Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 25 (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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»wflMUfffc—g, tarn fffirKrluMtf■■!! *er Stttgfiefcr |ft . Montag Vormittag 9 Uhr. Es wird Kmntuiß ge»««»« von dem Ablebm de« Vorstandsmitglieder Baß-Neustadt a. O. Der Lossenbericht wird verlesen und dem Schatzmeister Herr» Fcdor PringSheim.di« Decharge ettüeilt. Zwei Gesuche um Aus- »ahme liegen vor; gegen dieselben ist nichts einzuwenxn. Der Wittve eines verstorben« Mitglieds wird die ihr zu» stehende Pension mit 200 Ml. p. a. vom J. Juki er. ab billigt. In der daraus vom ganzen Berein vollzogenen Vorstand-Wahl werden die bisherigen Mitglieder deffelben wstdcrgewählt, für den verstorbenen Baß wird Steiner» <Nroß-Strelitz neugewählt. Zweite Sttznng des Lehrerdereins. Bormittag II Uhr. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung mit der Au» zeige von dem Hinscheiden der Mitglieder El boge »-Schildberg und Baß-Neustadt. Die Versammlung erhebt sich zum ehrenden Andenken von den Sitzen. — Hierauf erljält Tintner-Bunzlau das Wort zu seinem Bortrage: ,׳Rn Blick in da- Erziehung-Wesen der älteren KulturvSlbn". Bei den alt« Völkern Asien'- und Afrika'- wurde die Er- Ziehung von der Laftrneintheilung beeinflußt. Kein altes Kulturvolk hat die Mädchen unterrichten lassen. Referent theilt die zehu Gebote der Chinesen mit und kommt dann za den Egyptern und zu ihrer Mystik, alsdann zu den P!erfern, bei den« der Kastengeist fällt und das Individuum .zu seinem Rechte gelangt, während der Chinese als Einzelner Nichts ist, in Indien und Egypten der Mensch nur als Mitglied der Kaste zur Geltuug kommt. Griechenland n<lre trotz seiner Helden vielleicht in Vergessenheit aerathen, wenn nicht einzelne hervorragende Griechen für Kunst und Wifi«» schalt Unsterbliches geleistet hätten, was zum Theil heute »och maßgebend und vorbildlich sei. Allein die Erziehung der Kinder wurde den Sklaven übertragen. Erst daS Juli«- thum übertrug die Erziehung der Kinder der Familie. Immer mehr erweiterte sich das unterrichtliche Gebiet bei den Römnm, nachdem sie sich von den Griechen die Bildung zu eigen ge- «acht hatten. Allein immer wieder folgte nach einer kurzen Blüthezeit der Verfall, was Redner als eine Folge der Pcinzipien de- Heidenchums erklärt. Anders bei den alten J-- raeliten, deren Erziehung «ine streng religiöse war. Moses überwies diesen wichtigen Faftor des Volkslebens nicht dm Priestern, sondern dem Vater, wie es heißt: ,Du sollst sie einschärfen Dein« Kindern". Eigmthümüch sei es, d«ß bei der später hereingebrochenen Verderbtheit Kei ner daraus kam, diese aus die Unwissenheit der Jugend zurück» zerführen. Erst Samuel erkannte die Wichtigkeit de- Unter» richtS wieder und gründete öffeittliche Schulen. Dir erste Jugend der Kinder wurde von der Mutter überwacht, bann trat der Vater an der« Stelle oder gab dem Kinde ein« JBW (Erzieher). Die Jugend wurde zur Bescheidenheit angehalten. Dm Glaubmsmuth vieler Israeliten führt Rednei auf einen guten religiösen Unterricht zurück. Die OiefetzeSkenntniß wurde Gemeingut des jüdischen Volkes. Josua von Gamala forderte, daß die Kinder schon im Alter von 7 Jahren zur Schule geschickt werden sollten, denn inan ^«rkaniitr, daß die Heranwachsende Jugmd der künftige Drä» י und Verbreite: der Religion sei, und der Grundsatz mochte geltend: ,Eine Stadt ohne Schule muß zu Grunde geh«." Lehrer wurdm die,Erhalter (Wächter)" einer Stadl ge- «aunt (Beba Meziahi. Gegenstände des Unterrichts nxittit 1u jener Zeit: Lesen, Litteratnrkuad«, Mathematik, Astronomie, Naturkunde, Religion, Geometrie, GeschiHe, in« all« zu« Berständniß de- Talmud gehörten. Die Disziplin in der Schule war milde. Pädagogische Grundsätze: ,Immer wähle »an den kürzeren UnterruhtSweg", »Nicht zu viel auf ein» mal", ,Alles fei der EntwickelunZ-stnfe des Kindes «mgemefm" wurden der AÄWjtnng empfohlen, beifällig anfiffnommen« Bortrag Psalm IS. «er» S. Hierauf mtfpinnt sich eine f.hr lebhafte Disknssio». i Dr. Königsberger wünscht«; bei I« Egypten» mehr tot von ihrem Erziehnugswesm zu hör«, daß von der griechisch« Unterrichts- und Eniehungstnost «ehr Beispiele angeführt Word« wäre. Im llmtg« müßte er dem Vorsitz«dm beistimme», daß dir Arbeft eine feoc fleißige fei — Bühk.ii berichtigt km Referenten, daß auch d« Träger der griechische» Pädagogik ihr Augeumeick ous dcw Jmstits «richtet habe». — Trntner wünscht, daß in ein«! demnöchstigm Vorträge fein« Arbeit ergänzt werdm mvchtt. Bei den »ugehruvm Umsauge des Material» habe er n:ckt» Vollkommenes u. Er» schlafendes, sondem nur eine Anr, gong biet« körmm — Blumenfeld bemerkt, daß die Kinter dm alt« heidnisch« Völler sowohi in Europa wie Aste» rechtlos gewesen, nur einer Sache z^eich behandelt Word« seien, da hm könne bei ihn« von euer sittlichen Erzieh»rg kein« Rede fei». Erst der Grundsatz des Jndenthums: .Der Mensch ist im Eb«bilde Gottegeschossen," brachte hierin Wandel. — Dr. Friedman» bemerit, es sn. nicht nöthig gewest», daß so weitläufig über das heidnische, und bedauerlich, daß so kurz über das jüdische Erziehung-Wesen gesprochen worden fü. Dst Einleitung hätte eine übersichtlichere Vorbereitung üler dm Stoff rnthallm sollen. Berichtigend fügte er hinzu: Die sokratifche Lehrweise bestand und bestehe darin, daß de! Lehrer durch Eignete Frage vom Schüler die paffende Antwott erzielt. — Tintuee klagt über da» viele Nörgeln am Bvr.rage,- es sei die» wenig geeignet, die ArbeitsfreudiAeit, di« doch immer zur Ueberuahme eines Referat» gehöre» zu sdrde«. (Bravo!) Blumenfeld- Schweidnitz meint, daß schon zu Mast's Zett eine Art Hochschule bestaut« habe. Alexander kann die etwas schulmeisterlich scheinende ftritit des Di^ Friedman» durchaus nicht billigen, »st aber der Meinung, daß der Referent eine sachliche Kritik sich schon gefallen lcffen müsst, denn: »Wer am Wege baut; hat viele Meister." Aber die Kritik soll nicht nur sachlich, sondem jederzeit auch mild« sein. — Bähr meint, daß nne Disknssion den Zweck habe, die Wahrhät au deu Tazu bringen, daher sei eine solche unentbehrlich. — Tintner meint, der Meinungsaustausch dürst aber nur sachlicher, nicht persönlicher Natur fü«. — Dr. Friedman« wundert sich, daß er so mißverstand;» worden sei. Er habe ja nur sachlich und belehrend gesprochen, anders sei eine Debatte unmöglich. — Der Schluß nnurde beantragt und angenommrn. — Herbst bedauert mil Rastaniel, daß da» Fehlen von Thesen eine gründlich« Berathung unmöglich mache und bealttragt. daß künftighin von jeder Arbeit in narr Anzahl Thesen der Kem der Sache znfammmgesaßt werde» und diese dann zur Beralhung gesttllt werdm möge». Am geeignetst« würden solche Lettsätze gleich dem Einladung»-- schreib« beigefüat. Der Antrag wird angenommen. Herr Dr. L. Neustadt erhält nun da» Wort« seine« Bortrage: »Ueber JugendgotteSdieirst." Redner bittet dst' Versammlung ihm aus der gut« altm Zett in di« Gegen» Watt zu fasten. Er beabsichttge nickü ei» Vortrag zu Haft«,. sondem wolle nur ein« Anregung zur Debatte ge dm Dst Klag«; daß unsere Jugend de« Gottesdienst fern bleib«, fei leider zu allgemein und die Ursach: dieser Erscheinung sei in der Entwickelung unseres Schul vesms zu find«. Dst Versuchein «uiserm Jayrhnndett, jüdische Schulen zu gründen, seien leider nur sporadisch. In di« st» Schul«.» erhielt sich durch dst Freigebung des Sabbaths und durch dir Einfügung des Hebräiphm in d« allgemeiner Unterrüht dst jüdisHe Charakterbildung. Al»'dst alten Schrank» fielen, ergriff ' unsere Religionsgmoffm ein wahrer Bistmwttaumel und fürdm Religio»», (oder besser gesagt hebräisch«)- Unterricht' blstb keine, oder nur wenig Zeit «che übrig. Dst imweegeringer werdende Neigung der jüdischen Eltern Dr das britische zeitgte unter der Jung«sr eine-, crschNaKndy I i t