Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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all brr «efellschaft die «uDthnmi«, eines Gesiammg«- rssen (Tt. ©TO*on1t) über bie Jude »fing« z« öd« mu und bet Redner durch Echlußruft zur Ruh« geirocht wurde, der andere .Höhepunkt" fiel mH dem Eingaug eine- BegrüßuagS-Telegra mm« von dem ,Nettot in Moabit׳ zusammen Zum Dank für diese« Begrüßungö-Telegramni bei Ahlwardt .protestirte" der Antiseaiitentag gegen die Verhaftung de« .Judenflmten"-Erfinderk. pnfli, 26. Juni. Di« ministerielle,Nordd. Allg. Zeit." riökirt, von den Antistmiten zu den iog. ,Judenblechten" geworfen zu werden, weil sie den Dr. Böck:l in -einem Leitartikel verarbeitet, besten Pointe die ist, das; der Bückel'fchk Antisemitismus der ,Sozialismus der dummen Lerlr' ist. Böckrl hatte in Dresden den Bedanken ausgesprochen, daß der Antisemitismus mit dem »Liberalismus״ vrechen möge. Darauf die ,Norddeutsche": ״Den Gap, döh an dt« Stell« der w rthschastlichrn Jreiheit eine «tnhtchastltche Ordnung zu trete» Hab«, ha» dl« Böckel'sch« Agilatt« mit der Sozialoe«»trati« gemet». Aus di« Fr««: w«lche denn? bleiben beide die Antwort schuldig In der frloolen Anklage aus ttorruption gegen Staatdregierung und Siaatsbeaml« kann die Sozialtemokratie auch kau« weiter gehen, als BIcket. Was bleibt als» sür «in Unterschied Mischen der bioherip» ,^»ksemirIschen vol»Partei" nnd der Sozialtemokratt«? Rur der ein«, daß Biickel dir sozialistisch« Sen «inng ,Kapitalismus" in ,^ttteralismas" umtaust." Wir haben'! immer gesagt, daß der Antisemitismus zum Sozialismus und zur Anarchie führt. Jkifa, 27. Jum Die ,Köln. BolkS-Zeitung', das Hauptvrgon der Ultramontanen am Rhein, das früher antisemitische Neigungen hatte, bringt heule einen sehr bemutenS׳ werthen Artikel ,Zentrumsparte, und Judeufrage", in welchem den antisrmitischen Bestrebungen mit folgenden Ausführungen entschieden rvtgegengetrrten wird: ^ktme es zum Ausschluß der Jade» aus den behördliche» Kreise», s» «oürde »ach 94 Stunde« der ,Evangelische Bund" dieselbe Ausnahme- »ahregel zogen dieAathollte» verlangen Wie sttheit wir denn jetzt? Zur Zeit haben «vir »och immer keine katholischen Maiftrr, Staat«- Sekretäre, Unterpaats-Sekrelörr, Mintsterial-Direktoren, Ober-PrSsidentr», Ober-Lantesgerichts^HrLfidenr« x. ,O» v'ori qo« 1« prmpior paa, gui oonto," sagt eia franzöfische« Eprüchtvo-t, — hlltte man erst di« Juden in dir Staatsacht erklilrt, s» könnte e« garntcht so schwierig - sei», da» gleiche Experiment «I» den KrthalUcn zu machen. Sage man »ich», dazu werde t» nicht kommen. El ist in Preußen schon zu ,vielen Dingen gekommen, die srliher nicht für mdzltch erachtet wurden.!"Wer hätte nach der Schlacht von Seda» an die Möglichkeit eine« ^kultnikampse»» gegen dt« ratholische Kirche i» Prenhea gedacht? Ser bürgt nn» dafiir, bah solche Zeiten nicht noch Wiederkehr«-,? Unangenehm iiberrascht kann pur der «:rden, welcher ganz nnd gar zu ver- . trauenssrlig ist. '>'־■ Unser oatettan oanaeo ist, daß die barprltrhe Slrichberechligung t der Inden im gemeinsamen Jniereff« nnd im btamra der Freiheit «ad -/ de« Recht» nicht -angetastet werde» bars. Rur bet» Ausnahmegesetz i und keine Ansnahmemahregela l Sonst find >»ir nicht der Meinung, bah bi« 49 Millionen Deutschen sich von de,- einen Million Inden - nie« grsalle» zu lagen brauche». Wo jüdische Leute da» «0U br. wuchern, da Mir« man da» Volk ans und warn« vor de» Blutsaugern, aber in gauz gletchrr Weis« geh« man gegen «ncherischr Christen vor. Wen» jüdisch« l^urnalift«, in unanstllndlger «eist di« Heiligthümer der Ehrtftenhett bespötteln, so läge man es an «er» Bich« Abwehr nicht fehl«, allein bei ähnliche» »ebahrrn entarteter «hriste» thu« «an dasselbe, «etier miss« wir - «ei» , Maßregeln gegen da» Jntenthum-, und senst wollen w!r auch keine. De» ehrlich«, »nstSvdtg« Jud« soll!ei» Haar gekrümmt »erd«; aber Mahnahm« gegen da» Judmthm» überhaupt isürtKn diese guren Elemeote auch treff«. Köun« bi« 4» Million« Deutsch« - stch aus diese Weis« »ich« der '/^ der Bevölkrrung ausmacheuden Juden «rvehreu, bann sin» sie nicht mehr werth, z, extftir«,. Der Antisemit,»«»-» bekämpft von jdeii vielen Schlbe» ln unserem ftao,- :7 licheo und sozial« Leb« nur einen einzig«. «» heißt wirtlich, den 7 Jud« z« viel Bedeutung heilege», ihretwegb» ei» e eigen «; Hortet zu gründe». Dali Ende vom Lieb: Wtzre, daß '.a Deutsch. kand «hin groß» aAtis«»kMche Hart,» von «» Milli»»»» Christ«» zur .Abwehr' pp» di» Wri HmpM Inden' extftir«: etn s-lchisa-ttitemitische« «uh ,«ra»«»« heiter stimmen. Uns»» Darleg«», wtrd »veder d« «nttsemittn pjall«. noch «auch« da» Ehristrnthn« fanatisch beAlmpftuten .liberal«' Jud« «ergnüg.-» »ach«, aber fl« wird Briten g«»tr»»«»ilhler» velsoll find«», nnd daraus «Lei» komm» cs uns an Dl« g««««»- »Ldler looll« weder klutnahmemaahregelu gegen di« Juten, »ach haben fl« dl« Absicht, sich von Jhu« «Le» gesallen z» lag«. Sk werden nach beiden Richtnnp» hin ihre» Surnchnnkt mit Entschied«- heil wahn», darauf können sich sowohl die Jnxn al« die Sustsemlt« »erlass««." AuS N«be», 28. Jom (Or-Torr.) I» einer der letztrn Nummern de« orthodoxen Mainzer ״Israelit" verkündet eine salbungsvolle, fettgedruckte Aorrrsponaenz mit Entrüstung in Baden tjatx eia Rabbiner in mehreren Gemeinden gegen da- Tefillinlegea auf Reisen gepredigt Man könnte diese Entrüstung achten, mindesten« verstehen, wenn nicht der 0«•־ richterltattrr die Wahrheit in grober Weise entstellte. Auf Anregung dc» Großh. Oberrats wurde in einigen Lande«, teilen gepredigt gegen da« Tefillinlegen in WartefSlr«, ReisecoupöS, und ähnl. öffentlichen Plätzen. Da« heißt im ,JSr." ״Tefillinlegen ans ReisenU" — LS bleibt selbstverständlich jedem unbenommen, im Gasthof diese rrligiöfe Pflicht zu erfüllen. Doch wer jemals aus unfern größte:» Bahnhöfen sah, wie manche HandelSjndm in jeden Anstand verletzender Weise ihre oft schmutzigen Banmwollhemdea zurückstreifea, um die Teffilin umzolegen, wer die Witzetrieu der anwesenden Christen über da« ״Riemenleder" (Schnurgeringe!) mit anhvre« mußte, wird der Berfügung de» Oberrate« ftine Anerkennung nicht veiHagen können. Der Artikel« schreib«, sagt an einst Stelle, die grüßten Antisemiten sere» unter ben Juden selbst zu finden. Nachdem ich sein Srriptmn zu Ende gelesen, muß ich ihm beistimmen. L. Ist. Aitrth (Bayern). Der Bamberger Erzbischof Herr Dr. v. Schork, welcher schon bei seinem Amtsantritte sich euer Deputation der Bamdepgrr israelit. SultuSgemcinde gegenüber in mißbilligender Weise ükr-r den Antisemitismus ausgesprochen hat, hat gelegentlich I>er Vornahme der Firmung Hierselbst in riaer Ansprache d e Mahnung ausgesprochen, sich nicht bei dem Hasse und der Hetze gegen Ander!- E" '־־־■׳־ ־"' י" 'י ׳ ־'־ . es gehe nicht an, die Angehörigen eines anderen Glaubewö zu hassen, da Christu« mit den Worte«: »Liebe Deine» Nächsten wie Dich selbst" alle Meuschen ohne Ausnahme mitinbegrifien habe. (Dieser Ausspruch de« alten T. ist auch so« den Juden nie anders verstanden worden. Rtt>.) Ararrkrelch HstnrtI, 27. Juni. Da« Leichenbegäogniß des im Zweikämpfe mit Marquis MoröS gefallenen Hauptmaaa Mayer gestultete sich zu einer bedeutsamen Bolköundgebuug, an der reichlich 000 Personen, darunter gegen tausend Oftl« ziere, cheilnahmen. Alle Blätter widmen heute »em Begräbnih Leitartikel. Da« ״XIX. Viöcle" sagt: ^Venn die Herren Antisemiten da« Gefühl kennen wollten, daihr Dreibim dem große« Publikum »inflüßt, so können sie jetzt zufrieden finrt, man hat ihrem Opfer ein so glänzende« Leuchen--, begäagnt » veranstalret, weil man tiefen Abscheu vor ihnen empfindet. Die Lntisemitrn wird dawohl kaum besser», aber wir sind wenigstens über die Wirkung ihrer schändlichen '! Hetze beruhigt, wir haben i.tzt die unbedingte Gewißheit, dich! die austLadioen Bürger nrcht mit choen sind." Aehulit^ äußern sich die Übrigen Zeitungen, die außerdem dem < Rabbiner Zrook Kahn danken, daß er nicht Worte deS^f ne» und Hasse-, sondern der Berzeihuug, Versühnung' Liebe gesprochen hat. Ein Antisemit, der vor dem- Royal beim Borübcrziehen des LcichenwageuS auSBesi^ ist.brutsche Waarel״ (Vk