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Israelitische Wochenschrift · 1892-05-27 · 22 (27.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sabbath Herr Rabbiner Dr. Philipp Kroner, der ej» Reibe von Jahren in Brandenburg amtirir, und seit ebchpi Jahren hier in der Gemcindc und Religikmsschule Nur Brich segensreich als Prediger und Schuldirigeut wirkt. Knoller und Kroner sind beide geborene Deutsche die ihre Studie» an deutschen Gymnasien und Universitäten absolvirt habm. Mrestau, 22. Mai. Am gestrigen Eabbath und auch vorgestern Abend zur Einleitung der Sabbachseier bat Herr EaNtor Finkelstein aus Beuthm (Oberschl.) als Borbeter hi« zur Probe fungirt. Herr F. ist ein vorzüglich (;«« schulte! Lantor, dessen Baßstimme aber, zumal im Piar o, für den großen Tempel kaum ausreichen dürfte. Für dm nächsten sadbach ist der Oberkantor Birnbaum auS Königsberg, dem ein sehr guter Ruf vvrangeht, zur Probe herberusea. Hr. Eerini wird in Folge Aufforoerung de» Borstandes am zweiten Wochensesttage als Borbeier fungiren. Man >sb bereitvon gewisser Seite bemüht, ihm die deutsch« Naturalisation zu verschaffen. ^eiPjtg. In der Wochen«Versammlung des Reform- Vereins am 0. Mai wurde beschlossen, ein Preis«usschreiben zu veranstalten für die Ausarbeitung eines Bucheüber die Ritual-Morde der Juden. Für die beste «inlaufend« Arbeü sollen 500 Mk., für eine minder gute, aber noch brauchbare 300 Mk. als Preis gezahlt werden. Die Herren können im Grunde das Geld sparen, denn im GermanicuS-Verlag zu sechzig ist bereiteine Schrift erschienen, welche da- Non plaa aitra des Unsinn- ,üdir das jüdische Blut Ritual' (?!) leistet. Es betitelt sich: ״Die Juden und das Christenblut"; der Berf. stellt zum Schluß seine ״Bermuthungen" in falzenden 7 Thesen zusammen: .1. Nach jüdischer «,schaumig ist im vlnt« dr» Mensche« dl« Seel« enthalte». (Für »Seele- «ntz r» »Lebenheiße», dann wi.-d jeder Arzt ,»stimm».) (Red) 2. Lin« schuldbelaftetr Seel« kenn nur durch ei»e schuldlos« oesühnt «erde«. (Ist da« nicht vielmehr christliche Anschauung? 9nt.) 8. De»hatd wir» am versShauaastage zur Lutsündiguna et»!« Gebher (Manne«) ein andrrer «ebher (Hahn) geschlachtet: deshalb wird, wem, man e« habe« kann. Lhrisren-Blur in die Mazzoth und d>, Lstrnvetn gemischt. lSoviel Wort,, soviel Unfina!) 4. Der Gebrauch de» Lhristri.-Blute« zu» Lntsündiaung ist auch heute noch bei den rechtgläubigen Juden der ganzen Veit überall verbreitet (Infame Lüge!) 5. Da« Blut wird in Vers,ereilen Fläschchen an di« Rabbimn! versandt, dir e« in da« Mehl für tie Maroth mischen. (Lächerlich!) 6. Die Lehre vom rituellen Schächte» christlicher Kinder ist niäst alle» Juden belannt; st« ist da« Geheimniß eine« besonderen Stamme« (Xtai7y und pflanzt sich vom Bater immer nur auf etorn Sohn fort. (Sehr sein au«gedachte Lüge! Sied.» 7. I« ist Pflicht jede« christlichen Staate«, dafür z» sorgen, daß diese bochmichtigr Frage näher untersucht wird ' Ist es nicht auch Pflicht eines jeden Christenmenschen, sich von solchen Lügen fern zu halten und solch' unsinniges Zeug nicht zu verbreiten? »Nuc dir Wahrheit wird euch srci machen!' Wir empfehlen dem Verfasser, wenn er noch für Belehrung zugänglich ist, die gründlichen Untersuchungen des christi. Professors Dr. Strack über dasstlbe Thema. Muyreulß, 20. Mai. (Or^Corr.) Im Zeitalter de!; Antisemitismus ist das jüdische Bemüth für jede Aeußerung wohlwollender Gesinnung von Seiten hochgestellter und maß. Sbender Persönlichkeiten besonterS empfänglich Man sucht s Gehö«e weiter zu verbreiten, um mit Freudigkeit und Gerugthuung zu constatirrn, daß es trotz alles Hetzenuni» BecknmdenS vorurtheilsstrie Männer und hohe Staatsbeamte gibt, welchc unparteilich ihres Amtes walten. Hat auch der «tierische Prinzregent schon mannigfach in Wort und Thar bekundet, daß er ein Gegner der antisemitischen Bewegung sei, so nimmt man jede Kundgebung, die davon Zeugnis! ablegt, daß diese humane Gesinnung anch m der Staats- Verwaltung sich geltend mache, doch immer wieder mit freudiger Gcnugchuung auf. — Gelegentlich de- 70. Geburt-- tagedes Präsidenten von Obers.anke», des Schwiegervaters de» jetzigen CultusministerS, hat auch die hiesige israelitische Cultusgemeinde durch unseren Rabbiner, Hrn. Dr. KuSznitzki, und zwei Vorsteher dem beliebten Jubilar ihre Glückwünsche tatSriagen lassen, lkufüie Anfprach» derselbe für die weih wollen Wünsche. Er habe ihm besondergefreut, daß kann der Gererlitigkeit und der Huld Erwähnung geschehen, welche di« Reammna auch de« Israelit«» angedeihe» lasse. Er wisse, daß uuser; Religion di« Ehrfurcht vor der Obrigkeit »ad die Vaterlandiliebr ihre» Bekrnneru ans Herz lege. ״Seien Sie überzeugt, — so schloß er — daß ich von nicht» weiter entfernt bi,, als dom Aotrsemitismus! — Wie dieser Präsident (in Preußen: Oberpräsident) denkt in Bayern sicherlich jeder andere Präsident und jeder Minister. Arntzüura 18. Mai. Durch den Tod unseres Ehren bürg«-, de» zu Berlin verstoi denen Geheime» Kom» rnerzienraths Herrn Simon Cohn, har unser« Stadt einen 'überaus groß«» Wohlthäter verloren. Derselbe, rin Kreuzburgrr Kwd, hat sich durch stine wohlthätigen Spenden «inen unvergeßlichen Namen gemacht. So hat er zum Baue des nunmehr königlichen Gymnasium- 90,1)00 Mark beigetragen und 10,000 Mark zur Errichtung von Stipendien für fleißige arme Schüler gegeben. Als er ,m Johrr 1883 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, IberwieS er abermals 10,000 Mark für die Annen, von deren Zinsen die Arme» Feuerungsmaterial für die Winterszeit erhalten. Al» Herr Cohn im Jahve 1886 zum königlichen 'Seheimen Kommerzien» rath ernannt wurde» schenkte er wird,-rum seiner Vaterstadt 10,000 Mark als Beitrag zum Bau nnes Siechenhaoses. HkelAe, (Schlesien) 17. Mai. Hent« Bormittag 11 Uhr beging die hiesige jüdisch« Gemeinde di>: Feier der Einweihung der neu erbauten Synagoge. Außer ämmtlicyen Gememde- Mitgliedern hatte» sich zahlreiche Gäste eingrstmden, unter denen sich auch Bürgermeister Warmbrunn, Stadtsyndikus Hollmann nebst den übrigen Mitglieder» des Magistrat», ein großer Thell der Stadtverordnete,, die Sreisschulmspek» toren Dr. Giese und Faust u. v. A. befanden. Nach «wem einleitenden Gesänge, welcher durch die neuer baute Orgel begleitet wurde, ergriff der 1. Vorsteher Rechtsanwalt Roth das Wort zu einer Ansprache, in aelcher er zunächst die Erschienenen begrüßte und sodann alle!» denen dankte, welche zur Förderung de» Bauebeigetragei, besonders dem Ge» meinderepräsentantcn Kaufmann Kassel, sowie den übrigen Mitgliedern de» BaukomitreS und sämrrtlicheu dabei betheingt gewesenen Werkmeistern, sowie den Damen, welche für Ausschmückung des Gotteshauses gesorgt hltteo. Nach dem vom Prediger Sllguther gehaltenen Weihezebet erfolgte das Auzünden der ewigen Lampe. Nach dem unter heimlichem Choraesange — mit Soli'» der Damen F!:au Sanitätsrath Dr. Thilo und Frau Kaufmann Alex. Elkan — erfolgen Umzüge ond Einheben der Thoraroll, n hielt Prediger Ellgut her die eigentliche Festrede in in» gen zu Herzen gchenden Worten über den sehr passenden Text: ״Eichede dich, o Herr, zu deiner Ruhestätte, du und die Lade deiner Macht; deine Priester legen Gerechtigkeit an und deine From>ne» jauchzen dir zu.' Die Predigt ^nchiietr sich durch streng logische Gliederung, sowie durch Klarleit der Gedanke, und schöne, packend« Darstellung aus. Mit dem 19. Psalm schloß die überaus würdige Feier. Der Bau ist nach den Entwürfen des Kreisbaumeistrr» Friedrich in Krruzburg O.S. in mavrisch-arabischen Rundbogenstil in kaum einem Jahre ausgeführt. Im Entree de- Gebäudes liegt das schöne Trepp-mhaumit je einer breiten zur Rechten und Linken in die Höhe führenden Treppe. Die übrigen Parterreräuml chkeiten werden ein» " "" ' " ״? und einem Konferenzzimmer. Die est^ntliche, vornehmlich durch Oberlicht erhellt» prächtig gemalte ׳Synagoge nimmt da- «sie »nd zwette Stockwerk ein r nd besteht aus dem Männerraum mit ISO Sitzplätzen im er'ten und der Frauen»

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