Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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' Wo» HllDM MMMlMWSAllWStstedrlung von Dir russische fegierirog hat sich. muJjbem ihr dir »bthiuen finauzirve» Garant«« gelwte« «ne», bereit gesunden, x»e AuSwanderungSbewegang nach Mtaichkit zu strderu. Dir Auswanderer erhalten «tteutzeltltch hZäfse. und die Re» nieruug erläßt ihnen die militärischen Diinfchflichtrn. 18er durch Vermittelung der Assoziation auSwandert, gilt al» für ewige Zeilen au» dem russischen Untertljanenverbande ge» schiede». Dir Regierung übernimmt die Aufsicht über alle diejenigen, welche dir AuSwanderungSerlaudniß erhalten haben, und sorgt dafür, daß sie auch wirklich hi» Reich verlassen Am 8./S0. Mai hat die Vereinbarung durch da» Minister- Komitee ihre offizielle Bestätigung erhalten. Damit ist «ine AuSwanderungSbewegung inauaurirt, wie uur i» den orientalischen Staaten de» AlterthumS «:ne llelc findet. Ein ganze» Volt wird verseht, Polen und üdrußland von Elementen befreit, di« unzweitzselhaft dazu beigetragen haben, diesen Ge- 'bieten ihren besonderen Charakter und Land und Leuten einen Typu» zu geben, wie ihn ein« betriebsame, zugleich geknechtete und doch wirrhschaftlichauSbeutende(!!)jädisch«Bevblkerung den Staaten de» Halborient» aufzuprägen pflegt. Schätzt man die Gesa mmtzahl der rrisstscheu Juden auf »Millionen, eine Zahl, die übrigenkineSnegS feststehl, so blieben etwa */4 Millionen, und zwar zweifellos dir kräftigsten und religiös vorurtbeilKfreiestrn Elemente zurüch wohl diejenigen, welche entschloffen sind, die von Rußland verlangte relioiSse? und nationale Asfmilirung über sich | ergehen zu lassen — eine Wandlung, die sich bereit» zu vollziehen begonnen hat und «eist den Heißspornen de» PansloviSmuS neue Kräfte zuführt. Im großen und gauzen aber wird man annehmen dürfen, daß Rußland seine Juden damit abschüttelt, uude» fragt sich, weliheS die wirthschaftlichen und politischen Folgen diese» Ereignisse» fein werden. Wir schicken voraus, daß wir an eine Seßhaftmachung jener polnischcklernrusstschen Juden i« den amen- Ionischen Ackerbaakolouien nicht glauben. Eia« Nation, die, soweit di« historische Erinnern!« zurückreicht, deu Akkrbau gescheut (oho l) hat, kann nicht plötzlich in Iwnselbea hineirgewarfen werden, e» sei denn durch Zwang. üDa e» aber schuurlich «vglich sei« dürste jene AuSwandercr schollenpflicküig S machen, werden sie aller Wahrscheinlichleit nach sich über üblmd Mittelamerika und von dort über Nordameiika al» Handelsleute auSbrriten, vielleicht aock! über Jahr und Tag deu Weg nach Europi zurückfinden, otgleich da» Letztere weniger Wahrscheinlichkeit hat. Für. Deutschland ist e» zweifellos vou Wichtigkeit, daß der doch' nur schwer zu behindernde Zuzug von pol«is«i»en Juden aufhSrt. Gerade die von dort her uns zustrvmculren Elemente, die i» Druck und Armuch verkümmerten, haben sich al» bedenklich erwiesen und nicht wenig dazu beigetragen, die bösartigen Formen de» Antisemitismus bei un» aufkommen zu lassen. Auch ist e» ja bekannt, »aß man von Eieiten unserer deutschen Jude« stet« demüP war, deu Zufluß nach Deutschland zu behindern, dessen Bevölkerung ohnehin stetig wächst. Wir haben also allra Grund, mit tat sich vorbereitenden Dingen zufrieden zu sein. Anders liegt aber die Frage sür Rußland. JeneLuS- Wanderer geben einen Bode» frei, den Nußlutd jetzt «atiotwl f assimiltren bemüht ist: Polen und die ehemals potnistlzen;ovinzen, Wolhynien, Podolien, kleinrußlaud. Dieser iSelkerung wird kamst eine i« Angenblick stet» bequeme wirth- '* Ichoftliche Krücke genommen, welche die A»»bilduug der eige- A ste« wirtdschaftliästn Thütigkrit behinderte. Die Lücke durch «oßrussilche «nwantaer zu ersetze«, Wirt׳ sich al« amuSgv. Wh erweism. einmal «egen der Nbneigmtg, die «werttlgltar bn Großraßenthup^ tttP1 da» Polnische »ud kleinruj . re der geringeren Tüchtigkeit de» K»ßntsftschrn Nnuew^ .her die konkuroenz mit smte« BlutSgrnosseu im Veiten und Süden nicht zu bestehen vermag. Da» ist von jeher so gewesen und noch jüngst erbä riet worden durch die von der Regieruitq gemachten Ber. suche, grußnffstche Bauern im Königreich Polen onzusiedeln »der russische Majorate aus diese« Boden zu begründen. Beide sind heute spurlos verschwunden, sie haben dem ,unsympathischen Lande de« Rücken gekehrt Der Großrusfe - jochten ISevttkeruitg gegenüber zuwrist: produstive Arbeit, welcher Art immer «» sei, hat er hier nie übernommen und zu leisteit vermocht So bleibt nur daS Andere, oaß Polen und Kleinrufs«« selbst tat fretgewordrnen Platz einnehmen und sich auSzudehnen und zu kräftigen beginnen. Wohin diese Entwickrlun führe« wird, ist. schwer vorauSzusagen: unstrer Meinung na׳ zu einer Schwächung der Stelluttg, die da» herrschende Großrussenthtcm zur Zeit einnimmt, wie denn überhaupt Rußland e» versteht, die verhängnisvollen knoten einer Zukunft zu schürzen, die, wenn nicht alle Zeichen trügen, eine groge Katastrophe in sich schließt." — (Was aber au« den Juden, die Rußland verlassen, wird, darum kümmert sich die »Allg. Ztg." in chrem halb verkappten, halb offenen Antisemitismus durchaus nicht!) Bericht über die Mersammkung der irr. -Le-rermrd KxttasSeamleu SSdwest-Assttfchtasth». — Die diesmalige JahreS-Bersammlung ,de» Vereins israelitischer Lehrer und EultuSbeamten (südwestdeutschlands" fand am k. und v. Juni in St. Johann a. d. Saar statt. College Eppstein-Hoppstädten, der Bor» sitzende de» Berbande», erüffnrte die Sitzungen mst der Bearüßung der Erschienenen und Erstattung de« JahreSberichwr» Zum ehrenden Andenken an den verstorbenen Toll. Tiefen, bronner St. Johann erhob man sich von den Sitzen. De- D I. G. B. spendete auch in diesem Jahre zu de« kowftretaawlgaben 100 Mark, wofür demselben der gebührende Dank ansgesprochen ward. Der Delegirte de« Bunde«, Toll. Sender-Tholey, war am Erscheinen verhindert. Ebenso Ransenbcrg-Reuwick», wodurch dessen Referat über nachr bibl. Geschichte auSsallen muhte. Nachdem der Unterzeichnete über dt׳; kassenverhästniffe berichtet und ihm Decharge ertheilt wvrdeu, wählte nmn deu bisherigen Vorstand wteder. Die kurjs« Zeit bis zum gemeinschaftlichen Mittagsmahl warb mit freu!« Besprechungen au« dem Gemeindeleben auSaefüllt, an taten sich besonders Herr Borsteher Weil-Hoppstädt«: rege bettseiliate. Gegen 3 Uhr erhielt alSdaim Herr Robb. Dr. Löwy-Btrkenseld da» Wort zu dem Borttagr: ,Lus welche Bietst läßt sich da» Ceremonialgesetz für da» sittliche Empfind,!« deS kiude» verwerihen?* Der geschätzte Referent führte ungefähr folgrnveS au»: Di« Ceremonien sind zu« Unterschiede von den sittlichen Handlungen de» Menscheu religiös« Urbunge», deren Ausführangra nicht an sich selbst, sondern nur als Mittel zu. einem hützeren meist sittlichen Zwecke von großem unschätzbaren Werche ist Um diesen Zweck jedoch zu erreichen, ist e« uttuamäuglich nothweudig. daß die Ceremomen »ft dem vollen Bewußstein de» von ihnen verkörperten Gedanken» «»geübt werden. Nur io UatKn sie dazu dienen, den durch irgend einen Bvrmwzg austauchenden oder sonst absichtlich herA»rgerusenen sittlich« Gedanken, defseu Ausfluß sie sind, lebendig auSzu vor Bvefiüchttguiig za schützen und dem Bewußtsein lichea Wille« des Mensche« dauernd eiazuprägea. Gedanke» sind vor alle« Gottesfurcht, Gotwslisbe Bewtchtsem der SoMSähulitUeü de» Mrststtz«. ms die riazelu mst einem Blick