Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959800--1154-5375081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
werth tu uudfta uub bitVefammt^cit 1 ff״ ״. 3. Der RetigionSlehrer auf bet Lanzel wählt bei» Gegenftaab seiner Predigten überwiegend au» der Beobachtung und sucht an der Hand solcher Au»wüchs«, wie dieselbe» in bi« HanbelSsprache, in der GeschastSführung, in ber Aeuherung feiner Leidenschaften au die ober» stäche treten, i» erlanblicher uub schonender Weise zu heile». An den warmen und schwungvollen Bortrag schloß sich eine lebhafte Debatte, welche insbesondere sich gegen die erste These wendete. Die Versammlung nahm folgende Sätze an: Es ist die Aufgabe des jüdischen RrligionSlehrers 1. im gesellschaftlichen und öffentlichen Leben überall, wo eine sachgemäße Erörterung angebracht erscheint, für die angegriffene Ebrr des Judenthums und seiner Bekenner , einzutret cn. 2. aber auch in der Schule und auf der Kanzel alle Auswüchse im gesellschaftlichen und geschäftlichen Gebühren Glaubensgenossen zu bekämpfen, um auch hier dem seiner Antisemitismus jeden Borwand zu nehmen. Nachdem ein Zusatz zu den Statuten Annahme gefunden, wonach der Vorstand verpflichtet sei» soll, mlls ihm da» Hinscheiden eines Bereinsgenoflen bekannt wird, die Mitglieder biervon. sowie von dem Beerdigungstermin, in Keantmß zr setzen, — wurden in den folgenden .freien Besprechungen* Belehrungen und Anregungen über Schul- und ttzemeiud«- ^eden gegenseitig ausgetauscht. Besonder» hervorzuheben sind folgende Anträge des 2. Vorsitzenden, Toll. Nußbaum-Trier: Gründung von Litteraturvereinen zur Pflege der jüd. Litteratur und «Seschichtr, event. könnten die Thearoch nach dieser Seite hin erweiter: - * Epen nachgewiesen. , Zum Schluß wird den Lchrern an'» gelegt, nicht jede vielleicht unverständlich gewordene monie einfach beiseite zu werfe», sondern erst «»mal zu versuchen, ob sie nicht durch die geistige BerinuerlüiMng dieser äußerlichen Handlung irgend einen sittlichen Gedanke« im Kindesherzen fördern und festigen könne. 'Die sittliche Lebensführung sei heutzutage nicht so leicht, daß mau auch nur den geringsten sittlichen f?alt oder Stützpunkt, wo er sich einem böte, zurückweisen dürfe. Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine trefflichen Ausführungen Die Anwesenden betheiligten sich lebhaft an der Debatte u»d zum Schluffe fanden folgend« Thesen Annahme: 1. 9a»Sm1nefttaU ist bazn geeignet, baß sittliche Empfinden de» j Linde» wie auch de» Erwachsenen zu fördern und zu kräjtige»: 9. Diese» Ziel wird erreicht durch Berinnerlichung und geistige Durchdringung ber Leremouiea. Am Schluffe de« ersten Konserrnztagrs ward noch bestimmt, daß die nächstjährige Versammlung am 23. u. 14. Mai in Toblenz stattfindetjund haben Vorträge übernommen: Liebstädter-HoppenstädtrnundBachenheimer-Zweibrücken über Einrichtung von Schul- resp. Gemeindebibliotheken' und Seelig-Merzig und Scheuer-Trier über ,Chewra- Vorträge." In der Frühe des zwriten Taz׳.s besichtigten viele Konserrnztesucher da« nahe bei Saarbrücken gelegene ,Ehirn« thal' und die Spicherer Höhen mit den Lchlachtent-enkmälrrn. Gegen 8'/, Uhr wurden die Berathungen fortgesetzt und und College Salomon-Trier sprach über Punkt 4 der Tagesordnuug: .Wie kann sich der jüd. Religionslehrer in und außer der Schule an der Bekämpfung des Antisemirismus betheiligrn?' Indem Borttagender den Satz aufftellt, daß «in vffentliches Auftreten gegen die Apostel des Antisemitismus für den Religionrlehrer sich nicht empfehle, kömmt er zur Forderuug: l. .Daß sich im Allgemeine» die Stellungnahme de» jüd. Relie »»lehret» zum Antisemitismus nur auf Schule and Lanzel ieänken solle. st. Der Religionslehrer unterwirft de» Seift de» Schüler» einer strenge» Zucht, damit eine fthlerhaste Ausgeburt de» lebhafte« Demperament» durch Beherrschung aller Triebe im Leim« erstickt wird. Er!»acht ihm vermöge seiner Erfahrung die Erkeuntuiß zu eigen, daß und Reid die Fehler Einzelner generalifirt und führt ihm andererskil» vor kein Seelenauge di« Helden unserer geschichtlichen Vergangenheit, um dadurch de» Einzelnen bie jüdische Glaubensgemeinschaft lieb«»»- ^ammtheit »or Demoraltfiruag zu bewahren. und die TIsewwrh-Borttäge such aus jüd. Geschichte «. a«S» gedehnt »»den. 2 VuSmbeitttng der M. Geschichte ftt volksthüml chen Geschichtsbilder» zur Bereicherung der »ach dieser Seite hin noch sehr Mangelkasten billig» Jugend- und Bolkslfttenitur. — Gegen 12 Uhr schloß der Borsitzende unter üblichen Txhlußworten di« Verhandlungen, nachdem ihm Toll. Leeser-Merzweiler für die geschickte Leitung der ttm• ferrnz den Dank der Theiluehmer ausaespnxhen. Man ttenntt sich mit dem Herze» »wünsche, daß die edlen Keim«, die durch kiese Konferenzen in die Lehrerwelt gelegt werde«, aufgehen und reiche fleucht bringen, daß alle die herrlich« Anregung«, welche tneselben Hervorrufen, sich sorteatwickeln, nnd, daß t>er Geist der erneuenden Frisch« und des freudigen Berufslebe»!- der über Versammlungen gleichgesinnter und an den hnrlichen Zielen «rbeitender Männer ausgegofsea wird, zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gemeinde« u«b ihrer Jugend mit reich aesegnftem Erfolge in di« Erscheinung treten möge! — Der Schriftführer. R. Rußdaum in Witttich. Berichte und ikorrestzoudeuze«. D«u»׳stblG«r. 520, 35», 429, 390, 941, 159, 11a Maßstettrrß. Angesichts!«scheinbar dem Orden der B'oai B'rith von außen droheiülen Gefahren (s. Leitart. I.) laffe« wir die in vorigen Nr. berührttn inneren Vorgänge vorlänfig ruhen. — Um ein Bild v in dem Wachsthum des Ordens in Druffchlliad zu geben, stellen wir di« Zahl der Loge« und Mitglieder während der lchteu acht Iah« hier zusammen. Es gab, n rchdem i. I. 1842 die erste Loge m Berlin eröffnet wurde: zu Ende 1884 8 Logen mst 817 Mitgl. . . lk«5 13 . . 1137 ״ Zuwachs: . , 1888 18 . . 149« , ״ , . 1887 20 . . 1825 . . . 1888 24 . , 2215 ״ 2456 , ״ 26 89*11 . ״ . . . 1890 28 . . 2815 . , . 1891 29 2733 . ״ . In diesem Zeiträume verlor der Orden 545 Mitglieder, davon 97 durch den Tod. Merlin. 27. Juni. Au*' dem gestern hier abgehaltene» ,Norddeutfäsen Antisemitentaoe' hat nach den Berichten der bethelligtea Hetzpresse ein Lieistenant a. D. an» KottbuS de»^ großarngen Gedanken ausgesprochen, daß man »mit dem vo» 1848 daüreaden Humanität-- und Toleranzdusel nichts an» fangen könne". Mau müsse »r Allem die Forderung er», heben, daß die Lehrer und P rediger in die .Bewegung^ ein treten, lkio Antisemit aus Hannover behauptett in einer kühne« ßpoe tischen Wendung, das , Volk ׳ in Hannover ,zittere der antisemitischer Agitation förmlich «ntgrg r n ' so daß die Gründung antisemitischer ,Zit tr r-Kkabü" wahrfcheinlnh nahe bevorsteht. Der Umstands daß eine, in der Tonatt selbst für antiseait fche B^ risse ungewöhnlich uo. flätige Resolution gegen dir.:stuschoff-Preffe" (gemeint sind die nicht von anttsemittschen Agitatoren geleiteten Zeitun«« liberaler urd verwandter Richtungen) losgelaffen wurde, läßt darauf schließen, daß der ganze Antiseunteutag um dazu, veranstaltet worden ist» kurz uor dem QuartalS»«chs«l noch, kräftigst StimMna für di« antisemitische PressejpP. machm. Daß selbst den Antisemiten die Sprache dieser Re-, solution zu rüde war, geht daraus hervor, daß von et! Seite der Wunsch auSgqprochr, worden war, da- OvuS einem .vorvehmeren Tone" alizufasien, für welchen Wi die Elfte de» .berliner und auiiwärtigen Antisemitismus türlich kein Berständniß baben konnte. A Wie die n! liberalen Pkirtriseste, so hatte selbstteoeud auch der semftentag" seine.Hthepünkte^ . Der,ein« --iij 7