Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 29 (15.7.1892)
- Date
- 1892-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959802--1174-5375099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Heute begab stch rat gaaze Schwurgericht »ach Laote» an Besichtigung bcfl Thawrte«, tna zu ermrr», ob et» Lieremziepe« de« kleiner׳ Heg»«»« durch da« Bufchhofffsthe Fenster müglich war. Me augestellt« Experimente ergab«! die Möglichkeit. (,Siehe unter Eleve.-) Magfießurg. 12. Juli. Die deutig« .Magd.-Zeir.- bringt an ihrer Spitze «inen Leitartikel: ,Aberglaube und GerrchtSzengltiß-, dem wir Folge»de« entnehmen: Eine interessante Erscheinung in dem Buschhosssche» Proteste ist Äie Thatsache, daß Zeugen im besten Glauben Sachen und Dinge behaupten, die sie nicht gesehen haben, well da« nach natürlichen Gesehen einfach unmöglich ist. Wir machen er« solche Erfahrung in diesem Proceß nicht zu» erste» Mal«.' dem Eriminalisten sind diese Eiubildunaen bei Zeugen wohl bekannt. Worauf sie zurückzuführen stad, kan» nicht poeifelhast sein. Wenn Tag für Tag der dümmste Aberglaube gelehrt wird, wenn di« verwerflichste Agitation jahrau«, jahrein an die wüstesten Leidenschaften appellirt und unbewiesene Brhaupiungen al« über allen Zweifel «rhabriie Thatsache» hinftellt, so muß e« schließlich dahi» komme«, daß der eine und der andere Zeugs fest davon iwerzeugt ist, ein« Wahrnehmung gewacht zu haben, die er gar nicht gemacht haben kann. Di« geistige Insertion der Masten erzeugt eben Hallucmatiorr» und Mt Eriminalisten, welche btt Proceßarten studirt haben, wisse» hierfür ein reüäaltige« Beltg׳ material beizubringeu. Selbstverständlich wird durch diese Erscheinung die Aufaabe der Justiz recht schwer: e« bedarf da« Aufgebot aller Aräft« und psychologische» Scharfblicke«, um ftstzustellen, in wie weit der Zeuge die von chm behaustetrn Wahrnehmungen wirklich gemacht hat und in wie west er unter dem Banne einer Hillucination steht. Der vevstorbe« Prvseffor v. Holtzendorst hat schon zu Beginn der antisemitische» Agitation auf di« Gefahr aufmerksam gemacht, welche der Ermittelung der Wahrheit au« ihr erwachsen könnte und Befürchtungen geäußert, die sich al« vollständig begründet erwiesen gaben.- Wenn man die viele» Meineide erwägt, die unstreitig in diesem Prozeß der vorau-stchllich deshalb noch ei« Rack), spiel haben wird, geschworen wurde», so muß man dem Gesagten wohl zustirrme,- in ähnlichem Sin« bat ja auch der erst« Untersuchungsrichter, Herr Landgerichtsrath B r ixi» «, al« Zeuge sich «äußert: »Ich ttmmn Mt Ueberzeuauug. daß viel» Zeuge» bei jeder Der» «huü», «ehr mußten. See habe» sich «tu VUS v»u zu« The-l Kr» lebte«, zu« XM1 Gehört«» gemacht mW sich s» ck» Lhaurastegebtlbe geschafft», da« «U!»der vernehmuug itzae» immer klarer bar« «laste trat. Die Laue hätte» ebe» va» voraherei, die lleter- Dng, daß vnschhaff der Lhtter sei» müsse, eine» a» der«» Gr. e» konnte» sie gar »ich« «ehr fasse», uud »auach hadea fi« sich »e« zurrchtgelegt, «ie e« ihue, paßte-- Werk». Die ,Srenzzeitungbringt ein« Au«, laflung über den Prozeß Buschhsff, die deutlich beweist, daß sie sich diese« skandalöft AaitationsobM um keine» Preis will entzieh« lasten und auf di« Hülfe der Klerikalen zählt. Sie schreibt nämlich: »Fall« der Angeklagte verurlheilt werden sollte, würde er der öffentlichen Meinung, aller GutoHe« ungeachtet, nicht nur al« gewöhnlicher Mörder gelte«. Wie sich die Dinge im entgegengesetzten Falle, der nach biöbengen Verlauf der »Verhandlungen wahrscheinlicher fei« mag, gestalte« werde», darüber wollen w r un« eingehender Aeußernng« enthalten. Nur so viel bemerke» wir schon jetzt, daß da« olle Wort Talleyrand«:. ״Murtont psa trop d• sich auch bei diesem Anlasse bewähren dürste. 2>a« formale Moment der Freisprechung ist nicht so bedeutsam, al«die Judeupresie meint. Ans di« begleitende» Umstände komm: dabei ימו; an. Diev Umstände können derart sein, daß sie der Tiotrix oeas* uehr Schade» al« Nutzen bringen. Wir bemerken da«, weil rä auch sihon jetzt keiue» Zweistl uuterliegt, daß diese begleitenden Umstlsiwe iu dem vorlitgmd«! rfaJk zu fen schärff e» toüttad Grörl ntunge», ban m wmhml ich ßtztz weite blbmmefle« sei« »«ächte, well dt«' kath»lisa»ewr« wie au«Aud«ituwge»!«»Germania - erhellhWier «al lebhafter «ngreistn ut wollen scheinh al« fie es diesem Gebiet bi« jcht im Allgemeine» that.- Rech dies« fast nfc eme Drvhtng gegen de» sprach klingende» Ankündigung hätten w!r ja »och sthr Din« zu erwarten. E« ist gut, das, mau die« vom»« Sa EinschüHernnge» fehlte e« ja ohrchin nicht. So f, die ,Neu« Bonn« Zeitung-: A .,Wie sehr dies« Prozeß als Parieifache betraHet wirstdürft« am beste» darau» zu ersehen sein, daß dem Prostssor Säst« in Folge seine« Gutachten« in de» gedachte» eine Reihe von Schmäh briefen — sogar au« Berlin — ik*^ gegan,;« ist, in denen mtter anderen b<leidigend« AwsdrümM an. der Zurrchnung»fähi1;test de« Herru Gutachter« gezweiftlt, oder er stlbst als Mörder angesehen u«rd.- Wie die ,Köln. Ztg.- erfährt, hat Prerstor Nöldeü!e in Straßburg eine Anzahl ähnlicher Brust empfang«. Die ultmmo»ta»e ,Germaniastellt sogar an ihn bte sfrage, wieviel ihm Gutachten in diese« Prozeß einbruysi, uud wer eä da Buschhoff doch arm sei. Diest Herr« Hab« ch« Begriff von der «bestochenen Wahrheitsliebe eines^ Manne« der Wiffenschat. Berit«, 12. Juli. Die Halt»^, welche die Autife» mit« de« Prozeß Busckchoff gegenüber eiuuehm«, zeigt dieselb« fast ans einer noch krstrr» Stufe moralstcher Bqriffg-- verwllderuug, als ihr Ge>!ahr« geamüler de« ,Judeufidtte Skandal, so daß stlbst die »Post-, Hst saust ihr« Spa! für jede Lüg«, jede» Mödstin, jttw Niederträchtigkeit des Antistmitismu« off« hielt, chee waiwmbe Stimme erheb« und "zur Abwickeluig mahnt. Dieseehemalige Protektori» der Antisemiten schreibt in ihrer -estrgm Nu»»ter: .G» tß zuuüchfi u»z»ckfelhasi frstDfielli, b«ß »t» t» «Le» übet» ae» gfile», i» »elche» i, tttntt gut «i» jübifcher Xitaalam« b»»P»t •orte«, »»ch t* kta!•atmt Urft, km« »Ich, Ms lfi All» t» bteser Htufiön »usmftelw» idißeuptulkpm Hub» mte bejtt»»N fi« tmmer «utt»M», ul» Mi, thMtztchnchm Uutb «utbebeeuk «noleft». G«tU» Wohl «fi nmt (• schime BchchMM fo letchtsertl» aak erhob»» «01 k»». »»«fichlt ker suche, »u» «tlrch» jüdische: «Ntuolmork» itteb« ,^»»tem» k»rä»» ke« niift»w«M ti»rh«»«»^b»firrr»fi» mm* «dm»» zusühr«», lfi kt»• Grmulb bt* Hrozeßet •» M»•***•* tittm■ JÜke» t» zeigt, mit Welche» SMtMiMt spplssfih «NlsemMsch» üßlt- «mlo» tau» es atch: »»hl», klöreul׳ z» Wirte» u»k ke» dieser Gei»-, betrieb«»«» verhitzu^befirebuugi» ve» (Mm ■bz»zk»b«e Dst zum Himmel sliakeud« Lüge va« dem sogemutckt« Mt»ol- oder Buttmorde scheint auf die bornirtest« Anhänger de« Stöcker «. de« Aljlwardt ihre Wirkmm vorläufig noch zu verfehlen. So hat die klerika^aatiseulitifche,Germaui»-^^ einen neuen uud zugleick» eraötzlichen Litützpuukt für die fi^«' Nee «uäfisdig gemacht, daß e« sich ri dem La,teuer Fa« doch um ein« Ritual- »der Blutmort handle. Sie schreibt uämlich: .Aufaefallm r'i uni dabei, »aß bk Loppellmmtze am Liuu und da«« die große tvdllich« am Halst desSnad« nur eine Erklärung, dir Thüter habe zuerst falsch anaesttzt, l> fuuden hat. Raun die erst««, klein«re nicht auch «st Ad»^ t, zur Blutmtzirhung gemacht und da«» erst der lvdtliche׳- «ist erfolgt sein-- Man muß schon sehr in Berlegenhetk ׳ »ach Gcheingründeo sei«, um auf de« lächerlich« Gedauk« zu versau«, daß die kleiaere Wunde an Ai«» zu« Zwecke >־ der Bluwntzielwng gemuht ward« ei. Uud solcheä «n» simng, Geschwätz behandckt die,Kreuz-Zeitungal« »Akt«- stücke-, der« Wichsigkeil für spätere Erörterung« auf der Hand liegt.- Di« B«rl,geuheit (resp. Igerstlgtnhnt) iw anti«^ stmstische u Lager muß kho» sthr groß sei«, wenn man ftch-'׳ au ein« solche» Strohhalm aoklamwert. Lterkiu. Die fromm« avtistmstische ,Lrr!Weitungftachell di« Empfindung!« der Aach« bei d« Z«tr«»Ao katholistn dadurch auf,!«aß sie ihn«!rorrcheh.wähvach drA Kulturkämpfe» «ä»A^sl hasptfächlstf ^׳ - V.- . .-m. ־Mr&£kibtc