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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-10 · 24 (10.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
24 (10.6.1892)
Date
1892-06-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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kundige Verfasser Ne ____ -Schuljahr« ab bchandeln will. »Die Poedagogik erklärt Hieß ׳'^crfrüheu für ein Mittel, die Religiosität de- Semüth» nnd Geistes zu unterdrücken und ihm di; Religio« zu ver- -eidcn ׳. (Siehe Diesterwea Jahrbuch für Lehrer 1852 Seite 121 u. ff.) Systematische ReligionSlehre sollte das Werk de» Religionsunterricht» krönen, und i« letzten Schuljahre anstreten. Als Lehrbuch wird die vielgerühmte Herxheimer'sche »Glaubens« und Pflichtenlehrr" empfohlen, ״gleich wir uns für da» Buch wegen seines katechismusartigen Zuschnitt» nie recht begeistern konnten, u. a. schien un» als Prosa» nation einer der heiligsten Empfindungen die Begrifiserklär!mg .Beten', wie die Frage überhaupt: »Was versieht man unter Beten?" Beim Religionsunterricht muß die Systematik in den Hintergrund treten. Di« Behauptung, daß Vereinzeltes, Zerstückeltes, Zusammenhangloses der Erziehung nicht dienen kann, ist hier nicht am Platze. Wie »Systematische ReligionSlehre mit Bibellesen*zu Vereinen ist, ist uns nicht klar. Wir meinen, daß durch die Bibel» lektüre die Kenntniß der bereits gewonnenen Religionslehren befestigt und der Schüler in der Bibel heimisch gemacht werde. Der Entwurf empfiehlt zum Bibellesen Auerbach'» Schul- und Hausbibcl, die jedoch in Preise zu theuer ist, um sie allgemein cinsühren zu können. Eine billig« sögenannte .Familienbibe!׳ besitzen wir noch nicht. Daß Ahlwardt wieder freigelassen werde, sobald die Kautionssumme von seinen Getreuen und etlichen ge- Heimen conservativrn Anhängern zusammengeschnorrt sein werde, hoffen die Blätter der Ahlwardtsipp«. Es fragt sich, wi:v׳el der Juhaftirte in den Augen eines preußische» Ge« richtshoseS und in denen seiner kapitalkräftigen Gesinnung»- genossen werth ist. — Die Verhaftung des Ahlwardt ist übrigens, wie mstgethcilt wird, wegen .Beleidigung p. p." erfolgt. Hinter dein .p. P." verbirgt sich »wiederholter Betrug", ,Unterschlagung" und ,Störung d«S öffentlichen Friedens durch Aufreizung verschiedener Gesellschaftsklassen gegen einander". In die Betrugsfälle ist auch derjenige einbegriffen, den Ahlwardt gegenüber der Darlehnskaff« eines Kriegerverein» beg. -:gen haben soll. Endlich schwebt gegen Ahlwardt auch der Prozeß wegen Beleidigung de» Justizministers Schilling und des Reichskanzlers Caprivi. gegen ersteren hat er in seiner Broschüre eine schmutzige Verleumdung auügestreut, uod letzteren als corrumpirten »Judenknecht" m einer öft'entlichen Versammlung bezeichnet. - Die Bertheidigung des Augeschuldigteu har der charlottenburger Rechtsanwalt Hertwig übernommen. Die Ahlwardtianer wollen ein Sommerfest gegen Entree veranstalten, um aus deffen Erträgniffen riue bester« Berpflegung des Märtyrers zu ermöglichen. Ar«»tf»r1, 29. Mai. Boreinigen Monaten wurde vor dem Schöffengericht ein« Anllag« gegen den hiesigen Kaufmann Emanuel Aronsohn verhandelt, die mit besten Verurtheilung zu Mk. 100 Geldstrafe endete. Der Augeklagte hatt: in Lokalblättern ein Inserat erlaffen zur Un- Preisung seiner Maaren, das eine Bibelstelle (״®» nx rde Licht, und es ward Lichrl") aus I. Mos. Kap. 1, B. 3 als Ueberschrift enthielt. Wegen dieser Annonce wurde Anklage erhob»», zuerst wegen 8 166 (Religionsverspottung), dann wegen groben Unfug». Es wurde wegen letzterer Heberirttung auf Mk l>0 durch Strafbefehl erkannt, wogegen der Betr^ene Siuwand erhob mit dem Erfolg, daß eine Sttafe von Mk. 106 ausgesprochen wurde. ES bandle sich um die Betleyuna der religiösen Anschauungen frommer Leser, da die Bibelstelle in marktschreienscher Weise zur Reklame ver- Wender worden sei. Gegen diese» Uriheil hat Angeklagter Berufung eingelegt. St^A. Pohl bedauert, daß der Vorderrichtrr kern« Frei's man Hab« Platze. Dt»-Urtheil der Kamuur unter Vorsitz de» Diref« tor» Schräder verwirft auch die Berustmg. E» handle sich umil eine Verletzung von Gefühlen, auf deren Achtung Jeder s «inen Anspnrch habe. Durch dcs Zitat de» SchSpferwvrtS; »ES werde Licht, und «» ward Licht" maße sich der Aua klagte gewifermaßen eine Allmacht zu: ich bin der!, welch Licht geschaffen hat; ich decke xn Schwindel meiner Kon», kurrenten a>1s. Ah verkaufte unttr dem Fabrikpreis. — Wir i würden audiesen . Fall hier aar nicht zurückkommen,-?i wenn wir nicht auf die in diesem Bl. zu wiederholt«»^ Malen gerügte Verspottung und Berächtlnhnmchung von bibl. Erzählungen in den antisemitischen Blättern himoeisea , wollten, den« Redakteure unangeklagt bliebe«, obwohl^die -A Verletzung de» religiösen Gefühl» unzähliger Juden und" bibelgläuoiger Christen unstreitig vorlag. Doch ohne An» lläger keine Besttafung. Auch auf einen andern ähr liehest Unfug wollten wir noch Hinweiserl: auf die vielen Hundtnamcn. die biblische«/^ Personen entnommen sind. Versitzt e» nicht ebenfalls da» religiöse Gefühl vieler BibelgU ubigen, die Namen Ver Stammväter oder Stammmütter ijrrr Religion sozusagen auf -' den ,Hund" gekommen zu sehen? So führt, wie durch die Zeiiungen bekannt geworden, der jitzige BiSmarck'sche Reich»- Hund a. D. (resp. die Reichshündin) den Namen ,Rebecka".' Wie verträgt sich da» mit dem libelgläubigen Standpunkt des Altreichskanzlers? Doch vielleicht bringt ihm dieser Name in Erinnerung, daß Rebecka die Stammmutter Jacob» und Esau'S gewesen, daß sie beide unter ihre« Herzen getrogen und beide mit gleicher Licke umfaßte, sowohl Jacob, den ruhigen Zeltbewohner, al» auch Esau, der ein wllder Jäger gewesen, die Mutter suchte stets di« feindlichen Brüder zu versöhnen und schürte keinen Bruderhaß. M.-Stadtach» 6. Juni (Lr.-Corr.) Gestern Nachmittag und heute Bormittag tagte im Hotel Mannheimer ־' bierselbst die Conferenz de» jüdifhen Lehrer-Verein» von Rheinland au» Westfalen unter tem Vorsitze des Herr« Blumenfeld-Effen. Nach Erstattung des Berichts über den Stand der UnterstützungS-Kafl: hielt Herr Levy-Neuß^ seme in einer früheren Nr. dies» »Wochenschrift" angekündigten Vortrag, welcher ebenso 10ie_ das Correferat des Herrn Feinstein-Mänster sich des ungetheilten Beifall« der Zuhörer zu erfreuen hatte. Gleichen Erfolg hatte der heute gehaltene Vortrag d«S Herrn Treu-Münster. Als Gast hatte am 2. Conferenztage Herr Rcdsiiner Dr. Frank-Eöln die Conferenz besucht und in einer länger» Ansprache die Lehrer zur Gründung von Vereinen zur Verbreitung der Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur in ihren resp. Gemeinden angeregt. — Wehmitrhiggestimmt wurde die Versammlung Lurch die tiefbetrüben x Mrttheilung. daß der hochgelehrte und für alles Tute uni Edle tiefbegeisterte Herr Jsroore Loeb in Pari» vorgestern der jüdischer Gelehrtenweit und den leidenden Brüdern durch den Tod entriffen wurde. (Auch die AUiftooe Jiraälite erleid« rinengroßen, fast unersetzlichen B«lust durch d«1 Tod diese» edlen Manne», der — wie wir auf der "Berliner Delrgirten-Bersammlung October v. I. in eine« Toast auf ihn unter Anspielungaus seinen Namen hervorhoben — da» ,Herz" (לב—Loeb) br Allieno« repräsennre. Sein Andenken wird in Israel stets gesegnet sein! Red.) $*ff, 3. Juni. (OroLorr.) A»ch un» ist da» rituelle Schlachten sehr erschwert. Im vorigen Jahre erließ der hiesige Magistrat ein?!erbot, »ach welchem des Blut vom geschachteten Vieh von den Metzgern, die es zur Fabrikation einer hier sehr beliebten Wurstgattona verwenden, nicht mehr, aufgefangeu werden dürfe. Die Vorstellung» dev« Magistrat seiten» der Fleischer-Innung und auch de» Sv»eiudevorfüuide» wurde« .« Ges» mb die Gesuche an dis Rrgieru Ä sieden, vir an» folgerder «Erfurt

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