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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Z»n Sachse». 29. Mai. (0r.«6on.) ״Vi*mt ומ• *ni.i־emi*ie*f Vivat Lieberman» non Souneuberg.' Bivtck Ahlwardt!" also rufen einige .Deutsch-Socialen", und die blöde Menge johlt e* nach, der Sammelbogen macht die Runde, Federn und Bleistifte kritzeln, und der »drutsil^ sociale Verein" entspringt aus dem sonnigen Haupte Liekiecmanu«, wie weiland Aphrodite au« Jupiter« Haupt — nur weniger schön, freilich auch aus' .Schaum" geboren! Ja, mein wert der Herr Red.I es ist ein herrliche« Dmg, Sachsen leben zu dürfen, sich abmühen zu dürfen für bet« Wohl der Menschheit, zu der leider die Antisemiten auch zählen, und im übrigen vogelsrei zu sein, in seinen heiligsten Gefühlen, in der Religion, in der Moral, die einem die besten Eltern der Welt gelehrt haben, in allen edlen Re-- gnngen, welche ein Menschenherz beseelt, gekränkt, gehöhnt, besudelt zu werden. Die Gleichstellung der Juden, die stac ttiche Anerkennung der jüdischen Religion steht wohl in der Verfassung. aber im Leben — wo finde ich sie? Erfüllt von glühendster Vaterlandsliebe, vom nationalen Hochgefühl (p tragen, begeistert von deutschem Glanz, und dennoch nur ein Semit, ein Fremder, einer .der sich nie mit deutscher Art vermischen wird", wie der neue Apostel predigt. Schande über diese Buben, diese Lügner! Haben unsere Brüder nicht auch für Deutschland« Ehre geblutet! Hat nicht mancher da« kreuz von Eisen auf seiner Brust zur ewigen Zier? Da steht etwas im deutschen Reichsstrafgesetzbuch von Berhühung und Verhetzung staatlich anerkannter Religiomu, und «an annoncirt im Amtsblatt, da« an seiner Stirn da« Stadiwappen trägt, einen Liebermann'schen Bortrag und Iremerlt mit fetter Schrift ',gegen die Juden". Der Herr Bürgermeister bedauert derzlich, vielleicht aufrichtig, verwünscht die Extreme und kann nicht» thun — vielleicht der Staat«• anwalt. Da wird mau von einem zum andern geschickt, «au bedauert, und man thut nicht«! In Berlin und sogar in Dre«den unterdrückt man endlich Ahlwardt'« mehr hrch. verrätherische al« antisemitische Machwerke — hier annom in man sie. und die Schauftnster beider Buchhändler leuchten von weiten gelb, so voll sind sie vom zweiten Theil gefüllt. Ist unser Strafgesetzbuch wirklich so ohnmächtig, so kraftlos, sag es dulden muß, was c« verbietet? Mir fäll» au» der Schulzeit jener Kamerad ein, der mich Jude schimpfte, und. der, al« ich ihm sagte: .Du hast ja auch gelernt. Du sollst Deinen Nächsten lieben" antwortete ,ja, da« gilt für L ach nicht". Diese Anschauung de« Sekundaners, der inzwischen auch der Rechtspflege obliegt (!), ist die Signatur für dte Stellung der Juden in Sachsen am heutigen Tage. Veröffentlichen Sie da«! erzählen Sie e« den Brüdern in Rord und Süd, in West und Ost! Blasen Sie Alarm «m Sammeln! Rütteln Sie die Lauen, die sich gar schämen, Juden zu sein! Spornen Sie ank Wir wollen treu zu ein. ander stehen .ein einig Volk von Brüdern und schützen >1n« in Roth und in Gefahr!״ Es verbinde sich jüdische Liebe mst teutscher Treue, und die Wahrheit wird und muß siegen — oder wir stehen am Ende der Welt! (Siehe den Leitart l in Nr. 21: .Gottes Mühlen mahlen langsam aber sicher!" R) -Lerkiu. Kaiser Friedrich that zu einer Zeit, al« der Antisemitismus am heftigsten grassirte, die Aeußerung: was sein Gefühl am meisten verletze, sei die Hineintragung der ancksemitischen Tendenzen in die Schule und die Hürsäle. Die Berliner Universttät ist, das muß man zu ihrer (ihre anwhreu, von einem derartigen Borwurf frei. Hat je ein Docent sich gelegentlich im Hörsaal zur,Judenftage" g:äußert, schreibt «an der .Danz. Ztg. , so geschah e\ soweit bekannt, doch stets in einer Niemanden verletzenden Weise. Mit einer Ausnahme allerdings. Herrn Heinrich von Treitschke, Profeffor und Lehrer der Geschichte an der eisten deutschen Hochschule, ist es Vorbehalten geblieben, den Antisvmitismu« der Gaffe in da« Auditorium zu verpstaozeu. Hin und wieder drinaeu U Aunjemittn an die Oeffen ebenso jugendlichen wie gläubigen Achibörn kund »eMzu wissen, daß in der neue-eu Literat».׳ die .Jubeuftwiutu׳" die überwiegende Majorität bilden- Wr »ollen diese-WmGgebung inhaltlich nicht auf ihre Wahrhest prüfen, hat huch Herr von Treitschke vor denselben Jüngern erklärt, daß es. sowie er auf Engländer und Juden zt sprechen kommt, mit seiner Objekttvstät vorbei sei. Er verlangt also gar nicht, daß man irgend welche Ansprüche ai seine WahrhaftiMt stelle. ' Werkst,, 29. Mai. (Or^Lorr.) Gestern hielt —»je wir in vor. Nummer berichtet, der britte Kandidat für die hiesige vielumworbene Hilfspredigerftell^ um welche über - 0 Bewerbungen eingezangen waren — der Rabbiner der hiegediegene Rede, welche die ,bedeutsamste Aufgabe Israel« in der Gegenwart" zum Thema hatte. Ine der Redner in der Fürderung de« Frieden«, der Meischlichteit und der Aufklärung erblickte. Die Ausführungen fanden allgemeine« Bc-soll. Wie ich höre, soll die Reihe der Probeprediger noch nicht abgeschlossen und der Rabbinatscrndidat Dr Blumen» tha l (von der hiesigen Lehranstalt ft.r die Wiffenschaft fe« Judeuthnm«) zu einer demnächst zu jolteuden Probepredigt noch -«gelassen sein. Stettin, 27. Mai (Or^Lorr.). I« April und Rai finden von allen in hiesiger Gemeitide bestehenden Wohlthätigkeits-Vereinen die General ׳Versammlungen statt. Wir nennen den Wohlttiätigkeits- und Bv:rdiguug«-Berein; de« Verein zur Bertheiluug ntn Brennmaterial; den Aa«-2 stattungsverein; den Brüdervereio uni» da« Jüdische Waisen-s hau«. Der Besuch aller ist leider nur ein geringer, in der letzten Versammlung de« Brüdervereiii«. der über 500 Mstglieder zählt, waren außer de« Bo» stand nur 4 Personen erschienen, so war denn in ca. lü Minuten die ganze TuPÜordnung erledigt. Im Waisenhaus« findet erst nächtt« Sonntag die General-Versammlung statt, die diese« Mul etwa« inehr besucht sei« dürste, da 2 wuchtige Sachen zur Berhhndluug stehen: 1. Berathung l«S neuen Statut« und 2. Beschlußfassung betr. Ertheiloag ter Korporations-Rechte. Da« Waisenhaus — s. Z. von dem Rabbiner 0r. Meis» l fei. Andenken« ins Leben gerufen — besteht nun 38 Jäher und gewährt augenblicklich 10 Knaben Unterkunft. I« oe» stoffenen Jahre sind 3 Knabe» abg:gangen und 3 wieder aukeuommen, diese von außerhalb Der Barstcmd ha» die Absicht, in der Anstalt den Handfi rtigkcit«-Unterricht efgL zuführen, was lobend und dankend inerkannt werde, muß? Da» Vermögen dcS Waisenhauses xsteht jetzt au« Mark 132,675,81 und hpt sich im letzttn Rechnungsjahre um Mark 854,29 vermehrt; dasselbe ist in H-potyck» und- Werthpapieren zinstragend angelegt Die Einnahme« bettugen Mark 10.418,87;. die AuSzabeu Mark 9.504M, also Ueberschnß wie oben. Durch lrufende Unterstützungen ' wurden aufgebracht: in Stettin Mark 2274,75; in Berlin Mark 583; in Stargard in Pommern Mark 144 und in anderen Orten Mart 75. 8 neue?Aohlthäter sind im verstoffenen Jahre neu hinzugekommen. dagegen 9 gestorben, deren Sterbetage alljährlich durch ikaddisch und Anzünden des Jahrzeit«-Lichtes im Waisenhruse feierlich begangen werden. Möge das Waisenhaus auch mit dem neuen Statut - segensreich schaffen und wirken und mögen sich immer mehr und mehr Freunde aus der Nähe und oer Ferne finden,' die die schönen Ziele und hohen Ausgaben recht, thatkeäftig ׳ unterstützen. — Unser Lar tor, HerrSarafnhu, beging amLag Omer die Feier feiner silbernen Httchzeit, welche von der Liebt tuv Berrhrrutg. «e er

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