Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 30 (22.7.1892)
- Date
- 1892-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jedoch die »Antisemitische Korrripoaveuz', welche de» üipilog zu s-7 Verhandlung schrieb, de« wir hiermit sestnageln »olle«: .... .Daß i« kaksmd te Sitoataort «*p*•#!(* mtb«, iß niemol» (t) so« km aidtftittsa Mpapfct »atbtn, ich» dra»tzw (• «4 «ich« vtt«rl«gt zu sxrWn . . JDa» van tat Antisemit»» »er «sitzet wird, tt, daß es »in«-«heim«, n»r unter weittp As-MtzSet- -en ein«, Stamme«, wahrscheinlich de» Stamme» Ssoi, weder verdreileie Lraditien ist, daß Ltzrisienblmt fiir den Ritu, -eliraucht werde» fall«, wenn man seiner tzadtzsft werden ktssa. Und Bufchhvff gehdrl zu« Stamm« kevil — wen» also arch im Talmud von einem Ritualmord« nicht» sieht, so isi doch die Mdglichkeit ritueller Blstabzapfsng nicht au»-«schl»ss«nl" Lkrstncht gescheit und henlich dumm! Wir, wen» jetzt die anstelligen Chinesen diese Logik adoptiren und zu den verfolgten Ehrsten — welche nach unserer Ansicht jetzt genau so wie in den ersten zwei christlichen Jahrhunderten da» Recht habe!, zn verlangen, daß man chnen die gegen sie erhobearn Anschuldigungen beweise — sagen würden: ״Ja, wir wollen — trotz vieler unvorsichtiger Lehrbücher — nicht behaupten, daß Cmre Religion den rituellen Gebrauch de» Blu tesi nnd der geschlitzten Auqe»t von Chinesenkindern vorschreibt, aber — also gehl doch wohl die logische Schlußfolgerung der Erzteutschea — wir vermuthen, daß zn den Mysterien, an denen Enr: Religion reich ist und welche in Händen Eurer Priest er sind, auch tneser Ritns gehört und nun be» weiset uns daü Gegentheill — Punktum!' Würde nicht da die gnze christliche Welt vor Entrüstung die Hände über den pf zusammenschlagen — doch nein, der an tragi-komischeu Momenten so reiche Buschhosf-Prozeß bewies, daß auch diese Bewegungselbs!: bei Zahnschmerzen verdächtig ist — man würde vielmehr mit Ikanonen den Gegenbeweis liefern. Doch ohne Furcht! Die Chinesen philosophiren nicht und sind auch kerne Sophisten, sondern ״Männer der Thal'׳ und weit davon entfernt, bei den Deutsche« in die Schule gehen zu wollen. Und die Deutschen vom Schlag« Stöcker» Fritsch u. Kons, kümmern sich den Henker um ihre verfolgten armen Glaubensbrüder in China; in ihrem Herzen ist nur Raum für Haß und Verleumdung, nickt aber für Liebe und Erbarmen, darum möchten sie am liebstea den Chinesen, welche jetzt dir Rolle der geschichtlichen Nemesis spiele», ihre ftnnftfcrtigkü ablauscheu und diese nach Deutschland verpflanzen. Ob die Funken, mit denen sie um sich werfen, dem ganzen Hause unberechenbare» Schaden;«fügen könnten — woS liegt ihnen daran, da diese Flammen sie wärmen und nähren, da der Brand, den sie anfache», die Augen blenden und für ihr trauriges Treiben unempfindlich machen? — Wenden wir uns ab von dieser widerlichen Hexenküche und trösten wir uo» in dem Gedanken, daß wir von dieser Seite nichts Besseres erwartet haben — auf einem verkümmerten Baume gedeihen keine edlen!Früchte. Wohlthuender tönen die Stimmen, die wir in der auständigen Preise, selbst .Nordd. Allg. Ztg.' und ״Post', denen man wahrlich nicht vorwerfen kann, daß sie an Judenfreundlichkeit tarnten, vernehmen. Sie führen eine würdige Svrache gegen de« Fanatismus und den Aberwitz, welche Eintracht und Friedeu störe«, Ruhe und Ordnung im Laude untergraben und hoffen, daß diese — antisemitische — Bewegunh welche unter der falschen Flagge deS Deutschthums und ChristenthumS segelt und Exaffe vollführt, sich nunmeA verblutet. Wir theiien diese Öffnung nicht, und die Symptoue, welche wir zu beobachten Gelegenheit hatten, bestärken uns in unserer pessimistischen Anschauung und lasten uns» als treue Söhne unsere» Vaterlandcs, mit schmerzlicher Bitterkit den Unterschied empfinden Mischen dem deutschen und französischen BolkSchccrakter. Rehmen wir an, ein solcher Prozeß wäre in Frankreich vorgekommen — »aS kaum möglich ist, denn ein Jahr lang und oarüber ouS Gehässigkeit einem Phantom aaHujagea, desirn ist der Franzose nicht fähig — doch die Thatsäche vorauSgÄW; was luürbe «escheHchl «denn solch,, ManneS so souuerSar bMksen wäre, Busüchoff? Man vürde de« Mo« i« Triumph ne« Hause bringe«, ihn ia seine rlten und in neue Ehre» eiuseye«. Unsea niede rrsLinisch-d mische Bevölkerung jedoch behairt in ihrem Haff« und in ihw« falschen Glaube« a« die l Schuld Buschhoff'«, trotzdem ein« Jury an» ihrer Mitte das ,unschuldig' anSgesprochen Hot. Mau sieht, die Hart» näckij^eit, welche N rseS eiust den Jtraei'ten vorgewoese« hat, war durchaus nicht auSschließliöfeS National-Eigenchum derfllben. - Wenden wir o«S zu der Prffse, von welcher wir «iemal» mit Bestimmtheit angeben können, wie wir morgen zu ihr stehen werde« — zu der ultromontane«, so müffea wir ter Wahrheit die Ehre gebe« und eS dankbar auerkuue». daß nur ein kleiner Thell derselbe, der ״Germania" Heeresfolge leiuete, welche sofort, als dnc Prozeß vulchhoff eine güasbge — ia ihrem Sinne unglmsttge— Wendung «ahm, die Krallen enthüllte, welche sie e«f!euS zu diesem Zwecke zu- W heuchlerischen Kaplan au» dem Netze zu ziehen, ia da» er sich verschlungen hatte und ia welhem nun di^er sonderbare ״Judcukaplau' ergötzlich herumzapnelte. Der größere Theil der ultramontanen Preffe hat den journalistischeu Anstand gewahrt und eine durchaus unpart feilsche Haltung während des Prozesses eingenommen. «So beispielsweise die ,Lobten zer BolkSzeitung', welche wohl der verführerischen Schlange Rohlings welche auch iur Lause dieses Prozestechren giftige» Schleim verspritzte, ihre Spalten öffnet«; aber — inzwischen eines Besseren belehrt — gleichsam zur Sühne in einem Leitartikel vom 16. Juli die Beschuldigung Rohling» widerlegt«; indem sie die Bulle« der Päpste Jnnocrnz UL und IV., Gregor IX. und Clemens XIV. ansührte, welche die Blutbeschnldigung gegen Juden, unter welcher die erste» Christen so viele Serfotzungen uud Drang sale zr! erdulden hatte«, in» Bereich »er Lügenmärchen v ürine gleiche Stellung nimmt 1-uch di« .Kölnische zeitung" ein» vou welcher die .?jör. Wochenschrift' früher manche Angriff« au! da» Judenchu« — cf. die 7 These» -- energr'ch zurückzmveise» hatte. Wie müssen aber entschiede» daaegeu Verwahrung ׳.inlegen, daß diese Zeitung u»S nach diesem Prozeffe wie ReconvaleScerkn behandelt, uaS Diät vorschreibt und weiseRachschlig« erthellt, z. B. daß wir unS bis «r eigentlich« Mörder entdeck: ist, nicht allzu großem Jubel hingebeu sollen u. s. «. Soll diese Jastnuatroa der Aufang eine» neuen, oder richtiger gesagt, der Wiederbeginn d«S alten Turse« sr«? Wir glaube«, daß der jetzige Moment hierzu » schlecht gewählt und für me ehrlich ultramoutane besser geeignet war. in sich zu ach«, alt sich dieFuchShaät überzuweM« und durch mft schm»er List Andere« ertheilt^ Lehre« die Aufmelksamknt von ihr» eigenen Krankhett zulenk>!n. E» war mindesten» kindisch, sich vor de« Arzte zu verkriechen, weil die Sonde wch tyuu könnte. 93it wiffen, daß unS ei» ruhig», würdevolle» Verhalten oblcegi, und schon bevor die ,Köln. VolkSztg.' die«» Stein der «eisheft gefunden zu habe« glaubte, war in diese« Blatte au leiteuder Stelle gesagt: . . . .au uu» aber ist e», dieser für ua» gegenstandslosen Beweisführung keine »allzugrofeu Werth taznlegen. Bei vorurthellsfreiea Menschen bedürfen wir'keine» Beweise» für die Vcrwerfllchkeit dieser' teude^iäsen Anschuldigung .... «ud bei berufsmäßig«« Schreiern uud Hetzern hilft uu» uicht» . . .' — 98c* Anderes liegt in diesen Worten vusgedrückt, al» daß wir diese« kblglcche» AnSgang der Bluckchchuldigung al» selbstverstüudlich hmnehmea, ucfere Freude darüber alsoüberflüssig ist? W>:nn wir trotzdem unwillkürlich pinek!M^^ ge» F»cke «n» hkgeben, ist «S »Wtschlii" " ---- safer■ A*pzttM HI i