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Israelitische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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jüdische Bevölkerung 5.'onbtm« und der übrigen Theile de» Inselreich« nach einer Aufstellung de- Herr» Lienck Alexander. Diese Angabe» beruhen auf znverlässiaer Unterlage und unterscheiden sich!hierdurch von ander», wochi« nur eine muthmaßliche Schätzurg zu Grunde liegt. Die Thatsache, daß di« Zahl der jüdische« Einwohner Londonweniger al- 70 l)VV und die der übrigen Theile debritischen Reichein Europa weniger als 2VOOO beträgt, wird diejenigen nicht wenig überraschen, welche in dem traurigen Boiurtheil besangen sind, daß die Einwanderung armer Inden einen nachtheiligen Einfluß auf die Lage der englisch,« Arbeiter üben müsse. Was bedeuten denn 70000 Juden unter einer Bevölkerungszahl von 4060000? ES ist sogar möglich, daß die Zahlen des Herrn Alexander noch zu hoch gegriffen sind, da denselben die Zahlen der BeerdjgungSfälle zu (Srunde ge» legt sind. Unter den russischen Einwanderern ist die Sterblichkrit bekanntlich verhältnißmäßig groß und dürste bei Be« rücksichtigung diese- Umstandes die Zahl der jüdischen Bevölkerung vielleicht noch geringer sein, als sie in der Tabelle angesetzt ist. Eine Zunahme hat selbstverständlich stattgefunden. Bon -36295 in 1873 bis 675 3 in l8i>1 ist ohne Zweifel ein großer Sprung. Berücksichtigt man aber das natürliche WachSthum, so ist die wirklich« oder erkünstelte Panik, welch« sich durch dieses Zunahm.verhältniß gewiffer Semüther bemächtigt hat, ganz ohne berechtigten Grund. Di« Tabelle läßt ersehen, daß die Verfolgung in Rußland in den Jahren 1881 und 1882 die jüdische Bevvlkerung unserer Metropole um noch weniger als 16000 und die der übrigen Theile des Reicheum noch ueniger al- 6000 Personen vermehrt hat. Zu diesen . sind zwar seit jener Zeit noch 10 000 Seelen für London hinzu gekommen; diegeschah aber während der Zeit, al» die strenge Durchführung der Maigesetze mit allen ihren für die russischen Juden so traurigen Lonsrquenzen von Statten ging. Unter den oben angeführten 67 523 Personen befinden sich nur 8000 Erwachsene, welche als arm bezeichnet werden können und trotz der russischen Einwanderung haben seit 1874 die russischen Juden hierzu nur ein Eontrngent von 2500 Personen gestellt. Der Prozentsatz der jüdischen Armen ist bei alledem seit 1874 von 15 aüf 11,2 gefallen. Au- Mntaeü wird unterm 17. geschrieben, daß au» der oberen Moldau wahre Jammerberichte über die Lage der im benachbarten russischen Grenzgebiete sich zusammen» drängenden Juden einlaufen. Da nämlich die den ausgewiesenen Juden eingeräumte Gnadenfrist, nach deren Abrauf sie eventuell zwangsweise über die russisch« Grenze gebracht werden sollen, bereit» zu Ende geht, so werden sie schon jetzt in großen Cchaaren gegen die Grenze hin gedrängt, um sie im gegebenen Moment ohne Zeitverlust au» dem Laude schaffen zu können, und da jene Juden, welche noch über halbwegs einige Mittel verfügten, wst chrer erzwungenen Abreise au» dem ungastlichen Rußland nicht bi» zu diesem Zeitpunkte warten wollten, so ist e» leicht begreiflich, daß rS gerade die Aermsten unter den Ausgewiesenen sind, welche jenseits de- Pruth chrer Abschiebung harre». Bon allen Geldmitteln entblößt und ohne jeglichen Erwerb, befinden sich diese Unglücklichen in einer wahrhaft erbarmungswürdigen Nothlage, deren Druck noch überdies durch den Umstand vermehrt wird, daß rS gerade für sie am schwersten ist, anderwärt-eine Zufluchtsstätte zu finden. Angesicht» derAasammiung zahlreicher au-grwiesenrr Israeliten in den russischen Grenzgebieten hat sichauch die rumänische Regierung veranlaßt gesehen, ihre Loasulat« auzuweisen, den durch einen Gewalt-Akt de» heiligen Rußland heimats- und subsistrnzlo» gewordenen Jude» da» zurUeberschreirung der rumäuischen Grenze nöthigePaßmsum zu verweigern, und siudaußerdem die rumänischenGnr!zbehörden strengstens beanstragt worden, keinem nücht mit einem ordnungSmäßig vidieren Passe versehenen Fremden den Eintritt «ach Rumänien zu gestatten. DaßRumib Mitteln der Abwehr greift, jl jede vermeh:ung dein der Moldau zahlreichen jüdischen Hondwairr-Proletariat«, liche Existenz-Bedingungen mir noch mehr etschvereu und daß sogar die bereit« im Lande anfllffig», aber nicht al» hermathSberechtigt rugrsehenen Israeliten in. Mafseneinwandernny erwerbsloser russischer GlaubenSgeuo ein neue- Hindermß für die Regelung ihrer rechM Stellung zum rumänischen Etaate, ja selbst eine Gefahr^- ihre eigene Duldung erblicken würden. Mit dieser virung de» ablehnenden Bertolten« der rumänischen : rung ist aber die Frage niiht beantwortet,r wa» mit ׳ unglücklichen Juden geschehet soll, welche, von rusfls Grenzkosakrn über den Prutlj gejagt, auf dem jeoseiti rumänischen Ufer nicht lande» dürfen. Soll sich etwa Scene in großem Maßstab« wiederhole«, welche sich nunmehr fast drei Jahrzehnt«« auf der Donau in der von Galatz abgespielt hat, wo man mehrere au- Run zwangsweise avgeschaffte, von der türkisch-bulgarischen < wache aber am Landen gehinlrerte Juden einfach in» Was geworftn hat? Jedenfalls werden sich an der russisch-, mürrischen Pruthgrenze in d׳n nächsten Tagen Bilder Verzweiflung und de- Jammw« entrollen, welche sich Rückwirkungen russischer Autokraten-Willkür in 81fr würdig an die Seite stellen türften. Sairtt•. Argentinien. Einem «u-führlichen Wahrheit« Bericht de« Oberlehrers Hrn. Jos. Fein mann in AyreS entnehmen wir Folgendes über di« traurigen Zustäi in Argentinien: Zu meinem tiefsten Bedauern muß ich leider constat daß der Ortn«ng»sinn und daS Betragen der russ. l?" "׳׳ m *־־* *־־“■— unglücklichen AuSaewiesenen'hier nicht da« heißersehnte ' ihrer Wünsch; fanden, da« sie suchen, so liegt der Uebelß nicht an der Administration oder an sonstige» nissen in Argentinien, auch nicht an eine« der Vor! noch weniger am Klima oder der Bodenbeschaffenheit sonst einer Einrichtung, sondern lediglich an den Emigra ten selbst. Denn von allen Seite« kommt man chnea r־ offenen Armen liebevoll un ) hilfreich entgegen: sie wiffen dies nicht zu schätzen und anzuerkenuen, sind zt und streitsüchtig und rrschveren dadurch selbst da-- singen und vollbringen de» großen und heiligm Werke- Edelsten der Edlen, deffen Her; so warm für seine verfolg Brüder schläft und deffen Glte unermeßlich ist! ... . In erster Reihe verlangt nur Hr. F. von den Lolonis Dankbarkeit gegen ihreWohlthlter, Geduld u.Au«da»i> dann aber auch Bescheidenheit, Frieden-liebem Arbeitslust — daß sie sich an Ordnung geuüHven,! sie Anfang« mit Wenigem fto) begnügen und nicht , und klagen, wenn die kaum gepflanzten Bäumchen nicht sogleich re,s« Früchte tragen und Se-eu-süll« einbr — sie sollen iviffen, daß sie nrr im Schweiß chrr» An ihr Brot in Ehren verdienen und erwerben können, daher Undank, grundlose Gehässigkeit, und vor Allem die Berleumtung und Faulheit a»S der Mitte der " ftiedenen verbannt sein, mögen sie keine lügnerisch-geh, und verleumderischen Briese in den russischen hebrä Blättern veröffentlichen, dann wird eihnen wohlerge dem verheiß,ingSoollen Lande, daihnen der Menschenfreund giebt. — Wenn sie sich aber «id zeigen gegen ihre Lorgesrtzten 1»nd diest dann in den. hebräischen Blätter» (,Hametz" und sich leider nur allzugern dazu wrgebrn, inLraentinienz« berichten,»«dir An« Palästina und Syrien mjchr und veMta», als gottlose 1

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