Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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_ W Mta tan Iclkfaitlt litt . . Finsftnllß, di« Iln^wll über di« Rachsucht u»d Niedertracht d« Sieg duvochzmcag« —uud diese Freude theilea mit uu» alle guten, g!ü»lldet«. vorur- ׳ IheÜ-lose» aufgeklärt« Ehriste«. Daß e» em Jude ist. über desseu -längende Rehabllitftuug wir freudige Aenuatdumm empfinden, tfi nicht unsere Schuld soaderu da» Bersckmld« derer, »elche voller Gehässig. Seit da» Gericht auf die falsche Spur geleitet und die echte inzwischen verwischt haben — und dies thatea sie mit einer Naffunrtheit, daß selbst ein gewiegter Kriminalist bedauerlicher Weife auf den Lei« gina. Gewiß werden wir unS nicht beruhigen, bi» der wahre Thüter entdeckt ist*) — aber dafür interessirrn.wir un» nicht besonder» al« Religion«» genossenschaft, sondern wie bei allen ähnlichen Fällen kraft de» un» innewohnenden Gerechtigkeitsgefühl» und well die vecletzung de» sechsten — bei den Christen fünften — Berbote» eine Sühne erheischt. Run erübrigt un» di« Frage: Wird die» noch möglich sein? Wo liegen die Fäden, welche zu der richtiam Spur binleiten und welche Verhewmg und falsche Anschuldigung ]0 unheilvoll verwirrt haben? Hier kann »ieHeicht nur ein« Macht helfen, und -war — der Beichtstuhl. Ein tatholischer Kaplan war e». der nicht wenig zur Irreführung de» Gerichte» und der Gewissen beigetraaen har; bei der au»- schließlich katholischen Bevvlkerung Lauten«, unter welcher der vorsätzliche oder unabsichtliche Mörder sich verbirgt, ist vielleicht dem katholischen Priester VelegeillM geboten und j seine heiligste Pflicht, die segen-reiche Seite dieser religiösen Institution der Ohren beichte in rin glänzendes Licht zu setzen. Früher oder später wird dem Priester möglicherweise die Thal offenbart werden; an ibm ist e» dann, die Absolution so lauge zu verweigern, bi» der Schuldige der Gerechtigkeit seinen Tribut entrichtet hat. Und wird so dem Recht zu seinem — Recht verholfen, dann, ' ia dann nur werden dem Bolle die Augen geöffnet werden, ' der verderbliche Spuck wird zum Segen und Hell de» Vater- 'lande» wie der Menschheit zerfließen wie Gest-ensterfurcht vor den Sonnenstrahlen und der Gewinn wird gleich groß sein für da» Ehristenthum wie für da» Judenthum. Me Arieöe»»kga ««d die A«de». Die Antisemit« stehen «ft der Loall seft jeher aus s spamrtem Fuße; vom Satze de» Widerspruch» scheinen ^Herren vollend» Nicht» zu wisse«. Wie könnt« sie sonst in ,e«e» Lthem die sonderbarste» einander gewdezu eutg^eustehend« Behauptung« aufstellen? Da schilt mau uu» bald «me ,iusrriorr Rasse', v« im nächste» S»kLnblickr zu jam- «»ern, daß die Jude» auf allen Gebiete« za Hause sind uud »sich lenkt in ave Berhältuifse zu schicke» »otffen, da wird - über »user» krasse» Materialismus Zeter gesäsrieeu und gleichzeitig darüber gellagt, daß w» aa» z» den höheren Lehranstalten dränge» «ad fl« ,verjadra". Eüren-Drumonl bchoupteft m lieblicher Ueberemstimnmng »ft semea deutsch«» Gesdmuugögeuossen, lbeutschlaud und Frankreich könnten ia Friede» nab Frmutdsöpist leben, roenn nicht die böse» Jade» sie gegeneimmderhetzten, während die »Nowoja Wremja-, al» Drütr i« Bande, dn»Bespafft einer jüdisch-polnisch-balüschm Verschwörung an Ine Wand inalt«. So betehrte« null bi»her dir Lutisemftm, daß sich die arisch« Böller cigewtich vor Frftdenssehrisucht verzedrrn, daß st« einander in unverfälscht«Brnderlieb: zugethaa sefta und nnr dft schllu׳.»« Juden allenthalben de« Beunruhigung», bacillu» züchte» v 1d I« drückende» Laste» In» Mllftari»mu» auf dem Gewissen Haber, well sie unausgesetzt zum Kriege Hetzen. Jetzt »»erd«, plMich ändert WBeft «Wgogen. dl rum Kriege, nein zum Fried« <rl«u» tauaaei» «muüi) Hetzen die Jhche». ״um den Deutsche« den lebten Rest aer- «auifchea Heldrnthame». männlicher Tbatkrast z» rauben, unterstütz« sie tat »«bischen und weichlichen Bestrebten der Friedensliga.- Also daß sich tue Juden an einer, vom Geiste edelster Humanität diktirftn, Bewegung betheiligen, auch daivird ihnen zum Vorwürfe gemacht, auch da» wird zu giftig« Schmähungen, zu elend« Berftumvungen auSgeaützt von jener Sippe, dft eine« Ahlwardt Lorbeerkränze >»endet I.. . Und nicht einmal dem Mistbeete der .StaatSbüiger- Zeitungist dftse neueste antisemitische Blüthe entsprojseu. Diese» edle Blatt hat jetzt etwa» Wichtigere» zu thun, r» gilt dft Berichte de» Clever Prozesse» durch passende Rovificationra, zu deutsch Fälschungen, den biedern Gönnern man!»- gerecht zu machen und den — gewaltig erschütterten Glauben an den Ritualmord durch Lüge und Verleumdung der stichtgläubigen Menge zu erhalt«. Rein, eia Blatt, da» nur ab und zu in Antisemftiemu» macht, die ״Tägliche Rundschau*, de» «deln Badenstedt uageratkeae»Kind, hat diesmal den Vogel ataeschofs« mit der durch Nicht» bewftsenm Behauptung: »Der Geiser und Groll, der nenerding» gegen militärische Einrichtung« verspritzt wird, stammt von jener hämischen, fvech-svüttrlad« jüdischen Seift, die alleSHohe und Jlieaft, Kirchliche und Baftrländische in den Staub zieht." Daß nebmbei Bemerkung« über jüdische Feigheit und Scheu vor dem Krftg»dftnsft mit uaftrlaustn, kau« uwl bei der Tendenz de» ganzen Artikel» nicht Wunder nehme». Mag der ewige Frieden noch tn weiter, weiter?ferne stehen, wir find nicht der Ansicht Treitschke'», »dass dft Hoffnung, den Krieg au» der Welt zu schaff«, tief un sittlichist, wir werden trotz aller HLmischen Verdächtigungen, trotz aller perfid« Angriffe nach wft vor, der Misswa de» Jodenthume» getreu, alle Bestrebungen, dft auf Frfttan und Wohlfahrt de» Mmschengeschlechfts abziestn, nach Kräftm fördem und keinem Unternehmen, da» für Freiheft und wcchrrn Fortschritt wirkt, unsere Unterstützung versagen! _ Ednard'Müaz. Aer ״AüttkLgser" AoylUrg. Di« alft giftige Schlange, Rohling, der ,Blutlügurr- — wie ihn Professor Delitzsch nanaft — regt sich wieder. Wft die .Staaikdürgerzeftungv. IS. d. Mt», berichtet, hat Rohling folgende» Schreib« an da» .Kgl. Straßgrrichtzu Eleve gerichtet. Hoher ckierichtvhofl Der bekannt« Straßburg« Professor Vr. Nöld « ck « hat unter Gnbqiehnng «einer ßerfm vor Ihrem Forum et« chatachtei» übor dm« Rttnalmord »er Juden abgegeben. Gewissen und Lhrr nötigen mich, gegen diese» Gntach»» z» -rotestire«. Professor Nöldeck» nennt »» frivol, wen« immer und immer wiederholt wer de, di« Juden brauchten jn ritn•«*» Zwecke« Lsttstenblat Gr behanvtet .mit ziemlicher Sicherheit" (die Prozeß bericht! ge de« verschieden» AuHrscke) sagen z» könne«, daß im «ralmud ni!«k dafür «nihaiten sei; auch deutet nach seiner Mein»«- im 8»t«r kuUrnam (?) and im Zobü nicht, daranf hin. v «lttzsch soll »ach Herrn NI ld « ck « di, Slntbeschnidignng «ef da» bestimmt«»« w der legt uud «ein alter Freund Vick »ll sie für schwind«! «rklürt taten! Ich sind« «» eigeniümllch, daß profeßor Nöldeck,! Anderadcnkend« der Frivolität beschnwigt, wahrend er selbst nur «in« , ziemüche" Sicherheit für sich in Anspruch nimmt. Iva» Delitzsch angeht, so w«ta tt', wie Nöldeck« selbst, durch die i« zwei Anstagin b-i Fritsch in Teivzig erschienen« v t c t » r^h« Schrift über den Pi «zeß Rohling- Bloch widerlegt Q), ohne daß rinrRechtfertigung nten, der Seth«- IHM», erfolgt». Wae Orofeßoe V ickell beütfft, sc hat er bb> Ä«b> beschnldignng «i« für Schwindel erklärt, sondern axr «nig mit 1 daß dt« «eschichtr diese Anklage völlig begründe, »eil sie ja]|T Mord« bieser Art kerichtet. welch« crintinaMsch frstgi stellt l?> ,, Anch Lifenm« «a,er lebensall» von NS l»,!ck« cittrü 1 auf dies« Lhaff>ch* hin,o»»1«tchihmrabbiaisch».S»w»i«ttzz^ »de» kertbetveis« ««tgangen waren. Ueb« ct«>W׳ k-ert».' B«S»Il anderer Ansicht aftUß«» dieser Art war avch Prof. de« .«tzstRt» Jnseratenttzeil.