meineides in» Gesicht geschleudert und er aufgefordert wurde, sich von diesem schwersten Verdachte und schimpflichsten Borwurfe, der einem Geistlichen, Profrffor und Ehrenmann gemacht werden kann, durch Erhebung einer gerichtlichen Anklage zu reinigen, er sich aber feige dem Urtheilsspruche de» Richters entzogen hatte, ist er nun klüger geworden, er betheuert, jetzt nur noch ,angesichts de» Tode» und de» ewigen Richters'; — nein, H«r Canonici»», so entschlüpfen Sie uns nicht, wir fordern von Ihnen, daß Sie angesichts de» Leben», vor den Lebende!», und vor dem irdischen Richter Ihre schmähliche Behauptung beweisen, sonst sind Sie nicht nur eia ,Blutlügner', sondern auch ein Der- IttURbrt de» Jndeuthrnu». ein Lästerer der Religion, der IesuS und die Apostel entstammten. Erhärten Sie doch Ihre wahnwitzige, gist- und bluttriefeud« Aussage durch einen und, damit Sie durch Tausende von einwaudssiceien sachkundigen Zeugen de» üRkeiweid» überführt werden können. So lange Sie dies nicht thun, erklären wir Ihre Behauptung für eine niederträchtige Lüge und Berle»»d»»g. Wir wollen Ihnen schließlich noch in'» Sedächtuiß rufen, wa» der talmudkundige Profeffor Delitzsch am 28. Juni 1883 über Ihre obige Behauptung geschrieben hat: ,Rohling delirirt. Der FanaftSmu» macht chn blind. Einv Stell«, welch« das besagt, wa» er Anderen einredet, exifcirt 1» »er gesummte» jüdische» Litterut»r »icht. Sie ist eine plumpe Erdichtung verbündeter Unwissenheit und vüikwtlltgketr. Stein Eidschwur kann da» ändern." Sie; Herr Canonicu», glauben, weil Delitzsch nicht mehr am Leben ist, könnten Sie Ihre alte Lügenbehauptung jetzt unwidersprochen wiederholen. Run, Delitzsch'Gutachten lebt aber noch, auch das vom 14. Juli 1883, worin er sagt: ״Ich bezeuge auf dir Ehre meine» Namen» — und Delitzsch Herr Canonicu», hatte einen unbefleckten Ehrennar-ien — daß Alle» (von Rohling) hineingelogen ist. Die Wach macht Rohling irrsinnig. Er ist getftig und moralisch krank!" Ferner: ״E» ist Alle» freche Lüge. Gott aber bringet die Lügner um, der Herr hat Greuel au den Blutgierigen und Falschen." dienen. 11»d er schlieft: •׳!־•-־א ״ -Aber noch ftbt der So« der Wahr heit!— Me Ri liug« und dir Jistu», die ihm durch Lüge» zu v:“ meinen, werde» stecken an ihren Lügen." Nun, wie steht'!» Herr Rcchliog wollen Sie einen Soff»•• gang wagen, einer wissen schaftlick en Waffrngang auf de»׳ Boden eine» preußischen G<richte», nachdrm Ei« vor österreichischen einer dorror bekurdetea. Mr sind bereft zum Aampfe gegen die Lüge und ihren Verbreiter. Wem: Sie Ehre haben, so treten Sie doch für Ihre Behauptung׳^ ein, Beschwöre» Sie sie, und wir machen uns anbeischig, Sie, den Canoniu» vr. tdeol. ur d piüloe^ ordentl. öfter. Profeffor der hebr. Alterthümer a:1 der kaiserlich-königliche» Universität in Prag, de» scheußlich tea Meftteides, der je in der Welt geschworer! worden, öffer tlich zu überführen. Thuen Sie e» nicht, dann haftet Ihnen da» Delitzsch'e ,BI»Uäg»er" zeitlebens an biS.Angesickitde»Tode» und de» ewigen Richters." Magdeburg, Die Redaktion der .J»r. Wochenschrift" 20. Juli 1892. Rabbinei Dr. M. Rahmer. Berichte und Corrrspondenze». Dentfchlnnd. M 1gd«»«rg, 2>). Juli. Die Antisemtteu möchten den Xanten« Kaabenmord gnn zur nxhmaligea schwnrgerichtlichen Bnhandlung tniugeu. Ci-' glauben, daß darin, daßder Borrtzend« des Schwurgerichts Ine Frage de» Obmann» der Geschworenen, ob nicht die Unterftuge wegen Mitt härer, oder Mitwissenschaft Buschhof» gesttllt werden könne; verneint hat, eine wesentliche ssic«wA»orschrist (KA. 291 u. 296), verletzt und hierdurch du Richtigkeit de» ganzen Verfahrens bewirkt worden sei. Da die siebentägige Revision»- frist morzen (Donnerstag) abläuft, so müffen die Herren . Antffemiten sich fthr dwilen, den Beschwerdeweg zu beschreiten. Uns kann'» nur s ehr «wünscht sein, wenn die Angelegenheit nochmals zur Verhandlung kommt, da wird hoffentluh der muthmaßHche Mörder entlarvt werden. Wir würden nur noch bitten, den Eanoaiku» Prof. Rohl ng als Sachverständigen vorzuschlogen, damit derselbe endlich einmal dazu komm«, de« angebotenen Eid auch wirklich zu leisten. gfaK. Au» dem denkwürdige« Prozeß Buschhoff sei hi« noch die Schlußszene geschildert: Die Geschworenen hatten sich in ihr Berathuagsziom« zurückgezogen und Buschhoff wurde zum Saale hmausgeführt. E« braunen die aup^grndsten vftrstg Minute» der zchn Verhandln ngStage. Jcd« wußte, wi>! d« Wahrsvruch aus-.. fall«! mußte; aber Lieder sah doch mit fieberhaft« Span- ״־ nung nach d« Thürr, durch tue die!m» dem Volke erwähl- . ten Richter wird« eintreten mußten. In den Logen, im Zu-. schau«raum, in d« Mitte de» Saale- und im Zeugenzimmer,;־ sowie auf den Gängen ertöntt inzwischen da» Stimmvtgewirr einig« hundert Maischm, die alle nur da» eine Thema behandelten. Während d« ganzen Prozeßdau« ist die Uhr nicht so oft au» der Tasche gezogen worden, wie von 4 Uhr 50 Minuten an. Genau vierzig Minuten waren »«strichen, al» sich die . die Glocke de» ,Präsidenten machte dcvl letzte Müstrrn ver» stummen; d« Obmann. Graf von LoS, verta» «ft laut« Stimme: »Auf Ehre und Gewiffea bezeuge ich vor Gott und den Menschen: Der Wahrspruch d« Gffchworeuen lautet auf di« Frag«: Ist d« Angeklagte AdolfISufchhoff schuldig, am- 29. Juni 1891 den Knaben Johann Hegmaa» zu Santen' vorsätzlich grtödtet zu heben und zwar, indrm er die Tödtung mit Uederlegung ausführte: Nein." Diese Spannung war gelöst; en« andere trat ei». Die Augen waudten sick» zur U»gang>.thür,

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