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Israelitische Wochenschrift · 1892-06-03 · 23 (3.6.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bepen diese Din-e auSc^esetzt sind.!v«st nveuiDe» Krumen Men nicht nur nw* den natürlichen Appetit, sondern sind mir geeignet, den Mangel desto fühlbarer zu »mchen. Da« gereicht dem heutigen Judenchnm wahrlich nicht zur Ehre. Wenn wir solche weuia erquicklicher Sachen v״r dem Forum der breiten Oeffentlichkeit erörtern, so thun wir r« ohne Scheu vor etwaigen Uedelsüllen seiten« einer tendenziös übelwollend,!» kkritfl, wie sie neulich die.Kreuzzeitunggegen die Oemeinlrebundverhoadlungen übte. Noch mehr als Götter gegen dieDummheit kämpfen Menschen gegen dieBoSheit .Vergeben«. Wann ist eine Sache heilig genug, ihren bösen Mund zu slhließen? Bon jener Seite hat man kein Recht, sich mit dem -Glorienschein der Tugend in die Brust zu werfen und mit dem tönend« n Patho« sittlicher Entrüstung auf unsere Mißstände verdammend hinzuweisen. E« ist «ine feige unritter. liche KampfeSweist, wenn au« sicherem Lersteck die geschärftrn Pfeile aas die schütz« und wehrlosen Häupter der Gegner hinterlistig geschleudert werden. Dort, wo die unerschöpfliche» Schleusen de« Staate« ihren reichen Segen immer nach Wunsch ergieße», hat man kein Verständnis für die Armutd der so überou« kleinen jüdischen Gemeinden. Woher sollt« «4 auch kommen, wenn man sich wider bessere« Wissen mit Zornr<«ifer in den Wahn hineingeredet hat, Jude und 'Millionär stien identische Begriffe? Wenn irnudem von einer Verschuldung unsererseit« die Red« war, so solltnatürlich keine Parallele zwischen Ju« deulhum unt Ehrisienthum gezogen werden, al« ob letztere« für seine rrl giösen Interessen größere Opfer darbrächte; für letztere, nauuntlich für den Rellgion«uaterr-cht, wird ja mit staatlicher Autorität und staatlichen Mitteln genügend gesorgt und so jede private Hilf« überflüssig gemacht, während da« Judeuchum t>ie große Last de« Lultu« und Unterricht« auf feinen eigenen Schultern zu tragen hat. Daß da« Juden« jbum di« unvergleichlich schwereren Opfer für seine religiösen 'Bedürfnifie darbringt, liegt ja skr jeden, der Augen hat und sehen w ll, klar auf der Hand. Aber den Vergleich mit der Opferwiüigkeit früherer Zeiten hält da« moderne Juden« Ihm» entfernt nicht aus. Die .Kreuzzeitungaber möge sich nur in die Situätion Lineindenken, der Staat zöge auf einmal seine Hand von »em christlich!» Religumsuuterricht und überließe ihn sich selbst. Wie iät« e« alsdann mit ihm, nicht mehr mit dem wärmenden Mantel staatlicher Macht und staatlicher Mittel bekleidet, an«? Bester al« bei un« gewiß nicht. Wer weiß noch, ob der einzeln«, der die Erthellung de» Religionsunter« unterricht« innerhalb des SchulorganiSmus als eine selbstverstäudliche Leistung zu betrachten gewöhnt ist, ei« beson« deres Opfer für ihn übrig hätte. Da« wäre der gleiche Boden, auf dem sich über Mangel an religiösem Interesse urtheilen ließt. Nein, relativ könnten wir innerhalb der nun einmal gegebenen Situation eine Genugchuung empfin« den über die Sorgfalt, deren sich der Religionsunterricht in weiten Kreiser! immer noch erfreut und mit der man bestrebt ist, den in di» Erscheinung getretenen Uebelsränden den Bo« den zu e»tziei»en. Aber theils ist es die stiefmütterliche Zurücksetzung und Nichtbeachtung seiten» des Staate«, die durch keine Grenze -:ingeengte Willkür, mit welcher Jedermann bei «ns diesgn UnternchtSzweig behagdeln darf, sowie theils die Geldschunttigkeiten (in den keinen Gemeinden), die der gründlichen Beseitigung des Schadens soviel Hemmnisse io den Weg werjens Mtt einem Schlage könnte dem Ucbel die Spitze abge- ' brochen werde», wenn man auch für die Schule dem Grund» gerechter!Parität für Alle Geltung verschaffen und dem -ischen Relitzjonsunterricht di« ihm gebührende Ebenbürtig- ' ernräume» wollt«. So lauge die Strönmmg einer solch«« die Alle in gleicher WMHchkWgm müßte. derjenige Factor, der berufe« erscheint, die mangelnd« Staat«» fürsorge zu ersehen. Nicht «in Estgensta«» der gelegentlich einer Unterstützung gewürdigt wird, sollte ihm dtr Religion«- unterricht sein, sondern ein Kleinod, dem die zärtlichste und ängstlichste Aufmerksamkeit und Wartung gewidmet wich. Wie bietet Zweig in seiner Wichtigkeit alle anderen im Programme de« Gemeindrbuade« bei weitem überragt, so sollten alle andern in der ihnen zugewandten Pflege zurücktreten. Er erfordert zwar zu seinem Gedeihen ungleich schwerer zu erfüllende Bedingungen, ungleich größere Hingäbe und bedeutendere Geleopfer, rr i,t aber auch einer solchen Pflege w rth und zahlt di« a. f ihn gewandte Mühe mit hundertfachem Segen zurück. Die Rabbiner sollten ihr Ansehen, ihre Autorität und ihren ganzen Einfluß in den Dienst eine» über ganz Deutschland zu organisirenden ReligionsunterrichtSwesen« stellenden, und die reichsten Mitglieder ihrer Gemeind« zu Stiftungen begeistern, dir den Gemeindebund in die Lage versetzen könnte, in ausgiebiger Weise für den religiösen Unterricht in de» Kleingemrinden zu sorgen. Es ist em beschämender Gedanke, . daß da« deutsche Judenthum, defsen einzelne Glieder oft da« nach Millionen zählende Vermögen den städtischen Behörden ihre« Wohnsitzes vermachen, zu keiner würdigen finanziellen Unterlag« für seine Gesammtvertrerung sich auftaffen kann, auf der seine lebenswichtigsten Interessen dauernd gesichert sind. Unter diesen armseligen Verhältnissen ist dem Gemeindebund kaum zuzumuthen, mit dem der Wichtigkeit der Sache entsprechende« Ernst an die Erfüllung dieser seiner Aufgabe lnranzugehen. Die Geringfügigkeit der Mittel kann im Hinblick' auf den Umfang der Aufgabe nur eine entmuthigendr Wirkung haben, wie andererseits nicht bezweifelt werden darf, daß er sich seiner Pflichten wohl bewußt sein wird, wenn erst seine Kräfte mit den zu erreichenden Zielen in harmonischen Einklang gebracht sind. Berichte und Correspondenzen. SmtftUnb. Maas«A»rß. Jl.Mai. Endlich sind die beiden Theile der Ahlwardt'säfen ,Judenflinten* endgiltig mit Beschlag belegt worden, nachdem sie durch ihre Verlogenheit und Gehässigkeit in den Köpfen Tausender von leichtgläubigen Lesern das größte Unheil angerichret und zur Untrrwühlung de» Bertrauen» in die Integrität der staatlichen Behörden sowie in staatliche Autorität überhaupt mehr beigetragen haben, als es jemals die sozialistische und selbst die anarchistische Litteratur fertig bracht«. — Auf die Ahlwardt'schen ״Nene« Ent- Hüllungen* folgen nun die neuesten .Enthüllungen* über ihn und seine ,Finten.- Die Nemesis hat tb» bereit« am Kragen, denn wie die .Rh.-Wests. Htg.* rrfanrrn, hat da» ReichSjustizomt em Gutachten dahin abgegeben, daß die Broschüre de» Herrn Ahlwardt die Knterien des Landesverrat« trage und auch für den Fall, daß etliche der darin aufge» stellten Behauptungen wahr wären, Herr Ahlwardt auf Grund de« Z 92 »1. St -G.-B. wegen Landesverrats verfolgt werden könne-, worauf 2 Jahre Zuchthaus gesetzt ist. Nun wir können dem Verlauf der Angelegenheit ruhig zusehen: das Sinaigejetz: .Du sollst kein falsches Zeugnin ausjagen wider seinen Nächsten", wird seine uageschwächte Kraft bewähren, und der Rector a. D. wird dann wohl seine unfreiwillige Muße dazu benützen können, über die .jüdische Sittenlehrereiflich nachzudenken; vielleicht bleibt ihm dann auch noch Zeit zum vergleichenden Studium der SO selbstständigen Handlungen gegen die Sittlichkeit, die der protestantische Geistliche und christliche Sittenprediger Harder in Weißens« an seinen Konfirmandinnen und Schülerinnen von 14 Jalp:«n vorgeuommen. Hoch >»«S siaaitische Sittengesetz! Hoch dir ta layi b t tßc: $ th» tc I) t c!

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