Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 23 (3.6.1892)
- Date
- 1892-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ichode der Behaudlonz, die'gleichbedeutend mit der Aufgabe de« Leben» selbst ist, unterwerft. Da» war erst^cklich der ganze Zweck de» Krei^estungS-Artikls: »Seht da» Judenthn» ist an» Mangel an religiöser Erziehung derwahrloft." Da» paß dem seinen Blatte so in den Kram; während r» zunächst mit einer bei ihm ungewohnte» Mäßigung, ja sogar mit einem Tröpslem von Wohlwollen zu Werke ging, kommt e» zu Konsequenzen, die man ,Sen nur bei ihm erwarten kann. Ein« ungezwungene, nicht vergewaltig« Logik würde, ja müßte zu ganz anderen Schlußfolgerungeu führen. Die .Kreuzzeitnng", die doch alle» Tute von höheren Regionen, von staatliche» Maßnahmen kommen sieht, müßte doch alle» Uebel aus den Mangel staatlicher Uederwachuug zurücksühren. Selbstverständlich weise« wir den Borwurf religiöser Verwahrlosung auf da« allerentl'chiedenste zurück. Nichtdergleichen, wa» in außerjüdischen Reihen nicht auch zur Erscheinung gekommen ist, hat sich bei uns gezeigt. Den einzelnen Fällen auf jüdischer Seite, die die Bürseni'peculation in letzter Zeit gezeitigt, stehen Dutzend« nichtjüdischer Betrugsvorkommnisse gleichen und j schwereren Kalibers entgegen. Und wenn der Sozialismus , auch einzelne Juden angefreffen hat, die zudem geivühnlich! dem Judevthum schon den Rücken gewendet haben, so wird wahrlich erst keine weitschichtige Statistik nöthig stin. um nachzuweisen, eine wie geringe Vertretung derselbe innerhalb! unserer Grenzen gefunden hat im Vergleich zu der MastenauSbreitwlg bei den anderen Confesstonen. Im Gegenthei״ die sanfte Tonart, dir nach langem Gewirr die Herrschaft in der Sozialdemokratie gewonnen hat» ist recht wesenäich! den mächtigen Einflüssen von Politiker« jüdischen Ursprung» zuzufchrriben. Da» sind bekannte.Ding«. Wollen wir aber die Konsequenzen der .Kreuzzeitung" «inen Augenblick als richtig halten, wer trüge denn die! Schuld an der Verwahrlosung der Juden, nicht etwa die Regierung, dir Licht und Schatten so ungleich verteilt hat?! Sie müße dann da» Unrecht an den Juden wieder gut I machen und chren Religionsunterricht denselben günstigen ׳ Bedingungen, denen der christliche untersteht, unterwerfen.! Wir können sagen, daß recht viel Verständnis für den Werth des Religionsunterricht bei den Juden vorhanden ist, wenn ein verhältnißmäßig großer Theil an» eigenem Antriebe und mit eigenen Mitteln, ohne irgend wie dazu gezwungen zu sein, für deffen Ertheiluug sorgt. Trotzdem wollen wir un» der Erkenntniß nicht verschließen, daß noch viel, sehr viel geschehen und daß der Teutsch» Israelitische Gemeindebund diesem Theile seiner Thätigkeit viel mehr Sorgfalt zuwenden muß. Das soll durchaus kein Borwurf für ihn sein, sondnn nur eine Thatsache bezeichnen. Es fehlt ja nicht an der Erkenntniß und an dem guten Willen. Aber mit platonischer Begeiste« rung läßt sich da nicht viel thun, gegenwärtig sind aber seine Kräfte mehr Kräfte der Liebe, als des Vermögens, deren Können mit dem Wollen noch lange nicht Leihen Schritt zu halten vermag. Ter Gemeindebund zählt ja den Religionsunterricht zu seinen wichtigsten Ausgaben, aber wob! keine heischt solche Geldopfer wir gerade er. Mit solch geringfügigen Mitteln läßt sich nicht entfernt an die Bewältigung dieser Aufgabe Herangehen. Man denke nur an das gewaltige Arbeitsgebiet, das sich ihm da eröffnet! Er soll das Füllhorn, das für andere di« Staatskasse ist, für uns sein. Hunderten von Gemeinden soll er die schwere Lost der Enltusbeamtrnoesoldung erleichtern, wieder anderen die Anstellung von Religionslehrern überhaupt erst ,rmögtichm. Dazu gehören bedeutende (Kapitalien und man muß sich wundern, daß die Sympathieen für diesen Zweig seines Wirkenstch noch nicht zu großen Schenkungen und Vermächtnissen verdicket haben. Die ganzen Emkünfte, für den Unterächt verwandt, würden erst einigermaßen der Ansordcrungen entgegeakommen, die dieses Reffort verlangt. Die armseligen Beiträge können den Gemeindebvnd doch nicht auf dieHöhe heben, die fhm zur VstuiMchuug seiner Zwecke zu wünschen wäre. Mm denke sich einen Verband Mt solcher «usdchnung und solcher Mannigfaltigkeit wichtiger Aufgaben, denen nicht einmal «ine lnmpige Million, ja nicht einmal eia« viertel MLiou Mark zur Erreichuug seiner »eiten Ziele gegenüberstehe«, wiihread sämmtluhe Gemeind«, zusammen eine so unschentbare Summ« aufbrinaen, daß di« regelmäßigen Beiträge übechau,t nicht die Hoffnung auf-, kommen lassen, daß sie zur Befnedigung all der Bedürfnisse auch nur zu einem wesentlichen Theik je führen werden. Die Hoffnungen und Wünsche, rie sich also an da» Institut in dieser Hinsicht knüpften, miiffen leider vertagt werden^ bi» «» ander» gerüstet die;1: besiegenden Mängel, deren Abhilft chn in» Leben gerufen, bekämpfen kann. Die verschiedensten Vorschläge, den Gemeind« bund in die Lage zu versetzen. den lallzu-)viele»! Punkten seines Programm», besonder» aber dem wichtigsten, der un« hier beschäftigt, dft wünschen-werth« Pflege und Wartung angedeihea zu lasse«, habe« bisher wenig zum Ziele geführt; die Sammlungen au» Anlaß de» 70 jährigen Geburtstage» ftine» Präsidenten haben «in geringfügige» Ergebniß gehabt, «in Fond» wird auf solche« W«e in Ewigkeit wohl >ncht gebildet werden können. Eine chstematische Heranziehung von nur L00 der wohlhabenden Juden zu größeren (tzelospenden könnte meine« Erachten» zur Bildung eine« grchcn Fond« für diefta Zweck genügen. Bei der Zusammensetzung de» AuSschusft» de» •3 nügen. Bei der Zusammensetzung de» AuSschusft» Gemeindebunde«. dessen Mitglieder doch die höchste» Verbindungen haben, kann «» allzuschwer nicht «erd«,, unsere GeldmLnner für die Not, in bei: der Religionsunterricht m so vielen Gemeinden steckt, z« iictecessirr«. Nicht nur de« mangelnden Religionsunterricht, sondern auch dea darbenden Religionslehrern wäre damit unter die Arme gegriffen und für die letzteren ergäbe sich noch der weitere Bortheil, daß der Lehrerstand überhaupt an Achtung zunehmen müßte, wenn den kleinen Gemeinden ein gewisse» Gefühl moralischer Verantwortung gegen den Gemeindebund eingrflüßt würde, da» in dem Verhalten gegen den Beamten bei Kündigungen u. s. w. von den segensreichsten Folgen wäre. Hier ist ein große« und zugleich dankbare» Feld zur Bethätiguog des Wohlthätigftit» inne». Männer, die eiue ״ewige" Anlage ihre« Geldes suchen, seien darauf freuudlichst hingewiesen. Da, wo der Staat sonst ftine mächtig«, gefüllte Hand austhut, muß für uns Privathilse eintrete». Daß dies bisher in so uazureickiendem Matze geschehe« ist, beweist am deutlichsten die Uuhaltbarkest unserer hochgepriese««« Zustände. Privat« Mittel, die ja mit Konzentrirung aller Kräfte das schwierige Werk hätten bewältcgeu können, haben sich der mü dem Bestand der Religion engzusammenfallenden Lösung der Frage kaum in nennen«- werther Weise angenommen. Solange wir in einen Ansnahmezustand zurückgedrängt sind, ist e« die höchste Pflicht wenigstens finanziell die Möglichkeit de» allgemeine« ReligionSunterricht» auzubahnen. Wie west stad wir aber noch von dieftm Ziel« entfernt? Waium öffnen sich nicht hier die Hände und Taschen unserer goldgeftgnetrn Srösusft? Jedenfalls doch aus mangelndem Interesse, au» erkalteadem Idealismus für das Heüigthum, dem unsere Altvordere« nicht nur einen großen Theil itreS Tages- und Nachzeit, sondern vor allem auch ihres Beemögens opferten. Uaftre Zeit sündigt stc doppelter Beziehung und kann in zweifacher Hinsicht den Vergleich mit unsere» Ahnen nicht aufnehmen. Nicht nur die Kenntniß der Thora, deren uneigennützige» Studium den Alten als Schmuck und Zier veS Leben» galt, ist bald bis auf den Nullpunkt;«fallen, sondern auch der materiellen Pflege seines religtöjea Gutes fühlt mau sich mehr oder minder überhobeu. Mi» weise doch ja nicht aus die geringen Brocken, die doch rüch hie und da von der wohlbesetzten Tafel dafür absakftu Sce beweisest^ in ihrer kläglichen Winz igle st und Unzulänglichkeit nur dst Behanpturg mm der allge, «einen, Sorglo